juni 2020 – goodnews editorial

Ich weiss es besser
Ich war in der Schule schlecht in Physik und Chemie, sobald es um Berechnungen mit Formeln ging. Dennoch bewundere ich die Naturwissenschaften und vertraue denen, die sich ihnen verschrieben haben, weil ich an die Menschheit glaube, vor allem wenn sie sich der Suche nach Wissen ergibt, dem grössten Abenteuer aller Menschen aller Zeiten. Natürlich ist dieses Wissen auch widersprüchlich und wird, öfters noch, widersprüchlich kommuniziert und politisch instrumentalisiert: Wir sind immer auf dem Stand des letzten Irrtums und vor diesem, weiss Gott, nicht gefeit. Und doch hat uns die Wissenschaft vieles von dem gegeben, das unser Leben bereichert. Auch in der geordneten Schweiz, wo wir unserer Regierung mehrheitlich vertrauen (aber kritisch bleiben), wo unsere Wünsche Gehör finden (und selektiv in Erfüllung gehen), und wo der (langsame) Prozess der Konsensbildung dominiert, werden Opfer nicht nur bereitwillig erbracht. Die Mehrheit der Leute, die an eine globale Verschwörung glauben, mit den üblichen Verdächtigen als Gewinnern, bleibt allerdings zu Hause, hält sich an ihr Tablet oder Handy fest und sonnt sich in Überlegenheit. Was Neues?

Mit frühsommerlichen Grüssen,
Susanne G. Seiler


Mein Lieblingsmoment ist,

wenn es hell wird
und der Tag anbricht.
Denn ich mag lieber,
wenn etwas neu beginnt
als wenn es zu Ende ist.

Julia Engelmann

mai 2020 – goodnews editorial

Vorweg bitte ich um Entschuldigung, weil ich im letzten Newsletter nicht daran gedacht habe zu eruieren, von wem das mir zugespielte Corona-Gedicht war. Urheberin ist Poetin und Redaktorin Kristin Flyntz. Und wussten Sie, dass wir unser Bewusstsein möglicherweise einem Ur-Virus verdanken, das sich vor langer Zeit in unserem Gehirn ansiedelte? Dort verband es seinen genetischen Code mit dem unserer entfernten Vorfahren. Dieser winzige Code ist immer noch aktiv in uns, bündelt genetische Information und schickt sie in kleinen, Viren-ähnlichen Kapseln von einer Nervenzelle zur nächsten. Diese Informationspäckchen könnten eine kritische Rolle dabei spielen, wie Nerven kommunizieren und sich mit der Zeit neu organisieren, was wiederum Voraussetzung ist für eine höhere Denkfunktion. (Cell, 11. Januar 2018) Jemand, der gut denken konnte, war der vor zwanzig Jahren verstorbene Kulturanthropologe Terence McKenna, den diese Art von Info nicht erstaunt hätte. Sein Buch Wahre Halluzinationen ist nach wie vor seiner Zeit voraus. Erschienen ist es im Nachtschatten Verlag von Roger Liggenstorfer, Pionier der deutschsprachigen Drogenliteratur. Roger braucht unsere Hilfe, denn sein Verlag steckt aus aktuellem Anlass in der Krise. Wenn Sie also eine spannende Lektüre suchen, kaufen Sie dort Terences oder ein anderes Werk. Solidarität wird in diesen aussergewöhnlichen Zeiten grossgeschrieben. Das ist die erfreuliche Nachricht.

So weit, so gut,
Susanne G. Seiler

april 2020 – goodnews editorial

Anstatt eines Editorials

Diese anonyme Botschaft hat mir ein Freund zugespielt. Ich gebe sie an Sie weiter. Sie ist ein bisschen lang, aber die meistens von uns haben ja jetzt viel Zeit. Nutzen Sie diese Zeit zu mehr, als sich abzulenken. Und bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüsse aus der Versenkung,
Susanne G. Seiler


Ein imaginärer Brief von Covid-19 an die Menschen

Stopp. Hör einfach auf.
Das ist keine Bitte mehr. Es ist ein Auftrag.
Wir werden dir helfen.
Wir werden dem Überschall-Hochgeschwindigkeitskarussell Inhalt gebieten…

Wir werden
die Flugzeuge
die Züge
die Schulen
die Einkaufszentren
die Sitzungen
den frenetischen, furiosen Ansturm von Illusionen und «Verpflichtungen»
anhalten, die dich davon abhalten, unser einziges und gemeinsam schlagendes Herz, die Art und Weise, wie wir gemeinsam atmen, in Einklang zu bringen.

Wir sind einander verpflichtet.
So wie es immer war, auch wenn du es vergessen hast, auch wenn ihr es vergessen habt.
Wir unterbrechen diese Sendung, die endlose kakophonische Übertragung von Spaltungen und Ablenkungen, um euch diese bahnbrechende Nachricht zu überbringen:

Uns geht es nicht gut.
Keinem von uns; wir alle leiden.
Im vergangenen Jahr haben die Feuerstürme, die die Lungen der Erde verbrannten, euch keine Pause gegönnt.

Auch nicht die Taifune in Afrika, China und Japan.
Auch nicht die fieberhaften Klimata in Japan und Indien.
Ihr habt nicht zugehört.
Es ist schwer, zuzuhören, wenn ihr die ganze Zeit so beschäftigt seid,
die Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten aufrechtzuerhalten,
die euer Leben erschweren.
Aber das Fundament gibt nach,
Knickt ein unter dem Gewicht eurer Bedürfnisse und Wünsche.

Wir werden euch helfen.
Wir bringen die Feuerstürme in euren Körper
Wir werden das Fieber in euren Körper bringen
Wir werden das Brennen, das Versengen und die Überschwemmung in eure Lungen bringen, damit ihr vielleicht hört:
Uns geht es nicht gut.

Trotz allem, was ihr denken oder fühlen mögt, sind wir nicht der Feind.
Wir sind Botschafter, Verbündeter. Wir sind eine ausgleichende Kraft.
Wir bitten euch, innezuhalten, still zu sein, zuzuhören;
über eure individuellen Sorgen hinauszugehen und die Sorgen aller zu berücksichtigen; eure Unwissenheit zuzulassen, eure Demut zu finden, euren denkenden Verstand aufzugeben und tief in den Verstand des Herzens zu reisen;

Um in den Himmel zu schauen, wo weniger Flugzeugen fliegen, und ihn zu sehen, um seinen Zustand zu bemerken: klar, rauchig, verraucht, regnerisch?
Wie gesund muss die Luft sein, damit auch ihr gesund sein könnt?

Um einen Baum zu betrachten und seinen Zustand zu erkennen:
Wie trägt seine Gesundheit zur Gesundheit des Himmels, zur Luft bei,
die auch du brauchst, um gesund zu sein?

Um einen Fluss zu besuchen und seinen Zustand zu erkennen: klar, sauber, trüb, verschmutzt? Wie gesund muss er sein, damit auch du gesund sein kannst?
Wie trägt seine Gesundheit zur Gesundheit des Baumes bei, der zur Gesundheit des Himmels beiträgt, damit auch du gesund sein kannst?

Viele haben jetzt Angst.
Verteufelt eure Angst nicht und lasst euch nicht von ihr beherrschen.
Lasst sie stattdessen zu euch sprechen – in eurer Stille.
Hört auf auf ihre Weisheit.
Was könnte sie euch über das sagen, was gerade geschieht, worum es geht, wo  Gefahr lauert, über die Bedrohung durch persönliche Unannehmlichkeiten und Krankheit hinaus?

So wie die Gesundheit eines Baumes, eines Flusses, des Himmels etwas über die Qualität deiner eigenen Gesundheit aussagt, was könnte die Qualität deiner Gesundheit dir über die Gesundheit der Flüsse, der Bäume, des Himmels und von uns allen, die wir diesen Planeten mit euch teilen, aussagen?

Halte ein.
Beachte, wenn du dich widersetzt.
Achte darauf, was sich widersetzt.
Frag dich, warum.
Hör auf. Hör einfach auf.
Sei still.
Hör zu.
Frag uns, was wir dich über Krankheit und Heilung lehren können,
was nötig ist, damit alles gut wird.
Wir werden dir helfen, wenn du uns zuhörst.

Liebe wirkt!


In eigener Sache

Bicycle Day 2020: Die psychedelische Renaissance
Der Bicycle Day 2020, der am 19. April hätte stattfinden sollen, musste aus aktuellem Anlass leider auf den 17. April 2021 verschoben werden.
Wir werden an dieser Stelle mitteilen, wenn die neue Veranstaltung freigeschaltet ist.
Wir danken für Ihr Verständnis.
Münchenstein bei Basel | Hotel Hofmatt, Münchenstein, 17 April 2021

märz 2020 – goodnews editorial

Julian Paul Assange, der ungeliebte Whistleblower

Er mag kein Sympathieträger sein wie Edgar Snowden, seine eigenen Loyalitäten liegen rechts, doch auch kontroverse Journalisten haben ein Recht auf Gerechtigkeit, vor allem wenn man, wie der australische Wikileaks-Gründer, durch die weitläufigen Enthüllungen, die Chelsea Manning ihm zuspielte, selbst wesentliche  Ungerechtigkeiten aufdeckte. Wer aufmerksam liest, vermutet schon länger, dass die Vergewaltigungsvorwürfe, die Schweden gegen ihn erhebt, konstruiert sind. Es sind nicht etwa seine Freunde vom Chaos Computer Club oder andere Hacker, die diese von der Republik als Scoop veröffentlichten Vorwürfe erheben (siehe unten). Der Schweizer UNO-Sonderberichterstatter über Folter Nils Melzer meint, Assanges Fall sei unlauter und es sei illegal, jemand so zu inhaftieren, dass seine – körperliche, psychische und soziale -– Gesundheit leide. Das ist bei Assange mehr als gegeben, die Bilder eines verwahrlosten Mannes am Rande des Zusammenbruchs, der nach fast sieben Jahren praktischer Einzelhaft von der Polizei aus der Botschaft Ecuadors getragen wurde, gingen um die Welt.  Seither modert er in einem Londoner Gefängnis vor sich hin. Bleibt zu hoffen, dass die internationalen Appelle und Demonstrationen für seine Freilassung fruchten werden. Ex iniuria ius non oritur!*

Bleiben Sie gesund!

Susanne G. Seiler

*Von Unrecht kann kein Recht kommen.

In eigener Sache

Liebe Freunde und Bekannte
Wir vom Gaiamedia-Team suchen per 1. April 2020 ein Ladenlokal für unsere gaialounge/ethnobotanika in Basel Stadt.
Es sollte idealerweise über ein Schaufenster, eine Toilette sowie einen Nebenraum verfügen. Wir würden zentral gelegene Quartiere in der Nähe des Bahnhofs Basel SBB bevorzugen. Wir sind für jeden Hinweis sehr dankbar.
Kontaktiert uns bitte via E-mail an info@ethnobotanika.ch oder per Telefon 0041 (0)79 469 76 20.
Herzlichen Dank für Eure Mithilfe!
Euer Gaia Media-Team


Lebe oder nicht

Lebe oder nicht
was macht das
wenn auf den Bäumen Blätter
und auf der Erde
Schatten des Himmels

Viivi Luik

februar 2020 – goodnews editorial

Rückblick 2019 • Ausblick 2020

Zwei Projekte standen im vergangenen Jahr im Fokus der Stiftung: eine psychedelische Beratungsstelle und die Schaffung einer Gaia Lounge.
Am 1. November 2019 hat die «Psychedelika-Beratung» den Betrieb aufgenommen. Sie soll Hilfestellung bei Fragen oder Problemen in Zusammenhang mit dem Gebrauch von Psychedelika bieten. Es handelt sich um ein Projekt der Gaia Media Stiftung in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie (SAEPT). Finanziert wird die Beratungsstelle vorläufig durch eine zweckgebundene Spende der Eulenpark Stiftung an die Gaia Media Stiftung. David Münster betreut die telefonische Triage. Weitere Informationen dazu finden sich auf www.gaiamedia.org.
Schon weit fortgeschritten ist das Projekt eines öffentlich zugänglichen Lokals analog dem früheren Gaia Bazar. Es soll ein Begegnungszentrum werden, in dem Getränke und kleine Speisen serviert werden. Weiter werden dort ethnobotanische Produkte und Medien zu den Themen der Gaia Media Stiftung verkauft sowie Seminare, Workshops und Vorträge veranstaltet. Wenn möglich soll dort auch die Mediathek der Gaia Media Stiftung eine neue Bleibe finden. Wir haben in David Münster einen passionierten Ethnobotaniker gefunden, der mit seiner ethnobotanika GmbH das Projekt zusammen mit der Stiftung betreuen wird. Geplant ist, dass die Gaia Lounge im April 2020 ihre Türen öffnet. Zurzeit sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Lokal.
Nach dem Erfolg des eintägigen Symposiums 75 Jahre LSD: Wohin geht die Reise? am 19. April 2018 im Hotel Hofmatt bei Basel führen wir am 18. April 2020 unter dem Titel Die psychedelische Renaissance am gleichen Ort eine weitere eintägige Konferenz durch. Organisiert wird sie wiederum von der Gaia Media Stiftung zusammen mit dem Nachtschatten Verlag und der SAEPT. Alle Informationen finden sich auf der Website www.bicycleday.ch.
Susanne G. Seiler redigiert seit August 2017 sie den monatlichen Newsletter gaiamedia goodnews, der in einer deutschen und einer englischen Version versendet wird und positive Resonanz stösst. Überdies ist sie dabei, die Mediathek zu katalogisieren.
Unser YouTube-Kanal gaiamedia mit über hundert eigenen und dutzenden weiteren Videos verzeichnet aktuell 6‘680 Abonnenten.
Mein Dank geht an die beiden Stiftungsräte Dr. Pierre Joset und Kerim Seiler. Weiter danke ich Susanne G. Seiler für die inhaltliche Betreuung des Newsletters, Therese Hartmann dafür, dass sie sich um die Formatierung und den Versand der goodnews kümmert und die Stiftung organisatorisch betreut sowie David York Münster für die Betreuung der Website www.gaiamedia.org und für sein technisches Knowhow.
Zu guter Letzt danke ich im Namen des Stiftungsrats den Gönnern der Stiftung sowie allen anderen Personen, die diese unterstützen, besonders herzlich.
Für unsere zukünftigen Aktivitäten sind wir mehr denn je auf Sie angewiesen. Wir bitten Sie deshalb, Gönner zu werden oder Ihre Mitgliedschaft zu erneuern. Die Beiträge bleiben auch im 2020 unverändert. Informationen zur Gönnerschaft finden Sie hier.
Auch Spenden sind mehr als willkommen. Danke!
Mit den besten Wünschen und herzlichen Grüssen

Lucius Werthmüller
Präsident der Gaia Media Stiftung

januar 2020 – goodnews editorial

Abschied
Der letzte des berühmtesten Trios der psychedelischen Geschichte ist nicht mehr: 2019 ist nicht nur Ralph Metzner, sondern auch Ram Dass gestorben, am Sonntag, 22. Dezember zu Hause auf Maui (Hawaii). Ich begegnete ihm in den Achtzigern, bei Timothy Leary, am Wonderland Drive in LA, als der berühmte Guru sich gerade überlegte, ob er nicht lieber wieder Richard Alpert sein wollte. Auf dem Weg zu einer Party bei Langlebigkeitsspezialist Ron Walford in Venice hatten Tim und Richard, der uns fuhr, einen heftigen Streit. «Das Leben ist ein Tränental», verkündete der Autor von Sei jetzt hier, (seiner innovativen hinduistischen Hippiebibel von 1971 mit weltweit zwei Millionen verkauften Exemplaren). «Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um das Leiden der Welt zu lindern!» «Das ist das Schlimmste, was ich je von dir gehört habe, Dick!» schoss Tim vom Beifahrersitz zurück, ein halb leeres Glas Pimm’s in der Hand. «Das Leben ist ein glorreiches Abenteuer, eine berauschende Reise, die wir in vollen Zügen geniessen sollten!» Und an Barbara (seine Frau), Dieter (Hagenbach, sein Verleger) und mich (Susanne) gewandt: «Warum seid ihr nur so still da hinten?» «Wir hören und lernen», konterte ich leicht ironisch, als Barbara und Dieter nicht antworteten. Auf der Party war klar, warum es für Richard nicht einfach war, nicht länger Ram Dass zu sein – so viele Menschen verehrten ihn, wollten ihm nahe sein und suchten seinen Rat. Und obwohl er wusste, dass ich nicht unbedingt dazu gehörte, bedachte er auch mich am nächsten Tag beim Abschied mit einer warmen Umarmung. Danke für die Liebe, danke für das Licht und danke für dein grosses Mitgefühl, Baba!

Liebe Freunde und Leserinnen, an dieser Stelle wünschen wir Ihnen ein positives und wohlwollendes 2020.

Von Herzen,
Susanne G. Seiler

P.S. Beachten Sie die Konferenz zum Bicycle Day 2020 unter «gut zu besuchen», die die GaiaMedia Stiftung, der Nachtschatten Verlag und die Schweizerische Ärztegesellschaft für psycholytische Therapie (SÄPT) am 18. April veranstalten.

dezember 2019 – goodnews editorial

Tatsachen und Meinungen
Dass die Erde rund ist, gilt als gewiss, die Idee, sie sei flach, wird sich ebenso wenig durchsetzen wie die Annahme, die Sonne kreise um die Erde. Nun ist keiner zu unbedeutend, einen Standpunkt zu haben, denn das ist das Wesen der Demokratie, in der, wie Albert Hofmann einmal treffend bemerkte, jeder und jede das Recht auf eine eigene Meinung hat, gleich wie unqualifiziert. Mit dem prophetischen Charakter dieses Bonmots rechnete damals niemand, vertreten doch heute hochoffiziell allerlei Gruppierungen abstruse Meinungen, welche sie uns für bare Münze verkaufen wollen. Nebst willkürlichen Überzeugungen hegen sie auch gefährliche Glauben, weshalb in der Schweiz die öffentliche Verkündung von extremem Gedankengut geahndet wird: Wer zu Hass und/oder Rassismus aufruft, soll keine Stimme haben. Anders beim virtuellen Hass, dem nur schwer Einhalt zu gebieten ist. Der boulevardeske und oft ruppige Ton in den sozialen Medien ist schwer auszuhalten. Natürlich interessieren mich grundsätzlich alle Stimmen. Doch politische Propaganda und Diskussionen, die die Leute gegen einander aufwiegeln und die wirrsten Unterstellungen, Beschimpfungen und Beleidigungen nach sich ziehen? Nein danke. Wir leben in einer konsensuellen Wirklichkeit, ein gemeinsam gewobenes Netz der Wahrnehmung – in seinen virtuellen Maschen wollen wir uns nicht verfangen und stattdessen lieber selbst was unternehmen.

Herzlich
Susanne G. Seiler


LICHT

Licht
im Licht
ist nichts

nur Schatten
ist nichts
im Licht

Arnaldo Antunes

november 2019 – goodnews editorial

Seit einigen Jahren erleben psychedelische Substanzen wie LSD, Psilocybin oder Ayahuasca eine Renaissance. Ihr therapeutischer Nutzen, ihre Risiken als Freizeitdrogen oder das sogenannte Microdosing werden in der Presse breit und unvoreingenommen diskutiert. Michael Pollans Buch How to change your mind (Verändere Dein Bewusstsein), über seine Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen, ist in den USA und in Europa ein Bestseller. Manche Menschen beschäftigen sich jahrelang mit schwierigen und unerledigten Aspekten ihrer psychedelischen Erfahrungen und verspüren das Bedürfnis, mit einer Fachperson das Erlebte zu besprechen. Deshalb bietet die Gaia Media Stiftung in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie (SÄPT) ab 1. November 2019 Beratung und Hilfestellung in Zusammenhang mit durch Psychedelika hervorgerufene Erfahrungen an. Die Beratung ist weltanschaulich und methodisch «neutral». Die Gaia Media Stiftung stellt zudem ein Beratungsangebot bei (straf-)rechtlichen Fragen in Zusammenhang mit dem Gebrauch dieser illegalen Substanzen zur Verfügung. Dieses erstreckt sich von kurzen Telefonaten, z.B. bei Fragen bezüglich der Wirkungen und Nebenwirkungen von Substanzen, bis zu zwei bis drei Beratungsgesprächen. Sollte dieser zeitliche Rahmen nicht genügen, vermitteln die Beratenden weitere Hilfsmöglichkeiten. Das kostenlose telefonische Beratungsgespräch ist auf 20 Minuten beschränkt. Danach wird den Ratsuchenden empfohlen, sich zu einem persönlichen Gespräch einzufinden. Für Fragen betreffend Cannabis, Opiate, Kokain oder Amphetamine wende man sich an bestehende Beratungsstellen. Der Name des Beratenen sowie der Inhalt der Beratung werden vertraulich behandelt. Der Beratungsdienst ist erreichbar über beratung@gaiamedia.org oder telefonisch unter +41 (0)76 634 29 88.

Ihre Gaia Media Stiftung


Imago

die jahreszeiten wechseln nun
täglich ∙ mit den liebschaften
im kopf ∙ steigt stetig der
druck, ich bin wie die plötzlich
hereinziehende winterlandschaft
unüberhörbares atemgeräusch
wenn sich die stigmen schliessen ∙ zieht der tausendfüssler
weiter – ich werde
beobachtet ∙ von menschen
anhäufungen ∙ verschieben sich
durch den reisetrakt, halb +
halb verdaut ∙ will ich nichts als verpuppung

Christian Schloyer

oktober 2019 – goodnews editorial

Vergessen wir das Schlechte leichter als das Gute? Oder hängt es davon ab, ob wir generell glauben, dass das Glas halb voll oder halb leer ist? Und wenn wir lieber das Schlechte vergessen, ist es das, was die Natur von uns will, oder ist es ein Trick und tun wir nur so? Oder, viel schlimmer, sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir die Zukunft fürchten und die Vergangenheit verklären? Wie bestimmte Politiker, die den Status quo um jeden Preis schützen und rückwärts gewandt leben, immer mit einem Fuss in einem geschönten Gestern? Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie wir das Schlechte an den guten alten Tagen vergessen, weil wir „damals“ jung oder zumindest jünger waren und dachten, die Welt gehöre uns. Aber jetzt, da sie uns schon so lange gehört, müssen wir uns auf das konzentrieren, was getan werden muss, um sie in einem so guten Zustand wie möglich weiterzugeben. Nicht wie damals, wie heute. Dabei müssen auch wir viel Schlechtes ignorieren, um uns auf das Gute zu konzentrieren.

Viel Licht wünscht Ihnen dabei Ihre
Susanne G. Seiler


Alles was wir tun ist Musik, John Cage

Der Regentag bietet sich an gebietet sich der Regentag
für eine Unternehmung das Tropfentrommeln der Tropfen
ans Fenster ans gekippte Fenster Und die triefenden Blätter
der trompetenartigen weissen Blumen weissen Blüten
in dem Garten unter dem gekippten Fenster: will nur
zu Haus bleiben, sagst du und dem Regen lauschen
älter als das Auge: der Gehörsinn blätternder umblätternder
Regen draussen durchweichte Trompetenblumen Trompeten-
blüten: dein Trommeln mit Fingern Fingerspitzen auf den
Tisch auf das weisse Blatt Papier malst eine Blüte trompeten-
artige einer weissen ungeschützten Unternehmung (Blüte:)
Spaziergang über die Dörfer hinaus im Regen.

Volker Sielaff

september 2019 – goodnews editorial

Geist über Materie

Was ist wichtiger? Wie wir denken oder wie wir aufgewachsen sind? Was wir wollen oder was wir haben? Und sind wir in der Lage, Liebe, Reichtum und Gesundheit allein durch die Stärke unseres Charakters anzuziehen? Gibt es eine erprobte Methode, um mit dem Universum in Resonanz zu treten, damit sich unsere Wünsche erfüllen? Und was ist mit den schlimmen Dingen, die uns passieren? Sind sie auch unsere Verantwortung? Ich glaube, dass ich die Schöpferin meiner eigenen Wirklichkeit bin, was meine Wahrnehmung anbelangt. Dass es an mir liegt, wie ich die Welt sehe, in einer schwarzen Wolke oder als ewigen Sonnenuntergang (oder irgendwo dazwischen), doch wo es um den „Empfang“ geht, sind alle anderen genauso beschäftigt wie ich, ihre Schöpfung zu schützen und aufrechtzuerhalten. Es gibt eine Logik in meinem Leben, und meine Handlungen haben Konsequenzen, aber es gibt auch viele Faktoren ausserhalb meines Einflusses, von Kontrolle ganz zu schwiegen. Was das Erhalten angeht von dem, was ich will – auch Kriegen genannt: Das geht nicht auf Knopfdruck. Die Materie braucht ihre Zeit.

Einen fröhlichen Herbst Ihnen alle!
Susanne G. Seiler


Wie der Herbstwind weht!

Wie der Herbstwind weht!
Doch wir beide leben noch,
beide, du und ich.

Shiki (1867-1912)

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