oktober 2020 – goodnews editorial

Editorial: Das Recht auf ein würdiges Leben

Die Globalisierung lässt sich nicht rückgängig machen. Glücklicherweise erinnert mich dieses Wort nicht nur an den inhärenten Mangel an Nachhaltigkeit von um die Welt schwappenden Gütern, Dienstleistungen und Menschen, sondern auch an Wissenstransfer und weltweite Freundschaften. Paradoxerweise gibt es immer noch viele, für die Migranten nichts anderes sind als «Fremde in einem fremden Land». Kürzlich ging das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Flammen auf. Es ist beschämend für uns Europäer, dass noch keine dauerhafte Lösung für zwölftausend um ihr Überleben kämpfende Flüchtlinge gefunden wurde. Viele Häuser, ehemalige Bauernhöfe und sogar ganze Dörfer am Rande Europas wurden verlassen, stehen leer oder zerfallen. Warum kauft man sie nicht auf und/oder vermietet sie an erfahrene Einwanderer? Sie könnten in ihnen leben, das dazugehörige Land bewirtschaften und in Kombination mit anderen Kenntnissen ein neues Leben für sich und ihre Familien schaffen. Auf diese Weise retten sich bereits gewisse süditalienische Kleinstädte vor dem Aussterben. Wir fördern den Extremismus, wenn wir nicht positiv und mitfühlend auf gegenwärtige und zukünftige Migrationen reagieren. Darüber hinaus müssen wir dringend Vorkehrungen treffen, die uns helfen, mehr Menschen vor Ort zu ernähren und zu versorgen, auch uns selbst. Die Welt verändert sich rapid.

Wir bleiben dran,
Susanne G. Seiler

P.S. Die neue Gaia Media Lounge an der Hochstrasse 70 in Basel ist nicht nur gut gelegen, sondern auch schon recht gut bestückt. Über Ihren Besuch freuen wir uns.


Alp

Wir sind der Welt
aufs Dach gestiegen. Die
Aussicht war nicht schlecht.

Wir sind nicht lange
dort geblieben. Der
Schwindel war zu echt.

Es fehlte wohl am
langen Atem. Es fehlte
wohl an dem und dem.

Wir sind der Sonne
nah geraten. Jetzt
stocken wir im Le-, im Lehm.

Steffen Jacobs

september 2020 – goodnews editorial

Heute am 1. September, eröffnet die Gaia Media Stiftung in Zusammenarbeit mit der ethnobotanika gmbh von David Münster in Basel eine Lounge mit ethnobotanischem Sortiment. Das Lokal befindet sich an der Hochstrasse 70 in Gundeldingen und ist vom Bahnhof zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar. Bis auf Weiteres gelten die folgenden Öffnungszeiten:
Dienstag      12:00 – 18:00 Uhr
Donnerstag  14:00 – 20:00 Uhr
Samstag      12:00 – 18:00 Uhr
David ist seit vielen Jahren mit der Stiftung verbunden und für unsere Website verantwortlich. Zudem betreut er die Anlaufstelle des psychedelischen Beratungsangebots www.gaiamedia.org/deutsch/beratung/ der Stiftung und ist ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Ethnobotanik. Im neuen Laden bietet er ein vielfältiges Angebot von ethnobotanischen Spezialitäten und Raritäten an. Besuchen Sie auch seinen Online Shop auf www.ethnobotanika.ch. Dort finden Sie alle weiteren Informationen.
Wir sind glücklich, dass unsere Stiftung nach über zehn Jahren wieder über einen Treffpunkt verfügt und freuen uns auf Ihren Besuch!
Lucius Werthmüller
Präsident Gaia Media Stiftung
P.S. Auf ein Eröffnungsfest verzichten wir angesichts der gegenwärtigen Corona-Regeln. Wir werden es nachholen, wenn wir uns wieder ohne Einschränkungen treffen können.


[Die Windsbraut schläft in mir]

Die Windsbraut schläft in mir.
Ein schaukelndes Embryo in jeder Ohrmuschel.
Wie beruhigt mich dass sie sich bewegt.
Ich bin gut aufgehoben egal was in mir tobt.
Die Windsbraut hat sich in mein Ohr gelegt.
Übers Jahr ist es umgekehrt.
Der Wind schläft draussen mit mir.
Der Wind ist draussen.
Ich bin allein.
So klingt Verlassenheit.
Ich weiss dass das ein Mythos ist.
Was in mir tobt bin ich.

Kerstin Preiwuss

august 2020 – goodnews editorial

Dieter A. Hagenbach, 24. Juli 1943 – 17. August 2016

Wie jedes Jahr gedenken wir im August unseres lieben Dieters, dessen Tod nun schon vier Jahre zurück liegt. Für diejenigen von Ihnen, die ihn nicht kannten: Er studierte Architektur, fand den Häuserbau unbefriedigend, war Multimedia-Künstler und machte 1975 am Nadelberg/Ecke Spalenberg in Basel einen kleinen Laden auf. Mode und Zeitgeistiges, doch irgendwann nur noch Bücher, worunter auch «Drogenliteratur». Dieter gründete den Sphinx Verlag, der in den frühen Neunzehnachtzigern zu einer AG mutierte. In der Auswahl seiner Bücher hatte er einen sicheren Geschmack: Albert Hofmann, Sergius Golowin, Aleister Crowley, Timothy Leary, Robert Anton Wilson, Jean Houston und Robert Masters, Marilyn Ferguson, Alan Watts, Eliphas Levy, John und Antonietta Lilly, Terence McKenna, Dion Fortune, Idries Shah, Alexandra David-Neël, G.I. Gurdjieff, P.D. Ouspenksy… zu viele, um alle aufzuzählen. Dieter liebte Medien, Musik, Kunst, Film und Design, Wortspiele und faule Sprüche, lachte gerne, mied im allgemeinen Menschen, die sich oder das Leben allzu ernst nahmen und suchte Unterstützung durch den «Rückenwind der Evolution», wie er das nannte. Als der Konkurs seines Hauptaktionärs den Sphinx Verlag mitriss und dieser verkauft wurde, erfand Dieter sich neu als Literaturagent. Zu seinem 50. Geburtstag gründete er 1993 die Gaia Media Stiftung und veröffentlichte zum ebenfalls 50. Geburtstag von LSD die erste goodnews (siehe auch www.gaiamedia.org) in gedruckter Form. 1996 eröffnete die Stiftung auf Dieters Initiative die Gaia Lounge, in der auch Medien und ethnobotanische Produkte verkauft wurden. 2011 veröffentlichte er zusammen mit Lucius Werthmüller, dem jetzigen Präsidenten der Gaia Media Stiftung, das Buch Albert Hofmann und sein LSD. Ihm haben wir alles zu verdanken.

Geniessen Sie den Sommer – natürlich mit Rückenwind!
Susanne G. Seiler


[womit soll man beginnen]

womit soll man beginnen, wenn man die monde
abgelaufen ist wie ein alphabet. mit diesem weiler, dieser
hofleere, zwischen scheune und wald, nicht mal wind und
was der nebel hervorwürgt, hängt am morgen in den gräsern.
eine feuchte, eine schwere, dein in der mitte geteiltes haar. es sickert
und ich streiche aus, fades licht. ich schlucke nicht. worauf ich warte,
tritt nicht ein. mit welchem pronomen soll ich dich versehen und
zu welchem ende soll ich atmen. ein zucken in den halmen, bevor ich vergesse,
von welchem tier oder war da eins. in der ferne ein gewitter, das sich in sich
zusammenzieht und wohin. du zählst, ein abgebranntes haus und darin
war nichts ausser ein bett, ein stuhl, ein tisch und mein bett, mein stuhl,
mein tisch. mein schlaf ist in eine schieflage geraten. von da an
lässt sich nicht bleiben, nur fragen. wohin trägt man diese gegend.
und womit füttert man den nebel.

Ronya Othmann

juli 2020 – goodnews editorial

Seit es Amerika gibt, hat es die europäische Phantasie beflügelt. Ob man es hasst oder liebt, der Klang seines Namens, seine Städte, der Glamour und das Tempo, aber auch die Kriege und sozialen Ungleichheiten, für die die Vereinigten Staaten von Amerika stehen, rufen starke Bilder in uns wach. Als weisse Europäer können wir nicht wissen, wie viel Black Lives Matter in den USA. Aber wir wissen, dass es bei uns nicht genug ist, und schämen uns für unsere grausame kollektive koloniale Vergangenheit. Es gibt im Hier und Jetzt viel zu tun, um Vorurteile abzubauen und bessere Bedingungen für Afro-Europäer und People of Color zu schaffen. Heisst das, dass wir uns schuldig fühlen sollen? Schuldgefühle führen zu Angst, und ein von Angst beherrschtes Leben führt uns in die Vergangenheit statt zu besseren Lösungen für die Zukunft. Anstatt uns vor einander zu fürchten, wollen wir uns um einander kümmern. Entschuldigungen sind fällig. Die Vereinigten Staaten brauchen dringend eine Wahrheits- und Versöhnungskommission. Es gibt viele Schatten, die darauf warten, ans Licht gebracht und in die gelebte Geschichte integriert zu werden. Wir müssen das Unbekannte akzeptieren und zu einem Teil unseres Lebens machen. Auch in Europa.

Vertrauensvoll,
Susanne G. Seiler


[Schaut man weg, ordnen sich ohne Grund…]

Schaut man weg, ordnen sich ohne Grund nach all den Geraden
auch die Blumen und Farben. Schaut man wieder hin, liegen sie
unschuldig da wie ein gemischter Salat, doch verschieben sich
bei jedem Blick und Schritt immer wieder, sodass sich
die Erscheinungen verdreifachen, teilen und sich verwechseln,
ohne sich jemals zu verdecken. Von wo aus man auch schaut
kommt der Haufen in Form, und man staunt als man entdeckt,
dass er in einer Vase steckt. Unvollkommen die Ordnung,
und das Muster bloss Strauss. Zurückgeholt an einen Ort
eilt man auf Schritt und Tripp soweit der Atem reicht.

Sandra Burkhardt

juni 2020 – goodnews editorial

Ich weiss es besser
Ich war in der Schule schlecht in Physik und Chemie, sobald es um Berechnungen mit Formeln ging. Dennoch bewundere ich die Naturwissenschaften und vertraue denen, die sich ihnen verschrieben haben, weil ich an die Menschheit glaube, vor allem wenn sie sich der Suche nach Wissen ergibt, dem grössten Abenteuer aller Menschen aller Zeiten. Natürlich ist dieses Wissen auch widersprüchlich und wird, öfters noch, widersprüchlich kommuniziert und politisch instrumentalisiert: Wir sind immer auf dem Stand des letzten Irrtums und vor diesem, weiss Gott, nicht gefeit. Und doch hat uns die Wissenschaft vieles von dem gegeben, das unser Leben bereichert. Auch in der geordneten Schweiz, wo wir unserer Regierung mehrheitlich vertrauen (aber kritisch bleiben), wo unsere Wünsche Gehör finden (und selektiv in Erfüllung gehen), und wo der (langsame) Prozess der Konsensbildung dominiert, werden Opfer nicht nur bereitwillig erbracht. Die Mehrheit der Leute, die an eine globale Verschwörung glauben, mit den üblichen Verdächtigen als Gewinnern, bleibt allerdings zu Hause, hält sich an ihr Tablet oder Handy fest und sonnt sich in Überlegenheit. Was Neues?

Mit frühsommerlichen Grüssen,
Susanne G. Seiler


Mein Lieblingsmoment ist,

wenn es hell wird
und der Tag anbricht.
Denn ich mag lieber,
wenn etwas neu beginnt
als wenn es zu Ende ist.

Julia Engelmann

mai 2020 – goodnews editorial

Vorweg bitte ich um Entschuldigung, weil ich im letzten Newsletter nicht daran gedacht habe zu eruieren, von wem das mir zugespielte Corona-Gedicht war. Urheberin ist Poetin und Redaktorin Kristin Flyntz. Und wussten Sie, dass wir unser Bewusstsein möglicherweise einem Ur-Virus verdanken, das sich vor langer Zeit in unserem Gehirn ansiedelte? Dort verband es seinen genetischen Code mit dem unserer entfernten Vorfahren. Dieser winzige Code ist immer noch aktiv in uns, bündelt genetische Information und schickt sie in kleinen, Viren-ähnlichen Kapseln von einer Nervenzelle zur nächsten. Diese Informationspäckchen könnten eine kritische Rolle dabei spielen, wie Nerven kommunizieren und sich mit der Zeit neu organisieren, was wiederum Voraussetzung ist für eine höhere Denkfunktion. (Cell, 11. Januar 2018) Jemand, der gut denken konnte, war der vor zwanzig Jahren verstorbene Kulturanthropologe Terence McKenna, den diese Art von Info nicht erstaunt hätte. Sein Buch Wahre Halluzinationen ist nach wie vor seiner Zeit voraus. Erschienen ist es im Nachtschatten Verlag von Roger Liggenstorfer, Pionier der deutschsprachigen Drogenliteratur. Roger braucht unsere Hilfe, denn sein Verlag steckt aus aktuellem Anlass in der Krise. Wenn Sie also eine spannende Lektüre suchen, kaufen Sie dort Terences oder ein anderes Werk. Solidarität wird in diesen aussergewöhnlichen Zeiten grossgeschrieben. Das ist die erfreuliche Nachricht.

So weit, so gut,
Susanne G. Seiler

april 2020 – goodnews editorial

Anstatt eines Editorials

Diese anonyme Botschaft hat mir ein Freund zugespielt. Ich gebe sie an Sie weiter. Sie ist ein bisschen lang, aber die meistens von uns haben ja jetzt viel Zeit. Nutzen Sie diese Zeit zu mehr, als sich abzulenken. Und bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüsse aus der Versenkung,
Susanne G. Seiler


Ein imaginärer Brief von Covid-19 an die Menschen

Stopp. Hör einfach auf.
Das ist keine Bitte mehr. Es ist ein Auftrag.
Wir werden dir helfen.
Wir werden dem Überschall-Hochgeschwindigkeitskarussell Inhalt gebieten…

Wir werden
die Flugzeuge
die Züge
die Schulen
die Einkaufszentren
die Sitzungen
den frenetischen, furiosen Ansturm von Illusionen und «Verpflichtungen»
anhalten, die dich davon abhalten, unser einziges und gemeinsam schlagendes Herz, die Art und Weise, wie wir gemeinsam atmen, in Einklang zu bringen.

Wir sind einander verpflichtet.
So wie es immer war, auch wenn du es vergessen hast, auch wenn ihr es vergessen habt.
Wir unterbrechen diese Sendung, die endlose kakophonische Übertragung von Spaltungen und Ablenkungen, um euch diese bahnbrechende Nachricht zu überbringen:

Uns geht es nicht gut.
Keinem von uns; wir alle leiden.
Im vergangenen Jahr haben die Feuerstürme, die die Lungen der Erde verbrannten, euch keine Pause gegönnt.

Auch nicht die Taifune in Afrika, China und Japan.
Auch nicht die fieberhaften Klimata in Japan und Indien.
Ihr habt nicht zugehört.
Es ist schwer, zuzuhören, wenn ihr die ganze Zeit so beschäftigt seid,
die Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten aufrechtzuerhalten,
die euer Leben erschweren.
Aber das Fundament gibt nach,
Knickt ein unter dem Gewicht eurer Bedürfnisse und Wünsche.

Wir werden euch helfen.
Wir bringen die Feuerstürme in euren Körper
Wir werden das Fieber in euren Körper bringen
Wir werden das Brennen, das Versengen und die Überschwemmung in eure Lungen bringen, damit ihr vielleicht hört:
Uns geht es nicht gut.

Trotz allem, was ihr denken oder fühlen mögt, sind wir nicht der Feind.
Wir sind Botschafter, Verbündeter. Wir sind eine ausgleichende Kraft.
Wir bitten euch, innezuhalten, still zu sein, zuzuhören;
über eure individuellen Sorgen hinauszugehen und die Sorgen aller zu berücksichtigen; eure Unwissenheit zuzulassen, eure Demut zu finden, euren denkenden Verstand aufzugeben und tief in den Verstand des Herzens zu reisen;

Um in den Himmel zu schauen, wo weniger Flugzeugen fliegen, und ihn zu sehen, um seinen Zustand zu bemerken: klar, rauchig, verraucht, regnerisch?
Wie gesund muss die Luft sein, damit auch ihr gesund sein könnt?

Um einen Baum zu betrachten und seinen Zustand zu erkennen:
Wie trägt seine Gesundheit zur Gesundheit des Himmels, zur Luft bei,
die auch du brauchst, um gesund zu sein?

Um einen Fluss zu besuchen und seinen Zustand zu erkennen: klar, sauber, trüb, verschmutzt? Wie gesund muss er sein, damit auch du gesund sein kannst?
Wie trägt seine Gesundheit zur Gesundheit des Baumes bei, der zur Gesundheit des Himmels beiträgt, damit auch du gesund sein kannst?

Viele haben jetzt Angst.
Verteufelt eure Angst nicht und lasst euch nicht von ihr beherrschen.
Lasst sie stattdessen zu euch sprechen – in eurer Stille.
Hört auf auf ihre Weisheit.
Was könnte sie euch über das sagen, was gerade geschieht, worum es geht, wo  Gefahr lauert, über die Bedrohung durch persönliche Unannehmlichkeiten und Krankheit hinaus?

So wie die Gesundheit eines Baumes, eines Flusses, des Himmels etwas über die Qualität deiner eigenen Gesundheit aussagt, was könnte die Qualität deiner Gesundheit dir über die Gesundheit der Flüsse, der Bäume, des Himmels und von uns allen, die wir diesen Planeten mit euch teilen, aussagen?

Halte ein.
Beachte, wenn du dich widersetzt.
Achte darauf, was sich widersetzt.
Frag dich, warum.
Hör auf. Hör einfach auf.
Sei still.
Hör zu.
Frag uns, was wir dich über Krankheit und Heilung lehren können,
was nötig ist, damit alles gut wird.
Wir werden dir helfen, wenn du uns zuhörst.

Liebe wirkt!


In eigener Sache

Bicycle Day 2020: Die psychedelische Renaissance
Der Bicycle Day 2020, der am 19. April hätte stattfinden sollen, musste aus aktuellem Anlass leider auf den 17. April 2021 verschoben werden.
Wir werden an dieser Stelle mitteilen, wenn die neue Veranstaltung freigeschaltet ist.
Wir danken für Ihr Verständnis.
Münchenstein bei Basel | Hotel Hofmatt, Münchenstein, 17 April 2021

märz 2020 – goodnews editorial

Julian Paul Assange, der ungeliebte Whistleblower

Er mag kein Sympathieträger sein wie Edgar Snowden, seine eigenen Loyalitäten liegen rechts, doch auch kontroverse Journalisten haben ein Recht auf Gerechtigkeit, vor allem wenn man, wie der australische Wikileaks-Gründer, durch die weitläufigen Enthüllungen, die Chelsea Manning ihm zuspielte, selbst wesentliche  Ungerechtigkeiten aufdeckte. Wer aufmerksam liest, vermutet schon länger, dass die Vergewaltigungsvorwürfe, die Schweden gegen ihn erhebt, konstruiert sind. Es sind nicht etwa seine Freunde vom Chaos Computer Club oder andere Hacker, die diese von der Republik als Scoop veröffentlichten Vorwürfe erheben (siehe unten). Der Schweizer UNO-Sonderberichterstatter über Folter Nils Melzer meint, Assanges Fall sei unlauter und es sei illegal, jemand so zu inhaftieren, dass seine – körperliche, psychische und soziale -– Gesundheit leide. Das ist bei Assange mehr als gegeben, die Bilder eines verwahrlosten Mannes am Rande des Zusammenbruchs, der nach fast sieben Jahren praktischer Einzelhaft von der Polizei aus der Botschaft Ecuadors getragen wurde, gingen um die Welt.  Seither modert er in einem Londoner Gefängnis vor sich hin. Bleibt zu hoffen, dass die internationalen Appelle und Demonstrationen für seine Freilassung fruchten werden. Ex iniuria ius non oritur!*

Bleiben Sie gesund!

Susanne G. Seiler

*Von Unrecht kann kein Recht kommen.

In eigener Sache

Liebe Freunde und Bekannte
Wir vom Gaiamedia-Team suchen per 1. April 2020 ein Ladenlokal für unsere gaialounge/ethnobotanika in Basel Stadt.
Es sollte idealerweise über ein Schaufenster, eine Toilette sowie einen Nebenraum verfügen. Wir würden zentral gelegene Quartiere in der Nähe des Bahnhofs Basel SBB bevorzugen. Wir sind für jeden Hinweis sehr dankbar.
Kontaktiert uns bitte via E-mail an info@ethnobotanika.ch oder per Telefon 0041 (0)79 469 76 20.
Herzlichen Dank für Eure Mithilfe!
Euer Gaia Media-Team


Lebe oder nicht

Lebe oder nicht
was macht das
wenn auf den Bäumen Blätter
und auf der Erde
Schatten des Himmels

Viivi Luik

februar 2020 – goodnews editorial

Rückblick 2019 • Ausblick 2020

Zwei Projekte standen im vergangenen Jahr im Fokus der Stiftung: eine psychedelische Beratungsstelle und die Schaffung einer Gaia Lounge.
Am 1. November 2019 hat die «Psychedelika-Beratung» den Betrieb aufgenommen. Sie soll Hilfestellung bei Fragen oder Problemen in Zusammenhang mit dem Gebrauch von Psychedelika bieten. Es handelt sich um ein Projekt der Gaia Media Stiftung in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie (SAEPT). Finanziert wird die Beratungsstelle vorläufig durch eine zweckgebundene Spende der Eulenpark Stiftung an die Gaia Media Stiftung. David Münster betreut die telefonische Triage. Weitere Informationen dazu finden sich auf www.gaiamedia.org.
Schon weit fortgeschritten ist das Projekt eines öffentlich zugänglichen Lokals analog dem früheren Gaia Bazar. Es soll ein Begegnungszentrum werden, in dem Getränke und kleine Speisen serviert werden. Weiter werden dort ethnobotanische Produkte und Medien zu den Themen der Gaia Media Stiftung verkauft sowie Seminare, Workshops und Vorträge veranstaltet. Wenn möglich soll dort auch die Mediathek der Gaia Media Stiftung eine neue Bleibe finden. Wir haben in David Münster einen passionierten Ethnobotaniker gefunden, der mit seiner ethnobotanika GmbH das Projekt zusammen mit der Stiftung betreuen wird. Geplant ist, dass die Gaia Lounge im April 2020 ihre Türen öffnet. Zurzeit sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Lokal.
Nach dem Erfolg des eintägigen Symposiums 75 Jahre LSD: Wohin geht die Reise? am 19. April 2018 im Hotel Hofmatt bei Basel führen wir am 18. April 2020 unter dem Titel Die psychedelische Renaissance am gleichen Ort eine weitere eintägige Konferenz durch. Organisiert wird sie wiederum von der Gaia Media Stiftung zusammen mit dem Nachtschatten Verlag und der SAEPT. Alle Informationen finden sich auf der Website www.bicycleday.ch.
Susanne G. Seiler redigiert seit August 2017 sie den monatlichen Newsletter gaiamedia goodnews, der in einer deutschen und einer englischen Version versendet wird und positive Resonanz stösst. Überdies ist sie dabei, die Mediathek zu katalogisieren.
Unser YouTube-Kanal gaiamedia mit über hundert eigenen und dutzenden weiteren Videos verzeichnet aktuell 6‘680 Abonnenten.
Mein Dank geht an die beiden Stiftungsräte Dr. Pierre Joset und Kerim Seiler. Weiter danke ich Susanne G. Seiler für die inhaltliche Betreuung des Newsletters, Therese Hartmann dafür, dass sie sich um die Formatierung und den Versand der goodnews kümmert und die Stiftung organisatorisch betreut sowie David York Münster für die Betreuung der Website www.gaiamedia.org und für sein technisches Knowhow.
Zu guter Letzt danke ich im Namen des Stiftungsrats den Gönnern der Stiftung sowie allen anderen Personen, die diese unterstützen, besonders herzlich.
Für unsere zukünftigen Aktivitäten sind wir mehr denn je auf Sie angewiesen. Wir bitten Sie deshalb, Gönner zu werden oder Ihre Mitgliedschaft zu erneuern. Die Beiträge bleiben auch im 2020 unverändert. Informationen zur Gönnerschaft finden Sie hier.
Auch Spenden sind mehr als willkommen. Danke!
Mit den besten Wünschen und herzlichen Grüssen

Lucius Werthmüller
Präsident der Gaia Media Stiftung

januar 2020 – goodnews editorial

Abschied
Der letzte des berühmtesten Trios der psychedelischen Geschichte ist nicht mehr: 2019 ist nicht nur Ralph Metzner, sondern auch Ram Dass gestorben, am Sonntag, 22. Dezember zu Hause auf Maui (Hawaii). Ich begegnete ihm in den Achtzigern, bei Timothy Leary, am Wonderland Drive in LA, als der berühmte Guru sich gerade überlegte, ob er nicht lieber wieder Richard Alpert sein wollte. Auf dem Weg zu einer Party bei Langlebigkeitsspezialist Ron Walford in Venice hatten Tim und Richard, der uns fuhr, einen heftigen Streit. «Das Leben ist ein Tränental», verkündete der Autor von Sei jetzt hier, (seiner innovativen hinduistischen Hippiebibel von 1971 mit weltweit zwei Millionen verkauften Exemplaren). «Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um das Leiden der Welt zu lindern!» «Das ist das Schlimmste, was ich je von dir gehört habe, Dick!» schoss Tim vom Beifahrersitz zurück, ein halb leeres Glas Pimm’s in der Hand. «Das Leben ist ein glorreiches Abenteuer, eine berauschende Reise, die wir in vollen Zügen geniessen sollten!» Und an Barbara (seine Frau), Dieter (Hagenbach, sein Verleger) und mich (Susanne) gewandt: «Warum seid ihr nur so still da hinten?» «Wir hören und lernen», konterte ich leicht ironisch, als Barbara und Dieter nicht antworteten. Auf der Party war klar, warum es für Richard nicht einfach war, nicht länger Ram Dass zu sein – so viele Menschen verehrten ihn, wollten ihm nahe sein und suchten seinen Rat. Und obwohl er wusste, dass ich nicht unbedingt dazu gehörte, bedachte er auch mich am nächsten Tag beim Abschied mit einer warmen Umarmung. Danke für die Liebe, danke für das Licht und danke für dein grosses Mitgefühl, Baba!

Liebe Freunde und Leserinnen, an dieser Stelle wünschen wir Ihnen ein positives und wohlwollendes 2020.

Von Herzen,
Susanne G. Seiler

P.S. Beachten Sie die Konferenz zum Bicycle Day 2020 unter «gut zu besuchen», die die GaiaMedia Stiftung, der Nachtschatten Verlag und die Schweizerische Ärztegesellschaft für psycholytische Therapie (SÄPT) am 18. April veranstalten.

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