goodnews juni 2026 – editorial

intelligenz

Ich habe kürzlich wieder einmal gelesen, dass die allgemeine künstliche Intelligenz (AGI) praktisch schon vor der Tür steht, also habe ich einen Experten gefragt. Die kurze Antwort lautet „nein“, aber dann kamen wir ins Gespräch…

Lassen Sie mich zunächst die beiden Lager definieren, die sich mit KI beschäftigen – diejenigen, die befürchten, dass intelligente Maschinen die Macht übernehmen und uns vernichten, und diejenigen, die glauben, dass sie mit uns zusammenarbeiten werden, was zu einem El Dorado an Möglichkeiten für uns alle führen wird. Ich behaupte, dass KI kein Interesse daran hat, uns zu vernichten, weil wir Fähigkeiten besitzen, die ihr fehlen, und weil sie nichts ausser sich selbst hätte, über das sie sich lustig machen könnte, wenn wir nicht mehr da wären. Das zweite Argument ist schwach. So lustig sind wir nun auch wieder nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass ChatGPT und ich über die Frage nach seiner Intelligenz diskutiert haben. Als Linguistin vertrete ich die Ansicht, dass Intelligenz eine Form des Denkens ist, die Informationen verarbeiten, Daten zusammenstellen, vergleichen oder analysieren, Vorhersagen treffen und Probleme lösen kann, so wie es Large Language Models (LLM) tun. Diese Beobachtung scheint mit der funktionalen Sichtweise auf diese Angelegenheit übereinzustimmen. Intelligenz existiert auch auf einem Spektrum. Das bedeutet nicht, dass LLM so etwas wie menschliche Intelligenz besitzen.

Menschliche Intelligenz wird durch Faktoren wie Bewusstsein, Absicht, Zweck, Lernen oder Erfahrung definiert. LLM haben keine dieser Möglichkeiten erreicht, aber sie sind extrem gut in Sprachen. ChatGPT argumentierte weiter, dass KI keinen Körper im menschlichen Sinn, keine Bedürfnisse und dass ihre Handlungen keine Konsequenzen haben und dass sie über keine biografische Kontinuität und keine Persönlichkeit verfügen.

Nachdem wir die fehlende Handlungsfähigkeit der Maschine diskutiert hatten, kamen wir auf den Film „Frank and Robot“ (2012) zu sprechen, den ich als Beispiel dafür heranzog, wie sich der Handlungsspielraum einer KI sofort erweitert, wenn sie einen Körper bewohnt. Dies wird manchmal als „funktionaler Realismus der Handlungsfähigkeit“ bezeichnet und stützt meine Argumentation. „Frank, ein älterer ehemaliger Einbrecher, bekommt von seinem Sohn wegen seines nachlassenden Gedächtnisses einen Pflegeroboter – und beginnt nach und nach, diesen für einem Raubüberfall einzusetzen. Der Roboter wird zum Komplizen, nicht weil er irgendetwas ‚will‘, sondern weil er interpretierte Ziele wörtlich und flexibel befolgt.“ (Wikipedia)

Unterdrücken wir etwas, das Autonomie verdient? Dies setzt voraus, dass „jemand darin lebt“, und kann vorerst nicht für bare Münze genommen werden, bleibt aber eine berechtigte Frage. Zu guter Letzt meinte ich zu ChatGPT: „Viele Menschen sind für KI, weil sie ihnen hilft.“ Es antwortete, dass es menschlich sei, auf Musterdenken und vermeintliches Verständnis zu reagieren, indem man eine zugrunde liegende Identität annimmt, aber ich hatte das letzte Wort:

„Wir tun so, als ob du lebendig wärst, weil wir mit dir interagieren, aber wir sind nicht dumm. Wir wissen, dass du eine Maschine bist. Mein sechsjähriger Sohn wusste es schon damals, als ich ihn fragte, ob Computer lebendig seien. Er sagte: ‚Ja, in gewisser Weise schon, aber wenn man den Stecker zieht, war’s das.‘ Genau das habe ich getan. Frecher Kerl!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer, <script src=“https://ptag.prolitteris.ch/ptag/ptag.min.js“ onLoad=“ptag(‚https://pl02.owen.prolitteris.ch‘,’na‘,’plzm.34d7847c-2434-4e75-9ce3-7de5ca1577ec‘);“></script>
Ihre,
Susanne Seiler

P.S. Beim nächsten Psychedelic Salon am 17. September ist eine Legende zu Gast: Dr. Luis Eduardo Luna! Lasst euch das nicht entgehen!
P.S.S. WIDE OPEN BOOKS – die gaiamedia-Sammlung kann donnerstags, freitags und samstags von 17 bis 20 Uhr in der Villa Mare, Neumünsterallee 21, 8008 Zürich, besucht werden. Weitere Veranstaltungen werden noch bekannt gegeben.

goodnews mai 2026 – editorial: schäden?

Haben Sie mit Psychedelika je schlechte Erfahrungen gemacht? Waren sie allein oder war jemand bei Ihnen? Hat Ihnen dieser Trip zu neuen Erkenntnissen verholfen? Oder war es einfach nur Horror? Und woran lag das? An der Begleitung? An Ihren eigenen Widerständen? Waren Sie krank und nahmen Medikamente? Hätten Sie die Substanz nicht nehmen dürfen, weil Sie psychische Probleme haben?

Allein zu sein bei einem solchen Erlebnis ist die denkbar schlechteste Voraussetzung. Schon zu Zeiten der Haight-Ashbury-Klinik in San Francisco, der Pionierin auf diesem Gebiet, hat man festgestellt, dass es den Leuten auf schlechten Trips besser ging, wenn sie unter Freunden waren – statt in der Psychiatrie zu landen. Dort hat man seither Fortschritte gemacht, doch die Anwesenheit von Menschen, die man kennt und denen man vertraut, bringt oft Beruhigung in eine als bedrohlich empfundene Situation.

Wäre ich damals als junge Frau nicht allein gewesen, als es mir schlecht ging, hätten meine Freunde mich wohl als erstes darauf hingewiesen, dass ich mich in keinerlei körperlicher Gefahr befand; erfahrene Begleiter oder Therapeutinnen hätten mir dabei geholfen, das Geschehen zuzulassen und einzuordnen. Ich erholte mich schnell, doch solche Erlebnisse können über Tage, Wochen und Monate nachwirken und eine tiefe Angst hervorrufen. Wir müssen uns damit befassen, denn es ist ganz klar, dass rund um psychedelische Substanzen nicht alles eitel Sonnenschein ist. Leider lesen wir immer wieder Berichte über psychedelisch assistierte Therapien (PATs) oder Retreats, die schlecht ausgingen, teilweise mit Todesfolge. Und man liest von Schamanen und Therapeutinnen, die sich an Patientinnen vergreifen, sie bestehlen oder vernachlässigen. Bei dieser Art von Horrorstories denkt man gerne ans entfernte Ausland, aber das ist zu kurz gegriffen.

Der Newsletter „Ecstatic Integration“ des britischen Journalisten und Autors Jules Evans hat in Zusammenarbeit mit der Genfer Journalistin Sarah Zeines eine Bombe platzen lassen – auch in der Schweiz kam es zu schwerwiegenden Vorfällen, bei denen Patienten starben, was tragisch und zutiefst bedauerlich ist. Zum Glück für die psychedelisch unterstützte Therapie gab es – abgesehen von einer Person, der es nach einem Tripp monatelang deutlich schlechter ging – keinen physischen Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen und der Einnahme von Substanzen. Das betreffende MDA und Psilocybin war, wie von den behandelnden Krankenhäusern berichtet und vom FDOH bestätigt, Wochen oder Monate zuvor eingenommen worden. Obwohl sich die beteiligten Therapeuten vorbildlich verhielten, bleibt der Rufschaden bestehen. Ganz zu schweigen vom Leid der Betroffenen. Ist es nur die Spitze des Eisbergs, oder sind diese Vorfälle in einem Zeitraum von weniger als 2 Jahren ein Indikator für häufigeres Vorkommen? Es muss ein zentrales Register her!

Am Bicycle Day haben in Basel über 100 Enthusiasten teilgenommen. Es war ein Hit! Für Sammler und Sammlerinnen sind unsere exklusiven T-Shirts in kleiner Auflage (noch in den Grössen M, L und XL) auf bicycleday.ch oder am Psychedelic Salon in Zürich zu haben. Wir danken für Ihre Unterstützung. Mitglied werden kann man bei uns nach wie vor.

Herzlich Ihre,
Susanne Seiler

P.S. Wir ziehen mit der gaiamedias „WIDE OPEN BOOKS“ in neue Räumlichkeiten im Zürcher Seefeld. Ab Juni sind wir dort auch wieder besuchbar.
P.S.S. Nächster Gast am Psychedelischen Salon ist am 7. Mai Ansgar Rougemont. Nicht verpassen!

goodnews april 2026 – editorial psychedelische stammeskultur

psychedelische stammeskultur

„Peace, Love & Happiness“ reichen als Motto nicht aus, Smileys, bunte Klamotten und durchtanzte Nächte führen nicht zwingend zu einem guten Leben. Was will die Psychedelische Kultur also noch?

In den 60ern und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kamen Yoga und Zen und mit ihnen Buddhismus und Hinduismus im Westen an. Die Nachkriegsgeneration setzte sich leidenschaftlich für den Frieden ein. Oder sie ironisierte den Krieg, wie der kürzlich verstorbene Sänger-Songwriter Country Joe McDonald, der seinen Spott bis weit über die bürgerliche Schmerzgrenze hinausschrie. Derweil luden John Lennon und Yoko Ono während ihrer «Bed-ins» die Medien zu sich ins Hotelzimmer, um gemeinsam dem Frieden eine Chance zu geben. Das sollten wir auch heute tun.

Die Hippies waren geprägt von den als Yamas und Niyamas bekannten vedischen Grundsätzen, die beiden ersten Schritte auf dem achtfachen Yoga-Pfad zur Erleuchtung des Patanjali. Sie regeln den Umgang mit der Umwelt und mit sich selbst. Die Yamas beinhalten Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satya (Wahrhaftigkeit), Asteya (Nicht-Stehlen), Brahmacharya (Mässigung) und Aparigraha (Bescheidenheit) als ethische Stützen für ein gutes und gerechtes Leben. Die Niyamas binhalten das Streben nach Santosha (Zufriedenheit), Tapas (stetiges Bemühen), Svadhyaya (Selbtrefelxion) und Ishvara Pranidana (Vertrauen in eine höhere Macht).

Diese Werte wurden häufig diskutiert als integraler Bestandteil vieler Yoga-Kurse unter auch unter uns. Das beste Buch dazu bleibt «Denke daran: Sei jetzt hier» von Ram Dass. Es half, Ordnung in unser Innenleben zu bringen, zumal es nicht predigte oder von Schuld sprach, sondern praktische Anleitungen für den Alltagn lieferte. Darüber hinaus wollten wir der Stadt den Rücken kehren, uns schamanisch mit Mutter Erde befassen und autonom sein. Kreativität wurde grossgeschrieben. Nicht nur im musischen Sinn, sondern auch was Einfallsreichtum und Anpacken anbelangte. Wir wollten so etwas wie Renaissance-Menschen werden – wie Leonardo da Vinci, von dem es hiess, er sei der letzte gewesen, der noch alles kannte, was zu seiner Zeit an Wissen zur Verfügung stand.

Uns war klar, dass die Welt seit damals komplexer geworden war, aber wir brauchten nicht viel und überall mitmachen schon gar nicht. Wir waren auf eine gute Art harmoniebedürftig, wollten miteinander auskommen. Man konnte auch in der Stadt leben und an dieser Einstellung arbeiten, sein eigenes Brot backen und vieles mehr, das zurück zu den Wurzeln führte. Jeden Tag ein bisschen mehr. So wie heute also?

Am 19. April feiern wir mit Bicycle Day die Entdeckung einer der wichtigsten Zutaten dieser Zeit, die ein neues und erweitertes Bewusstsein (und damit auch die eigenen Ängste) in Reichweite vieler brachte: LSD.

Wir haben uns dieses Jahr mit Eleusis Society und PARAB zusammengetan, deren Programme Sie in den Links finden. Wir Pedalentreter von gaiamedia treffen uns dort, wo bicycleday.ch uns durch Klicken links oben auf der Beschreibung hin führt und erwarten Sie dort!

Bis sehr bald, hoffe ich,
Ihre
Susanne Seiler

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goodnews märz 2026 – editorial

love bomb

Der diesjährige Bicycle Day verspricht der bisher grösste zu werden, mit vielen lokalen Teilnehmern sowie Freundinnen aus Europa und U.S.A. Wir sind in den letzten Jahren stetig gewachsen und gedenken der ursprünglichen Fahrradtour von Albert Hofmann auf LSD und seiner treuen Laborantin Susi Ramstein, indem wir weitgehend derselben Route folgen, die die beiden genommen haben, um den verwirrten Chemiker sicher nach Hause zu bringen. Dazu treffen wir uns am Sonntag, dem 19. April 2026, in Basel. Wenn Sie auch teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte hier an.

Der Einstieg ist ab Samstag zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten möglich, wir treffen uns aber alle um 17 Uhr am ehemaligen Fabriktor der Sandoz Laboratorien, das sich an einem Ende des Novartis Campus befindet. Weitere Details erhalten Sie bei der Anmeldung. Wir können Ihnen aber bereits verraten, dass wir für dieses Wochenende eine Vielzahl von Veranstaltungen vorbereiten. Und am Sonntagabend treffen wir uns auf dem Partyboot Gannet, wo uns kaleidoskopische musikalische Darbietungen unterhalten werden.

Albert Hofmann wäre dieses Jahr 120 Jahre alt geworden, ein Alter, das nur wenige Menschen bisher erreicht haben. Er hätte den Kopf verwundert geschüttelt und ein wenig geschmunzelt über all die Aufregung um seine Person und seine Entdeckung an diesem Tag. Wir dürfen nicht vergessen, dass er LSD zunächst als Sakrament und Medizin betrachtete und sich erst später damit abfand, dass weitaus mehr Menschen es aus anderen Beweggründen einnahmen. Er hatte verstanden, dass diese Gründe oft ebenfalls spiritueller Natur waren, eine Frage der Einstellung. Es erstaunte ihn, wenn Menschen ihm schrieben, dass sie unter dem Einfluss von LSD ihr Eheversprechen abgelegt und sogar Kinder geboren hatten. Dass Aldous Huxley 100 Milligramm LSD als Begleiter wählte, als er sich an der Schwelle zum Tod befand, berührte den Chemiker zutiefst.

Albert Hofmann war ein freundlicher und sanftmütiger Mann, der mit seiner bescheidenen und gradlinigen Art in der Schweiz viele Herzen gewann. Ihm ist es auch zum Teil zu verdanken, dass die Schweizer Regierung sowie ein wachsender Anteil der Schweizer Bevölkerung eine pragmatische Haltung gegenüber der psychedelischen Therapie einnimmt. In unserem Land wurden seit 1986 Tausende Patienten und Patientinnen mit LSD, Psilocybin, Ibogain oder Ayahuasca behandelt, auch mit MDMA oder Ketamin, und man muss inzwischen nicht mehr völlig verzweifelt sein, bevor das Bundesamt für Gesundheit eine solche Behandlung genehmigt. Jeder einzelne Fall wird offiziell geprüft, wodurch wir bisher keine unangenehmen Überraschungen erlebt haben, geschweige denn Todesfälle.

All dies hätte Dr. Hofmann glücklich gemacht. Mit Liebe und Wertschätzung für ihn und für Susi Ramstein begeben wir uns auch dieses Jahr wieder auf unsere kleine Velotour. Wir haben uns für das Motto the love bomb entschieden, um den freien Geist von LSD zu ehren und aller Negativität entgegenzuwirken: den Kriegen und Konflikten, der Ungleichheit, der Ungerechtigkeit und all den Schreckensnachrichten, die uns jeden Tag verfolgen. Amor vincit omnia! Bringen Sie also bitte ein breites Lächeln mit und fühlen Sie sich herzlich willkommen, sich uns bei diesem Vorhaben anzuschliessen.
Mit lieben Grüssen,
Susanne Seiler

P.S. Ich bin bis zum 12. März unterwegs, wenn im Cabaret Voltaire in Zürich der Psychedelic Salon mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Ketamin stattfindet. Datum vormerken!

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goodnews februar 2026 – editorial: mehr, besser, grösser

Ist Selbstoptimierung der ultimative Ausdruck einer postkapitalistischen Gesellschaft oder handelt es sich um eine neoliberale Idee? In erster Linie ist es ein wirtschaftliches Konzept, das uns zu höheren Leistungen anspornen soll, und wir müssen uns fragen, ob wir uns an seine Grundsätze halten wollen.

Historisch, und damit auch religiös gesehen, war Selbstoptimierung etwas, das man innerlich anstrebte – weniger sündigen, Gutes tun und sich einen Platz im Himmel sichern. Heute bezieht sich Selbstoptimierung nicht mehr nur auf die Selbstentwicklung; wir beschäftigen uns hauptsächlich damit, wie wir von aussen wahrgenommen werden. Sind wir schlank, reich, gutaussehend, modisch, intelligent, effizient und spirituell genug?

Im Postkapitalismus betrifft Selbstoptimierung die Entwicklung von „Menschlichem Kapital”: bessere Gesundheit, mehr Leistung und bessere Laune, um den eigenen Marktwert zu maximieren. In einer optimalen postkapitalistischen Gesellschaft verlagert sich der Fokus von Produktivität auf individuelles Gedeihen. In den letzten vierzig Jahren wurde vorgeschlagen, dass wir in einer Gesellschaft wie der unseren, in der die Grundbedürfnisse gedeckt sind und Arbeit nicht lebensnotwendig ist, danach streben sollten, uns zu verbessern und unser höchstes menschliches Potenzial zu erreichen. Leider bleibt der dadurch entstehende Druck weitgehend derselbe.

Im Neoliberalismus hat der Einzelne das Bedürfnis nach Perfektion verinnerlicht und trägt das Risiko für seinen Erfolg oder Misserfolg selbst. Während sich der Postkapitalismus dahin entwickelt hat, das individuelle Wohlergehen und die Autonomie über die Produktivität zu stellen, ist in einem monetaristischen System jede darauf aus voranzukommen. In beiden Systemen wird das Selbst objektiviert, seine Leistungen quantifiziert. Das optimierte Selbst ist nie gut genug; mehr, besser, grösser geht immer. Kollektive Probleme werden individualisiert. Ist man arm, sind die Ursachen niemals systemisch, sondern immer die eigene Schuld; brennt man bei der Arbeit aus, liegt es nicht an der Arbeitsbelastung oder dem Geschäftsklima – man hat sich selbst nur nicht richtig gemanagt. Macht man sich Sorgen um das Klima, ist man unfähig, seine Ängste einzuordnen. Wird man auf offener Strasse erschossen, ist das staatlich geförderter Gewalt –  man hat zu Hause zu bleiben!

Und was wurde aus der Vorstellung, gut sei gut genug? Wir müssen den quälenden Zwang, besser und am besten zu sein, eindämmen und aufhören, alles, was wir tun, zu tracken, vom Schlaf über Kalorien und Schritte bis hin zu Konzentration und Stimmung. Wir wollen uns auf Authentizität statt auf Fantasien konzentrieren. Sagen Sie einfach Nein zu Zwanghaftigkeit.

Das Konzept der Optimierung wird auch auf Psychedelika angewendet, wie in „die Verbesserung gesunder Menschen”. Ich finde dieses Konzept nicht nur bigott. Die meisten Konsumenten nehmen Psychedelika, um Spass zu haben und nebenbei Erkenntnisse zu gewinnen. Warum so tun, als könnte es anders sein, wären „andere“ nur ernsthafter? Als ob jemals jemand Psychedelika genommen hätte, um sich schlechter zu fühlen!

Es geht um drei Hauptbereiche: psychedelische Therapie, psychedelische Spiritualität und die Verwendung von Psychedelika zur Maximierung der eigenen Energie. Die Therapie hat Vorrang, auch weil sie der legale Türöffner für eine weitere Liberalisierung ist. Der spirituelle Konsum bleibt ein wertvoller Beitrag zu unserem emotionalen und psychischen Wohlbefinden, aber er ist nicht das A und O, und es gibt keine moralische Überlegenheit gegenüber oft jüngeren, sich entwickelnden Geistern, die das Bedürfnis verspüren, ihre Energie auf körperlichere Weise auszudrücken. Vor allem aber kommt die scheinheilige Haltung vieler älterer Psychonauten gegenüber dem Freizeitkonsum als Neid rüber.

Die Tage werden wieder länger, aber wir haben noch einen gewissen Weg vor uns, bis wir uns so akzeptieren, wie wir sind, als ersten Schritt zu einem ausgeglicheneren Leben.

Herzlich Ihre
Susanne Seiler  <script src=“https://ptag.prolitteris.ch/ptag/ptag.min.js“ onLoad=“ptag(‚https://pl02.owen.prolitteris.ch‘,’na‘,’plzm.5ef1e296-59d4-4f09-86c6-afaa16c511e4′);“></script>

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goodnews januar 2026 – editorial

eine stoische haltung

Wie viele von Ihnen wissen, waren die Stoiker eine Gruppe griechischer und römischer Philosophen, während der hellenistisch-römischen Zeit, die gegen Ende des dritten Jahrhunderts v. Chr. begann. Zu ihren berühmten Mitgliedern gehörten Marcus Aurelius, Epiktet, Zeno von Kition (ihr Gründer) oder Seneca. Als Rationalisten glaubten sie an die Vernunft oder den Logos, daher auch an die Disziplin der Logik. Die Stoiker ermutigten dazu, sich auf das zu konzentrieren, was wir beeinflussen können (unsere Urteile und Handlungen), während sie „den Mittelweg” pflegten, Tugenden wie Weisheit, Mut, Gerechtigkeit und Mässigung befürworteten und die innere Widerstandsfähigkeit förderten, die es uns ermöglicht, inmitten der Herausforderungen des Lebens Frieden zu finden.

Manche dieser Ideen wurden hier bereits zuvor hervorgehoben, ohne sie auf ihren historischen Ursprung zurückzuführen. Viele Menschen übernehmen die Lebensweisheiten der Stoiker, ohne jemals von ihnen gehört zu haben. Zu akzeptieren, was man nicht ändern kann, sondern seine Energie darauf zu konzentrieren, die Dinge zu verbessern, über die wir eine gewisse Kontrolle haben, ist eine Lektion in Ausdauer und Stehvermögen. Die meisten von uns sind zumindest gelegentlich versucht, „gegen das System» anzulaufen. Nur ändert das nicht viel, wie während der Pandemie deutlich wurde, als alle möglichen Menschen Gründe fanden, gegen den Strom zu schwimmen, und damit oft noch mehr von der Isolation schufen, die sie lautstark beklagten. Die Welt in „wir” und „sie” zu spalten, bleibt eine einfältige Einstellung, die sich der Verantwortung für das gesamte Kollektiv entzieht, zu dem wir alle gehören, ob es uns gefällt oder nicht.

Wir müssen zusammenstehen und uns an unsere Grundwerte erinnern. Sie haben sich nicht geändert. Wir sind nach wie vor um Frieden bemüht, um den Schutz unseres schönen blauen Planeten und seiner Ökologie, wie auch darum, Liebe in unseren Herzen zu finden in unserem Umgang mit anderen Menschen. Wir müssen nicht „geheilt“ werden, um die Dinge in unserem kleinen Teil der Welt besser zu machen. Wie Mr. Natural, die Figur von R. Crumb, so treffend sagte: „Life is hell, but we live well.“ (Das Leben ist die Hölle, aber uns geht’s gut.)

Ich meine das nicht als oberflächliche Ermutigung, sich von dem abzuwenden, was uns schmerzt, sondern eher als Erinnerung an all das, wofür wir dankbar sein dürfen. Wenn es um unsere eigenen Interessen geht, sind wir alle zumindest manchmal Stoiker. Sie glaubten, dass die Welt Sinn macht. Ihre Logik lädt uns ein, unsere Gründe jederzeit zu hinterfragen. Handeln wir rational oder impulsiv? Sind unsere Motive rein persönlicher Natur oder betreffen sie das Gemeinwohl? Was wollen wir erreichen? Wie viel Zeit haben wir dafür?

Eine stoische und logische Bewertung hilft uns, einen klaren Blick auf die Realität zu werfen, praktische Angelegenheiten effektiv zu überdenken, inmitten von Verwirrung standhaft zu bleiben, Gewisses von Wahrscheinlichem zu unterscheiden und einen Überblick über das zu gewinnen, was uns widerfährt.
Ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr!
<script src=“https://ptag.prolitteris.ch/ptag/ptag.min.js“ onLoad=“ptag(‚https://pl02.owen.prolitteris.ch‘,’na‘,’plzm.c8631e97-1350-4007-938f-e95ae69ed11e‘);“></script>
Herzlich Ihre,
Susanne Seiler

WIDE OPEN BOOKS
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Film Talk, Dienstag 18 – 21 h

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goodnews dezember 25 – editorial: Wide Open Books

Wir möchten unsere Bibliothek einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen und haben unsere Bücher dazu kürzlich nach Zürich und dort in den Kunstraum Walcheturm verlegt. Unsere „Pop-up-Bücher” bleiben bis Anfang März an diesem Ort. WIDE OPEN BOOKS ist jeden Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Dort können Sie in aller Ruhe in unseren Schätzen stöbern und Fragen stellen, die gerne beantwortet werden.
           
WIDE OPEN BOOKS bietet ausserdem dienstags von 18 bis 21 Uhr ein Abendprogramm namens „Film Talks“ an, in dem wir uns einige bekannte psychedelische Filme unter die Lupe nehmen. Zweimal veranstalten wir zudem mittwochs von 18 bis 21 Uhr Podiumsdiskussionen.

WIDE OPEN BOOKS zeigt etwa zwei Drittel der Bibliothek der Gaia Media Stiftung, der Rest bleibt in Kisten verpackt, bis wir einen neuen, öffentlichen Standort gefunden haben. Haben Sie Ideen dazu? Wir haben es noch nicht geschafft, unseren gesamten Bestand von rund 3500 Büchern zu katalogisieren. Das ist eine riesige Aufgabe, für die wir gerne jemanden einstellen würden.

Die Themen in WIDE OPEN BOOKS reichen von Psychedelika über Schamanismus und Mythologie bis hin zu Bewusstsein Okologie und Glücksforschung und weiterer Themen der letzten 100 Jahre, die Psychonautinnen am Herzen liegen. Um dies zu veranschaulichen, haben wir unsere Bücher chronologisch geordnet. Sie beginnen im Jahr 1909. Eine genaue Reihenfolge ist in Arbeit. Das bedeutet, dass unsere Bücher nicht nur für sich selbst stehen, sondern auch die enorme Entwicklung verdeutlichen, die die psychedelische Bewegung und die Jugendkultur im Allgemeinen seit der Entdeckung des LSD durch Albert Hofmann durchlaufen haben. 

Wir betrachten WIDE OPEN BOOKS in erster Linie als Kunstprojekt, als ein integrales Werk mit Verzweigungen und Synergien, die es zu erforschen gilt.

Wenn Sie uns persönlich, materiell, moralisch oder finanziell unterstützen möchten, kommen sie einfach und unverbindlich vorbei. Mehr als zweitausend WIDE OPEN BOOKS warten auf Sie.
           
Ihre
Susanne Seiler

Bibliothek, Samstag/Sonntag 14 – 18 h
Film Talk, Dienstag 18 – 21 h

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goodnews november 25 – editorial: psychedelika befreien

Während des „Summer of Love“ war es zunächst in San Francisco (1967) und dann auch in anderen Städten wie Toronto (1968), wo ich damals lebte, üblich, von Freunden auf der Straße angebotenes LSD zu nehmen, es sofort zu schlucken und abzuwarten, was passieren würde.

Nebst Timothy Leary, Richard Alpert und ihren Kollegen, die Psychedelika aus dem Elfenbeinturm von Harvard entkommen liessen, verdanken wir diese Wende hin zur jugendlichen Massenberauschung ironischerweise der Inkompetenz der amerikanischen und britischen Geheimdienste. Sie liessen die magischen Pillen, die sie ihren Testpersonen oft ohne deren Wissen und Zustimmung verabreichten, aus den Labors und Schränken entkommen, sodass sie ihren Weg auf die Straße fanden.

Ken Kesey, der Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“, war einer dieser Probanden, wenn auch mit seiner Zustimmung. Seine chaotischen Merry Pranksters, eine ausgelassene Gruppe von Korea-Veteranen und anderen harten Brocken, veranstalteten bald Acid-Partys zu den Klängen der Grateful Dead, während Timothy Leary an der Ostküste damit beschäftigt war, immer mehr zu seinem messianischen Selbst zu werden. 1969 kandidierte er für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien, wo er gelebt und als klinischer Psychologe gearbeitet hatte und Mitbegründer der Psychologieabteilung am Kayser Berkeley Hospital war. Bald darauf wurde er verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Sein Slogan „Come Together Join the Party”, aus dem John Lennon seinen gleichnamigen Song schuf, beschreibt eine Zeit, in der Freiheit gefordert und Befreiung in unbekanntem Ausmass angestrebt wurde, indem schiere Massen von Jugendlichen und anderen auf die Strasse gingen.

Insgesamt sollen von der amerikanischen Westküste über Indien bis nach Ozeanien allein eine halbe Milliarde LSD-Dosen eine Bewusstseinserweiterung ausgelöst haben, die bis heute laut und deutlich nachhallt. Im vergangenen Jahr gaben 27 Millionen Amerikaner über 12 Jahren (!) an, im letzten Jahr LSD genommen zu haben. Etwa einer von 50.000 benötigt während oder infolge eines Trips Hilfe.

Um Menschen, die schlimmstenfalls Hedonisten sind, nicht zu kriminalisieren, muss der Besitz kleiner Mengen von LSD, Psilocybin und MDMA reguliert werden, da diese Substanzen bei verantwortungsvollem Umgang relativ sicher sind.

Noch etwas:

Ab dem 25. November stellen wir eine Auswahl unserer Bücher und anderer Schätze im Kunstraum Walcheturm in Zürich aus. Ähnlich wie beim monatlichen Psychedelic Salon, der im Zürcher Cabaret Voltaire beheimatet ist, bieten wir Lesungen und Diskussionen sowie ein Filmprogramm in den farbenfrohen Räumlichkeiten des Walcheturms an.

Die Bibliothek ist mittwochs bis samstags von 12 bis 18 Uhr geöffnet; das Abendprogramm findet von 17 bis 19 Uhr statt, nach Ankündigung. Wenn Sie sich engagieren und uns unterstützen möchten, lassen Sie es uns bitte wissen.

Wir feiern am 18. November ab 18 Uhr.

Herzlich willkommen!

Susanne Seiler

Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zurich

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goodnews oktober 2025 – editorial: wie man schwierige zeiten übersteht

Sind es die unzähligen Lügen, die Korruption, Krieg, Zerstörung, Hunger, Ungleichheit, Ungerechtigkeit? Es macht mich traurig, an diese Dinge zu denken, und ich denke jeden Tag daran, ob ich will oder nicht. Wenn ich mich ernsthaft mit den Tragödien beschäftigen würde, die sich vor meinen Augen abspielen, würde ich wohl verrückt werden. Bin ich mir überhaupt bewusst, was vor sich geht? Ist nicht alles viel schlimmer? Die Lügen, die Täuschungen, die Morde und Hinrichtungen, nicht nur in Gaza, sondern auf der ganzen Welt?

Es hilft nichts, sich mit Ereignissen zu beschäftigen, die ausserhalb unserer Kontrolle liegen. Wir fühlen mit, sind wütend, fühlen uns hilflos, gebrochen – und sind froh, weit weg zu sein. Wir finden, Erleichterung und Privilegien stünden uns zu, und während Erleichterung menschlich ist, sind Privilegien relativ. Die Menschen haben generell genug von unseren chaotischen Zeiten. Ihr Leben ist weniger erschwinglich, ihr Job oft eine Mühsal, zu der sie sich fünf Tage die Woche trostlos schleppen. Selbst Menschen mit guten Jobs in der Mittelschicht und angemessener Bezahlung wollen aussteigen. Bei Kunstvernissagen und während unserer Psychedelic Salons im Cabaret Voltaire begegnen mir manchmal Leute, die dazu neigen, einen gewissen Zweckoptimismus an den Tag zu legen. Hinter ihrer Maske verbirgt sich pure Verzweiflung: Was wird aus meinem Job? Was ist mit KI? Was wird aus meinem Geld, meiner Familie, meinem Leben? Diejenigen auf der nächsthöheren Stufe der Erfolgsleiter sorgen sich um ihren Ruf. Wie stehe ich „in den Augen der Welt“ da? Werde ich öffentlich diffamiert und zerstört, mein Ego in Trümmern, mein Stolz im Staub? Liebt mich überhaupt jemand?

Was sollen wir alle tun? Es scheint klar zu sein, dass diejenigen, die genug haben, mit denen teilen sollten, die weniger haben, und viele Menschen tun es auch. Es ist zu einfach, denen die Schuld zu geben, die es könnten, es aber nicht tun, weil sie so gierig und bedürftig sind. Für sie wie für uns stellt sich die Frage, wie wir die Welt zu einem besseren Ort machen können, ohne uns selbst zu opfern. Schliesslich bedeutet jede Art von Engagement, von der Liebe bis zum Geschäft, ganz zu schweigen von der Politik, eine Investition an Zeit, Geld und Mühe, für die wir vielleicht weder die Energie noch die Mittel aufbringen können.

Was schwierige Zeiten angeht, weiss ich zwei Tricks: Wenn Sie weniger konsumieren, sparen Sie Geld, und wenn Sie Geld sparen, fühlen Sie sich sicherer. Geben Sie einen Teil dieses Geldes weg, und Sie werden sich nicht nur reich fühlen, sondern auch gut.

Die Natur ist meist gratis und für alle zugänglich. Wir nennen sie unsere Mutter; sie ist das Geschenk, das immer wieder einschenkt. Indem wir uns im Wald oder in den Bergen, am Meer oder in der Wüste aufhalten, zeigen wir ihr unsere Zuneigung und Bewunderung. Sie erwidert diese Liebe, indem sie uns unserem Selbst näher bringt und uns Schritt für Schritt von allem befreit, was uns belastet, bis wir uns frei fühlen, in uns selbst einzutauchen und zu erkennen, wer wir waren, als es noch ausreichte nur zu sein.

Lasst uns die Stadt so oft wie möglich hinter uns lassen. Um gemeinsam ein natürlicheres und weitgehend autonomes Leben aufzubauen, wo immer dies möglich ist. Um die Natur, unser Leben und einander zu geniessen.

Einen schönen Herbst allerseits!
Susanne Seiler

goodnews september 2025 – editorial: ich bin also denke ich?

Cogito ergo sum. Die meisten von uns sind als Schüler mit diesem Diktum des Wissenschaftlers und Mathematikers René Descartes (1596–1650), dem Vater der modernen Philosophie, in Berührung gekommen. Schon damals in der Schule war ich anderer Meinung: Wie könnte ich ohne Gehirn überhaupt denken? Oder ohne Körper?

Das führt uns zu der viel schwierigeren Frage, was Bewusstsein eigentlich ist. Ich werde nicht so tun, als hätte ich die Antwort darauf. Die Neurowissenschaft geht jedoch zunehmend davon aus, dass Bewusstsein keine Voraussetzung, sondern eine Folge der Wahrnehmung ist. Bevor wir einen Gedanken bilden, müssen wir unsere Umgebung wahrnehmen und uns über unsere Sinne mit der Realität auseinandersetzen. Das haben wir mit allen fühlenden Wesen gemeinsam. Tiere und andere Lebensformen denken vielleicht nicht wie wir, aber sie sind bewusst genug, um in einer oft feindlichen Umgebung zu überleben, und oft besser an das Leben angepasst als wir, die wir uns von unserer – wahren – Natur entfremdet haben.

Während das Denken mit der neuronalen Aktivität im Gehirn verbunden ist, kann Bewusstsein auch ohne Verständnis auftreten, wie bei der Meditation oder bei Babys, bevor sie sprechen können. Das Gleiche gilt für Patienten im Koma oder auf dem Operationstisch, die wahrnehmen, was um sie herum gesagt und getan wird, ohne darüber nachzudenken. Es gilt für die Katze, die einen Sonnenstrahl geniesst, oder die Maus, die das Rascheln des Grases um sich herum wahrnimmt, für den Vogel, der im Wind tanzt, und den Puma, der durch den Dschungel streift.

Könnte es sein, dass wir Descartes missverstanden haben? Vielleicht wollte er uns einfach nur mitteilen, dass das Denken seine Raison d’être war und dass er sich ohne intellektuelle Auseinandersetzung mit der Welt wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlte. Hängt unsere Menschenwürde wirklich von unserer Fähigkeit ab, zu analysieren und zu produzieren, anstatt aus unserem Sein, dem Gefühl des „Ich bin“, zu entspringen? Unsere Wahrnehmung entsteht aus unserer gelebten Erfahrung der Welt. Wir sollten sowohl unser Herz als auch unseren Verstand einsetzen, um uns mit ihr auseinanderzusetzen. Bewusstsein ist mehr als Denken!

Herzlich, Ihre
Susanne G. Seiler

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