{"id":2674,"date":"2023-03-01T13:47:06","date_gmt":"2023-03-01T12:47:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/?p=2674"},"modified":"2023-03-03T13:48:24","modified_gmt":"2023-03-03T12:48:24","slug":"maerz-2023-goodnews-editorial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/2023\/03\/01\/maerz-2023-goodnews-editorial\/","title":{"rendered":"m\u00e4rz 2023 \u2013 goodnews editorial"},"content":{"rendered":"<h1>oops, i did it again<\/h1>\n<p>Vor ein paar Jahren versuchte ich, eine Mikrodosis LSD zu nehmen, indem ich einen winzigen Streifen von einem Blotter abschnitt. Damals hatte ich noch mein Bed &amp; Breakfast und nahm die Minidosis nach der Arbeit, am sp\u00e4ten Vormittag. Danach erledigte ich einige B\u00fcroarbeiten. Ich stellte mir vor, dass ich unter dem hom\u00f6opathischen Einfluss von LSD unliebsame und zeitaufw\u00e4ndige Aufgaben speditiver erledigen w\u00fcrde. Etwa dreissig Minuten sp\u00e4ter ver\u00e4nderte sich meine Wahrnehmung. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Mein Gehirn f\u00fchlte sich an, als breite es sich aus. Bunte Muster schlichen sich in mein Blickfeld. Ich hatte zu viel erwischt und beschloss, mich hinzulegen.<br \/>\nObwohl ich h\u00f6chsten dreissig Mikrogramm eingenommen hatte, gemessen am Rest, wurde ich f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Stunden mit wechselnden farbenfrohen und lebendigen Landschaften belohnt, die ich nur als erhaben und spirituell bezeichnen kann. Es war eine warme und freundliche Erfahrung, und ich stand neunzig Minuten sp\u00e4ter erholt wieder auf, wie nach einem guten Film.<br \/>\nLetzte Woche versuchte ich, das Experiment zu wiederholen, dieses Mal mit einer, wie ich hoffte, deutlich geringeren Menge. Das LSD fuhr dieses Mal innerhalb von zwanzig Minuten ein. Es war ein anderes, noch st\u00e4rkeres Filzchen. Was nun? Es war nicht so, dass ich nicht funktionieren konnte, aber wollte ich das? Planm\u00e4ssig stieg ich dennoch in den Intercity nach Basel. Der Zug hatte Z\u00fcrich noch nicht lange verlassen, als ein abgerissener Mann aufstand und um Geld zu betteln begann. Der noch junge Mann war in einem erb\u00e4rmlichen Zustand, und es tat weh, ihn so krank und ausgezehrt zu sehen. An einem Mundwinkel klebte Spucke, und er schwankte, als er einen weiteren Fahrgast verliess und auf mich zu steuerte. Ich hielt zur Abwehr meine offene rechte Hand hoch. Er ging an mir vorbei, kam aber sp\u00e4ter zur\u00fcck. Ich hatte Mitleid mit ihm. In diesem Moment waren wir beide Konsumenten unterschiedlicher illegaler Substanzen, mit unterschiedlichem Hintergrund und aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden.<br \/>\nUnser Austausch bleibt zwischen ihm und mir. Ich bin mehr denn je davon \u00fcberzeugt, dass wir Menschen wie ihn annehmen sollten, hilflos und ohne jegliche Perspektive, verloren, wie sie sind. Ich sp\u00fcrte seine Unruhe, seine Verzweiflung. Seine Beine waren stellenweise ausgebleicht, als h\u00e4tte er Vitiligo, und mit Wunden \u00fcbers\u00e4t. Er geh\u00f6rte zum Strandgut unserer Gesellschaft, diese Menschen, die niemand will, nicht einmal in einem Reha-Programm. Mir ist klar, dass sie nicht jeden aufnehmen k\u00f6nnen. Er war aber nicht b\u00f6sartig oder respektlos. Und auch nicht dumm. Nur nicht sauber. Ich gab ihm ein bisschen Geld. Mir ist egal, wof\u00fcr er es ausgibt. Ich m\u00f6chte, dass er weiss, dass ich ihn sehe. Dass ich ihn nicht verachte. Und dass ich mir ein besseres Leben f\u00fcr ihn w\u00fcnsche.<br \/>\nDie vermeintliche Mikrodosis hielt bis zum fr\u00fchen Abend an, als ich mit dem Zug nach Hause fuhr. Es geschah weiter nichts Ungew\u00f6hnliches, nur die Tage werden l\u00e4nger.<br \/>\nHerzlich Ihre<br \/>\n<em> \u00a0Susanne G. Seiler<\/em><br \/>\n<strong>\u00a0<\/strong><br \/>\nP.S. Sie finden uns jeden Donnerstagnachmittag von 14 &#8211; 18 Uhr in der Gaia Lounge, Hochstrasse 70 in Basel (N\u00e4he Hauptbahnhof Basel SBB, Haltestelle Peter Merian). Herzlich willkommen!<\/p>\n<hr \/>\n<h1>mensch, werde wesentlich<\/h1>\n<p>Mensch, werde wesentlich: denn wann die Welt vergeht,<br \/>\nSo f\u00e4llt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.<\/p>\n<p><em>Angelius Selesiuis\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oops, i did it again Vor ein paar Jahren versuchte ich, eine Mikrodosis LSD zu nehmen, indem ich einen winzigen Streifen von einem Blotter abschnitt. Damals hatte ich noch mein Bed &amp; Breakfast und nahm die Minidosis nach der Arbeit, am sp\u00e4ten Vormittag. Danach erledigte ich einige B\u00fcroarbeiten. 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