{"id":2191,"date":"2021-09-01T15:01:09","date_gmt":"2021-09-01T13:01:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/?p=2191"},"modified":"2021-09-07T15:33:38","modified_gmt":"2021-09-07T13:33:38","slug":"september-2021-goodnews-editorial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/2021\/09\/01\/september-2021-goodnews-editorial\/","title":{"rendered":"september 2021 \u2013 goodnews editorial"},"content":{"rendered":"<h3>Weisse Vorrechte<\/h3>\n<p>Im ganzen Abteil meines versp\u00e4teten ICE wurden ab Badischer Bahnhof lediglich zwei Ausl\u00e4nder kontrolliert. Sie sassen auf der anderen Seite des Gangs, gleich neben mir, zwei in Deutschland lebende Libanesen, die nach Luzern wollten. Die beiden vierschr\u00f6tigen Schweizer Grenzpolizisten gaben sich zufrieden, weil sie etwas Deutsch sprachen, doch die beiden Herren machten sich Sorgen wegen ihres Anschlusses. Ich konnte sie nicht \u00fcberzeugen, dass sie den n\u00e4chstbesten Zug nehmen durften. \u00abDie Schweiz ist sehr streng\u00bb, meinte der Mann, der mir am n\u00e4chsten sass, \u00abwir kaufen besser eine neue Fahrkarte.\u00bb Zum Gl\u00fcck kam in Basel SBB die Schweizer Kontrolleurin an Bord und konnte ihnen weiterhelfen. Vor den Kopf gestossen, wie sicher ich mir meiner Rechte war, w\u00e4hrend die beiden Fremden lieber gleich kuschten, stieg ich aus. Mir wurde wieder einmal peinlich bewusst, dass ich keine Angst haben muss vor den Beh\u00f6rden, vor der Polizei oder irgendwen sonst, dass ich als Einheimische ganz selbstverst\u00e4ndlich dazu geh\u00f6re und mir jederzeit Geh\u00f6r verschaffen kann. Ich muss nicht leisetreten, innerlich auf den Zehenspitzen gehen, mich zusammennehmen, sobald ich den \u00f6ffentlichen Raum betrete. Mir sind die Skrupel meiner Freunde fremd, die hier als Secondos leben. Ich stehe nicht in der Schuld der Schweiz, brauche nicht mehr leisten als andere, um meine Dankbarkeit zu beweisen. Und dabei bloss nicht auffallen. Lieber unterschreiben die meisten Zugewanderten keine Petitionen oder andere Quartiervorst\u00f6sse. An den Schulfesten meiner Enkel, die im Multikulti-Kreis 4 in Z\u00fcrich stattfinden (Ausl\u00e4nderanteil: 50%), essen wir k\u00f6stliche Gerichte, die Eltern aus dreissig Nationen f\u00fcr uns gekocht haben. Getrennt und doch gemeinsam, essen wir, nach Ethnien versammelt, freund- und nachbarschaftlich an langen Tischen. Wir Schweizerinnen wissen, dass wir jederzeit bei unseren Nachbarn anklopfen k\u00f6nnen, sollten wir etwas brauchen, eine Tasse Mehl, ein Ei, das Handy. F\u00fcr \u00abdie anderen\u00bb ist es nicht so einfach. Ich freue mich auf das n\u00e4chste Fest, das bald stattfinden wird, nach langer Pause, und rede auch dort mit Fremden und mit meinen Nachbarn, gleich woher sie kommen. Sie haben es schwerer als wir.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/pl02.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.8c2e1ccd-9d1b-48be-a10c-8be677028337\" height=\"1\" width=\"1\" border=\"0\"><br \/>\nMit st\u00e4dtischen Gr\u00fcssen ins Land,<br \/>\n<em>Susanne G. Seiler<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Leichte S\u00fcsse<\/h3>\n<p>Leichte S\u00fcsse wippt sich in die F\u00e4den.<br \/>\nDie Sonne rollt die Knie ein, wie wenn<br \/>\nsie sich ins Bett verziehen m\u00f6chte.<br \/>\nDerweil wirbeln Bl\u00e4tter wie auf R\u00e4dern<br \/>\ndurch Strassen und zeigen, wo&#8217;s lang,<br \/>\nund was bald zu Ende geht.<\/p>\n<p><em>M.B. Hermann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weisse Vorrechte Im ganzen Abteil meines versp\u00e4teten ICE wurden ab Badischer Bahnhof lediglich zwei Ausl\u00e4nder kontrolliert. Sie sassen auf der anderen Seite des Gangs, gleich neben mir, zwei in Deutschland lebende Libanesen, die nach Luzern wollten. 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