august 2023 – goodnews editorial

wegwerfgesellschaft

Vor einigen Jahren sah ich am Fernsehen die Übertragung eines Konzerts von Bob Dylan im Nippon Budokan, einer überdachten Arena in Chiyoda, Tokio. Ursprünglich für die Olympischen Sommerspiele 1964 und für Kampfsportwettbewerbe gebaut, ist es akustisch eine der besten Hallen der Welt, in der schon zahlreiche berühmte Musiker aufgetreten sind. Als das Dylan-Konzert zu Ende und das Publikum gegangen war, blieb auf dem riesigen Gelände kein Krümel Abfall zurück. Man hätte vom Boden essen können.

In der Innenstadt von Denver, wo ich kürzlich die Psychedelic Science Conference besuchte, bot sich mir ein ähnliches Bild: Hier und da ein kleiner Fötzel, aber nicht die Mengen an Abfall, über die ich mich hier täglich ärgere. Ich habe auch keinen einzigen Streifenwagen gesehen, während sie hier allgegenwärtig sind. Das hält die Leute nicht davon ab, ihren Dreck überall zurückzulassen. Gewisse Kulturen sehen Abfall nicht als solchen, für sie ist der Müll ein Teil der Umgebung, wie jeder andere Dreck. Manche Menschen sind frustriert und verbittert über ihre Lebensumstände. Klar, dass sie ihren Dreck absichtlich hinter sich werfen. An der Uferpromenade des Zürichsees häuft sich am Morgen nach schönen Tagen der Dreck. Das Problem besteht nicht nur in dem, was man auf den ersten Blick sieht – Abfall oder Teile davon landen in Tiermägen, in unseren Gewässern, auf Feldern und im Wald. Der Müll verseucht die gesamte Natur, und damit auch uns selbst.

Wenn ich daran denke, wie viel Geld unsere Städte ausgeben, um die Hinterlassenschaften von Menschen zu beseitigen, die entweder zu dumm oder zu faul sind, ein paar Meter zum nächsten Abfalleimer zu gehen oder das, was übrigbleibt, mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen, dann stehen mir die Haare zu Berge. Was könnten wir mit diesem Geld alles Gutes tun, wenn wir nur ein wenig darin investieren würden, den Menschen beizubringen, dass es nicht in Ordnung ist, sich so zu verhalten. Bildung, Pflege, Natur, Kunst, bessere Arbeitsplätze für die Menschen, die jetzt hinter uns her putzen – die Liste scheint endlos. Ich bin nicht die Einzige, der sich beschwert, aber es passiert einfach nichts. Ich verstehe auch, dass Polizisten nach dreijähriger, intensiver Ausbildung etwas Besseres vorhaben, als Abfallstreife zu spielen.

Leute auszuspionieren ist nie ein gutes Gefühl, aber die Hilfssheriffs, die Bussgelder für falsch parkierte Autos und andere geringfügige Verkehrsverstösse verteilen – die hätten doch sicher nichts dagegen? Allerdings könnten sie nicht allein los gehen. An die Vernunft zu appellieren, kommt nicht immer gut an, und es ist viel weniger einfach, rüpelhaften Menschen ein Bussgeld aufzuerlegen, als ein Nummernschild zu identifizieren. Soll ich einfach wegschauen? In eine vornehme Gegend ziehen? Aufs Land? Seufz.

Unser Jubiläum am 23. Juli hat eine nette kleine Menschenmenge angezogen. Vielen Dank denjenigen, die teilgenommen haben. Unsere Mitgliederzahl steigt stetig an; unsere wichtigste Priorität bleibt, Sie zu informieren, zu unterhalten und zu vernetzen und unsere vielen Bücher aufzunehmen. Eine Mitgliedschaft kostet umgerechnet fünf Franken pro Monat . Überlegen Sie es sich bitte, wir sind auf Ihr Unterstützung angewiesen!

Herzlich Ihre
Susanne G. Seiler
 
P.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 – 18 Uhr in der gaialounge, Hochstrasse 70 in Basel (hinter dem Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!


leichter sommer

für Bernard Noël
als läge noch eine schicht zwischen ihnen
und dem schmalen streif der küste
traten die wolken hervor, scharf ab-
geschnitten an der unteren kante, oben
ein faltiger riemen, in den die möwen kleine
löcher stanzten. beim nächsten aufschauen
hatte dunst die fläche aufgerauht und der wind
verfing sich in den drahtnetzen
knapp unterm wasserspiegel, die vögel
waren längst verschwunden, der himmel
hielt noch ein weilchen jene luft
die unter ihren flügeln rauschte

Nico Bleutge

juli 2023 – goodnews editorial

jubiläum & psychedelic science

Die meisten von Ihnen wissen es bereits – wir feiern am 23. Juli das dreissigjährige Bestehen der gaiamedia Stiftung mit einem Tag der offenen Tür, der bis in den frühen Abend hinein dauern wird. Ich hoffe, dass Sie Zeit dafür finden und wir diejenigen persönlich kennenlernen können, die uns bis jetzt nicht die Ehre gegeben haben.

Sie wissen wahrscheinlich auch, dass gaiamedia von Dieter A. Hagenbach gegründet wurde, der sich die Stiftung zum Fünfzigsten schenkte, obwohl er eigentlich am 24. Juli Geburtstag hatte. Er wäre dieses Jahr 80 geworden. Die Zahl 23 ist eine besondere Zahl, die bereits William Burroughs, Robert Anton Wilson und Arthur Koestler faszinierte. Es handelt sich um eine Primzahl und sie scheint unverhältnismässig oft vorzukommen, was ihr eine geheimnisvolle Aura verleiht. Für Wilson und Burroughs hatte sie eine unheilvolle Bedeutung, und es gibt sogar einen Film darüber mit Jim Carrey, The Number 23. In der Bibel findet sich unter Numeri 23:23 der mysteriöse Satz: „Was hat Gott getan!“ Es heisst, dass die Zahl 23 häufiger erscheint, wenn man darauf achtet. Es stimmt, dass Phänomene häufiger auftreten, wenn man sie beachtet. Als ich ein neues Auto fuhr, schien ich zum Beispiel plötzlich überall Fahrzeuge meines Typs zu sehen.

Wie Robert Anton Wilson listig fragte: Findet man eher einen Franken auf dem Boden, wenn man danach sucht, oder wenn man es dem Zufall überlässt? Sehen wir uns am Sonntagnachmittag des 23., kann das kein Zufall sein!

Letzten Montag kehrte ich aus Denver zurück, wo ich die Psychedelic Science Conference besuchte, die bezeichnenderweise am 23. Juni endete. Es war ein beeindruckendes Ereignis mit über 300 Referentinnen und Referenten sowie unzähligen Vorträgen, Plenarsitzungen, Podiumsdiskussionen, Workshops, Arbeitsgruppen, Ausstellern und Partys. Ich habe neue Kontakte geknüpft und alte wiederbelebt, sowohl zum Women’s Visionary Council als auch zu den Verlagen Inner Traditions und Synergetic Press sowie zum Psychedelic Literacy Fund. Ich traf alte Freundinnen und Schweizer Freunde vor Ort und wurde Rick Doblin vorgestellt, der mit seiner MAPS (Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies) mehr für den therapeutischen Einsatz von Psychedelika erreicht hat als jeder andere, insbesondere für MDMA. Ich hatte Rick Jahre zuvor in Esalen kennengelernt, als Terence McKenna sprach und Sasha Shulgin Geburtstag hatte, aber er konnte sich nicht an das Ereignis erinnern, und ich kann es ihm nicht verübeln. Rick ist ein charmanter und gutmütiger Mensch. Ich wollte ihn nicht aufhalten und überliess ihn anderen Fans.

Der Anlass selbst war überwältigend. Es waren Tausende Menschen vor Ort, vor allem am Mittwoch, als sich die Türen des Denver Conference Center erstmals für das Publikum öffneten. Tags zuvor hatte ich an einem Workshop des Zendo Projekts teilgenommen. Das sind die Leute, die sich bei grossen Festivals um spirituelle Notfälle kümmern. In der Schweiz finden viele Open Airs stattf, darunter auch einige sehr grosse. Es ist wichtig, einen Ort zu haben, an dem man aufgefangen oder von einem Care-Team gefunden werden kann, wenn die Dinge ausarten. Auf diese Weise könnten wir verwirrte junge, aber auch ältere Menschen vor schlimmeren Erfahrungen schützen.

Herzlich Ihre
Susanne G. Seiler
 
P.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 – 18 Uhr in der gaialounge, Hochstrasse 70 in Basel (hinter dem Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!


trost

Es kommen die Stunden,
Da alte Wunden,
Die längst vergessen,
Drohn zu zerfressen.

Es kommen die Tage,
Da keine Waage
Des Lebens, der Leiden
Sich kann entscheiden.

Die Stunden verrinnen,
Die Tage vergehen,
Es bleibt ein Gewinnen
Das blosse Bestehen.

Hannah Arendt

juni 2023 – goodnews editorial

bildung und wirklichkeit

Unser Bildungssystem ist nicht mehr zeitgemäss. In einer Gesellschaft wie unsere, in der Wissen global verfügbar ist, brauchen wir eine neue Pädagogik, die auf individuelle Bedürfnisse eingeht. Anstatt Lehrpläne abzuarbeiten, könnten Lehrer unseren Kindern dabei helfen, in Zusammenarbeit mit Gleichaltrigen ihre eigenen Ideen und Pläne zu erforschen, zu analysieren und zu kultivieren.

Claudio Naranjo, der bahnbrechende chilenisch-amerikanische Psychiater, spirituelle Lehrer und psychedelische Therapeut, lieferte bedeutende Beiträge zur psychiatrischen Forschung, indem er in den Sechzigern Harmalin, einen Wirkstoff von Ayahuasca, und das zentralafrikanische Iboga einführte. Später wandte er sich der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu und verfasste das bahnbrechende Buch Changing Education to Change the World: A New Vision of Schooling. Diese Buch sollten alle lesen, der sich mit dem Bildungssystem auseinandersetzen und auf Alternativen hoffen. Einen deutschsprachigen Beitrag von ihm zum Thema, gibt es hier.

Naranjos Erziehungsansatz geht davon aus, dass Handeln, Denken, Fühlen und Bewusstsein intrinsische Aspekte unseres Wesens sind. Kürzlich schlug Bill Gates vor, Roboter könnten Kindern das Lesen und Schreiben effektiver beibringen als menschliche Pädagogen, da die künstliche Lehrerin in der Lage ist, jederzeit intelligent und ansprechend auf die individuellen Bedürfnisse ihres Schülers einzugehen. Angesichts der begrenzten kindlichen Aufmerksamkeit könnten Roboter in kurzen, gezielten Sitzungen immer dann eingesetzt werden, wenn sich das Kind empfänglich zeigt. Ältere Kinder werden aufgrund ihrer eigenen Lesefähigkeit zu wertvollen Motivatoren. In einer altersgemischten Umgebung können die Kinder ihre Mitschülerinnen selbst auswählen, um bestimmte Themen zu erforschen oder kreative Projekte durchzuführen.

Ein kleines Team von Lehrerinnen/Helfern bietet Anleitung und Aufsicht, während Eltern sowohl zu Hause als auch in den Lernzentren aktiv dabei sein können. Dieser Ansatz fördert die Zusammenarbeit und das Wachstum aller Beteiligten.

Beim Lernen neigen junge Menschen dazu, sich auf Themen zu konzentrieren, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen. In Anbetracht dieser natürlichen Tendenz scheint es logisch, ihnen schon in jungen Jahren eine grössere Autonomie in Bezug auf ihre Bildung zu gewähren. Auf diese Weise fördern wir ein Umfeld, das zu überraschenden Innovationen führt, denn wir wissen, dass Kindheit, Jugend und frühes Erwachsenenalter die kreativsten Lebensphasen sind. Viele berühmte Genies haben ihre bemerkenswerten Leistungen vor ihrem fünfundzwanzigsten Altersjahr vollbracht. Indem wir die Autonomie junger Lernender fördern, setzen wir ihr Potenzial frei und schaffen Möglichkeiten für sie, die Bereiche zu erforschen, die ihre Neugierde und Leidenschaft wecken, und in denen sie glänzen können.

Es lohnt sich, einen Blick auf die derzeitige Bildungslandschaft zu werfen, in der viel Zeit auf den Erwerb grundlegender Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen verwendet wird. Auch wenn diese Fähigkeiten grundlegend sind, ist es noch wichtiger, unseren Kindern die Werkzeuge und die Einstellung in die Hand zu geben, die sie brauchen, um sich mit der Welt auseinanderzusetzen, die sie erwartet.

Herzlich Ihre
Susanne G. Seiler
 
P.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 – 18 Uhr in der gaialounge, Hochstrasse 70 in Basel (hinter dem Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!


der sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!

 Ludwig Uhland

mai 2023 – goodnews editorial

hektik

Die Jahrtausendwende unserer Zeit entspricht ungefähr dem Ende des 13. Zyklus oder Bakun des Maya-Kalenders am 21. Dezember 2012. Seitdem scheint sich die Zeit zu beschleunigen, und wir stopfen immer mehr Inhalte in dieselben Stunden.

Diese rasante Entwicklung haben wir unserer Konkurrenz, den Halbleitern, zu verdanken. Diese winzigen Chips haben uns ihre Effektivität aufgezwungen. Deshalb sind wir nicht nur chronisch elektronisch aufgeladen, sondern stehen auch unter dem ständigen Druck, mehr aus einem Leben zu machen, das früher gemächlich war. Im Hier und Jetzt zu leben bedeutet, sich mit Sturzhelmen und Regenjacken zu bewaffnen und sich auf seine ökologisch zertifizierten Fahrräder zu schwingen, um sich auf die Suche nach einer Zeit zu machen, die bereits vor hundertzehn Jahren verloren ging. (So alt ist das monumentale Werk von Marcel Proust dieses Jahr.)

Was uns rettet, ist die Natur, und in dieser Hinsicht bin ich sehr optimistisch. Wir können wieder Zeit im Freien verbringen und uns entspannen, wenn wir nicht ständig an unseren Handys oder PCs sitzen. Lassen wir sie zu Hause und verzichten wir auf die ständige Erreichbarkeit. Das Wort hat den Beigeschmack von Opfern, die mit religiöser Hingabe auf dem unerbittlichen Altar des Erfolgs gebracht werden müssen. Prioritäten werden gesetzt, Regime durchgesetzt. Es geht immer mehr Zeit drauf, und wofür?

Bicycle Day hat viel Spass gemacht. Wir würden diesen denkwürdigen Tag von jetzt an gerne jährlich begehen, damit er wachsen und gedeihen kann. Erstens ist es eine schöne Strecke und zweitens gab es eine kleine Sensation. Ein paar von uns wurden in das Haus eingeladen, in dem Albert Hofmann wohnte, als er seinen berühmten ersten absichtlichen LSD-Trip machte. Er muss sich so elend gefühlt haben, dass er die nächstbeste Sitzgelegenheit ansteuerte, um wenigstens im Liegen sterben zu können. Die Couch, auf die er sich warf, stand direkt neben dem Eingang. Irgendwann werden wir das Haus und das Wohnzimmer sehen und die jetzigen Besitzer kennenlernen, denn das Schweizer Fernsehen hat uns begleitet und zwei Kameraleute und eine Regisseurin bemüht. Mehr über ihre Dokumentation zu gegebener Zeit.

Ich wünsche Ihnen einen herrlichen Frühling!
Ihre
Susanne G. Seiler
 
P.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 – 18 Uhr in der gaialounge, Hochstrasse 70 in Basel (hinter dem Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!


umlaufbahn der seele

Mein wahrer Stern
auf der Umlaufbahn der Seele,
dorthin wandere ich in der Früh’,
dort lass ich den langen Zug meiner Müdigkeit ruhn.
Mein treuer, geheimer Stern,
er wartet auf mich
an den Gabelungen der Zeit,
auf der Startbahn des Sturms.
Mein wahrer Stern
auf der Umlaufbahn der Seele,
knieend flüstere ich in seiner Gegenwart,
sing’ ich das Lied des Daseins,
tauche mein strömendes Herz
in des Daseins Meer.
Ich umarme die Illusion der Freiheit,
meine klaren Tränen waschen sie, bis rein sie erstrahlt.
Vielleicht rettet sie mich.
Vielleicht erhebt sie mich zu den Türmen der Gewissheit

 Hanane Aad

april 2023 – goodnews editorial

bicycle day 2023

Vor achtzig Jahren, am späteren Nachmittag des 19. April, fuhren Albert Hofmann und seine Laborassistentin Susi Ramstein – die erste Frau, die LSD nahm – mit ihren Fahrrädern vom Sitz der Sandoz an der Lichtstrasse in Basels Wettstein-Quartier nach Bottmingen, dem Vorort, wo der Chemiker mit seiner Familie wohnte. Er hatte etwa eine Stunde zuvor das erste Mal bewusst LSD eingenommen.
Den rund sechs Kilometer langen Weg, den er mit der Hilfe der jungen Frau fuhr, wollen wir auch am diesjährigen Bicycle Day nachfahren. Wir denken dabei an die vielfältigen geistigen Abenteuer, die Albert Hofmann durchlebte, und an die mutige Susi Ramstein, die erste Trip-Begleiterin überhaupt.   Wir treffen wir uns ab 17 h in der gaialounge an der Hochstrasse 70, damit wir einen geschützten Ort haben, von wo wir bei schlechtem Wetter losfahren und zu dem wir zurückkehren können, und radeln gemeinsam um etwa 18 h los. Für beide Wege brauchen wir gut eine Stunde. Eine Voranmeldung ist nicht nötig. Gerne offerieren wir den Teilnehmer*innen vor und nach der Fahrt einen kleinen Umtrunk bei passender Musik.
Dieser sympathische Anlass steigt nach einem Wochenende der Superlative: Am Freitag, 14. April findet in Hotel Hofmatt in Münchenstein, veranstaltet von der SÄPT (Schweizer Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie) unter dem Titel LSD80 die wissenschaftliche Würdigung des wichtigsten Tags des psychonautischen Jahrs statt, mit Beiträgen zu LSD in Forschung, Therapie und Gesellschaft sowie einem Abendprogramm. Erstmals gibt es auch parallel ein Programm in französischer Sprache. Da der deutschsprachige Anlass ausverkauft ist, gehe ich zu den Romands und freue mich darauf, neue Leute kennen zu lernen.
Am Samstag, 15. und Sonntag, 16. April treffen wir uns beim Festival LSD80 – DOWN TO EARTH im Ostquai des Rheinhafens. Dort erwartet uns eine imposante industrielle Umgebung und ein Feuerwerk an Kunst und Kommunikation auf allen Ebenen. Wir gedenken an diesem Wochenende auch Christian Rätsch, der im vergangenen September unerwartet starb. Das ganze Programm finden Sie hier.
Zum 80. Jubiläum von LSD verschenken wir Mitgliedschaften bei der Gaia Media Stiftung. Wer teilnimmt am LSD-Festival und den vor Ort erhältlichen Coupon ausfüllt, ist automatisch ein Jahr dabei, bekommt unseren Newsletter, hat Zugang zu unserer Bibliothek, kann unsere Lounge für eigene Treffen nutzen und geniesst Vorteile.Die Gaia Media Lounge soll wieder zu einem lebendigen Treffpunkt und zu einer Schnittstelle der Bewusstseins-Bewegung werden.
Ich hoffe, Sie haben Zeit und Lust, sich anzuschliessen!
Festlich Ihre
 Susanne G. Seiler
 
P.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 – 18 Uhr in der Gaia Lounge, Hochstrasse 70 in Basel (hinter dem Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!


festtagsgedicht

Tage gab es,
da setzte ich mich aus den morgens
herumliegenden Einzelteilen zusammen.

Als Bausteine galten
wohlgesonnene Wolken,
der rostige Pfosten vor meinem Fenster,

ein besonderer Wind in
besonders geformten Ästen.
Das Gewöhnliche gab mächtig an.

Mittags stand ich dann vollendet,
ein loser Bau von Tages Gnaden,
der Verkehrslärm brach sich in mir.

Oft hing ich mit der Sonne herum.
Abends sassen wir unter Bäumen
oder warfen Glanz über die Cafétische.

Dann war ich allein. Am nächsten Morgen
zog ein neuer Herrscher auf.
Wochen gab es, da war es so.

Steffen Jacobs

märz 2023 – goodnews editorial

oops, i did it again

Vor ein paar Jahren versuchte ich, eine Mikrodosis LSD zu nehmen, indem ich einen winzigen Streifen von einem Blotter abschnitt. Damals hatte ich noch mein Bed & Breakfast und nahm die Minidosis nach der Arbeit, am späten Vormittag. Danach erledigte ich einige Büroarbeiten. Ich stellte mir vor, dass ich unter dem homöopathischen Einfluss von LSD unliebsame und zeitaufwändige Aufgaben speditiver erledigen würde. Etwa dreissig Minuten später veränderte sich meine Wahrnehmung. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Mein Gehirn fühlte sich an, als breite es sich aus. Bunte Muster schlichen sich in mein Blickfeld. Ich hatte zu viel erwischt und beschloss, mich hinzulegen.
Obwohl ich höchsten dreissig Mikrogramm eingenommen hatte, gemessen am Rest, wurde ich für die nächsten zwei Stunden mit wechselnden farbenfrohen und lebendigen Landschaften belohnt, die ich nur als erhaben und spirituell bezeichnen kann. Es war eine warme und freundliche Erfahrung, und ich stand neunzig Minuten später erholt wieder auf, wie nach einem guten Film.
Letzte Woche versuchte ich, das Experiment zu wiederholen, dieses Mal mit einer, wie ich hoffte, deutlich geringeren Menge. Das LSD fuhr dieses Mal innerhalb von zwanzig Minuten ein. Es war ein anderes, noch stärkeres Filzchen. Was nun? Es war nicht so, dass ich nicht funktionieren konnte, aber wollte ich das? Planmässig stieg ich dennoch in den Intercity nach Basel. Der Zug hatte Zürich noch nicht lange verlassen, als ein abgerissener Mann aufstand und um Geld zu betteln begann. Der noch junge Mann war in einem erbärmlichen Zustand, und es tat weh, ihn so krank und ausgezehrt zu sehen. An einem Mundwinkel klebte Spucke, und er schwankte, als er einen weiteren Fahrgast verliess und auf mich zu steuerte. Ich hielt zur Abwehr meine offene rechte Hand hoch. Er ging an mir vorbei, kam aber später zurück. Ich hatte Mitleid mit ihm. In diesem Moment waren wir beide Konsumenten unterschiedlicher illegaler Substanzen, mit unterschiedlichem Hintergrund und aus unterschiedlichen Gründen.
Unser Austausch bleibt zwischen ihm und mir. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass wir Menschen wie ihn annehmen sollten, hilflos und ohne jegliche Perspektive, verloren, wie sie sind. Ich spürte seine Unruhe, seine Verzweiflung. Seine Beine waren stellenweise ausgebleicht, als hätte er Vitiligo, und mit Wunden übersät. Er gehörte zum Strandgut unserer Gesellschaft, diese Menschen, die niemand will, nicht einmal in einem Reha-Programm. Mir ist klar, dass sie nicht jeden aufnehmen können. Er war aber nicht bösartig oder respektlos. Und auch nicht dumm. Nur nicht sauber. Ich gab ihm ein bisschen Geld. Mir ist egal, wofür er es ausgibt. Ich möchte, dass er weiss, dass ich ihn sehe. Dass ich ihn nicht verachte. Und dass ich mir ein besseres Leben für ihn wünsche.
Die vermeintliche Mikrodosis hielt bis zum frühen Abend an, als ich mit dem Zug nach Hause fuhr. Es geschah weiter nichts Ungewöhnliches, nur die Tage werden länger.
Herzlich Ihre
 Susanne G. Seiler
 
P.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 – 18 Uhr in der Gaia Lounge, Hochstrasse 70 in Basel (Nähe Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!


mensch, werde wesentlich

Mensch, werde wesentlich: denn wann die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

Angelius Selesiuis 

februar 2023 – goodnews editorial

wege zur legalisierung

Dass Cannabis in den deutschsprachigen Ländern nach wie vor nicht entkriminalisiert wurde, ist äusserst bedauernswert. Wenn ich bei uns in Denner gehe und für hunderte Franken Schnapps, Wein und Bier kaufe, fragt mich niemand nach meiner Berechtigung. Dabei gehen die durch Alkohol verursachten medizinischen und gesellschaftlichen Schäden jedes Jahr in die Abermillionen, was wir alle wissen. «Kifferin» soll ich mir aber auf die Stirn schreiben und mich dafür potenziell von Versicherungen, Krankenkassen und Arbeitsgeberinnen diskriminieren lassen?
Und wenn Cannabis – endlich – entkriminalisiert wird, wie verfahren wir dann mit den psychedelischen und schliesslich mit allen anderen Substanzen? Wie bereits im letzten Editorial erwähnt, ist das medizinisch kein Problem, wenigstens bei uns, wo inzwischen gegen siebzig Therapeuten über offizielle Lizenzen verfügen, um ihre Klientel psychedelisch zu betreuen. Und sonst? Claude Weill, Autor des lesenswerten Buchs Elysium und zurück, meint:  «Wer erwachsen ist, das nötige Grundlagenwissen mitbringt und unter Anleitung erste Erfahrungen mit Psychedelika gemacht hat, soll legal konsumieren dürfen.» Im gleichen Artikel des ‘Beobachter’ vom 30. März 2020 meint Suchtmediziner Toni Berthel: Erwachsene «brauchen keine Lebensführungs-Besserwisser».
Aber wie soll das konkret vor sich gehen? Was wir sicher brauchen, ist ein Netzwerk für spirituelle Krisen, denn auch wer die Lizenz zum Konsum von Psychedelika erlangt, kommt nicht unbedingt auf immer und ewig allein mit seinen Erfahrungen zurecht. Gruppenarbeit ist angesagt, und ein Netz aus freiwilligen Betreuerinnen sollte es auch geben. Wir müssen dem Kommerz der aufkeimenden Psychedelika-Industrie eigene Wege entgegensetzen, wollen wir uns nicht vereinnahmen und ausnutzen lassen. Woher die Substanzen dazu kommen sollen, muss auch geregelt werden. Eingangs erwähntes medizinische Modell bringt die richtigen Ansätze. Wie können Private davon profitieren und damit Geld in die richtigen Kassen spülen, nämlich ins universitäre Umfeld, wo es nicht um Profit, sondern um eine andere Art von Gewinn geht, nämlich um Erkenntnisse?
Und was machen wir schliesslich mit den unzähligen Kokainisten und den anderen Konsumentinnen süchtig machender Substanzen? Wie kommen sie sicher an ihren Stoff, wenn sie nicht zu den Härtefällen gehören, die von unserem Heroinprogramm profitieren? Soll es ihnen wie im Song ‘You Can’t Always Get What You Want’ der Rolling Stones gehen, in dem sie in einer Apotheke hinter einem Mr. Jimmy anstehen, um ihr Rezept einzulösen? Ärzte verschreiben, Nutzer nutzen? Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Menschen, die sich wohl für Subtanzen, aber nicht unbedingt für Bewusstseinserweiterung interessieren, draussen in der Kälte stehen zu lassen. Das psychedelische Ethos ist human und inklusiv. Alles weitere wird sich weisen.
Wärmste Grüsse aus der Kälte von
Ihrer
  Susanne G. Seiler
 
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haiku (aus Polarnacht)

Der blaue Falke
Sammelt Eiskristalle
Webt dem Wind ein Nest

 Inger-Marie Aikio

januar 2023 – goodnews editorial

come together

Zum Jahresanfang möchte ich Ihnen alles Gute wünschen: Bleiben sie gesund, entspannt und friedlich!
Für das kommende Jahr wünsche ich mir, dass unter Psychonautinnen Freund- und Gemeinschaften entstehen. Wir haben es mit mindestens vier Themenkreisen zu tun, für die man sich engagieren kann.
Bei der Entkriminalisierung von Psychedelika geht es zuallererst um indigene Bevölkerungen in aller Welt, deren Recht auf den überlieferten Umgang mit den von ihnen benutzten Substanzen international anerkannt werden muss. Ohne sie würden wir viele psychoaktive Pflanzen und andere Gewächse nicht kennen.
Um den medizinischen Bereich brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Dieser wird gut abgedeckt durch Psychiater und Psychologen, durch Universitäten, Spitäler und Kliniken, die in einem guten Kontakt mit den Behörden stehen. Ich erinnere Sie daran, dass an allen grossen Schweizer und auch an vielen internationalen Universitäten mit psychedelischen Substanzen geforscht wird.
Der dritte Bereich, der einer einheitlichen Regelung harrt, betrifft den privaten und rituellen Gebrauch von Psychedelika, sei es nun innerhalb oder ausserhalb einer (spirituellen) Gemeinschaft. Es kann nicht sein, dass ich mich strafbar mache mit einer Handlung, die fernab vom Auge der Öffentlichkeit stattfindet und nur mich selbst betrifft.
Der vierte Bereich, oft verächtlich als unseriös abgetan, betrifft die grosse Gruppe junger Menschen, die Substanzen in meist geringen Dosen bevorzugen, um damit an Partys und Raves die Nacht zu durchtanzen und ihrer Innenwelt über ihrem Körper Ausdruck zu verleihen. Viele Erwachsene scheinen vergessen zu haben, wie viel Energie in jungen Menschen steckt! Ein Körper in Bewegung ist vielleicht gerade deshalb in der Lage, Traumata zu verarbeiten und abzuschütteln, weil eine Verbalisierung nicht möglich ist, da es oft an emotionaler Erfahrung und an bewussten Inhalten fehlt. Unnütze Gebote und Verbote aus der Kindheit finden in der Disco ein stilles Grab.
Gleich wo und in welchem dieser vier Bereiche, es geht immer um Freiheit und Selbstbestimmung. Sie zu erlangen liegt an uns allen. Ich hoffe, wir finden Wege, die richtige Leute zusammenzubringen.
Kommen Sie gut durch den Winter – mit oder ohne substantielle Unterstützung.
   Ihre
   Susanne G. Seiler

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kreislauf

Der Kreislauf wirkt
und immer wieder
ein neues Jahr,
ein neuer Tag,
ein neuer Gedanke,
wenn auch nur für einen,
in schlafloser Nacht geträumten,
leisen Augenblick.

   Jo M. Wysser

dezember 2022 – goodnews editorial

schwere zeiten

Ich muss einen Weg finden, unsere leidende Welt mit meinem eigenen Optimismus, meiner Freude und meinen Verpflichtungen in Einklang zu bringen.
Patti Smith

Die Pandemie und der brutale Krieg in der Ukraine haben uns gesellschaftlich und wirtschaftlich aus der Bahn geworfen. Das Leben ist teurer geworden. In Amerika schlachtet im Wochentakt irgendein Wahnsinniger unschuldige Menschen ab. Frauen werden weltweit erschütternd häufig Opfer gezielter männlicher Gewalt; die Dunkelziffer ist riesig. Übersterblichkeit, wohin man schaut, vor allem aber in der von uns gebeutelten Natur. Nicht dass vorher alles besser gewesen wäre, doch inzwischen wissen wir genau, was uns plagt und kränkt, und machen uns weniger Illusionen darüber, wer wir sind und wozu wir fähig sind.
Weihnachten steht vor der Tür, trotz allem ein Grund zur Freude. Unsere Familie hat vor einigen Jahren beschlossen, dass wir nur noch den Kindern etwas schenken. Ich halte mich konsequent nicht daran, denn auch die Erwachsenen sind meine Kinder und ihre Partner stellvertretend ebenso.
Was die Geschenke angeht, setze ich seit dem Verdikt gegen die Erwachsenen auf Naturalien. Mein Enkel, der ein Talent zum Töpfern hat, kann bei der Nachbarin weiter unter an meiner Strasse einen Nachmittag lang schnuppern kommen.Seine Kreationen wird sie für ihn brennen. Ein Drittel der Familie ist dieses Jahr im Ausland. Dort habe ich meine Gaben hin liefern lassen – leider keine Naturalien, dafür etwas für den ganzen Familienzweig. Jetzt bin ich noch auf der Suche nach einem natürlichen Geschenk für die Teenagerin und für die junge Erwachsene. Etwas kaufen kann schliesslich jede/r.
Ich bin sehr dankbar, sind bei uns alle gesund, lieben wir einander (mit gelegentlichen Ausnahmen) und dürfen wir auch dieses Jahr das Fest des wiederkehrenden Lichts in Frieden und Sicherheit geniessen. Dass wir dabei auch den Menschen gedenken, denen es nicht so gut geht wie uns, gehört ebenso dazu, wie das hoffentlich gelungene Essen (ich bin dieses Jahr die Köchin) und vor allem die Freude am Zusammensein.
Ich wünsche Ihnen erholsame Feiertage!
   Ihre
   Susanne G. Seiler

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es gibt so wunderweisse nächte

Es gibt so wunderweisse Nächte,
Drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert manchen Stern so lind,
Als ob er fromme Hirten brächte
Zu einem neuem Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantenstaube
Bestreut, erscheinen Flur und Flut,
Und in die Herzen, traumgemut,
Steigt ein kapellenloser Glaube,
Der leise seine Wunder tut.

   Rainer Maria Rilke

november 2022 – goodnews editorial

wokeness

Viele von Ihnen sind zu jung, um zu wissen, was in den aufgeheizten, revolutionären Sechzigern und Siebzigern für raue Töne herrschten. Man sah sich als Kämpfer, gewisse leider auch als Terroristin und das im Namen einer Revolution, die so nie stattfand. Unsere Revolution war kultureller Natur, doch das sah man erst Jahre später. In der Psychologie waren Encounter-Gruppen populär, wo die Leute sich anschrien und beschimpften. Hauptsache Konfrontation und raus mit den Gefühlen! Echt sein, ohne aufgesetzte soziale Maske, die damals einiges rigider war als heute, das muss man schon sagen.
Vergleiche ich diesen Umgang mit dem, was ich kürzlich beim Arzt hörte, muss ich laut lachen. Sagte die eine Praxisgehilfin zur anderen: «Könntest du dir vielleicht vorstellen, morgen eine Stunde früher zur Arbeit kommen?» Empfindlichkeiten konnten wir uns nicht leisten.
Ich muss anderen auch Unangenehmes zumuten und direkt kommunizieren können, ohne sie anzugreifen oder einen fordernden Ton anzuschlagen, wie es damals in Büros und Werkstätten gang und gäbe war. Und diese müssen bereit sein, sich etwas sagen zu sagen, ohne gleich im nächsten Schmollwinkel zu verschwinden. Es ist gut, dass wir seit den wilden Hippie- & Revoluzzerjahren in uns gegangen sind und mehr Rücksicht aufeinander und auch auf andere Religionen, Rassen, Ethnien und Kulturen nehmen. Diese gehören längst zu uns, auch im letzten Krachen, wie ich immer wieder interessiert feststelle. Ich mag die multikulturelle Gesellschaft, sie bereichert unser Leben, und wenn wir dauernd zu den unterschiedlichsten Zwecken ins Ausland fahren, sehe ich keinen Grund, warum das Ausland nicht auch zu uns kommen sollte.
Nun gibt es aber Leute, die sich über andere erhaben fühlen. Denn siehe da, sie wissen was richtig ist, was man glauben soll, was sich gehört und was guter Geschmack bedeutet. Witze über andere Nationalitäten oder Religionen? Pfui! In irgendeiner Form blankziehen? O mein Gott! Alles muss verschleiert werden, ausser muslimische Frauen. Aus Bewunderung oder Ignoranz Werte und Ausdrucksweisen anderer Kulturen übernehmen? Sicher nicht! Wir halten hier die Werte rein. Keine Vermischung bitte oder du wirst gecancelt! Wenn ich meinem sardischen Nachbarn mit einem Augenzwinkern einen Italienwitz erzähle, ist das kein Schäkern mehr, sondern ich beleidige seine Werte, sein Land, seine Integrität. Dasselbe gilt für die leidige Dreadlocks-Debatte. Vielleicht wissen wenigstens inzwischen die meisten, dass es keine «Rastazöpfe» sind. Und was ist mit Winnetou? Selbstverständlich bin ich für eine bessere Repräsentation von Minderheiten im Film und anderswo. Aber gleich das Kind mit dem Badewasser ausschütten? Kinder sollen nach wie vor Tom Sawyer lesen dürfen (die frühen Globi-Bücher weniger). Neger war früher ein gängiges Wort. Wegen Apartheid und Rassismus empfinden schwarze Menschen diese Bezeichnung als despektierlich. Andere Menschen beschimpfen ist immer out. Das muss man Kindern erklären.
Gesunder Menschenverstand ist angesagt, will man wissen, was man seinen Nachbarn und Mitbürgerinnen zumuten kann. Sich an selbsternannte Moralapostel halten oder seine Meinung nur in den sozialen Medien bilden, wo irgendwelche Würstchen und Hasser sich zu trauriger Berühmtheit trollen, ist keine Option.
Übrigens suche ich 2.2 Millionen Franken für das schmale Haus am Spalenberg in Basel, im dem Dieter Hagenbach, der die Gaia Media Stiftung ins Leben rief, viele Jahre lebte. Wir würden daraus gerne eine LSD-Museum machen. Hat jemand Geld und Lust?

  Ihre
   Susanne G. Seiler

P.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 – 18 Uhr in der Gaia Lounge, Hochstrasse 70 in Basel (Nähe Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!


allzeit glücklich

Manchmal ein bisschen träumen
Und immer ein bisschen hoffen
So blieb zu seligen Räumen
Mir allzeit ein Türchen offen

   Ernst Goll

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