{"id":2564,"date":"2022-11-01T12:24:33","date_gmt":"2022-11-01T11:24:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/?p=2564"},"modified":"2022-11-02T12:34:43","modified_gmt":"2022-11-02T11:34:43","slug":"september-2022-goodnews-editorial-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/2022\/11\/01\/september-2022-goodnews-editorial-2\/","title":{"rendered":"november 2022 \u2013 goodnews editorial"},"content":{"rendered":"<h1>wokeness<\/h1>\n<p>Viele von Ihnen sind zu jung, um zu wissen, was in den aufgeheizten, revolution\u00e4ren Sechzigern und Siebzigern f\u00fcr raue T\u00f6ne herrschten. Man sah sich als K\u00e4mpfer, gewisse leider auch als Terroristin und das im Namen einer Revolution, die so nie stattfand. Unsere Revolution war kultureller Natur, doch das sah man erst Jahre sp\u00e4ter. In der Psychologie waren Encounter-Gruppen popul\u00e4r, wo die Leute sich anschrien und beschimpften. Hauptsache Konfrontation und raus mit den Gef\u00fchlen! Echt sein, ohne aufgesetzte soziale Maske, die damals einiges rigider war als heute, das muss man schon sagen.<br \/>\nVergleiche ich diesen Umgang mit dem, was ich k\u00fcrzlich beim Arzt h\u00f6rte, muss ich laut lachen. Sagte die eine Praxisgehilfin zur anderen: \u00abK\u00f6nntest du dir\u00a0<em>vielleicht vorstellen,<\/em>\u00a0morgen eine Stunde fr\u00fcher zur Arbeit kommen?\u00bb Empfindlichkeiten konnten wir uns nicht leisten.<br \/>\nIch muss anderen auch Unangenehmes zumuten und direkt kommunizieren k\u00f6nnen, ohne sie anzugreifen oder einen fordernden Ton anzuschlagen, wie es damals in B\u00fcros und Werkst\u00e4tten gang und g\u00e4be war. Und diese m\u00fcssen bereit sein, sich etwas sagen zu sagen, ohne gleich im n\u00e4chsten Schmollwinkel zu verschwinden. Es ist gut, dass wir seit den wilden Hippie- &amp; Revoluzzerjahren in uns gegangen sind und mehr R\u00fccksicht aufeinander und auch auf andere Religionen, Rassen, Ethnien und Kulturen nehmen. Diese geh\u00f6ren l\u00e4ngst zu uns, auch im letzten Krachen, wie ich immer wieder interessiert feststelle. Ich mag die multikulturelle Gesellschaft, sie bereichert unser Leben, und wenn wir dauernd zu den unterschiedlichsten Zwecken ins Ausland fahren, sehe ich keinen Grund, warum das Ausland nicht auch zu uns kommen sollte.<br \/>\nNun gibt es aber Leute, die sich \u00fcber andere erhaben f\u00fchlen. Denn siehe da, sie wissen was richtig ist, was man glauben soll, was sich geh\u00f6rt und was guter Geschmack bedeutet. Witze \u00fcber andere Nationalit\u00e4ten oder Religionen? Pfui! In irgendeiner Form blankziehen? O mein Gott! Alles muss verschleiert werden, ausser muslimische Frauen. Aus Bewunderung oder Ignoranz Werte und Ausdrucksweisen anderer Kulturen \u00fcbernehmen? Sicher nicht! Wir halten hier die Werte rein. Keine Vermischung bitte oder du wirst gecancelt! Wenn ich meinem sardischen Nachbarn mit einem Augenzwinkern einen Italienwitz erz\u00e4hle, ist das kein Sch\u00e4kern mehr, sondern ich beleidige seine Werte, sein Land, seine Integrit\u00e4t. Dasselbe gilt f\u00fcr die leidige Dreadlocks-Debatte. Vielleicht wissen wenigstens inzwischen die meisten, dass es keine \u00abRastaz\u00f6pfe\u00bb sind. Und was ist mit Winnetou? Selbstverst\u00e4ndlich bin ich f\u00fcr eine bessere Repr\u00e4sentation von Minderheiten im Film und anderswo. Aber gleich das Kind mit dem Badewasser aussch\u00fctten? Kinder sollen nach wie vor Tom Sawyer lesen d\u00fcrfen (die fr\u00fchen Globi-B\u00fccher weniger). Neger war fr\u00fcher ein g\u00e4ngiges Wort. Wegen Apartheid und Rassismus empfinden schwarze Menschen diese Bezeichnung als despektierlich. Andere Menschen beschimpfen ist immer out. Das muss man Kindern erkl\u00e4ren.<br \/>\nGesunder Menschenverstand ist angesagt, will man wissen, was man seinen Nachbarn und Mitb\u00fcrgerinnen zumuten kann. Sich an selbsternannte Moralapostel halten oder seine Meinung nur in den sozialen Medien bilden, wo irgendwelche W\u00fcrstchen und Hasser sich zu trauriger Ber\u00fchmtheit trollen, ist keine Option.<br \/>\n\u00dcbrigens suche ich 2.2 Millionen Franken f\u00fcr das schmale Haus am Spalenberg in Basel, im dem Dieter Hagenbach, der die Gaia Media Stiftung ins Leben rief, viele Jahre lebte. Wir w\u00fcrden daraus gerne eine LSD-Museum machen. Hat jemand Geld und Lust?<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong>\u00a0\u00a0Ihre<br \/>\n<em>\u00a0 \u00a0Susanne G. Seiler<\/em><\/p>\n<p>P.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 &#8211; 18 Uhr in der Gaia Lounge, Hochstrasse 70 in Basel (N\u00e4he Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!<\/p>\n<hr \/>\n<h1>allzeit gl\u00fccklich<\/h1>\n<p>Manchmal ein bisschen tr\u00e4umen<br \/>\nUnd immer ein bisschen hoffen<br \/>\nSo blieb zu seligen R\u00e4umen<br \/>\nMir allzeit ein T\u00fcrchen offen<\/p>\n<p><em>\u00a0 \u00a0Ernst Goll<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wokeness Viele von Ihnen sind zu jung, um zu wissen, was in den aufgeheizten, revolution\u00e4ren Sechzigern und Siebzigern f\u00fcr raue T\u00f6ne herrschten. Man sah sich als K\u00e4mpfer, gewisse leider auch als Terroristin und das im Namen einer Revolution, die so nie stattfand. Unsere Revolution war kultureller Natur, doch das sah man erst Jahre sp\u00e4ter. 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