juni 2020 – gut zu hören

Ding a Ling
Dizzy Gillespie / Mike Longo
Hier hören wir Mike Longo, den wir im vergangenen März an Covid-19 verloren haben, anlässlich der Dizzy Gillespie Reunion. Michael Josef Long wurde 1937 in Cincinnati in eine musikalische Familie hinein geboren und begann schon früh, Bass und Klavier zu spielen. Nachdem die Familie nach Fort Lauderdale umgezogen war, ging Mike mit der Band seines Vaters auf Tournee, brachte es aber bald zu eigenen Auftritten dank Cannonball Adderley, der ihn zunächst als Pianisten für seine Kirche engagierte. In den sechziger Jahren gründete Longo das Mike Longo Trio, das zweiundvierzig Jahre bestand. Bald darauf lernte er Dizzy Gillespie kennen, der ihn auf der Stelle als musikalischen Leiter und später als Pianist der Dizzy Gillespie Allstar Band einstellte. Longos musikalische Karriere war von diesem Moment an eng mit der von Gillespie verbunden. (sgs)
Pablo Records, 1973


Fiesta d’Or
Aurlus Mabélé
King of Soukous 

Ein weiteres Opfer von Covid-19, die kongolesische Musiklegende Aurlus Mabélé (Aurélien Miatsonama), verstarb am 23. Mai 2020 im Alter von sechsundsechzig Jahren. Er wurde 1953 in Poto-Poto, in der Republik Kongo, geboren; man nannte ihn dort den König des Soukous. Die Karriere des Sängers und Komponisten nahm ihren Anfang im Brazzaville der siebziger Jahre. Ein Jahrzehnt später zog Mabélé nach Paris und eroberte schliesslich die Welt mit seiner Mischung aus karibischen und afrikanischen Rhythmen, Pop und Soul. In der in Zaïre ansässigen Band Loketo des berühmten kongolesischen Gitarristen Diblo Dibala (wegen seiner Schnelligkeit als «Machine Gun» bekannt), spielte Mabélé zusammen mit Singer-Songwriters Mav Cacharel und dem Keyboard-Spieler Ronald Rubinel Soukous, auch als kongolesischer Rumba bekannt. Es ist eine Musik, die glücklich macht. In den fünfundzwanzig Jahren seiner Karriere verkaufte Mabélé mehr als zehn Millionen Schallplatten und führte den Soukous in der ganzen Welt ein. Loketo war auch bekannt für seine komplexen Melodien und treibenden Rhythmen. (sgs)
Jimmy’s Production, 2001


Yé Ké Yé Ké
Mory Kanté
Wir haben noch einen weiteren populären afrikanischen Musiker verloren: Mory Kanté (1950-2020) war ein guineischer Sänger, Gitarrist und Balafonspieler und ein Erbe der Griot-Tradition des alten Königreichs Mande. Ein Griot ist ein Geschichtenerzähler und ein wandelndes lokales Lexikon. Über sein Werk sagte Kanté: «Ob man Kora, Balafon oder ein anderes Instrument spielt, man muss etwas schaffen, das die Menschen nicht so schnell vergessen werden. Solange deine Arbeit gut ist, vergessen wir sie nicht.» Seine Mutter war Sängerin und stammte aus einer berühmten Musikerfamilie. In den achtziger Jahren zog Kanté nach Paris, wo man ihm den Spitznamen «der elektronische Griot» gab. Er schuf dreizehn Soloalben, von denen das letzte 2017 veröffentlicht wurde. «Später in seiner Karriere drückte Kanté seinen Stolz darüber aus, dass es ihm gelungen ist, im Dorf Nongo in der Nähe von Conakry einen Unterhaltungskomplex mit einem Auditorium mit 1.500 Sitzplätzen, zwei anspruchsvollen Aufnahmestudios und Freizeiteinrichtungen zu errichten. Ausserdem hielt er Gastvorlesungen an Universitäten auf der ganzen Welt und vertiefte damit sein Interesse an der Industrialisierung der Kultur.» (The Guardian)
Discogs, 1993


Living in a Ghost Town
The Rolling Stones
Es brauchte eine Pandemie, bis den Rolling Stones wieder einmal ein guter Song gelang, die erste Rolling Stones-Single seit vier Jahren und das erste Originalmaterial der Band seit 2012. In einem Interview mit Apple Music verriet Mick Jagger, dass er und Keith Richards den Song über ein Jahr zuvor geschrieben hatten, «Er wurde nicht für den Moment seines Erscheinens geschrieben, aber es war einfach eine dieser seltsamen Übereinstimmungen,» meinte er. „Wir schrieben davon, wie es ist, an einem Ort zu sein, der voller Leben war, aber wo jetzt sozusagen kein Leben mehr stattfindet. Ich habe einfach nur auf der Gitarre rum geklimpert und das Stück in etwa zehn Minuten geschrieben.» Aber Richards und Jagger schrieben den Text neu, um ihn an die gegenwärtige Situation anzupassen. Sie sagen, sie wüssten nicht, wann sie wieder auf Tournee gehen würden, wie sie es in den letzten Jahren waren. Die gute Nachricht ist, dass sie viel Zeit hatten, neue Musik zu schreiben.
Polydor, April 2020


Strange to Explain
Woods
Woods ist eine Folk-Rock-Band aus Brooklyn, New York, die 2005 gegründet wurde. «In den drei Jahren zwischen Woods‘ Album Love Is Love (2017) und seinem Nachfolger Strange to Explain (2020) ist viel passiert. Die Kernmitglieder Jeremy Earl und Jarvis Taveniere arbeiteten eng mit David Berman an seinem Purple Mountains-Album zusammen, der letzten Musik, die Berman nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung des Albums noch vor seinem Tod machen würde. Darüber hinaus wurde Earl Vater, und Taveniere verliess die Ostküste in Richtung Westen, wodurch eine grosse Distanz zwischen ihm und seinen Bandkollegen entstand. Ihr elftes richtiges Studioalbum, Strange to Explain, spiegelt all dies wider und gilt als zurückhaltende, nachdenkliche und abwechslungsreiche Platte einer riesigen Diskographie, die bereits gut mit durchdachtem Songwriting und einer wilden Auswahl an Arrangements ausgestattet ist.» Der Sänger, Gitarrist und Gründer Jeremy Earl leitet auch das aufstrebende Brooklyner Label Woodsist, für das die Band ihre Arbeiten veröffentlicht.
Woodsist, June 2020

mai 2020 – gut zu hören

Lost Highway Suite
Olga Neuwirth
Die 1968 in Graz geborene österreichische Komponistin der klassischen Moderne Olga Neuwirth begann im Alter von sieben Jahren mit dem Trompetenspiel und studierte später Komposition an der Universität für darstellende Kunst Wien sowie am Elektroakustischen Institut. Danach arbeitete sie mit dem Royal Philharmonic Orchestra of Flanders und, ebenfalls als Composer-in-Residence, beim Lucerne Festival mit, gefolgt von einer langen Liste weiterer herausragender akademischer Leistungen. Die vorliegende Komposition ist im Grunde fröhlich, sie kennt viele Momente des Humors und gelegentliche Ausbrüche von Wärme und Freude, aber sie macht mich auch nervös und verwirrt mich hinsichtlich ihrer Richtung. Bin ich schon einmal hier gewesen, ist dies ein Refrain, ein Gleichnis für unsere orientierungslose Zeit? Unglaublich dicht, monoton elektronisch, leicht bedrohlich – dieses beeindruckende Werk zeitgenössischer Musik vereint eine unendliche Vielfalt musikalischer Stile und Richtungen. Eminent hörenswert in diesen dramatischen Zeiten! (sgs)
Lost Highway Records, 2008


https://archive.org/details/GratefulDead
Das Grateful Dead Internet-Archiv gibt Ihnen Zugang zu den Aufzeichnungen von Hunderten ihrer Konzerte, einschliesslich der Proben. Wenn es eine innere Ordnung in diesem Informationsschatz gibt, dann habe ich sie nicht entdecken können: Konzerte, die bereits 1966 stattfanden, vermischen sich frei mit viel späteren Datums, um uns ein Mosaik ungeahnter Dimension zu bieten, das uns nicht nur durch ganz Kalifornien, sondern durch die gesamten USA und schliesslich die ganze Welt führt, legendäre Veranstaltungsorte wie dem Fillmore Theater und dem Avalon Ballroom in San Francisco inbegriffen. Live at Madison Square Garden, New York City, am 15. September 1990 zum Beispiel bietet uns dreiundzwanzig Tracks; Live at the Parc des Expositions, Paris, am 18. September 1974, bietet uns sechsundzwanzig völlig unterschiedliche Tracks. Und es gibt noch viel mehr: (sgs)
Internet Archive


Was It Not
Marian Hill
Das amerikanische Singer-Songwriter-Duo aus Philadelphia lernte sich in der High School kennen. Beide studierten anschliessend Musik. Ihr unverwechselbarer Klang zeichnet sie aus, die klare und prägnante Stimme der vielseitigen Samantha Gongol schlängelt über den reichen Ideenteppich des Produzenten Jeremy Lloyd. Marion Hill wurde in den letzten Jahren so oft gecovert, dass sie nie ganz von der Bildoberfläche verschwunden waren. Der Titelsong ihres neuen Albums, «was it not», erzählt die Geschichte einer Liebe, die zu lange zurückliegt, als dass man sich ihrer genau erinnert. Es ist ein melancholisches Lied. Samantha Gogol bringt die süsse Reinheit ihrer Stimme ein. (sgs)
Self-Released, March 2020


Light of Love
Florence and the Machine
Die Einnahmen aus diesem Song, der für das Album High Hope bestimmt war, doch bis jetzt nicht aufgenommen wurde, gehen an die British Intensive Care Society. Hier hören wir die akustische Version, die von Florence Welch in natürlicher Schönheit wiedergegeben wird, während sie sich in ihrem Haus in Selbstisolierung befindet. Für mich steht dieses Lied für alle Künstlerinnen und Künstler, die in letzter Zeit ohne Publikum auftreten müssen. Es ist viel intimer, von zu Hause aus aufzutreten, als auf einer Bühne zu stehen, unterstützt von der Energie von Hunderten oder Tausenden von Menschen, die zu einer grossen Menschenmasse verschmelzen. Aus der Nähe gesehen kann man nicht verbergen, wer man ist, man kann versuchen zu verschleiern, wo man wohnt, aber der berufliche Teil spielt sich direkt vor der Nase der Künstlers und der Künstlerin ab. In diesem Sinne war die Kamera im Fall von Florenz nicht allzu hartnäckig, Ich hoffe, es hat es ihr leichter gemacht, ihre Seele zu entblössen, was Sängerinnen und Sänger in Momenten wie diesen tun. Ich danke ihnen! (sgs)
Virgin, June 2018/ April 2020


Persuance: The Coltranes
Lakecia Benjamin
«Die New Yorker Altoistin Lakecia Benjamin hat für diese Hommage an John und Alice Coltrane eine generationenübergreifende Besetzung von All-Stars begeistern können». (Thomas Rees, Jazzwise) Die dynamische junge Saxophonistin Lakecia Benjamin liefert ihr Meisterwerk ab, einen zusammenhängenden Spaziergang durch die Abstammungslinien des Jazz, und ihre dritte Veröffentlichung in voller Länge. Wie Abiodun Oyewole über das legendäre Album A Love Supreme sagte: «Coltrane war ein Gefäss, das uns zum Haus Gottes brachte, er sprach zu Gott in der Sprache, die Gott kannte, in der Sprache des Klangs.» Mit dieser Veröffentlichung öffnet sich Benjamin als ein solches Gefäss und spricht durch ihr Saxophon über das Medium der klassischen Kompositionen Coltranes zeitlose Wahrheiten. Drei Generationen musikalischer Titanen kamen zusammen, um die Botschaft der grossen Meister dieser improvisierenden Kunstform, John und Alice Coltrane, zu feiern und zu fördern.
Ropeadope Records, March 2020

april 2020 – gut zu hören

Bowmboi
Rokia Traoré
Rokia befand sich vom 10. bis 25. März im Hungerstreik in einem französischen Gefängnis und sollte wegen angeblicher Kindsentführung nach Belgien ausgeliefert werden. Ihr Pech: Sie war mit einem mächtigen weissen Mann liiert. Weltweit haben viele Künstler sich für sie eingesetzt, worunter Damon Albarn, Angélique Kidjo und Youssou N’Dour. Auch die Regierung ihres Heimatlands unterstützte die französisch-malische Doppelbürgerin und Diplomatentochter, deren Pass nicht anerkannt wurde, obwohl sie damit jahrelang in Frankreich ein- und ausgereist war. Die Wurzeln der preisgekrönten Sängerin, Liedermacherin und Gitarristin liegen in der Mandingo-Kultur, doch verbrachte sie ihre Kindheit meistens ausserhalb Malis. Eigentlich hätte sie als Bambara keine Musik machen dürfen und brach im traditionellen Mali viele Tabus. Inzwischen wurde sie dank Coronavirus provisorisch frei gelassen. (sgs)
Label bleu, Februar 2018


Soul Makossa
Manu Makossa
Wir haben den legendären Emmanuel N’Djoké «Manu» Makossa am 25. März an Covid-19 verloren. Er war siebenundachtzig Jahre alt. Der ursprünglich aus Kamerun stammende Musiker und Songschreiber spielte Saxophon und Vibraphon und war einer der bekanntesten Musiker Afrikas. Er entwickelte seinen eigenen Musikstil aus Elementen des Jazz, des Funk und der traditionellen Musik seines Landes. Der Name Makossa bedeutet „Tanz“ und geht auf einen Douala-Tanz namens Kossa zurück, die beliebteste Musik in der grössten Stadt Kameruns, in der Manu aufwuchs. «In den 1980er Jahren war Makossa nach Paris gezogen, wo er einen neuen Pop-Makossa entwickelte, der den Kassav aus der französischen Karibik mit dem schnellen Zouk-Stil verschmolz. Zu den prominenten Musikern aus dieser Zeit gehörten Moni Bilé, Douleur, Bébé Manga, Ben Decca, Petit-Pays und Esa.» Später eroberte Makossa das Mainstream-Publikum in der ganzen Welt. (sgs)
Makossa International Records, Februar 2018


Kyagulanyi
Maulana and Reign
Robert Kyagulanyi Ssentamu (geboren am 12. Februar 1982), bekannt unter seinem Künstlernamen Bobi Wine, ist ein ugandischer Musiker, Schauspieler, Geschäftsmann, Politiker und Philanthrop. Seit dem 11. Juli 2017 vertritt er als Abgeordneter den Wahlkreis Kyadondo Ost im Bezirk Wakiso in der Zentralregion Ugandas. Kyagulanyi begann seine Musikkarriere in den frühen 2000er Jahren. Seine ersten Singles «Akagoma», «Funtula» und «Sunda» (mit Ziggy D) brachten ihm Erfolg in der ostafrikanischen Musikszene. Seine Musik wurde als Reggae, Dancehall und Afrobeat charakterisiert, oft mit einer sozial bewussten Botschaft. In fünfzehn Jahren sind von ihm mehr als 70 Songs erschienen. (Wikipedia) Bobi hat kürzlich eine neue Single veröffentlicht, um seine Regierung im Kampf gegen das Coronavirus zu unterstützen. (sgs)
Germaica Digital, Februar 2020


Oxygene
Schaltkreis Wassermann
PJ Wassermann hat sich die Arbeit von einem anderen elektronischen Pionier vorgeknüpft und covert hier gekonnt Jean Michel Jarre: «Schaltkreis Wassermann hatte schon vor etwa 10 Jahren im Studio einen Entwurf für eine Coverversion von Oxygene angefangen. Stella Wassermann hat damals das Wort Oxygene ins Mikrophon gehaucht und ich habe diese Samples kräftig verfremdet. Diese Skizze ist dann liegengeblieben bis vor zwei Jahren, als ich den Song auf der EP 2600noise veröffentlicht habe. Nun habe ich ihn nochmals überarbeitet, das Intro mit dem Sphärenwind war viel zu lang für die heutigen ungeduldigen Musikhörer, die den Refrain am liebsten bereits in den ersten Takten hören. Hier nun also der CO2-Mix von Schaltkreis Wassermanns Oxygene, eine Hommage an Jean-Michel Jarre, der uns vor vielen Jahren inspiriert hat.»
HyperMusik, März 2020


Murder Most Foul
Bob Dylan
Dieses fulminante Alterswerk, das siebzehn Minuten lang mit historischen Andeutungen zu einer Zeit gespickt ist, als die Welt mit dem Kennedy-Mord für eine ganze Generation ihre Unschuld verlor. Vorgetragen mit zarter und nuancierter Stimme, handelt es sich um eine vertonte Ballade, die eine ganze Epoche festhält. Es ist ein Klage- oder auch ein Wiegenlied, das an den Tag zurückkehrt, als das Elend mit Amerika seinen Anfang nahm, auch wenn die Hippie-Ära für kurze Zeit neuen Optimismus brachte. Politisch aber schieden sich fortan die Geister und kaum einer konnte sich mehr zu der Einigkeit aufraffen, mit der John F. Kennedy seine Landsleute aufgefordert hatte, nicht zu fragen, was ihr Land für sie tun könne, sondern war sie für ihr Land tun könnten, was heute wie blanke Utopie klingt. Nur schon alle Titel zu hören, die Dylan referenziert, füllt Stunden. Die Spekulationen zu dieser tröstlichen Neuerscheinung, der ersten seit 2012, wird Bände füllen. Was Dylan damit sagen will? Musik wird in diesen erschütternden Zeiten unsere Rettung sein. (sgs)
Columbia, März 2020

märz 2020 – gut zu hören

Zeit-Podcast Woher weisst du das? Beziehung: Gibt es Liebe auf den ersten Blick?
Ja, sagt der Freundschaftsforscher Nicholas Christakis im ZEIT-WISSEN-Podcast. In fünf Prozent der Ehen habe der erste Blick eingeschlagen. Sind diese Paare glücklicher?


Giacomo Puccini: Madama Butterfly, Un bel di vedremo
Ermonela Jaho
Ist sie die beste Sopranistin, die die Welt seit Maria Callas gesehen hat (ohne das Drama)? Die Ausnahmesängerin lebt ihre Rollen inbrünstig und mit vielen Nuancen und verleiht ihren Figuren eine neue Dimension. Die heute in New York lebende Ermonela Jaho wurde in Albanien geboren und begann bereits mit sechs Jahren, Gesangsunterricht zu nehmen. Mit 14 Jahren wurde sie zum ersten Mal an das Opernhaus von Tirana gebracht, wo sie La Traviata hörte und beschloss, Opernsängerin zu werden. Die weltweit gefragte Ermonela Jaho ist besonders für ihre Darstellungen der Violetta (La Traviata), der Madama Butterfly und der Suor Angelica (Il Trittico) bekannt. Für die Partitur hat Puccini japanische Volksmelodien verwendet.
The  Royal Opera House, London 2019


Daweena
Abu Obaida Hassan
Der Tambour von Abu Obiada war im ganzen Sudan und darüber hinaus berühmt, bevor die Diktatur von Omar al-Bashir den musikalischen Superstar in den Untergrund und in die Finsternis trieb. In seiner Blütezeit in den 70er Jahren reiste Abu Obaida von Merowe, der Heimat des Shaigiya-Volkes und einem Zentrum der nubischen Kultur, nach Khartum und wurde als rebellischer Spieler eines lokalen Saiteninstruments, des so genannten Tambours, berühmt. Die Musik des Shaigiya-Volkes nutzt Ruf und Antwort, um das Publikum an dramatischen Geschichten über die Wechselfälle der Liebe teilhaben zu lassen. Als sein einzigartiger Stil in der ganzen Welt bekannt wurde, wurde Obaida zu einem Botschafter sowohl für seine Musik als auch für sein Volk. Lesen Sie den faszinierenden Artikel über einen Mann, von dem es hiess, er sei tot, ehe eine jüngere Generation ihm zu Hilfe kam, hier (auf Englisch).
https://www.theguardian.com/global-development/2020/feb/18/how-sudans-star-of-the-tambour-defied-death-and-dictatorship
Ostinato Records, März, 2019


Eden
Anna Calvi, featuring Charlotte Gainsbourg
Anna Calvi hat eine neu veröffentlichte Version ihres mit dem Mercury-Preis ausgezeichneten dritten Albums von 2018, Hunted, angekündigt mit Charlotte Gainsbourg, Julia Holter, Courtney Barnett und Joe Talbot (of Idles). Über die Aufahme mit Charlotte Gainsbourg sagt die englische Liedermacherin: «Charlotte Gainsbourg hat mich als Sängerin sehr viel gelehrt, so zum Beispiel wie die leiseste aller Äusserungen die dramatischste und kraftvollste von allen sein kann. Als ich ‚Eden‘ schrieb, hatte ich Charlottes Stimme in meinem Kopf – es sind etwas Geheimnisvolles und eine stille Kraft in diesem Lied, die mich an sie denken lassen. Es ist ein wahr gewordener Traum, mit ihr zusammengearbeitet zu haben». Anna selbst wurde von Brian Eno gefeiert als «das Beste, was uns passiert ist, seit Patty Smith».
Domino, March 2020


We Are Sent Here by History: Go My Heart, Go to Heaven
Shabaka and the Ancestors
Shabaka Hutchings wurde in London geboren, zog aber im Alter von zwei Jahren nach Birmingham. Ab dem Alter von sechs Jahren wuchs er in der Heimat seiner Eltern in Barbados auf. Dort nahm er als Neunjähriger die Klarinette in die Hand und übte zu den Hip-Hop-Versen von Nas, Notorious Big und Tupac sowie den Rhythmen von Crop Over. Er kehrte nach England zurück, um einen Abschluss in klassischer Musik auf diesem Instrument zu erhalten. In London schloss er sich dem Programm der Tomorrow Warriors an, einem Blues-Workshop, der von dem aus New Orleans stammenden Trompeter Abram Wilson geleitet wird. Dort traf Hutchings viele seiner zukünftigen Mitarbeiter in der aufkeimenden Jazzszene im Südosten Londons, wo er sich in den letzten fünf Jahren als eine zentrale Figur etabliert hat. (Wikipedia)
Verve, March 2020

janaur 2020 – gut zu hören

Vivaldi
Faber
Faber, der eigentlich Julian heisst, ist der Sohn des Italo-Schweizer cantautore Pippo Pollina. Mit seiner Band Goran Koč, bestehend aus Silvan Koch (Klavier, Orgel) Tilmann Ostendarp (Posaune, Schlagzeug), Janos Mijnssen (E-Bass, Cello) und Max Kämmerling (E-Gitarre, Darbuka, Bouzouki, Saxophon) veröffentlichte der so rotzfreche wie sensible Faber kürzlich sein zweites Album I Fucking Love You, aus dem dieser Song ausgekoppelt wurde. «Es ist wieder ein wilder Mix aus Gitarren- und Klavierballaden, Trink- und Liebesliedern, tanzbaren Balkanbeats und Salsa.» Dabei wollen wir die Texte nicht vergessen. Der Zürcher Songwriter wird für seine ungefilterten Reime geliebt und gehasst. «Ein Vollblutmusiker mit Herz und Machoallüren schleudert seine Songs raus in die Welt – und wundert sich, dass die Welt zurückschleudert: Liebe und Verachtung.» (NZZ)
Irrsinn, November 2019


Kein Schlaf
Nimo
Der deutsche Rapper iranischer Herkunft wuchs in Karlsruhe auf, zog später mit seinen Eltern nach Leonberg (bei Stuttgart) und kam schon als Fünfzehnjähriger ins Jugendgefängnis, u.a. wegen räuberischem Diebstahl. Grund genug für eine Karriere als Rapper also, und so fing er noch im Gefängnis damit an. 2016 veröffentlichte er sein erstes Album, jetzt ist das zweite da. Von sich sagt er: «Ich weiss, wer ich heute bin. Ich kenne mein Werte, ich kenne mein Herz, ich kenne meine Gedanken. Ich möchte, dass alle mich kennen. Meine Musik, mein Herz, meine Menschlichkeit, meine Gedanken, die ich hege.
Universal, Dezember 2019


Romances inciertos, un autre Orlando
Théâtre de Chaillot, Paris
Hier zeigen der Tänzer François Chaignaud und Regisseur Nino Laisné ihre ganz eigene Interpretation der legendären Orlando-Figur. Geschlechter- und Epochengrenzen verschwimmen in einem imaginären Spanien zwischen Traum und Tradition. In jedem der drei Akte ist François Chaignaud in einem neuen  Gewand zu sehen: Als Doncella Guerrera, eine Frau, die als Mann verkleidet in den Krieg zieht und lieber stirbt, als gegen ihren Willen verheiratet zu werden, als San Miguel, ein aufreizender Erzengel auf Stelzen mit einem augenzwinkernden Verweis auf die religiösen Prozessionen in Zentralspanien, und schliesslich als Tarara, eine Zigeunerin im Flamenco-Kostüm, hin- und hergerissen zwischen geschlechtlicher Ambivalenz und religiösem Eifer. Begleitet wird François Chaignaud von vier Musikern (Bandoneon, Bratsche, Theorbe, Viola de Gamba und traditionelle Schlaginstrumente).
ARTE – zu sehen bis 14.01.2020


Charles Lloyd Quartet – Montreux Jazz Festival 1967
Charles Lloyd, Keith Jarrett, Ron McClure and Jack DeJohnette
Das Charles Lloyd Quartett, das nur kurz existierte, ist hier auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen, die mit Dream Weaver, aufgenommen am 29. März 1966, begann und 1968 mit einer Implosion endete. Diese Aufnahmen entstanden während der Europa-Tournee der Musiker im Sommer 1967. Zwei Stücke hatten sie im Vormonat bereits live in der Sowjetunion dargeboten und während ihres Sets in Montreux wiederholt: „Sweet Georgia Bright“ und „Love Song to a Baby“. «Das Ausmass, in dem sich das Quartett die Art von Dissonanz und Abstraktion zu eigen macht, die mit dem Free Jazz assoziiert wird, kommt einer Art Offenbarung gleich.» (Stuart Nicholson)
TBS, Dezember 2019

dezember 2019 – gut zu hören

Bird of Paradise
Dead Venus 
goodnews-Leser Mike Malloth, der Schlagzeuger der Band, schlug diesen Link vor, und ich freue mich, Dead Venus hiermit vorzustellen. Die Band wurde im Frühjahr 2015 von der Schweizer Sängerin & Komponistin Seraina Telli als Soloprojekt gegründet, noch während sie die Leadsängerin der deutschen Neo-Prog-Band «Surrilium» war. Bald darauf entschied sie sich jedoch, mehr Musiker an Bord zu holen, um ihre Ideen zu entwickeln und gemeinsam weiterzuarbeiten. Am 6. März 2019 veröffentlichten Dead Venus ihre erste selbstbetitelte EP, die über die Homepage der Band erhältlich ist. Sie enthält drei Songs und ist der Sampler ihres ersten vollständigen Albums, Bird of Paradise, das am 13. September 2019 veröffentlicht wurde. Mike Malloth lebt in Luzern, wo er Schlagzeug und digitales Management unterrichtet. Ehe er zu Dead Venus stiess, war er in verschiedenen Gruppen aktiv, trommelte und sang Back-up.
Dead Venus, September 2019


Ghosteen
Nick Cave & the Bad Seeds 
Der australische Rocker hat es wieder geschafft. Dies ist sein 17. Album und eines seiner besten. Lyrisch, bewegend und düster, ist die Musik brillant klar, die Orgel pfeift, das Klavier lockt uns in himmlische Sphären, wo der Verlust der Gnade ein gebrochenes Herz oder eine verstörte Seele bedeutet. Cave wurde am 22. September 1957 in Warracknabeal goboren, einer kleinen Landstadt im Bundesstaat Victoria. Dort lebte er als Kind und dann in Wangarata im ländlichen Victoria. Sein Vater lehrte Englisch und Mathematik an der örtlichen technischen Schule; seine Mutter war Bibliothekarin an der High School, die Nick besuchte. Der Vater von Cave führte ihn von klein auf in die Klassiker der Literatur ein. Als Kind war Nick ein grosser Fan des Banditen Ned Kelly, der später im gleichnamigen Film von Mick Jagger verkörpert wurde.
(https://en.wikipedia.org/wiki/Ghosteen)
Bad Seed Ltd., Oktober 2019


It Might Be Time
Tame Impala
Ebenfalls aus Australien, fand das psychedelische Experimentalmusikprojekt Tame Impala bald internationale Beachtung. Die Band steht unter der Leitung des Multi-Instrumentalisten Kevin Parke, ihre Mitglieder kommen wie er aus Perth im Südwesten Australiens. «Als Tourneeakt spielt Parker (Gitarre, Gesang) neben Dominic Simper (Gitarre, Synthesizer) und einigen Mitgliedern der australischen psychedelischen Rockband Pond – Jay Watson (Synthesizer, Gesang, Gitarre), Cam Avery (Bass, Gesang) und Julien Barbagallo (Drums, Gesang).» (Wikipedia) Im vergangenen April spielte Tame Impala als Headliner am Coachella Valley Music & Arts Festival in Kalifornien.
Interscope Records, Oktober 2019


Close to Me
Maria Mendes
Dies ist das dritte Album der portugiesischen Sängerin Maria Mendes mit dem berühmten amerikanischen Produzenten/Pianisten John Beasley und dem grössten Symphonieorchester des Jazz der Welt, dem Metropole Orkest. Maria Mendes lebt mit Herz und Seele für den Jazz. Sie studierte in New York, Brüssel, Rotterdam und Porto; ihr Talent und ihre Arbeit wurden von Musiklegenden wie Quincy Jones und Hermeto Pascoal gelobt. Für ihr neues Album erkundete Mendes jedoch ein Musikgenre, das sich völlig von ihrem eigenen unterschied: Fado. Das Ergebnis sind überraschende und erfrischende Adaptionen von Fados, wie sie noch nie zuvor im Jazz gemacht wurden. «Ein jazziger und symphonischer Zugang zum Fado», so beschreibt die Sängerin kurz die Musik auf ihrem neuen Album Close to Me.
Justin Time Records, Oktober 2018


The Sidewinder/The Beat Goes On
Jeff Goldblum & the Mildred Snitzer Orchestra featuring Inara George
Jeff Goldblum ist vor allem für sein Rolle im Film Jurassic Park bekannt (das ist nur einer von mehr als siebzig Filmen, in denen er spielte), aber er ist auch ein Jazzpianist der Sonderklasse. Begleitet von einer unterschiedlichen Besetzung von unterstützenden Sängerinnen (bemerkenswert nebst Inarta George wie immer Haley Reinhardt) interpretiert Jeff eine Reihe von Standards auf dem Klavier und singt sie manchmal gleich selbst. Er hat mit I Shouldn’t Be Telling You This im Alter von sechsundsechzig Jahren sein erstes Album veröffentlicht. «Der Hollywood-Star drückt einer Reihe von Jazz Standards, die zusammen mit dem Mildred Snitzer Orchestra eingespielt wurden, seine unnachahmlichen Stempel auf.» (Guardian)
Universal, Oktober 2019


Say I Won’t
Anthony Russo
Anthony Russo, Sänger, Produzent und Songwriter aus Los Angeles, entwickelte in seiner Heimat St. Louis seine sanfte Mischung aus dezenter Elektronik, schlanken Dance-Pop und verspielten romantischen Balladen. Mit seinen gerappten und gesungenen Vocals begann er sich 2016 zu etablieren. «Scheint so, als würde Russo uns ein paar Jahrzehnte mit in die Vergangenheit zurücknehmen und sich konsequent mit den Retro-Vibes in seinem Say I Won’t beschäftigen. Er lotet seine Grenzen aus und geht diesen neuen Song mit einer völlig neuen Einstellung an, die er ganz genau angepasst hat. Wir sind absolut für diesen funky frischen neuen Sound, der geradezu aus dem Nichts kommt.» (Banger of the Day)
EP, Stewing Apples, RVG, November 2019

november 2019 – gut zu hören

Summer Girl
HAIM 
«HAIM ist eine amerikanische Pop-Rock-Band aus Los Angeles. Die Band besteht aus drei Schwestern: Este (Bass und Gesang), Danielle (Gesang und Gitarre) und Alana Haim (Gitarren, Keyboards und Gesang). Zusätzlich zu ihren primären Instrumenten beherrscht jedes Mitglied auch mehrere andere. Der Pop-Sound der Gruppe auf ihrer Studioarbeit steht im Gegensatz zur eher rockigen Musik ihrer Live-Shows. Die Schwestern wuchsen in einer musikalischen Familie auf und begannen von klein auf in der Coverband Rockinhaim, die von ihren Eltern Moti und Donna geleitet wurde, Instrumente zu spielen. HAIM wird oft mit Fleetwood Mac verglichen, obwohl die Gruppe sagt, dass ihr dieser Vergleich nicht passt und darauf besteht, dass sie von neuerer Musik beeinflusst wird.» (Wikipedia)
Polydor, Juli 2019


Urkututu & Amor bo
Metsa 
Bei Ayahuasca-Zeremonien von Shipibo und anderen Schamanen verwendet, üben traditionelle, Icaros genannte, magische Heilgesänge aus dem Amazonas ihren hypnotischen Zauber durch Wiederholung und kindliche Gesangsmuster aus. Diese oft alten volkstümlichen Lieder behandeln spezifische Themen, die darauf abzielen, uns mit unserer Welt zu versöhnen und Teile unserer Seele zurückzuholen, die durch Lebensereignisse wie Unfälle, Liebesfall, Geburt, Krankheit und soziale Konflikte verloren gegangen sind. Den Pflanzengeistern zugeschrieben, können sie mit einer hohen und einer Kehlstimme gleichzeitig gesungen werden, bringen negative Energien an die Oberfläche und wirken bei jedem Teilnehmer eines Medizinkreises anders. Metsa oder Metsa Nihue ist international bekannt für sein Wissen auf dem Gebiet der amazonischen Pflanzenmedizin. Aufgrund seiner direkten Beziehung diesen nennt er sich selbst vegatlista. Viele nennen ihn auch Schamane, ein Begriff, den er nicht fördert.
Metsa Music, September 2019


Your Capricious Soul
Michael Stipe
Der ehemalige Frontmann von R.E.M. hat nach seiner instrumentalen Performance zum ersten Mal seit acht Jahren wieder einen neuen Song veröffentlicht, hoffentlich der Vorreiter eines noch kommenden Albums. «Der Song, der als Download auf MichaelStipe.com verfügbar ist und deren Erlös an die Klimaaktivistengruppe Extinction Rebellion geht, signalisiert die Unterstützung des langjährigen Umweltschützers Stipe für die Proteste einer neuen Generation. In Zusammenarbeit mit dem in Athen, Georgia ansässigen Produzenten Andy Lemaster, geschrieben, ist Your Capricious Soul klanglich überwältigend, wenn auch nicht unbedingt bahnbrechend, mit dröhnendem, tiefem, klirrendem Tamburin, knackigen elektronischen Beats, wimmernder Gitarre und gar einer jubelnden Hornfanfare. Stipes zarter Gesang klingt gut, poliert mit subtilen Vocoder-ähnlichen Effekten, und er ist so schräg wie immer.» (Pitchfork)
michaelstipe.com, October 2019


Two Hands
Big Thief 
Die New Yorker Indie-Band mit Sitz in Brooklyn, New York, besteht aus Adrianne Lenker (Gitarre, Gesang), Buck Meek (Gitarre, Background-Gesang), Max Oleartchik (Bass) und James Krivchenia (Schlagzeug). Wenn Songwriting eine Therapieform wäre, hätte Adrianne Lenker viel zu tun. Bevor sie die Musik von Big Thief mit ihren persönlichen Liedern und ihrer zerbrechlichen Stimme formt, erlebt sie eine Kindheit, die man nur als «schwierig» bezeichnen kann. Sie wuchs in einer Sekte auf, lebte in Isolation, schrieb ihr erstes Lied im Alter von acht Jahren und zog im Abstand von ein paar Jahren vierzehn Mal um. Ihre Eltern trennen sich, als sie zwölf ist, und sie zieht zu ihrem Vater, der versucht, sie in einen TV-Popstar zu verwandeln, was sie überhaupt nicht will. Sie verlässt mit sechzehn Jahren ihr Zuhause und trifft auf Buck Meek. Der Rest ist – Musik – Geschichte. Two Hands ist Big Thief’s viertes Album, Es wird sicherlich die gleiche Art von Erfolg wie den ersten drei haben und innerhalb weniger Tage nach seiner Veröffentlichung Kultstatus erreichen. (sgs)
4AD, October 1019


Trilogy 2
Chick Corea
Der legendäre Pianist/Komponist Chick Corea vergleicht die Erfahrung, mit anderen Jazzgrössen, wie dem Bassisten Christian McBride und dem Schlagzeuger Brian Blade zu spielen, mit einem «Spaziergang auf der Strasse und einem lockeren Gespräch». Das ist der Grad der Vertrautheit, der zwischen den drei besteht, die ihr Debüt als Trio auf der renommierten 2014er Plattentrilogie feierten, die sie sofort als eine der besten Gruppen in der beispiellosen Karriere Corea’s etablierte. Nun kehren sie zu einem zweiten abendfüllenden Ausflug mit dem Titel Trilogy 2 zurück, der eine Reihe von energiegeladenen Live-Auftritten aus ihrer letzten Welttournee enthält. Das Programm umfasst Wiedergaben von Jazzstandards, moderne Klassiker und Favoriten aus dem bemerkenswerten Katalog Coreas.
Universal Music, October 2019

oktober 2019 – gut zu hören

And I Like Your Feathers
Binker Golding
Der Londoner Binker Golding ist ein meisterhafter Saxophonist. «Seit 2015 hat Golding den britischen Jazz mit einer Reihe von wilden und abenteuerlichen Alben aufgemischt. Drei davon entstanden mit dem Schlagzeuger Moses Boyd im halbfreien Duo Binker und Moses – Dem Ones (2015), Journey To The Mountain Of Forever (2017) und Alive In The East? (2018. Zuletzt riss Golding das Regelwerk in noch kleinere Stücke auf Ex Nihilo (ByrdOut, 2019), aufgenommen mit dem Keyboarder Elliot Galvin.» (Chris May) Binker kennt die ganze Bandbreite der Emotionen des gefühlvollen und melodiösen Jazz, einer seit über einem Jahrhundert aufgezeichneten Tradition, deren würdiger Vertreter er ist.
Gearbox Records, August 2019


Three Chords and the Truth: Dark Night of the Soul
Van Morrison
Van the Man ist wieder da: «Three Chords and the Truth…. setzt eine besonders produktive Zeit für Morrison fort und markiert sein sechstes Album in vier Jahren. Letztes Jahr veröffentlichte er zwei, The Prophet Speaks und You’re Driving Me Crazy, während er 2017 auch ein paar Platten veröffentlichte, Roll With The Punches und Versatile». (Rolling Stone) Zweifellos hat Van Morrison eine Reihe von unvergesslichen Songs geschrieben, die die Herzen unzähliger Fans erobert haben, zu denen ich seit Astral WeeksMoondanceVeedon FleeceTupelo Honey und anderen unter insgesamt mehr als 40 Alben gehöre. Van Morrison besitzt eine einzigartige Stimme in R&B und Soul. Folgt dem Link und hört einfach weiter zu, ein Hit jagt den anderen. (sgs)
Exile/Caroline Inernational, October 2019


All Mirrors
Angel Olsen
Angel Olsen ist eine Sängerin, Komponistin und Musikerin aus St.Louis, Missouri. Dies ist ihr viertes Album. Sie hat eine ungewöhnliche Stimme, liebt fantastische und manchmal bombastische Orchestrierungen und tief schürfende Texte. Ihr Song Windows wurde in der letzten Episode von 13 Reasons Why (Netflix) vorgestellt, und sie hat mit den Besten des Indie Rocks zusammengearbeitet, unter anderem Bonnie «Prince» Billy, The Cairo Gang, Tim Kinsella von Capt’n Jazz, LeRoy Wilson von Wilco. Olsen kam als junge Erwachsene über Punkrock, Noise-Musik und Christian Rock zur Musik. Bald lernte sie Klavier und Gitarre und begann, ihre eigene Musik zu schreiben.
Jagjaguwar, October 2019


Colorado: Milky Way
Neil Young with Crazy Horse
Colorado wurde hauptsächlich im Studio in den Rocky Mountains von Colorado live aufgenommen. Es ist das erste Album, das der «Pate des Grunge» seit 2012 mit Crazy Horse realisiert hat. Wie bei jeder Neil Young-Veröffentlichung ist die resultierende Audioqualität einfach atemberaubend und klingt so, als wäre man während der Aufnahme mit der Band persönlich im Studio. «Milky Way» ist die Lead Single. Die derzeitigen Mitglieder von Crazy Horse sind: Neil Young (Gitarren, Gesang, Klavier, Vibes, Mundharmonika), Nils Lofgren (Gitarren, Gesang, Pumpenorgel), Ralph Molina (Schlagzeug, Gesang) und Billy Talbot (Bass, Gesang). Die neue Single klingt genau so, wie man es sich vorstellen würde; die Stimme des kanadischen Songwriters ist erstaunlich gut gealtert für ein Leben auf Tour. (sgs)
Reprise Records, October 2019


Open Reduction Internal Fixation: All The Things
Blue Hawaii
Blue Hawaii sind ein kanadisches Ambient Popmusik-Duo aus Montreal, bestehend aus Raphaelle «Ra» Standell-Preston und Alex «Agor» Kerby (auch bekannt als Alexander Cowan). Sie haben eine EP, Blooming Summer (2010) und zwei Studioalben veröffentlicht, Untogether (2013) und Tenderness (2017). Beide Alben wurden für den Juno Award for the Electronic Album of the Year nominiert. Arbutus Records ist ein kooperatives Label, das gegründet wurde, um Mitglieder einer Musik- und Künstlergemeinschaft im Stadtteil Mile End von Montreal zu fördern. Die beiden Musiker traten zunächst vor allem in Montreal auf, teilweise mit anderen Mitgliedern des Kollektivs. (Wikipedia)
Arbutus Reco

september 2019 – gut zu hören

Old Town Road
Little Nas X mit Billy Ray Vaughn
Der in Lithia Springs (Georgia) geborene Montero Lamar Hill (geb. 1999), besser bekannt als Little Nas X, ist ein amerikanischer Rapper, Sänger und Songwriter, der internationale Aufmerksamkeit mit dieser Country Rap-Single erregte. Nas X sagt, dass er anfing, sich während seiner Teenagerzeit von «Aktivitäten ausserhalb der Klasse» zu isolieren und viel Zeit online zu verbringen in der Hoffnung, eine Fangemeinde als Internet-Persönlichkeit aufzubauen, um seine Arbeit zu fördern. Er landete bei der Musik als Weg zum Erfolg und begann, in seinem Schrank Lieder zu schreiben und aufzunehmen. Ende Oktober 2018 stiess er auf die Musik, die Old Town Road sein würde, und kaufte den Beat für den Sound anonym in einem Online-Shop dem niederländischen Produzenten YoungKio ab – für 30 Dollar! (Wikipedia)
Columbia, Juni 2019


The Git Up
Blanco Braun
Blanco Brown ist ein amerikanischer Sänger, Songwriter und Plattenproduzent, der schon mit Chris Brown und Pitbull arbeitete. Seine eigene Debüt-Single The Git Up hat über 50 Millionen Streams generiert. Er wuchs in Atlanta, Georgia, auf und hörte Hiphop-Künstler wie Outkast, aber immer wenn er die Sommermonate bei seiner Grossmutter in Georgia verbrachte, war es Country-Musik und so lernte er beide Musikrichtungen kennen. Um den Leuten das Tanzen beizubringen, veröffentlichte Brown zusammen mit dem Country-Musiker Lainey Wilson «The Git Up Challenge». Infolgedessen wuchs die Popularität des Songs und erreichte bald Platz 1 in der Billboard’s Hot Country Songs Chart.
Broken Bow Records, April 2019


Pretty Shiny Things
Kassi Ashton
Die nächste grosse Nummer: «Geboren als Kassi Meisenheimer in Kalifornien (Missouri), ist Kassi mit Country-Musik aufgewachsen, spielte Musiktheater und nahm an Tanz- und Schönheitswettbewerben teil. Zeitgenössische Pop-Sounds von Adele und Amy Winehouse verstärkten ihren Wunsch, professionelle Musiker zu werden. Ashton begann mit fünfzehn Jahren, Songs zu schreiben. Nach der High School ging sie nach Nashville, um sich an der Belmont University’s School of Music einzuschreiben. Sie singt aber nicht nur Country.
UMG, Juli 2019


Highwomen
The Highwomen
Die 2019 gegründete Country-Musikgruppe «The Highwomen» besteht aus Brandi Carlile, Natalie Hemby, Maren Morris und Amanda Shires, die alle bereits Solokarrieren verfolgen. Die Band spielte ihr erstes komplettes Live-Set am 60. jährlichen Newport Folk Festival. Mit If She Ever Leaves Me, von Carlile als «das erste schwule Country-Lied» beschrieben, kam LGTBQ endgültig in der amerikanischen Country-Gemeinde an. «Der Namen ist eine Hommage an die legendären Highwaymen – bestehend aus Johnny Cash, Waylon Jennings, Kris Kristofferson und Willie Nelson. Die Highwomen wollten ursprünglich den vierten Platz in ihrer Aufstellung frei lassen, um anderen Sängerinnen zu ermöglichen, sich ihnen anzuschliessen.» (Wikipedia). Einige haben, darunter Cheryl Crow, Judy Collins, Dolly Parton, Jade Bird oder Linda Perry. Von allen vier Ladies werden wir noch hören.
Elektra, August 2019


You Need To Calm Down
Taylor Swift
Natürlich ist dieser Song inzwischen schon mehr als 120 Millionen Mal gesehen worden, aber er hat eine positive Botschaft, macht Spass und zeigt wieder einmal, dass Taylor Swift nicht die dümmliche Blondine von nebenan ist, für die man sie ausgab, als sie ihre Karriere begann. Diese Frau weiss, was sie will und hat die Mittel, es auch zu bekommen. Als nächstes wird sie alle ihre eigenen alten Songs covern oder neu auflegen, auch wenn nicht sicher ist, ob sie auf diese Weise die Rechte dazu wieder zurückbekommen kann. Hier setzt Taylor sich für ihre LGTBQ-Freunde ein, und das macht sie mit viel Witz. Das Video ist ein Meisterwerk, was Styling, Choreographie und Performance anbelangt  (Teen Choice Video of the Year 2019 und für fast alles andere nominiert), ironisch und  frech. Ich glaub, ich fange an, Taylor zu mögen. (sgs)
Taylor Swift Productions, Album September 2019

august 2019 – gut zu hören

Melody A.M.
Røyksopp
Svein Berge und Torbjørn Brundtland kommen aus Norwegen. Der Name ihrer Band ist ein Wortspiel auf den Pilz Bovist. Sie kommen aus dem hohen Norden, aus Tromsø, einer Stadt mit etwa 75’000 Einwohnern, die vom Golfstrom erwärmt wird. Røyksopp debütierte 1998 und wurde für zwei Grammy Awards nominiert. «Nordischer Chill’n’Groove mit überraschend schönen, unverkrampften Tracks, die zum Träumen und Säumen einladen, teils vergleichbar mit der letzten Lemongrass, cool genug, um zu entspannen, tief genug um unter die Haut zu gehen. Extra-Gang für alle lichtäugigen Wolkenwanderer, Zeitdiebe und Lebensakrobaten!» (Veit Stauffer vom RecRec Store Zürich) Im Jahr 2009 wurde Melody A.M. von Norwegens grösster Zeitung zum besten norwegischen Album des Jahrzehnts gewählt.
Wall of Sound, 2001


Africa Speaks: Yo Me Lo Merezco
Carlos Santana, ft. Buika 
«Der Zustand der Welt ist derart infiziert von Angst, Trennung und Disharmonie, dass ich überzeugt bin, die Frequenz dieser Musik aus Afrika gibt den Menschen Hoffnung, Mut und Freude. Die Zutaten und Nährstoffe von allem, was aus der afrikanischen Klangwelt kommt, lassen die Menschen tanzen und sich freuen wie bei einer Erweckung.» (Carlos Santana) Africa speaks ist Santanas fünfundzwanzigstes Studioalbum, das von einer achtköpfigen Band eingespielt wurde, worunter seine Frau Cindy Blackman Santana am Schlagzeug. Produziert in Malibu in nur zehn Tagen, wurden viele Tracks in einem Take aufgenommen, um eine einzigartige Fusion aus Rock, Latin und Jazz zu schaffen. Dieses Projekt war seit 1988 am brodeln, als Carlos anfing, sämtliche hervorragenden afrikanischen Aufnahmen zu kaufen, die er auf Reisen in Europa in die Finger bekam. Mit der spanischen Sängerin Buika, deren starker Gesang das ganze Album in ihren Bann zieht.
Concord Records, June 2019


Little Fishes
The Clayton Lennon Delirium
Ziemlich trippig! Delirium besteht aus Bassist/Sänger Les Claypool und Gitarrist/Sänger Sean Lennon. Ihre Band wurde 2015 gegründet und ist musikalisch vom psychedelischen Rock inspiriert. «Innerhalb von sechs Wochen schrieben und nahmen sie insgesamt zehn Songs auf, wobei beide verschiedene vokale und instrumentale Verantwortlichkeiten teilten, die über ihre Kerninstrumente Bass und Gitarre hinausgingen und in der Veröffentlichung ihres ersten Studioalbums gipfelten. Das Album debütierte in den Top 10 der drei Billboard-Charts: Top Vinyl-Alben, Top Tastemakers-Alben und Top Alternative Alben.» (Wikipedia) Little Fishes ist der Eröffnungs-Track von Claypool Lennon Deliriums zweiter LP South of Reality, die im vergangenen Februar veröffentlicht wurde. Der autodidaktische Animateur Micah Buzan ist inspiriert von psychedelischer, elektronischer und akustischer Musik. Er hat mit The Flaming Lips (mit denen Claypool/Lennon gerade durch die USA touren) zusammengearbeitet und bietet kostenlose Animations-Tutorials auf YouTube an.
Prawn Song Records, July 2019


Dream Shanti. Music in Our Dreams: Miles Meets the Mahatma
Jeff Coffins
Entstanden ist dieses Albums anlässlich einer Jamsession von Coffin und den virtuosen indischen Klassikern Subrata Bhattacharya und Indrajit Banerjee in Coffins Heimstudio in Nashville, Tennessee. Die Musiker brachten eigene Kompositionen ein und lehrten die Stücke nach Gehör. Coffin bat Bela Fleck, den Flecktones-Perkussionisten Roy «Futureman» Wooten und den in New Orleans geborenen Pianisten Chris Walters, das Ensemble bei der Aufnahme des Endprodukts zu unterstützen. «Ich mache mit diesen beiden Jungs seit über 20 Jahren Musik und weiss, dass sie anpassungsfähig und super offen sind, weil sie eine Herausforderung mögen.» sagt Coffins von Wooten und Walters. Zusammen mit den Co-Stars von Coffins Dave Matthews Band, dem Freund Jordan Perlson am Schlagzeug und seiner Frau Ryoko Suzuki, die das Harmonium bedient, platzt dieses Album vor rohem, echtem Talent aus allen Nähten.
Ear Up Records, July 2019


Beats of Zion: Elevation
Rocky Dawuni 
«Gemeinsam werden wir es alles überwinden.» Rocky Dawuni ist ein ghanaischer Sänger, Songwriter und Plattenproduzent, der Afro Root spielt, eine Mischung aus Reggae, Afrobeat, Highlife und Soulmusik. Der oft als Afrikanischer Bob Marley bezeichnete, Grammy nominierte Dawuni lebt derzeit zwischen Ghana und Los Angeles. Der Musiker und Aktivist, der dafür bekannt ist, die Grenzen zwischen Afrika, der Karibik und den USA zu überschreiten, um Klänge zu kreieren, die Generationen und Kulturen vereinen, setzt sich für den globalen Frieden ein. (Wikipedia) Mit seiner lockeren Ausstrahlung und dem Ruf als engagierter Verfechter sozialer Anliegen haben Dawunis ansteckende Grooves und tanzinduzierende Hymnen die Fans auf der ganzen Welt begeistert. Als mitreissender Künstler teilte Dawuni die Bühne bereits mit Stevie Wonder, Peter Gabriel, Bono, Jason Mraz, Janelle Monae und John Legend und vielen anderen.
Aquarian Record, Juli 2019

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