{"id":934,"date":"2014-11-27T00:42:10","date_gmt":"2014-11-26T23:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/deutsch\/?p=934"},"modified":"2018-03-31T00:48:53","modified_gmt":"2018-03-30T22:48:53","slug":"revision-der-psychologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/2014\/11\/27\/revision-der-psychologie\/","title":{"rendered":"Revision der Psychologie"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-934\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-934-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-934-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-934-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\">\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p>Das Erbe eines halben Jahrhunderts Bewusstseinsforschung<br \/><strong>Von Stanislav Grof<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund meiner Besch\u00e4ftigung mit aussergew\u00f6hnlichen Bewusstseinszust\u00e4nden, die ich \u00abholotrop\u00bb nenne und mit denen ich nun schon mehr als f\u00fcnfzig Jahren arbeite, schlage ich eine grundlegende Revision der Pr\u00e4missen der modernen Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie vor. Diese betreffen die Natur des Bewusstseins, dessen Beziehung zur Materie, die Dimensionen der menschlichen Psyche, die Struktur der emotionalen und psychosomatischen St\u00f6rungen sowie bestimmte Strategien der Psychotherapie. Aus meiner Sicht scheint Spiritualit\u00e4t ein wesentliches Attribut der menschlichen Psyche und der menschlichen Existenz im Allgemeinen zu sein. Eine besondere Bedeutung f\u00fcr die Bewusstseinsforschung \u2013 wichtig und dennoch umstritten, und hier auch nur sehr oberfl\u00e4chlich behandelt \u2013 kommt dabei auch der archetypischen Psychologie und der Astrologie zu.<\/p>\n<p><strong>Moderne Bewusstseinsforschung und die Entstehung eines neuen Paradigmas<\/strong><strong><br \/><\/strong><br \/>Im Jahr 1962 ver\u00f6ffentlichte Thomas Kuhn, einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, sein bahnbrechendes Buch\u00a0<em>Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen<\/em>\u00a0(Kuhn 1967). Nach f\u00fcnfzehn Jahren intensiven Studiums der Geschichte der Wissenschaft ist er zu dem Schluss gekommen, dass die Entwicklung des Wissens \u00fcber das Universum in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen sich nicht, wie gew\u00f6hnlich angenommen wird, als Prozess einer allm\u00e4hlichen Anh\u00e4ufung von Daten sowie der Formulierung immer genauerer Theorien vollzieht. Stattdessen zeigt diese Entwicklung eine eindeutig zyklische Eigenschaft mit genauen Abstufungen und einer charakteristischen Dynamik, die erkannt und sogar vorhergesagt werden kann.<br \/>Die zentrale Idee von Kuhns Theorie ist das Konzept des Paradigmas. Ein Paradigma kann als eine Konstellation von \u00dcberzeugungen, Werten und Techniken definiert werden, die von Mitgliedern der Wissenschaftsgemeinde einer bestimmten historischen Periode geteilt werden. Ein Paradigma regelt deren Denk- und Forschungsaktivit\u00e4ten, bis einige der Grundannahmen durch neue Beobachtungen ernsthaft in Frage gestellt werden. Dies f\u00fchrt zu einem Wendepunkt und zur Entstehung v\u00f6llig neuer Sichtweisen und Interpretationen von Ph\u00e4nomenen, die das alte Paradigma nicht erkl\u00e4ren kann. Schliesslich erf\u00fcllt einer dieser neuen Denkans\u00e4tze die notwendigen Anforderungen f\u00fcr ein neues Paradigma, das wiederum die n\u00e4chste Periode der Geschichte der Wissenschaft dominiert.<br \/>Die bekanntesten historischen Beispiele wichtiger Paradigmenwechsel waren der Ersatz des ptolem\u00e4ischen geozentrischen Weltbildes durch das heliozentrische System von Kopernikus, Kepler und Galileo, die Widerlegung von Bechers Phlogistontheorie in der Chemie durch Lavoisier und Daltons Atomtheorie. Auch die konzeptionellen Umw\u00e4lzungen in der Physik in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, die die Hegemonie der Newtonschen Physik aufbrachen und Theorien der Relativit\u00e4t und der Quantenphysik hervorbrachten, geh\u00f6ren dazu. Paradigmenwechsel \u00fcberraschen \u00fcblicherweise die etablierten Forschungsgemeinden, deren Mitglieder meist die f\u00fchrenden Paradigmen f\u00fcr die einzige definitive Beschreibung der Wirklichkeit halten. So stellte im Jahr 1900, kurz vor der Entdeckung der Quantenphysik Lord Kelvin fest: \u00abIn der Physik gibt es nichts Neues mehr zu entdecken. Was zu tun bleibt, ist lediglich genauere Messungen vorzunehmen.\u00bb<br \/>In den letzten f\u00fcnf Jahrzehnten haben verschiedene Gebiete der modernen Bewusstseinsforschung eine reiche Palette an \u00abanomalen Ph\u00e4nomenen\u00bb entdeckt \u2013 Erfahrungen und Beobachtungen, die viele der allgemein anerkannten Annahmen der modernen Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie untergraben haben. Diese Befunde beziehen sich auf die Beschaffenheit und die Dimensionen der menschlichen Psyche, die Urspr\u00fcnge emotionaler und psychosomatischer St\u00f6rungen sowie wirksame therapeutische Behandlungen. Viele dieser Beobachtungen stellen in ihrer Radikalit\u00e4t die metaphysischen Pr\u00e4missen der materialistischen Wissenschaft, was die Beziehung zwischen Bewusstsein und Materie sowie die Beschaffenheit des Menschen und der Realit\u00e4t angeht in Frage.<\/p>\n<p><strong>Holotrope Bewusstseinszust\u00e4nde\u00a0<\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>Seit mehr als einem halben Jahrhundert befasse ich mich mit der Erforschung einer wichtigen Untergruppe aussergew\u00f6hnlicher Bewusstseinszust\u00e4nde, f\u00fcr die ich den Begriff\u00a0<em>holotrop<\/em>\u00a0gepr\u00e4gt habe. Diese Erkenntnisse stellen eine grosse Herausforderung f\u00fcr die bestehenden wissenschaftlichen Paradigmen dar. Zuvor m\u00f6chte ich aber den Begriff holotrop erkl\u00e4ren, den ich hier verwenden werde. All die Jahre war es mein Hauptinteresse, das heilende, transformative und evolution\u00e4re Potenzial aussergew\u00f6hnlicher Bewusstseinszust\u00e4nden zu erforschen und ihren grossen Wert als Quelle f\u00fcr neue revolution\u00e4re Erkenntnisse \u00fcber das Bewusstsein, die menschliche Psyche und die Beschaffenheit der Realit\u00e4t herauszuarbeiten.<br \/>Von diesem Gesichtspunkt aus ist der Begriff \u00abver\u00e4nderte Bewusstseinszust\u00e4nde\u00bb (altered states of consciousness, Tart 1969), der h\u00e4ufig von Schulmedizinern und Forschern verwendet wird, nicht geeignet, da er auf einseitige Weise den Akzent legt auf eine Verzerrung oder eine Beeintr\u00e4chtigung einer sogenannten \u00abrichtige Art und Weise\u00bb, sich selbst und die Welt zu erleben. (In der amerikanischen Umgangssprache und im veterin\u00e4ren Jargon bedeutet der Begriff \u00abto alter\u00bb die Kastration von Haustieren, wie Hunde und Katzen).<br \/>Selbst die etwas bessere Bezeichnung \u00abaussergew\u00f6hnliche Bewusstseinszust\u00e4nde\u00bb ist zu allgemein, da hier ein breites Spektrum von Bedingungen einbezogen wird, die f\u00fcr den Gegenstand dieser Abhandlung nicht relevant sind. Dazu geh\u00f6ren gew\u00f6hnliche Delirien, die durch Infektionen, Tumore, Missbrauch von Alkohol oder Kreislaufproblemen und degenerativen Erkrankungen des Gehirns verursacht werden. Diese Ver\u00e4nderungen des Bewusstseins sind mit Desorientierung, Beeintr\u00e4chtigung der intellektuellen Funktionen und anschliessender Amnesie verbunden. Sie sind klinisch wichtig, haben aber kein therapeutisches und heuristisches Potenzial.<br \/>Der Begriff\u00a0<em>holotrop<\/em>\u00a0bezieht sich auf eine grosse Untergruppe aussergew\u00f6hnlicher Bewusstseinszust\u00e4nde, die von grosser theoretischer und praktischer Bedeutung sind. Es sind die Zust\u00e4nde, die die Novizen der Schamanen w\u00e4hrend ihrer initiatorischen Krisen erfahren und sp\u00e4ter im Leben in ihren Klienten zu therapeutischen Zwecken hervorrufen. Alte Stammeskulturen und indigene Gesellschaften haben sich dieser Zust\u00e4nde seit Jahrtausenden in \u00dcbergangsriten und Heilzeremonien bedient. Sie wurden von Mystikern aller Zeiten und Eingeweihten in den alten Mysterien von Tod und Wiedergeburt beschrieben. Methoden zur Herbeif\u00fchrung holotroper Zust\u00e4nde wurden im Rahmen der grossen Weltreligionen entwickelt und angewendet \u2013 im Hinduismus, Buddhismus, Jainismus, Taoismus, Islam, Judentum, Zoroastrismus und im Christentum.<br \/>Die Bedeutung holotroper Zust\u00e4nde f\u00fcr alte und indigene Kulturen zeigt sich im Umfang der Zeit und Energie, die ihre Mitglieder der Entwicklung von \u00abTechnologien des Heiligen\u00bb widmeten, verschiedene Methoden um solche Zust\u00e4nde f\u00fcr rituelle und spirituelle Zwecke hervorzurufen. Diese kombinieren in unterschiedlicher Weise Trommeln und andere Schlaginstrumente , Musik, Gesang, rhythmischer Tanz, Ver\u00e4nderungen des Atemrhythmus und besondere Formen der Aufmerksamkeit. Soziale und sensorische Isolation \u00fcber l\u00e4ngere Zeit in einer H\u00f6hle, in der W\u00fcste, im Eis der Arktis oder im Hochgebirge spielen eine wichtige Rolle, um holotrope Zust\u00e4nde zu erzeugen. Ebenso extreme k\u00f6rperliche Herausforderungen wie Fasten, Schlafentzug, Dehydration, hochwirksame Abf\u00fchrmittel, ja sogar Zuf\u00fcgung von Schmerzen, Verst\u00fcmmelung des K\u00f6rpers und Aderlass. Das weitaus wirksamste Instrument, heilende und transformative aussergew\u00f6hnliche Bewusstseinszust\u00e4nde hervorzurufen, ist der rituelle Gebrauch psychedelischer Pflanzen.<br \/>Als ich mir \u00fcber die Einzigartigkeit dieser Bewusstseinszust\u00e4nde klar wurde, konnte ich kaum glauben, dass die heutige Psychiatrie keine spezifische Kategorie und Bezeichnung f\u00fcr diese theoretisch und praktisch wichtigen Erfahrungen hat. Weil ich \u00fcberzeugt war, dass sie von den sogenannten ver\u00e4nderten Bewusstseinszust\u00e4nden unterschieden und nicht als Anzeichen ernsthafter Geisteskrankheiten betrachtet werden sollten, habe ich f\u00fcr sie einen speziellen Namen gepr\u00e4gt: ich nannte sie\u00a0<em>holotrop<\/em>. Dieser zusammengesetzte Terminus bedeutet w\u00f6rtlich \u00abauf Ganzheit ausgerichtet\u00bb oder \u00absich in Richtung Ganzheit bewegen\u00bb (aus dem Griechischen\u00a0<em>holos<\/em>\u00a0= ganz und\u00a0<em>trepo\/trepein<\/em>\u00a0= sich an etwas orientieren oder sich in die Richtung von etwas bewegen). Das Wort\u00a0<em>holotrop<\/em>\u00a0ist ein Neologismus, es ist aber mit dem h\u00e4ufig verwendeten Begriff \u00abHeliotropismus\u00bb verwandt \u2013 die Eigenschaft von Pflanzen, sich immer in der Richtung der Sonne zu bewegen.<br \/>Der Name\u00a0<em>holotrop<\/em>\u00a0beinhaltet eine Botschaft, die im Westen einen normalen Menschen \u00fcberraschen k\u00f6nnte: in unserem Alltagsbewusstseinszustand erfassen wir nur einen kleinen Bruchteil dessen, wer wir wirklich sind und erleben nicht die volle Dimension unseres Seins. Holotrope Bewusstseinszust\u00e4nde haben das Potenzial, uns zu zeigen, dass wir nicht \u00abhautumh\u00fcllte Egos\u00bb sind, wie es der britische Philosoph und Autor Alan Watts charakterisierte (Watts 1961), sondern dass wir in letzter Instanz dem kosmischen sch\u00f6pferischen Prinzip entsprechen. Oder, um die Aussage von Pierre Teilhard de Chardin, dem franz\u00f6sischen Pal\u00e4ontologen und Philosophen, zu verwenden: \u00abWir sind nicht menschliche Wesen, die spirituelle Erfahrungen haben, sondern spirituelle Wesen, die menschliche Erfahrungen haben\u00bb (Teilhard de Chardin 1975).<br \/>Diese erstaunliche Vorstellung ist nicht neu. In den alten indischen\u00a0<em>Upanishaden<\/em>\u00a0lautet die Antwort auf die Frage: \u00abWer bin ich?\u00bb, \u00abTat tvam asi\u00bb. Dieser knappe Satz in Sanskrit bedeutet w\u00f6rtlich: \u00abDu bist Das\u00bb, wobei \u00abDas\u00bb sich auf die Gottheit bezieht. Dies heisst, dass wir nicht \u00abnamarupa\u00bb, Name und Form (K\u00f6rper \/ Ego) sind, sondern dass unsere tiefste Identit\u00e4t mit einem Funken g\u00f6ttlicher Energie in unserem innersten Wesen (Atman) versehen ist. Atman wiederum ist identisch mit dem h\u00f6chsten universellen Prinzip (Brahman), das f\u00fcr die Sch\u00f6pfung des Kosmos verantwortlich ist. Der Hinduismus ist nicht die einzige Religion, die dies entdeckt hat.<br \/>Diese Offenbarung \u2013 die Identit\u00e4t des Individuums mit dem G\u00f6ttlichen \u2013 ist das h\u00f6chste Geheimnis, das dem mystischen Kern aller grossen spirituellen Traditionen zugrunde liegt. Der Name f\u00fcr dieses Prinzip k\u00f6nnte also das Tao, Buddha, Shiva (des Kaschmir Shivaismus), kosmischer Christus, Allah, Pleroma, der Grosse Geist und viele andere heissen. Holotrope Erfahrungen haben das Potenzial, uns zu helfen, unsere wahre Identit\u00e4t und unseren kosmischen Status zu entdecken (Grof 1998). Manchmal geschieht dies in kleinen Schritten, ein anderes Mal in der Form von grossen Durchbr\u00fcchen.<\/p>\n<p><strong>Holotrope Bewusstseinszust\u00e4nde und moderne Psychiatrie<\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>Psychedelische Forschung und die Entwicklung intensiver Erfahrungstechniken in der Psychotherapie in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts brachten die holotropen Zust\u00e4nde aus der Welt der Heiler aus alten schriftlosen Kulturen in die moderne Psychiatrie und Psychotherapie. Therapeuten, die offen waren f\u00fcr diese Zust\u00e4nde und sie in ihrer Praxis nutzten, konnten ihre aussergew\u00f6hnliche Heilkraft best\u00e4tigen. Sie entdeckten auch ihren Wert als Goldgruben neuer revolution\u00e4rer Informationen \u00fcber das Bewusstsein, die menschliche Psyche und die Beschaffenheit der Wirklichkeit.<br \/>Ich entdeckte die bemerkenswerten Eigenschaften der holotropen Zust\u00e4nde 1956, als ich als angehender Psychiater freiwillig an einem Experiment mit LSD-25 teilnahm. W\u00e4hrend diesem Experiment , in dem die pharmakologische Wirkung von LSD mit dem Effekt eines starken Stroboskops (\u00abTreiben\u00bb oder \u00abTraining\u00bb der Gehirnwellen genannt) kombiniert wurde, hatte ich eine \u00fcberw\u00e4ltigende Erfahrung kosmischen Bewusstseins (Grof 2006).<br \/>Zwischen der dritten und vierten Stunde meiner Sitzung, als meine LSD-Erfahrung ihrem H\u00f6hepunkt zusteuerte, erschien die wissenschaftliche Mitarbeiterin meines Versuchsleiters George Roub\u00ed\u010dek und verk\u00fcndete, dass es Zeit f\u00fcr ein EEG war. Sie f\u00fchrte mich in eine kleine Kabine, fixierte sorgf\u00e4ltig die Elektroden auf meiner Kopfhaut und bat mich, mich hinzulegen und die Augen zu schliessen. Dann platzierte sie eine riesige Stroboskoplampe \u00fcber meinen Kopf und schaltete sie ein.<br \/>Ich wurde von einer Vision von Licht unglaublicher St\u00e4rke und \u00fcbernat\u00fcrlicher Sch\u00f6nheit erfasst. Es erinnerte mich an die Schilderungen mystischer Erfahrungen, die ich in B\u00fcchern \u00fcber Spiritualit\u00e4t gelesen hatte. Die Visionen des g\u00f6ttlichen Lichts werd en mit dem Gl\u00fchen von \u00abMillionen von Sonnen\u00bb verglichen. Es fiel mir auch ein, dass es wohl so im Epizentrum der atomaren Explosionen in Hiroshima oder Nagasaki ausgesehen haben musste. Heute denke ich, es war h\u00f6chstwahrscheinlich Dharmakaya oder das \u00abPrim\u00e4re klare Licht\u00bb, die Leuchtkraft von unbeschreiblicher Brillanz, die uns gem\u00e4ss dem\u00a0<em>Tibetischen Totenbuch<\/em>\u00a0im Augenblick unseres Todes erscheint. Ich f\u00fchlte, dass ein g\u00f6ttlicher Blitz mein bewusstes Selbst aus meinem K\u00f6rper katapultierte. Ich vergass die Forschungsassistentin, das Labor, die psychiatrische Klinik, Prag und dann unseren Planeten. Mein Bewusstsein erweiterte sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit und erreichte kosmische Dimensionen. Es gab keine Grenzen mehr oder Unterschiede zwischen mir und dem Universum. Die Forschungsassistentin folgte sorgf\u00e4ltig dem Protokoll. Sie begann mit der Frequenz von 2 Hertz (Frequenzen per Sekunde), erh\u00f6hte sie allm\u00e4hlich auf 60 Hertz und wieder zur\u00fcck. Sie setzte dann die Frequenz f\u00fcr eine gewisse Zeit in die Mitte der Alpha-, dann der Theta- und schliesslich der Delta-Bandbreite.<br \/>W\u00e4hrend dieser Zeit fand ich mich inmitten eines kosmischen Dramas unvorstellbaren Ausmasses. Ich war Zeuge galaktischer Vorg\u00e4nge, f\u00fcr die ich damals keine Namen hatte. In der astronomischen Literatur, die ich sp\u00e4ter entdeckt habe, fand ich Ph\u00e4nomene wie Urknall, schwarze und weisse L\u00f6cher, Wurml\u00f6cher, explodierende Supernovas, kollabierende Sterne und \u00e4hnliches mehr. Diese Begriffe schienen die fantastischen Erfahrungen zu beschreiben, die ich w\u00e4hrend dieser aussergew\u00f6hnlichen LSD-Sitzung erfahren habe.<br \/>Als die Stroboskoplampe ausgeschaltet wurde, begann mein Universum wieder zu schrumpfen, ich fand zur\u00fcck auf unseren Planeten, nach Prag, in die Klinik und zuletzt auch in meinen K\u00f6rper. Mein Bewusstsein schwebte um meinen K\u00f6rper herum, und ich hatte zuerst Schwierigkeiten, beide wieder in Einklang zu bringen. Mir war klar, dass das, was ich in der medizinischen Fakult\u00e4t gelernt hatte \u2013 dass das Bewusstsein ein Produkt der physiologischen Vorg\u00e4nge in dem Gehirn sei \u2013 nicht wahr sein konnte. Ich war \u00fcberzeugt, dass das Bewusstsein ein kosmisches Ph\u00e4nomen ist, ein integraler Bestandteil der Existenz, und dass das Gehirn Bewusstsein vermittelt und nicht produziert.<br \/>Ich hatte keine Zweifel, dass meine Erfahrung denjenigen sehr \u00e4hnlich war, wie sie in den grossen mystischen Schriften beschrieben wurden. Auch wenn meine Psyche von den Auswirkungen des LSD beeintr\u00e4chtigt war, konnte ich die Ironie und das Paradoxe der Situation erkennen. Das G\u00f6ttliche manifestierte sich und \u00fcberw\u00e4ltigte mich inmitten eines seri\u00f6sen wissenschaftlichen Experiments, ausgel\u00f6st durch einen Stoff, den ein Schweizer Chemiker des 20. Jahrhunderts im Reagenzglas produziert hatte, in der psychiatrischen Klinik eines Landes, das von der Sowjetunion und einem marxistischen Regime dominiert wurde. Dieser Tag markierte den Beginn meiner radikalen Abkehr vom traditionellen Denken in der Psychiatrie und dem monistischen Materialismus der westlichen Wissenschaft.<br \/>Diese erste LSD-Erfahrung inspirierte mein lebenslanges Interesse an holotropen Zust\u00e4nden. Die Forschung in diesem Bereich wurde f\u00fcr mich zur Leidenschaft, zum Beruf und zur Berufung. Seither widmete ich die meisten meiner klinischen und wissenschaftlichen Aktivit\u00e4ten der systematischen Erforschung des therapeutischen, transformativen, heuristischen und evolution\u00e4ren Potenzials holotrope Zust\u00e4nde. Das halbe Jahrhundert, in dem ich Bewusstseinsforschung betrieben habe, wurde f\u00fcr mich zum aussergew\u00f6hnlichen Forschungsabenteuer und zur Entdeckungsreise meiner Selbst.<br \/>Die ersten paar Jahrzehnte f\u00fchrte ich Psychotherapie mit psychedelischen Substanzen durch, zuerst am Psychiatrischen Forschungsinstitut in Prag, dann am Maryland Psychiatric Research Center in Baltimore, wo ich am letzten Programm psychedelischer Forschung in den USA teilgenommen habe. Seit 1975 arbeiten meine Frau Christina und ich mit dem Holotropen Atmen, einer effizienten Therapie- und Selbsterforschung-Methode, die wir gemeinsam am Esalen Institute im kalifornischen Big Sur entwickelt hatten. Im Laufe der Jahre haben wir auch viele Menschen unterst\u00fctzt, die spontane Sch\u00fcbe holotroper Bewusstseinszust\u00e4nde erlebten \u2013 psychospirituelle Krisen oder \u00abspirituelle Notf\u00e4lle\u00bb, wie Christina und ich sie nennen (Grof und Grof 1989, Grof und Grof 1991).<br \/>In der psychedelischen Therapie werden holotrope Zust\u00e4nde durch Verabreichung psychoaktiver Substanzen wie LSD, Psilocybin, Meskalin, und Tryptamin- oder Amphetamin-Derivate hervorgerufen. Bei der holotropen Atemarbeit wird das Bewusstsein durch eine Kombination aus beschleunigtem Atmen, aufr\u00fcttelnder Musik und Energie freisetzender K\u00f6rperarbeit ver\u00e4ndert. Bei \u00abspirituellen Krisen\u00bb treten holotrope Zust\u00e4nde spontan auf, oft mitten im Alltag, und ihre Ursache ist meist unbekannt. Wenn sie richtig verstanden und unterst\u00fctzt werden, haben diese Momente ein aussergew\u00f6hnliches heilendes, transformatives, heuristisches und sogar evolution\u00e4res Potenzial.<br \/>Ich habe auch an vielen Disziplinen mitgewirkt, die mehr oder weniger direkt mit holotropen Bewusstseinszust\u00e4nden verwandt sind. Ich habe mich immer wieder mit Anthropologen ausgetauscht, die indigene Kulturen studierten, und an heiligen Zeremonien von Stammeskulturen in verschiedenen Teilen der Welt teilgenommen, mit und ohne Einnahme psychedelischer Pflanzen wie Peyote, Ayahuasca und psilocybinhaltiger Pilze. Ich hatte auch intensiven Kontakt und war freundschaftlich verbunden mit nordamerikanischen, mexikanischen, s\u00fcdamerikanischen und afrikanischen Schamanen und Heilern, wie auch mit Vertretern verschiedener spiritueller Disziplinen, darunter Vipassana, Zen- und Vajrayana-Buddhismus, Siddha-Yoga, Tantra und des christlichen Benediktinerordens.<br \/>Mit grossem Interesse habe ich die Entwicklung der Thanatologie verfolgt, der jungen Disziplin, die Nahtod-Erfahrungen und die psychologischen und spirituellen Aspekte von Tod und Sterben erforscht. In den sp\u00e4ten 1960er- und fr\u00fchen 1970er-Jahren beteiligte ich mich an einem grossen Forschungsprojekt, bei dem die Wirkung der psychedelischen Therapie auf terminale Krebspatienten untersucht wurde. Ich habe das Privileg, einige der grossen Hellseher und Parapsychologen unserer Zeit pers\u00f6nlich zu kennen und konnte miterleben, wie auch im Labor t\u00e4tige Pioniere der Bewusstseinsforschung und Therapeuten Formen einer erfahrungsorientierten Therapie entwickelt und praktiziert haben, die holotrope Bewusstseinszust\u00e4nde hervorrufen.<br \/>Meine erste Begegnung mit holotropen Zust\u00e4nden war sehr schwierig und herausfordernd, sowohl intellektuell wie auch emotional. In den fr\u00fchen Jahren meiner klinischen psychedelischen Forschung und derjenigen im Labor wurde ich t\u00e4glich mit Erfahrungen und Beobachtungen konfrontiert, f\u00fcr die mich meine medizinische und psychiatrische Ausbildung nicht vorbereitet hatte. Tats\u00e4chlich erlebte und beobachtete ich Ereignisse, die gem\u00e4ss meiner medizinischen Ausbildung und dem materialistischen wissenschaftlichen Weltbild im Prinzip unm\u00f6glich waren und nicht h\u00e4tten passieren k\u00f6nnen. Und doch passierten solche vermeintlich unm\u00f6glichen Dinge immer wieder. Ich habe diese \u00abanomalen Ph\u00e4nomene\u00bb in meinen Artikeln und B\u00fcchern beschrieben (Grof 2000, 2006).<\/p>\n<p><strong>Psychologie der Zukunft<\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>In den sp\u00e4ten 1990er-Jahren erhielt ich einen Anruf von Jane Bunker, meiner Lektorin bei der State University New York (SUNY) Press, die viele meiner B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht hatte. Sie fragte mich, ob ich Interesse h\u00e4tte, ein Buch zu schreiben, das die Beobachtungen aus meiner Forschung in einem Band zusammenfassen w\u00fcrde und als Einleitung zu meinen bereits ver\u00f6ffentlichten B\u00fcchern dienen k\u00f6nnte. Jane fragte auch, ob ich mich speziell auf die Erfahrungen und Beobachtungen meiner Forschung konzentrieren k\u00f6nnte, die die zeitgen\u00f6ssischen wissenschaftlichen Theorien nicht zu erkl\u00e4ren und deuten imstande waren. Sie wollte auch, dass ich die \u00dcberpr\u00fcfung unseres Denkens darlegte, die notwendig w\u00e4re, um diese revolution\u00e4ren Befunde zu erkl\u00e4ren. Dies war eine grosse Herausforderung, aber auch eine grosse Chance. Mein 70. Geburtstag n\u00e4herte sich und eine neue Generation praktizierte und lehrte Holotropes Atmen in verschiedenen L\u00e4ndern der Welt. Wir brauchten ein Lehrbuch f\u00fcr diese Trainingsmodule, dies war ein Angebot, dieses nun zu verfassen.<br \/>Das Ergebnis dieses Austauschs war ein Buch mit dem absichtlich provokativen Titel\u00a0<em>Die Psychologie der Zukunft<\/em>. Die radikalen \u00c4nderungen in unserem Verst\u00e4ndnis von Bewusstsein und der menschlichen Psyche, von Gesundheit und Krankheit, die ich in dieser Arbeit vorgeschlagen habe, lassen sich in folgende Kategorien fassen:<\/p>\n<p>1. Die Natur des Bewusstseins und ihre Beziehung zur Materie<br \/>2. Eine neue Kartografie der menschlichen Psyche<br \/>3. Strukturen emotionaler und psychosomatischer St\u00f6rungen<br \/>4. Wirksame therapeutische Mechanismen<br \/>5. Strategien f\u00fcr Psychotherapie und Selbstentdeckung<br \/>6. Die Rolle der Spiritualit\u00e4t in unserem Leben<br \/>7. Die Bedeutung der archetypischen Astrologie f\u00fcr die Psychologie<\/p>\n<p>Solange wir unser Denken in diesen Gebieten nicht \u00e4ndern, wird unser Verst\u00e4ndnis psychogener, emotionaler und psychosomatischer Erkrankungen und deren Therapie oberfl\u00e4chlich, unbefriedigend und unvollst\u00e4ndig bleiben. Psychiatrie und Psychologie werden nicht in der Lage sein, die Natur der Spiritualit\u00e4t und den Ursprung der Religionen zu begreifen und die wichtige Rolle zu w\u00fcrdigen, die die Spiritualit\u00e4t in der menschlichen Psyche und in der universalen Ordnung spielt. Diese \u00dcberpr\u00fcfungen sind daher unerl\u00e4sslich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der rituellen, spirituellen und religi\u00f6sen Geschichte der Menschheit \u2013 des Schamanismus, der \u00dcbergangsriten alter Stammeskulturen, der antiken Mysterien von Tod und Wiedergeburt und der grossen Religionen der Welt. Ohne dieses radikale neue Denken werden potenziell heilende und heuristisch wertvolle Erfahrungen (\u00abspirituelle Krisen\u00bb) f\u00e4lschlicherweise als psychotische Sch\u00fcbe eingestuft und durch suppressive Medikamente behandelt und abgeschw\u00e4cht.<br \/>Eine grosse Anzahl an Erfahrungen und Beobachtungen aus der Erforschung holotroper Zust\u00e4nde werden r\u00e4tselhaft bleiben. Sie werden als \u00abanomale Ph\u00e4nomene\u00bb bezeichnet, als Erscheinungen, die gem\u00e4ss den gegenw\u00e4rtigen wissenschaftlichen Paradigmen nicht auftreten sollten. Psychiater werden es schwer haben, die Heilkraft der psychedelischen Substanzen zu verstehen und zu akzeptieren, da sie tiefe Erfahrungen vermitteln, die derzeit als psychotisch betrachtet werden \u2013 wie die Fachbegriffe zeigen, die in der Psychiatrie daf\u00fcr verwendet werden: experimentelle Psychosen, Psychotomimetika oder Halluzinogene. Hier spiegelt sich die Unf\u00e4higkeit wider, die wahre Natur der holotropen Erfahrungen als authentischen Ausdruck der tiefen Dynamik der Psyche zu erkennen.<br \/>Im Hinblick auf meinen eigenen anf\u00e4nglichen Widerstand gegen die verwirrenden Erfahrungen und Beobachtungen aus der Erforschung holotroper Zust\u00e4nde sowie der Ph\u00e4nomene, die mit ihnen verbunden sind (wie z.B. erstaunliche Synchronizit\u00e4ten), \u00fcberrascht mich dennoch nicht, wenn meine Vorschl\u00e4ge auf grossen Widerstand in der akademischen Gemeinschaft stossen. Dies ist verst\u00e4ndlich, wenn man die Reichweite und radikale Art der erforderlichen konzeptionellen \u00c4nderungen in Betracht zieht. Viele herk\u00f6mmlich agierende Forscher und Therapeuten neigen dazu, \u00abKarte und Gebiet\u00bb zu verwechseln und sehen offizielle Theorien \u00fcber das Bewusstsein und die menschliche Psyche im Hinblick auf Gesundheit und Krankheit als eine genaue Beschreibung der Realit\u00e4t an (Bateson 1972).<br \/>Wir reden hier aber nicht \u00fcber kleine, unbedeutende Ver\u00e4nderungen, also Flickwerk,\u00a0<em>ad hoc Hypothesen,\u00a0<\/em>sondern \u00fcber eine grundlegende \u00dcberpr\u00fcfung. Die daraus resultierende konzeptionelle Umw\u00e4lzung scheint mir in seiner Art und seinem Umfang mit jener Revolution vergleichbar zu sein, die die Physiker in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erlebten, als sie sich gezwungenermassen von der Newtonschen zur quanten-relativistischen Physik hin orientierten. In der Tat w\u00fcrden die konzeptuellen Ver\u00e4nderungen, die ich vorschlage, eine logische Erg\u00e4nzung darstellen zu jenen radikalen Ver\u00e4nderungen in unserem Verst\u00e4ndnis der materiellen Welt, wie sie bereits in der Physik stattgefunden hat.<br \/>Die Geschichte der Wissenschaft ist reich an Beispielen von Personen, die das vorherrschende Paradigma in Frage gestellt haben. Typischerweise wurden ihre Ideen zuerst als Produkte von Unwissenheit, schlechtem Urteilsverm\u00f6gen, unprofessioneller Forschung, Betrug oder sogar Wahnsinn abqualifiziert. Ich befinde mich jetzt im neunten Jahrzehnt meines Lebens, in einem Alter, in dem viele Forscher oft versuchen, ihre berufliche Karriere Revue passieren zu lassen und Schl\u00fcsse \u00fcber das Erreichte zu ziehen. W\u00e4hrend mehr als einem halben Jahrhundert Erforschung holotroper Bewusstseinszust\u00e4nde \u2013 meiner eigenen, wie auch vieler meiner transpersonal-orientierten Kollegen \u2013 haben sich viele evidenzgest\u00fctzte Daten f\u00fcr ein radikal neues Verst\u00e4ndnis des Bewusstseins und der menschlichen Psyche angesammelt. Das hat mich ermutigt, diese neue Vision in ihrer Gesamtheit zu beschreiben, vollkommen bewusst ihrer kontroversen Natur und ihrer Brisanz. Die Tatsache, dass die neuen Erkenntnisse die grundlegendsten metaphysischen Annahmen der materialistischen Wissenschaft herausfordern, sollte kein ausreichender Grund f\u00fcr ihre Ablehnung sein. Ob meine Vision letztlich widerlegt oder akzeptiert wird, sollte durch unvoreingenommene zuk\u00fcnftige Forschung holotroper Zust\u00e4nde bestimmt werden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><div id=\"panel-934-0-0-1\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor\" data-index=\"1\" ><div class=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\">\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p><strong>1. Die Natur des Bewusstseins und ihre Beziehung zur Materie<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss dem derzeitigen wissenschaftlichen Weltbild ist das Bewusstsein ein Epiph\u00e4nomen materieller Prozesse; es entsteht angeblich aus der Komplexit\u00e4t der neurophysiologischen Vorg\u00e4nge im Gehirn. Diese These wird mit grosser Entschiedenheit als eine offensichtliche Tatsache pr\u00e4sentiert, die ohne jeden Zweifel bewiesen wurde. Aber bei genauerem Hinsehen entdecken wir, dass es eine grundlegende metaphysische Annahme ist, die nicht durch Fakten untermauert ist und tats\u00e4chlich im Widerspruch zu den Erkenntnissen der modernen Bewusstseinsforschung steht.<br \/>Es gibt eine grosse Anzahl klinischer und experimenteller Beweise, die die vielf\u00e4ltigen Korrelationen zwischen der Anatomie, Physiologie und Biochemie des Gehirns und den Bewusstseinszust\u00e4nden zeigen. Jedoch keiner dieser Befunde beweist eindeutig, dass Bewusstsein tats\u00e4chlich im Gehirn seinen Ursprung hat, also vom Gehirn erzeugt wird. Auch anspruchsvolle Theorien, die auf differenzierter Erforschung des Gehirns basieren \u2013 wie Stuart Hameroffs Vorschlag, dass in Zukunft die L\u00f6sung des Ursprungs des Bewusstseins von dem Verst\u00e4ndnis der Quanten-Prozesse in den Mikrotubuli der Gehirnzellen auf der molekularen und supramolekularen Ebene zu finden sein wird (Hameroff 1987) \u2013 sind nicht in der Lage die enorme Kluft zwischen Materie und Bewusstsein zu \u00fcberbr\u00fccken und zu erkl\u00e4ren wie materielle Prozesse das Bewusstsein erzeugen k\u00f6nnten.<br \/>Die zeitgen\u00f6ssische wissenschaftliche Gemeinschaft sieht den Ursprung des Bewusstseins aus Materie als eine offensichtliche, selbstverst\u00e4ndliche und solide bewiesene Tatsache an. In der Tat ist es aber nicht mehr als die metaphysische Pr\u00e4misse eines monistischen Materialismus \u2013 der dominanten Philosophie der industriellen Gesellschaft \u2013 was die Priorit\u00e4t der Materie im Universum betrifft. In der gesamten Geschichte der Wissenschaft hat noch niemand eine plausible Erkl\u00e4rung angeboten, wie materielle Prozesse das Bewusstsein hervorbringen k\u00f6nnten oder zumindest eine tragf\u00e4hige Hypothese formuliert. Nehmen wir zum Beispiel das Buch von Francis Crick,\u00a0<em>Die erstaunliche Hypothese: die wissenschaftliche Suche nach der Seele<\/em>(Crick 1994). Das Cover des Buches verhiess etwas sehr Spannendes: \u00abNobelpreistr\u00e4ger erkl\u00e4rt das Bewusstsein\u00bb.<br \/>Cricks \u00aberstaunliche Hypothese\u00bb wurde kurz und b\u00fcndig auf den ersten Seiten des Buches zusammengefasst: \u00abDu, deine Freude und Leiden, deine Erinnerungen und deine Ambitionen, dein Sinn f\u00fcr pers\u00f6nliche Identit\u00e4t und deinen freien Willen, sind in der Tat nicht mehr als das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen in deinem Gehirn und den damit verbundenen Molek\u00fclen. Wer du bist, ist nichts anderes als ein B\u00fcndel von Neuronen.\u00bb Am Anfang des Buches \u2013 \u00abum das Problem des Bewusstseins zu vereinfachen\u00bb \u2013, begrenzt Crick den Brennpunkt seiner Aufmerksamkeit auf den Vorgang der optischen Wahrnehmung. Er pr\u00e4sentiert beeindruckende experimentelle Beweise daf\u00fcr, dass die visuelle Wahrnehmung mit den verschiedenen physiologischen, biochemischen, und elektrischen Prozessen im optischen System verbunden ist \u2013 von der Netzhaut durch den optischen Trakt zur subokzipitalen Hirnrinde. Dort endet auch schon die Diskussion, als ob das Problem des Ursprungs des Bewusstseins zufriedenstellend gel\u00f6st worden sei.<br \/>In Wirklichkeit sind war da, wo das Problem beginnt. Was genau ist es, das die biochemischen und elektrischen Prozesse im Gehirn in eine bewusste Erfahrung einer angemessenen Nachbildung des Objekts, das wir beobachten, umzuwandeln vermag, in Farbe, und es in den dreidimensionalen Raum projiziert? Das enorme Problem der Beziehung zwischen\u00a0<em>Ph\u00e4nomena<\/em>\u00a0\u2013 den Dingen, wie sie uns erscheinen \u2013 und der\u00a0<em>Noumena<\/em>\u00a0\u2013 den Dingen, wie sie wirklich sind (Dinge an sich), wurde vom deutschen Philosophen Immanuel Kant (Kant 1999) deutlich artikuliert. Wissenschaftler konzentrieren ihre Bem\u00fchungen oft auf den Aspekt des Problems, wo sie Antworten zu finden glauben, also auf die materiellen Prozesse im Gehirn. Das viel r\u00e4tselhaftere und mysteri\u00f6sere Problem \u2013 wie die materiellen Prozesse im Gehirn Bewusstsein erzeugen k\u00f6nnen \u2013 erh\u00e4lt hingegen keine Aufmerksamkeit, weil man es nicht versteht und nicht l\u00f6sen kann.<br \/>Gem\u00e4ss Gregory Bateson, einem der originellsten Denker des 20. Jahrhunderts \u2013 einem Generalisten, der in seiner Arbeit Anthropologie, Psychologie, Genetik und Kybernetik miteinander in Verbindung brachte \u2013, wetten die Psychiater und Psychologen auf das falsche Pferd, wenn sie das R\u00e4tsel des Bewusstseins durch das Studium des Gehirns zu l\u00f6sen versuchen. Der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis unseres Bewusstseins ist Information, nicht das System, das sie \u00fcbertr\u00e4gt. Solche Bem\u00fchungen kann man mit Versuchen vergleichen, die Funktionsweise eines Telefongespr\u00e4chs verstehen zu wollen, indem man alles \u00fcber die Dr\u00e4hte in Erfahrung bringt, die diese Information tragen.<br \/>Die Einstellung der westlichen Wissenschaft zu diesem Problem \u00e4hnelt dem Benehmen des weisen Narren Mulla Nasruddin in der ber\u00fchmten Sufi-Geschichte. In einer dunklen Nacht kriecht Mulla Nasrudin, auf seinen Knien unter einer Strassenlaterne herum. Sein Nachbar sieht ihn und fragt: \u00abNasruddin, was machst du? Suchst du etwas. Hast du was verloren?\u00bb Nasruddin antwortet, dass er seinen verlorenen Schl\u00fcssel sucht und der Nachbar bietet ihm seine Hilfe an. Nach einiger Zeit erfolgloser gemeinsamer Anstrengung wird der Nachbar unsicher und fragt: \u00abIch sehe nichts. Bist du sicher, dass du deinen Schl\u00fcssel hier verloren hast?\u00bb Nasruddin sch\u00fcttelt den Kopf und zeigt mit dem Finger auf den dunklen Bereich ausserhalb des von der Lampe beleuchteten Kreises und antwortet: \u00abNein, nicht hier, dort dr\u00fcben!\u00bb Der Nachbar kann nicht glauben, was er h\u00f6rt, und fragt weiter: \u00abAber warum suchen wir ihn dann hier und nicht dort?\u00bb Nasruddin erkl\u00e4rt: \u00abHier ist Licht und wir k\u00f6nnen sehen; dort dr\u00fcben ist es dunkel, und wir h\u00e4tten keine Chance.\u00bb<br \/>Auf die gleiche Weise sind materialistische Wissenschaftler systematisch dem Problem der Entstehung des Bewusstseins ausgewichen, weil dieses R\u00e4tsel im Rahmen des vorherrschenden Paradigmas nicht gel\u00f6st werden kann. Die Vorstellung, dass das Bewusstsein ein Produkt des Gehirns sei, ist nat\u00fcrlich nicht v\u00f6llig willk\u00fcrlich entstanden. Ihre Bef\u00fcrworter beziehen sich auf eine grosse Anzahl spezifischer klinischer Beobachtungen aus der Neurologie, Neurochirurgie und der experimentellen Psychiatrie.<br \/>Die Beweise f\u00fcr die enge Wechselwirkung zwischen der Anatomie, Neurophysiologie und der Biochemie des Gehirns und dem Bewusstsein sind unbestreitbar und \u00fcberw\u00e4ltigend. Problematisch ist nicht die Art der vorgelegten Nachweise, sondern die Schlussfolgerungen, die aus diesen Beobachtungen gezogen werden. In der formalen Logik wird diese Art von Fehlschluss\u00a0<em>non sequitur<\/em>\u00a0genannt \u2013, eine Argumentation deren Schlussfolgerung nicht den Voraussetzungen der Beweisf\u00fchrung folgt. W\u00e4hrend die experimentellen Daten deutlich zeigen, dass das Bewusstsein mit den neurophysiologischen und biochemischen Prozessen im Gehirn eng verbunden ist, haben sie wenig Relevanz, was die Beschaffenheit und den Ursprung des Bewusstseins betrifft.<br \/>Eine einfache Analogie ist die Beziehung zwischen einem Fernsehger\u00e4t und dem Fernsehprogramm. Der Empfang des Programms \u2013 die Qualit\u00e4t des Bildes und des Tons \u2013 h\u00e4ngt vom reibungslosen Funktionieren des Ger\u00e4ts und seiner Bestandteile ab. St\u00f6rungen verursachen eindeutige und spezifische Ver\u00e4nderungen der Qualit\u00e4t des Programms. Manche f\u00fchren zu Verzerrungen von Form, Farbe oder Ton, andere zur Interferenz zwischen den Kan\u00e4len usw. Wie der Neurologe, der Ver\u00e4nderungen des Bewusstseins als Merkmale f\u00fcr die Diagnose benutzt, kann ein Fernsehtechniker von der Art der Anomalien schliessen, welche Funktionen und welche Komponenten des Ger\u00e4ts defekt sind. Wenn das Problem erkannt ist, k\u00f6nnen Reparatur oder Ersatz dieser defekten Teile die Verzerrungen korrigieren.<br \/>Da wir die grundlegenden Prinzipien der Fernsehtechnologie kennen, wissen wir, dass das Fernsehger\u00e4t das Programm vermittelt und dass es nicht seine Quelle ist. Wir w\u00fcrden lachen, wenn jemand versuchen w\u00fcrde, alle Transistoren, Relais, Schaltkreise, und Kabel des Fernsehers zu untersuchen, um herauszufinden, wie sie die Programme generieren. Selbst wenn wir diese fehlgeleiteten t\u00f6richten Anstrengungen auf eine molekulare, atomare, oder subatomare Ebene lenken, w\u00fcrden wir trotzdem nicht erfahren, warum zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Micky Maus Trickfilm, eine Star Trek Sequenz, das Playboy-Programm oder ein klassischer Hollywood-Streifen auf dem Bildschirm erscheinen. Der enge Zusammenhang zwischen dem Funktionieren des Fernsehger\u00e4ts und der Qualit\u00e4t des Programms bedeutet jedoch nicht, dass das Geheimnis des Programms im Apparat selbst zu entdecken ist. Doch dies ist genau die Art von Schlussfolgerung, die die traditionelle materialistische Wissenschaft von vergleichbaren Daten \u00fcber das Gehirn und seine Beziehung zum Bewusstsein zieht.<br \/>Bewiesen ist vielmehr das genaue Gegenteil, n\u00e4mlich dass unter bestimmten Umst\u00e4nden das Bewusstsein unabh\u00e4ngig vom Gehirn funktionieren kann und dass es imstande ist, Leistungen zu erbringen, die die F\u00e4higkeiten des Gehirns bei weitem \u00fcbersteigen. Am deutlichsten wird dies durch ausserk\u00f6rperliche Erfahrungen (AKE) demonstriert, die spontan oder in unterschiedlichen Situationen auftreten k\u00f6nnen, wie z.B. in schamanischen Trancezust\u00e4nden, w\u00e4hrend psychedelischen Sitzungen, bei spirituellen Praktiken, bei Hypnose, erfahrungsorientierter Psychotherapie und besonders bei Nahtod-Erfahrungen (NTE).<br \/>In all diesen Situationen kann sich das Bewusstsein vom K\u00f6rper trennen, seine sensorischen F\u00e4higkeiten beibehalten, und sich frei zu verschiedenen nahen und entfernten Standorten bewegen. Verifizierbare AKE sind besonders interessant, weil eine unabh\u00e4ngige \u00dcberpr\u00fcfung die Wahrnehmung der Umgebung best\u00e4tigt. In Nahtod-Situationen k\u00f6nnen beweisbare AKE auch bei Menschen auftreten, die seit ihrer Geburt aus organischen Gr\u00fcnden blind sind (Ring und Cooper 1999, Ring und Valarino 1998). Viele andere Formen von transpersonalen Ph\u00e4nomenen k\u00f6nnen genaue Informationen \u00fcber verschiedene Aspekte des Universums vermitteln, die die betreffenden Personen zuvor nicht gesehen und im Gehirn abgespeichert haben (Grof 2000).<br \/>Die materialistischen Wissenschaftler sind nicht imstande, \u00fcberzeugend zu beweisen, dass das Bewusstsein ein Produkt neurophysiologischer Prozesse im Gehirn ist. Sie k\u00f6nnen diese Behauptung nur aufrechterhalten, weil sie viele Beobachtungen ignorieren, falsch interpretieren oder sogar verh\u00f6hnen, die darauf hinweisen, dass Bewusstsein unabh\u00e4ngig vom K\u00f6rper und von den physischen Sinnen existieren und funktionieren kann. Die LSD-Forschung, die erfahrungsorientierte Psychotherapie, die Thanatologie, die Parapsychologie, Feldanthropologie und die Arbeit mit spontan auftretenden holotropen Bewusstseinszust\u00e4nden (spirituellen Krisen) haben dies hinl\u00e4nglich bewiesen. Alle diese Disziplinen liefern Daten, die deutlich zeigen, dass das menschliche Bewusstsein zu vielen Leistungen f\u00e4hig ist, die das Gehirn \u2013 wie es von materialistischen Wissenschaftlern verstanden wird \u2013 nicht erzielen kann. Im Licht dieser Befunde scheint das Bewusstsein ein prim\u00e4rer und weiter nicht reduzierbarer Aspekt der Existenz zu sein \u2013 ein Prinzip, das der Materie ebenb\u00fcrtig oder m\u00f6glicherweise \u00fcbergeordnet ist.<\/p>\n<p><strong>2. Eine neue Kartografie der menschlichen Psyche<\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>Die traditionelle Psychiatrie und Psychologie bedient sich eines Modells der menschlichen Psyche, das auf die postnatale Biografie und das Freudsche individuelle Unbewusste beschr\u00e4nkt ist. Nach Freud beginnt unsere psychologische Geschichte nach der Geburt; das neugeborene Kind ist eine\u00a0<em>tabula rasa<\/em>, ein unbeschriebenes Blatt. Unsere Psyche wird durch ein Wechselspiel zwischen biologischen Instinkten und Einfl\u00fcssen bestimmt, die unser Leben pr\u00e4gen seit wir auf die Welt gekommen sind \u2013 die Qualit\u00e4t des Stillens und der m\u00fctterlichen Pflege, die Erziehung zur Sauberkeit, verschiedene psychosexuelle Traumata, die Entwicklung des Superegos, unsere Reaktion auf die \u00d6dipus- und Elektra-Thematik sowie Konflikte und traumatische Ereignisse im sp\u00e4teren Leben. Gem\u00e4ss dieser Betrachtungsweise bestimmt unsere postnatale pers\u00f6nliche und zwischenmenschliche Geschichte wer wir sind und wie wir psychologisch funktionieren.<br \/>Das Freudsche individuelle Unbewusste ist also im wesentlichen ein Derivat unserer postnatalen Geschichte \u2013 ein Depot all dessen, was wir vergessen, als unannehmbar verdr\u00e4ngt und abgelehnt haben. Diese Unterwelt der Psyche (das Es, wie Freud sie nannte), ist ein Reich, das von primitiven Triebkr\u00e4ften dominiert ist. Um die Beziehung zwischen der bewussten Psyche und dem Unbewussten zu beschreiben benutzte Freud sein ber\u00fchmtes Bild des versunkenen Eisbergs. Was man in diesem Gleichnis f\u00fcr die Gesamtheit der Psyche hielt, war nur ein kleiner Teil davon, wie die Spitze des Eisbergs, der aus dem Wasser ragt. Die Psychoanalyse machte die Entdeckung, dass ein viel gr\u00f6sserer Teil der Psyche, vergleichbar mit dem Teil des Eisbergs unter der Wasseroberfl\u00e4che, unbewusst ist und unbemerkt von uns, unsere Denkprozesse und Verhaltensweisen beherrscht.<br \/>Sp\u00e4tere Beitr\u00e4ge zur dynamischen Psychotherapie haben zu den \u00e4tiologischen Faktoren Probleme in der Entwicklung der Objekt-Beziehungen und in der zwischenmenschlichen Dynamik in der Kernfamilie hinzugef\u00fcgt. Diesen Theorien und der Freudschen Psychoanalyse gemeinsam ist die ausschliessliche Konzentration auf das postnatale Leben (Blanck und Blanck 1974, 1979, Sullivan 1953, Satir 1983, Bateson et al. 1956). Aber die auf die postnatale Biografie beschr\u00e4nkten Modelle erweisen sich als schmerzhaft unzureichend, wenn wir mit holotropen Bewusstseinszust\u00e4nden arbeiten, mit oder ohne psychedelische Substanzen. Um alle Ph\u00e4nomene zu erfassen, die in diesen Zust\u00e4nden auftreten, m\u00fcssen wir unser Verst\u00e4ndnis der Dimensionen der menschlichen Psyche drastisch revidieren. Neben der\u00a0<em>postnatalen biografischen Ebene<\/em>, die sie mit der traditionellen Psychologie teilt, umfasst die erweiterte Kartographie zwei zus\u00e4tzliche umfangreiche Bereiche.<br \/>Den ersten Bereich k\u00f6nnen wir als \u00abperinatal\u00bb bezeichnen, wegen seiner engen Verbindung mit dem Trauma der biologischen Geburt. Diese Region des Unbewussten enth\u00e4lt die Erinnerungen an all das, was der F\u00f6tus in den aufeinanderfolgenden Stufen der Geburt erlebte, einschliesslich aller Emotionen und k\u00f6rperlichen Empfindungen. Diese Erinnerungen bilden vier verschiedene Erfahrungsb\u00fcndel, von denen jedes sich auf eine der Stufen der Geburt bezieht. Ich habe f\u00fcr sie den Begriff\u00a0<em>basale perinatale Matrizen<\/em>\u00a0(BPM I-IV) gepr\u00e4gt.<br \/>BPM I besteht aus Erinnerungen an den fortgeschrittenen pr\u00e4natalen Zustand unmittelbar vor der Entbindung. BPM II bezieht sich auf die erste Stufe des Geburtsvorganges, wenn die Geb\u00e4rmutter kontrahiert, aber der Muttermund noch nicht ge\u00f6ffnet ist. BPM III widerspiegelt den Kampf, geboren zu werden, nachdem sich der Geb\u00e4rmutterhals dilatiert. Und BPM IV enth\u00e4lt die Erinnerung an das Eintreten in die Welt, die Geburt selbst. Der Inhalt dieser Matrizen ist nicht auf f\u00f6tale Erinnerungen beschr\u00e4nkt; jeder von ihnen repr\u00e4sentiert auch eine selektive \u00d6ffnung in die Bereiche des historischen und archetypischen kollektiven Unbewussten, die Motive \u00e4hnlicher Erfahrungsqualit\u00e4ten enthalten. Detaillierte Beschreibung der Ph\u00e4nomenologie und Dynamik der perinatalen Matrizen k\u00f6nnen in meinen verschiedenen Publikationen gefunden werden (Grof 1975, 2000).<br \/>Die offizielle Position der schulmedizinisch ausgerichteten Psychiatrie ist, dass die biologische Geburt nicht im Ged\u00e4chtnis aufgezeichnet ist und dass sie kein Psychotrauma darstellt. Der \u00fcbliche Grund f\u00fcr den Ausschluss der M\u00f6glichkeit einer Erinnerung an die Geburt ist, dass die Hirnrinde des Neugeborenen nicht reif genug ist, um das Erleben und die Aufnahme dieses Ereignisses zu vermitteln. Genauer gesagt, die kortikalen Neuronen sind noch nicht \u00abmyelinisiert\u00bb \u2013 vollst\u00e4ndig mit einer Biomembran aus einer fetthaltigen Substanz namens Myelin bedeckt. Seltsamerweise findet das gleiche Argument keine Anwendung, wenn es um die Existenz und die Bedeutung von Erinnerungen aus der Zeit des Stillens geht, eines Zeitraums, der unmittelbar der Geburt folgt. Die psychologische Bedeutung der Erfahrungen in der oralen Phase und sogar Erlebnisse der Bindung \u2013 des Austausches von Blicken und des physischen Kontakts zwischen Mutter und Kind unmittelbar nach der Geburt \u2013 ist allgemein anerkannt von Geburtshelfern, Kinder\u00e4rzten, und Kinderpsychologen (Klaus, Kennel und Klaus 1995, Kennel und Klaus 1998).<br \/>Das Myelinisierungsargument macht keinen Sinn und widerspricht verschiedener evidenzbasierter Daten. Es wurde zum Beispiel festgestellt, dass Ged\u00e4chtnis in Organismen existiert, die keine Gehirnhirnrinde oder kein Gehirn haben. Im Jahr 2001 erhielt der amerikanische Neurowissenschaftler \u00f6sterreichischer Herkunft, Erik Kandel, den Nobelpreis f\u00fcr seine Forschung der Ged\u00e4chtnismechanismen der Meeresschnecke Aplysia, eines Organismus, der unvergleichbar primitiver ist als das neugeborene Kind. Die Behauptung, dass der F\u00f6tus sich der Geburt nicht bewusst und nicht in der Lage ist, die Erinnerung an dieses Ereignis zu bilden, steht in Konflikt mit den Studien, die zeigen, dass der F\u00f6tus schon in der pr\u00e4natalen Phase sehr empfindlich ist (Tomatis 1991, Whitwell 1999, Mond, Lagercrantz und Kuhl 2010). Die wahrscheinlichste Erkl\u00e4rung dieser auffallenden logischen Widerspr\u00fcchlichkeit im Denken jener Wissenschaftler liegt in der Verdr\u00e4ngung und innerem Widerstand gegen\u00fcber der erschreckenden Erinnerung an die biologische Geburt.<br \/>Den zweiten transbiografischen Bereich der neuen Kartografie kann man als \u00abtranspersonal\u00bb bezeichnen, weil sie eine reiche Palette an Erfahrungen umfasst, in denen das Bewusstsein die Grenzen des K\u00f6rper\/Egos und die \u00fcblichen Einschr\u00e4nkungen der linearen Zeit und des dreidimensionalen Raums transzendiert. Dies f\u00fchrt zu erfahrungsorientierter Identifikation mit anderen Menschen, Gruppen von Menschen, anderen Lebewesen und sogar Elementen der anorganischen Welt. Transzendenz der Zeit vermittelt Erfahrungen von Abstammung, Rasse, von kollektiven, phylogenetischen und karmischen Erinnerungen. Eine andere Kategorie der transpersonalen Erfahrungen enth\u00e4lt mythologische Figuren, Bereiche, und Themen. Der Schweizer Psychiater C. G. Jung hat diese Kategorie\u00a0<em>archetypisch<\/em>\u00a0genannt. Dieser Bereich ist besonders interessant, weil er mythologische Motive aller Kulturen und Zeiten umfasst, auch diejenigen, von denen wir vorher kein intellektuelles Wissen hatten (Jung 1959).<br \/>In seiner ganzen Reichweite kann sich das individuelle Bewusstsein mit der Weltseele (<em>Anima mundi<\/em>), dem kosmischem Bewusstsein, dem sch\u00f6pferischen Prinzip des Universums identifizieren. Die wahrscheinlich tiefste Erfahrung in holotropen Zust\u00e4nden ist die Identifikation mit dem suprakosmischen und metakosmischen Nichts, der Urleere (Akasha), die sich ihrer selbst bewusst ist. Das Nichts hat eine paradoxe Beschaffenheit; es ist ein Vakuum in dem Sinne, dass sie es bar jeglicher konkreter Formen ist, aber auch ein Plenum, da es die ganze Sch\u00f6pfung in einer potenziellen Form zu enthalten scheint.<br \/>Die Existenz und die Beschaffenheit transpersonaler Erfahrungen unterlaufen so manche Pr\u00e4missen der materialistischen Wissenschaft. Sie implizieren scheinbar absurde Realit\u00e4ten und Ph\u00e4nomene wie die Relativit\u00e4t aller physikalischen Grenzen, nonlokale Verbindungen im Universum, Kommunikation durch unbekannte Mittel und Kan\u00e4le, Ged\u00e4chtnis ohne materielles Substrat, Nonlinearit\u00e4t der Zeit oder das Bewusstsein, mit allen lebenden Organismen und sogar anorganischer Materie verbunden zu sein. Viele transpersonale Erfahrungen beinhalten Ereignisse aus dem Mikrokosmos und Makrokosmos, Bereiche, die normalerweise die menschlichen Sinnesorgane ohne spezifische Ger\u00e4te nicht erreichen k\u00f6nnen oder von historischen Epochen, wie dem Ursprung des Sonnensystems, der Bildung des Planeten Erde, dem Erscheinen von lebenden Organismen, der Entwicklung des Nervensystems und der Entstehung des\u00a0<em>Homo sapiens<\/em>.<br \/>Forscher und Therapeuten mit einer monistisch materialistischen Weltanschauung haben keine andere Wahl, als die Existenz und Authentizit\u00e4t transpersonaler Erfahrungen zu leugnen oder sie in die Kategorie der \u00abanomalen Ph\u00e4nomene\u00bb zu verbannen. Es sind jedoch ernsthafte Versuche unternommen worden, diese Ph\u00e4nomene in ein wissenschaftliches Rahmenkonzept einzubinden und sie in ein revolution\u00e4res neues Weltbild zu integrieren. In einer intellektuellen\u00a0<em>tour de force<\/em>\u00a0und einer Reihe von B\u00fcchern, hat der international bekannte Systemtheoretiker, interdisziplin\u00e4re Wissenschaftler und Philosoph Ervin Laszlo, ein breites Spektrum von Disziplinen erforscht, darunter Astrophysik, quanten-relativistische Physik, Biologie und transpersonale Psychologie (Laszlo 1993, 1999, 2003, 2004a, 2004b). Er beschreibt eine Palette paradoxer Beobachtungen und Ph\u00e4nomene, f\u00fcr die diese Disziplinen keine Erkl\u00e4rungen haben. Auf der Basis modernster Wissenschaften des 20. Jahrhunderts hat er eine brillante L\u00f6sung f\u00fcr die Anomalien und Paradoxa angeboten, die bis dahin r\u00e4tselhaft erschienen: die Konnektivit\u00e4tshypothese. Diese st\u00fctzt sich haupts\u00e4chlich auf das Konzept eines Feldes, das er \u00abPsi-Feld\u00bb nannte und neuerdings in \u00abAkasha-Feld\u00bb umbenannt hatte (Laszlo 2003, 2004b).<br \/>Laszlo beschreibt das Akasha-Feld als ein Subquantum-Feld, das die Quelle aller Sch\u00f6pfung ist und eine holografische Aufzeichnung aller Ereignisse enth\u00e4lt, die in der Erscheinungswelt passieren. Er setzt dieses Feld mit dem Konzept des \u00abQuantum-Vakuum\u00bb (oder besser \u00abQuantum-Plenum\u00bb) gleich, das der modernen Physik entstammt (Laszlo 2003, 2004ab). Laszlos Konnektivit\u00e4tshypothese bietet eine wissenschaftliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr ansonsten geheimnisvolle transpersonale Erfahrungen, wie die Identifikation mit anderen Menschen, mit anderen Lebewesen oder mit Menschengruppen, die M\u00f6glichkeit, sich selbst in verschiedenen historischen Epochen und L\u00e4ndern zu erleben, inklusive Erinnerungen an fr\u00fchere Leben, Telepathie, Fernwahrnehmung und andere \u00fcbersinnliche F\u00e4higkeiten, ausserk\u00f6rperliche Erfahrungen, Astralprojektion, Erfahrung der suprakosmischen und metakosmischen Leere, usw.<br \/>Ein weiterer konzeptueller Bezugsrahmen, um die vielen r\u00e4tselhaften Eigenschaften transpersonaler Erfahrungen zu erkl\u00e4ren ist die Prozessphilosophie des englischen Mathematikers, Logikers und Philosophen Alfred North Whitehead (Whitehead 1978). Whiteheads metaphysisches System ist von besonderem Interesse, weil es nicht von einem grundlegenden metaphysischen Status der Materie ausgeht, sondern den zentralen Fokus auf die Erfahrung oder den Geist legt. Die Prozessphilosophie geht davon aus, dass das Grundelement des Universums nicht aus einer dauerhaften Substanz besteht, sondern ein Moment der Erfahrung, das in seiner Terminologie \u00abaktuelle Gelegenheit\u00bb (actual occasion) genannt wird. Das Universum besteht aus unz\u00e4hligen diskontinuierlichen Ausbr\u00fcchen von Erfahrungsaktivit\u00e4ten auf allen Ebenen der Realit\u00e4t, von subatomaren Teilchen bis hin zur menschlichen Seele. Die Bedeutung von Whiteheads Philosophie f\u00fcr die transpersonale Psychologie und Bewusstseinsforschung wurde in den Schriften von John Buchanan, David Ray Griffin, John Quiring, Leonard Gibson, und Grant Maxwell dargelegt (Buchanan 1994, 2001, 2002 und 2005, Griffin 1989 und 1996, Quiring 1996, Gibson 1998, 2006, 2010 und Maxwell 2011).<br \/>Nachdem ich mehr als ein halbes Jahrhundert lang holotrope Bewusstseinszust\u00e4nde erforscht habe, zweifle ich nicht mehr daran, dass es viele transpersonale Erfahrungen gibt, die ontologisch real sind und nicht Produkt metaphysischer Spekulation, individueller Phantasie oder pathologischer Prozesse im Gehirn. Mit dem Begriff \u00abontologisch real\u00bb meine ich eine Kategorie von Erfahrungen, die nicht nur eine subjektive Qualit\u00e4t der Wirklichkeitserfahrung besitzen, sondern auch etwas von der Beschaffenheit oder den wesentlichen Eigenschaften des Seins oder der Existenz zu offenbaren scheinen. Es w\u00e4re falsch, alle transpersonalen Erfahrungen als Produkte der Phantasie, primitiven Aberglaubens oder psychischer Krankheit zu verwerfen, wie es so oft getan wurde.<br \/>Wer dies versucht zu tun, m\u00fcsste eine plausible Erkl\u00e4rung daf\u00fcr bieten, warum solche Erfahrungen immer wieder von Menschen verschiedener Rassen, Kulturen und historischen Epochen gleichermassen beschrieben wurden. Er m\u00fcsste auch erl\u00e4utern, warum diese Erfahrungen in der modernen Bev\u00f6lkerung unter so unterschiedlichen Bedingungen auftreten, wie in Sitzungen mit verschiedenen psychedelischen Substanzen, w\u00e4hrend erfahrungsorientierter Psychotherapien, bei systematisch angewandter spiritueller Praxis, bei Nahtod-Erfahrungen und im Laufe spontaner Episoden psychospiritueller Krisen. Interessierte Leser finden eine detaillierte Fachdiskussion zur Transpersonalit\u00e4t, einschliesslich Beschreibungen und Beispiele verschiedener Arten solcher Erfahrungen in meinen Publikationen (Grof 1975, 1987 und 2000).<br \/>Angesichts dieses erheblich erweiterten Modells der Psyche, k\u00f6nnten wir jetzt Freuds Metapher von der Psyche als einen Eisberg umschreiben. Wir k\u00f6nnten sagen, dass alles, was die Freudsche Psychoanalyse \u00fcber die menschliche Psyche entdeckt hat, nur die Spitze des Eisbergs darstellt, die aus dem Wasser ragt. Die Erforschung der holotropen Zust\u00e4nde hat es erm\u00f6glicht, den riesigen untergetauchten Teil des Eisbergs ans Licht zu bringen, was Freud und seinen Nachfolgern nicht gelang, mit Ausnahme der Renegaten Otto Rank und C. G. Jung. Der ber\u00fchmte amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell, der f\u00fcr seinen scharfen irl\u00e4ndischen Humor bekannt war, benutzte eine andere Metapher: \u00abFreud fischte, w\u00e4hrend er auf einem Wal sass.\u00bb<\/p>\n<p><strong>3. Strukturen emotionaler und psychosomatischer St\u00f6rungen<\/strong><strong><br \/><\/strong><br \/>Um verschiedene emotionale und psychosomatische St\u00f6rungen, die keinen organischen Ursprung haben (\u00abpsychogene Psychopathologie\u00bb) zu erkl\u00e4ren, verwenden Psychiater, wie schon mehrfach dargelegt, oft ein oberfl\u00e4chliches Modell der Psyche, das auf die postnatale Biografie und das individuelle Unbewusste beschr\u00e4nkt ist. Diesem Modell entsprechend haben diese St\u00f6rungen ihren Ursprung in der fr\u00fchen oder sp\u00e4teren Kindheit und sind durch verschiedene emotionale Traumata und durch eine bestimmte psychische Dynamik in der Herkunftsfamilie verursacht. Es scheint allgemeine \u00dcbereinstimmung unter den Schulen der dynamischen Psychotherapie zu bestehen, dass Form, Tiefe und Ernsthaftigkeit dieser St\u00f6rungen vom Zeitpunkt der urspr\u00fcnglichen Traumatisierung abh\u00e4ngen.<br \/>So ist gem\u00e4ss der klassischen Psychoanalyse der Ursprung der Schizophrenie, des Alkoholismus, und narkotischer Drogensucht in der passiven oralen Phase der libidin\u00f6sen Entwicklung zu finden und der Ursprung manisch-depressiver St\u00f6rungen in der aktiven oralen Phase (nach dem Wachsen der Z\u00e4hne). Zwanghafte (obsessiv-kompulsive) Pychoneurosen haben ihre Fixierung in der analen Phase, Phobien und Konversionshysterien sind durch Psychotraumata in der phallischen Phase verursacht worden, zum Zeitpunkt des \u00d6dipus- und Elektra-Komplexes, und so weiter (Fenichel 1945). Sp\u00e4tere Entwicklungen in der Psychoanalyse haben einige tiefliegende St\u00f6rungen \u2013 autistische und symbiotische infantile Psychosen, Narzissmus und Borderlinest\u00f6rungen \u2013 mit St\u00f6rungen in der fr\u00fchen Entwicklungsstufe der Objekt-Beziehungen verbunden (Blanck und Blanck 1974 und 1979). Wie ich bereits erw\u00e4hnt habe, gilt dies nicht f\u00fcr Therapeuten aus der Schule von Otto Rank und C. G. Jung, diese siedeln die Wurzeln der emotionalen St\u00f6rungen tiefer in der Psyche an.<br \/>Diese Annahmen basieren auf Beobachtungen von Therapeuten, die vor allem verbal arbeiten. Das Verst\u00e4ndnis psychogener St\u00f6rungen \u00e4ndert sich radikal, wenn wir mit holotropen Bewusstseinszust\u00e4nden arbeiten, die Ebenen des Unbewussten erreichen, die in der Regel f\u00fcr Gespr\u00e4chstherapie unzug\u00e4nglich sind. In der Anfangsphase entdecken wir dann typischerweise relevantes traumatisches Material aus der Kindheit, das in bedeutungsvoller Verbindung mit den bestehenden emotionalen und psychosomatischen Problemen steht und ihre Quelle zu sein scheint. Aber wenn wir den Prozess der Offenlegung fortsetzen, finden wir zus\u00e4tzliche Wurzeln derselben Probleme in tieferen Schichten des Unbewussten \u2013 auf der perinatalen und transpersonalen Ebene der Psyche.<br \/>Verschiedene Formen der Arbeit mit holotropen Zust\u00e4nden \u2013 psychedelische Therapie, holotropes Atmen, Rebirthing und Prim\u00e4rtherapie oder Psychotherapie mit Individuen, die spontane psychospirituelle Krisen erfahren \u2013 haben gezeigt, dass emotionale und psychosomatische Probleme nicht bloss als Folgen ausschliesslich postnataler psychotraumatischer Ereignisse erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Meine eigenen Beobachtungen haben gezeigt, dass das damit verbundene unbewusste Material typischerweise mehrstufige dynamische Konstellationen bildet, f\u00fcr die ich den Terminus \u00abSysteme kondensierter Erfahrung\u00bb oder \u00abCOEX-Systeme\u00bb gepr\u00e4gt habe (Grof 1975, 2000).<br \/>Ein typisches COEX-System besteht aus vielen Schichten unbewusster Erinnerungen und Erfahrungen, die mit \u00e4hnlichen Gef\u00fchlen oder k\u00f6rperlichen Empfindungen verbunden sind; die Bestandteile eines COEX-Systems entstammen verschiedenen Ebenen der Psyche. Die oberfl\u00e4chlichen und leichter zug\u00e4nglichen Schichten enthalten Erinnerungen an emotionale oder k\u00f6rperliche Traumata aus dem S\u00e4uglings-Alter, der Kindheit, der Jugend und aus dem sp\u00e4teren Leben. Auf einer tieferen Ebene ist jedes COEX System typischerweise mit einem gewissen Aspekt oder einer Phase der Geburt verbunden \u2013 einer spezifischen basalen perinatalen Matrize (BPM). Die Wahl dieser Matrize h\u00e4ngt von der Art der Emotionen und k\u00f6rperlichen Gef\u00fchle ab, die f\u00fcr dieses System charakteristisch sind. Wenn das Thema des COEX-Systems zum Beispiel die Opferrolle ist, ist es BPM II; wenn es sich um einen Kampf gegen einen m\u00e4chtigen Gegner oder um sexuellen Missbrauch handelt, besteht eine Verbindung mit BPM III. F\u00fcr ein positives COEX mit Erinnerungen an zutiefst befriedigende und erf\u00fcllende Situationen, w\u00e4re es BPM I oder BPM IV, und so weiter.<br \/>Die tiefsten Wurzeln der COEX-Systeme, die den emotionalen und psychosomatischen St\u00f6rungen zugrunde liegen, reichen in den transpersonalen Bereich der Psyche. Sie haben die Form angestammter rassischer, kollektiver, karmischer und phylogenetischer Erinnerungen und verschiedener archetypischer Motive. So kann zum Beispiel therapeutische Arbeit bei Wut und Neigung zu Gewalt zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erlebnism\u00e4ssiger Identifikation mit einem Tiger oder einem schwarzen Panther f\u00fchren. Die tiefste Wurzel einer schweren Form asozialen Verhaltens kann ein d\u00e4monischer Archetyp sein, w\u00e4hrend die endg\u00fcltige Aufl\u00f6sung einer Phobie dem Wiedererleben und der Integration einer karmischen Erinnerung folgen kann, und so weiter.<br \/>Die Struktur der COEX-Systeme und ihre Beziehung zur Psychopathologie kann am besten mit einem klinischen Beispiel illustriert werden. Ein Mensch, der unter psychogenem Asthma leidet, k\u00f6nnte in aufeinander folgenden Sitzungen holotropen Atmens ein starkes COEX-System entdecken, das diesem Problem zugrunde liegt. Der biografische Teil k\u00f6nnte zum Beispiel eine vielschichtige Konstellation postnataler Erinnerungen an Situationen sein, in denen das Atmen ernsthaft beeintr\u00e4chtigt war \u2013 das Beinahe-Ertrinken im Alter von sieben Jahren, das wiederholte W\u00fcrgen durch den \u00e4lteren Bruder im Alter von vier und schwere Erstickungsgef\u00fchle beim Keuchhusten oder Diphtherie im Alter von zwei Jahren. Der perinatale Beitrag zu diesem COEX k\u00f6nnte zum Beispiel das Erstickungsgef\u00fchl w\u00e4hrend der Geburt sein, das durch die um den Hals verdrehte Nabelschnur verursacht wurde. Eine typische transpersonale Ursache dieser Atemst\u00f6rung k\u00f6nnte die Erfahrung sein, in einem fr\u00fcheren Leben geh\u00e4ngt oder erdrosselt worden zu sein. Detaillierte Beschreibungen der COEX-Systeme und ihrer Rolle in verschiedenen Formen der Psychopathologie, einschliesslich spezifischer Beispiele, kann man in meinen fr\u00fcheren Publikationen finden (Grof 1975, 1987 und 2000).<\/p>\n<p><strong>4. Wirksame therapeutische Mechanismen<\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>Traditionelle Psychotherapie kennt nur therapeutische Mechanismen, die auf der Ebene des biografischen Materials zur Verf\u00fcgung stehen, wie Schw\u00e4chung psychologischer Abwehrmechanismen, Erinnerungen an vergessene oder verdr\u00e4ngte traumatische Erfahrungen, Rekonstruktion vergangener Ereignisse aus Tr\u00e4umen oder neurotischen Symptomen. Psychotherapie, die holotrope Bewusstseinszust\u00e4nde einbezieht, bietet viele zus\u00e4tzliche hochwirksame Mechanismen der Heilung und Transformation der Pers\u00f6nlichkeit, die m\u00f6glich sind wenn die erlebnisorientierte Regression die perinatalen und transpersonale Ebenen erreicht. Solche Mechanismen arbeiten nicht nur mit der Erinnerung, sondern k\u00f6nnen auch zum Wiedererleben traumatischer Erinnerungen aus der Kindheit, dem S\u00e4uglingsalter, der biologischen Geburt und der vorgeburtlichen Existenz f\u00fchren. Selbst Erinnerungen aus fr\u00fcheren Inkarnationen; archetypisches Material; Erfahrungen der kosmischen Einheit, usw.<br \/>Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Norbert, ein Teilnehmer eines unserer Workshops am Esalen Institute im kalifornischen Big Sur, klagte zu Beginn \u00fcber schwere chronische Schmerzen in seiner linken Schulter und im linken Brustmuskel, was grosses Leiden verursachte. Wiederholte medizinische Untersuchungen, einschliesslich R\u00f6ntgenaufnahmen, hatten keinen organischen Befund f\u00fcr sein Problem geliefert, und alle therapeutischen Bem\u00fchungen waren erfolglos geblieben. Prokain-Injektionen schufen nur kurze vor\u00fcbergehende Erleichterung w\u00e4hrend der Wirkungsdauer der Droge.<br \/>Norberts Atemsitzung war lang und sehr dramatisch. In der darauffolgenden Gruppe, in der die Teilnehmer ihre Erfahrungen schilderten, erz\u00e4hlte Norbert, dass er drei verschiedene Schichten erfahren habe, alle drei bezogen sich auf die Schmerzen in der Schulter und auf die Erstickungsgef\u00fchle. Auf der oberfl\u00e4chlichsten Ebene erlebte er eine be\u00e4ngstigende Situation aus seiner Kindheit, in der er fast sein Leben verlor. Als er sieben Jahre alt war, grub er gemeinsam mit seinen Freunden einen Tunnel an einem sandigen Meeresstrand. Als der Tunnel fertig war, kroch Norbert hinein, um ihn zu erforschen. Als die anderen Kinder herumsprangen, brach der Tunnel ein und begrub ihn. Er erstickte beinahe und wurde von Erwachsenen, die auf die alarmierenden Schreie der Kinder reagiert hatten, im letzten Moment gerettet.<br \/>Als sich die Atemerfahrung vertiefte, erlebte Norbert eine gewaltsame und schreckliche Episode, in der es um das Wiedererleben seiner biologischen Geburt ging. Diese war sehr schwierig gewesen, da seine linke Schulter f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit hinter dem Schambein der Mutter steckte. Auch in dieser Episode traten wieder das Ersticken zusammen mit starken Schmerzen in der linken Schulter auf.<br \/>In der letzten Phase der Sitzung \u00e4nderten sich die Erfahrungen dramatisch. Norbert begann Milit\u00e4runiformen und Pferde zu sehen und erkannte, dass er in einen heftigen Kampf verwickelt war. Er war sogar in der Lage zu erkennen, dass es sich um eine der Schlachten in Cromwells England handelte. Pl\u00f6tzlich f\u00fchlte er einen stechenden Schmerz in seiner linken Schulter, als sie von einer Lanze durchbohrt wurde. Er fiel vom Pferd und wurde von anderen Pferden zertrampelt, sie liefen \u00fcber seinen K\u00f6rper und zerquetschten seine Brust. Sein gebrochener Brustkorb verursachte ihm qu\u00e4lende Schmerzen und er erstickte an dem Blut, das seine Lungen f\u00fcllte.<br \/>Nach einer Zeit extremen Leidens \u2013 Norberts Bewusstsein hat sich von seinem sterbenden K\u00f6rper getrennt \u2013 schwebte es hoch \u00fcber dem Schlachtfeld und beobachtete die Szene aus der Vogelperspektive. Nach dem Tod des schwer verwundeten Soldaten, in dem Norbert sich selbst in seiner fr\u00fcheren Inkarnation erkannte, kehrte sein Bewusstsein in die Gegenwart zur\u00fcck und verband sich wieder mit seinem K\u00f6rper. Dieser war nun nach vielen Jahren der Agonie zum ersten Mal schmerzfrei. Die Befreiung von den Schmerzen, die diese Erfahrungen gebracht hatten, erwies sich als dauerhaft.<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><div id=\"panel-934-0-0-2\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-last-child\" data-index=\"2\" ><div class=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\">\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p><strong>4. Wirksame therapeutische Mechanismen<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Traditionelle Psychotherapie kennt nur therapeutische Mechanismen, die auf der Ebene des biografischen Materials zur Verf\u00fcgung stehen, wie Schw\u00e4chung psychologischer Abwehrmechanismen, Erinnerungen an vergessene oder verdr\u00e4ngte traumatische Erfahrungen, Rekonstruktion vergangener Ereignisse aus Tr\u00e4umen oder neurotischen Symptomen. Psychotherapie, die holotrope Bewusstseinszust\u00e4nde einbezieht, bietet viele zus\u00e4tzliche hochwirksame Mechanismen der Heilung und Transformation der Pers\u00f6nlichkeit, die m\u00f6glich sind wenn die erlebnisorientierte Regression die perinatalen und transpersonale Ebenen erreicht. Solche Mechanismen arbeiten nicht nur mit der Erinnerung, sondern k\u00f6nnen auch zum Wiedererleben traumatischer Erinnerungen aus der Kindheit, dem S\u00e4uglingsalter, der biologischen Geburt und der vorgeburtlichen Existenz f\u00fchren. Selbst Erinnerungen aus fr\u00fcheren Inkarnationen; archetypisches Material; Erfahrungen der kosmischen Einheit, usw.<br \/>Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Norbert, ein Teilnehmer eines unserer Workshops am Esalen Institute im kalifornischen Big Sur, klagte zu Beginn \u00fcber schwere chronische Schmerzen in seiner linken Schulter und im linken Brustmuskel, was grosses Leiden verursachte. Wiederholte medizinische Untersuchungen, einschliesslich R\u00f6ntgenaufnahmen, hatten keinen organischen Befund f\u00fcr sein Problem geliefert, und alle therapeutischen Bem\u00fchungen waren erfolglos geblieben. Prokain-Injektionen schufen nur kurze vor\u00fcbergehende Erleichterung w\u00e4hrend der Wirkungsdauer der Droge.<br \/>Norberts Atemsitzung war lang und sehr dramatisch. In der darauffolgenden Gruppe, in der die Teilnehmer ihre Erfahrungen schilderten, erz\u00e4hlte Norbert, dass er drei verschiedene Schichten erfahren habe, alle drei bezogen sich auf die Schmerzen in der Schulter und auf die Erstickungsgef\u00fchle. Auf der oberfl\u00e4chlichsten Ebene erlebte er eine be\u00e4ngstigende Situation aus seiner Kindheit, in der er fast sein Leben verlor. Als er sieben Jahre alt war, grub er gemeinsam mit seinen Freunden einen Tunnel an einem sandigen Meeresstrand. Als der Tunnel fertig war, kroch Norbert hinein, um ihn zu erforschen. Als die anderen Kinder herumsprangen, brach der Tunnel ein und begrub ihn. Er erstickte beinahe und wurde von Erwachsenen, die auf die alarmierenden Schreie der Kinder reagiert hatten, im letzten Moment gerettet.<br \/>Als sich die Atemerfahrung vertiefte, erlebte Norbert eine gewaltsame und schreckliche Episode, in der es um das Wiedererleben seiner biologischen Geburt ging. Diese war sehr schwierig gewesen, da seine linke Schulter f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit hinter dem Schambein der Mutter steckte. Auch in dieser Episode traten wieder das Ersticken zusammen mit starken Schmerzen in der linken Schulter auf.<br \/>In der letzten Phase der Sitzung \u00e4nderten sich die Erfahrungen dramatisch. Norbert begann Milit\u00e4runiformen und Pferde zu sehen und erkannte, dass er in einen heftigen Kampf verwickelt war. Er war sogar in der Lage zu erkennen, dass es sich um eine der Schlachten in Cromwells England handelte. Pl\u00f6tzlich f\u00fchlte er einen stechenden Schmerz in seiner linken Schulter, als sie von einer Lanze durchbohrt wurde. Er fiel vom Pferd und wurde von anderen Pferden zertrampelt, sie liefen \u00fcber seinen K\u00f6rper und zerquetschten seine Brust. Sein gebrochener Brustkorb verursachte ihm qu\u00e4lende Schmerzen und er erstickte an dem Blut, das seine Lungen f\u00fcllte.<br \/>Nach einer Zeit extremen Leidens \u2013 Norberts Bewusstsein hat sich von seinem sterbenden K\u00f6rper getrennt \u2013 schwebte es hoch \u00fcber dem Schlachtfeld und beobachtete die Szene aus der Vogelperspektive. Nach dem Tod des schwer verwundeten Soldaten, in dem Norbert sich selbst in seiner fr\u00fcheren Inkarnation erkannte, kehrte sein Bewusstsein in die Gegenwart zur\u00fcck und verband sich wieder mit seinem K\u00f6rper. Dieser war nun nach vielen Jahren der Agonie zum ersten Mal schmerzfrei. Die Befreiung von den Schmerzen, die diese Erfahrungen gebracht hatten, erwies sich als dauerhaft.<\/p>\n<p><strong>5. Strategien f\u00fcr Psychotherapie und Selbstentdeckung<\/strong><strong><br \/><\/strong><br \/>Der erstaunlichste Aspekt der modernen Psychotherapie ist die Anzahl konkurrierender Schulen und der Mangel an gegenseitiger \u00dcbereinstimmung. Es bestehen grosse Differenzen \u00fcber grundlegende Fragen: Was sind die Dimensionen der menschlichen Psyche, und was sind ihre wichtigsten motivierenden Kr\u00e4fte? Warum entstehen Symptome und was bedeuten sie? Welche Themen, die die Klienten in die Therapie bringen, haben zentrale Bedeutung und welche sind weniger relevant? Welche Techniken und Strategien sollten zur Korrektur oder zur Verbesserung des emotionalen, psychosomatischen und der sozialen Situation der Klienten angewandt werden? Es gibt so viele Antworten auf diese Fragen, wie es Schulen der Psychotherapie gibt.<br \/>Ziel traditioneller dynamischer Psychotherapien ist, ein allgemeines intellektuelles Verst\u00e4ndnis der menschlichen Psyche zu erreichen, es spezifisch auf individuelle Klienten anzuwenden und dann dieses Wissen zu nutzen, um eine wirksame therapeutische Technik und Strategie zu entwickeln. Ein wichtiges Instrument vieler moderner Psychotherapien ist die \u00abInterpretation\u00bb, durch die der Therapeut dem Klienten die \u00abwahre\u00bb oder \u00abrichtige\u00bb Bedeutung seiner Gedanken, seiner Gef\u00fchle und seines Verhaltens aufzeigt. Diese Methode wird h\u00e4ufig bei der Analyse von Tr\u00e4umen, freier Assoziationen, neurotischer Symptome, Handlungsweisen, und sogar scheinbar trivialer allt\u00e4glicher Handlungen verwendet, wie Versprecher oder anderer kleiner Fehler, siehe Freuds \u00abFehlleistungen\u00bb (Freud 1960a). Ein weiterer Bereich, in dem Interpretationen allgemein angewandt werden, ist die zwischenmenschliche Dynamik, einschliesslich der \u00dcbertragung verschiedener unbewusster Gef\u00fchle und Verhaltensweisen gegen\u00fcber dem Therapeuten.<br \/>Therapeuten geben sich alle M\u00fche, herauszufinden welche Interpretation sich f\u00fcr eine entsprechende Situation am besten eignet und den daf\u00fcr passenden Zeitablauf zu bestimmen. Auch eine Interpretation, die \u00abrichtig\u00bb ist in Bezug auf ihren Inhalt kann nutzlos oder auch sch\u00e4dlich f\u00fcr den Patienten sein, wenn sie verfr\u00fcht angeboten wird, bevor der Klient daf\u00fcr bereit ist. Ein ernstes Problem dieser Strategie ist es, dass einzelne Therapeuten, insbesondere diejenigen, die verschiedener Schulen angeh\u00f6ren, demselben psychologischen Inhalt oder Verhalten ganz unterschiedliche Werte beimessen und auch verschiedene und sogar widerspr\u00fcchliche Interpretationen anbieten. Ich werde dies durch eine humorvolle Geschichte aus meiner eigenen psychoanalytischen Ausbildung illustrieren.<br \/>Als frischgebackener Psychiater machte ich eine Lehranalyse, die aus drei Sitzungen pro Woche bestand und mehr als sieben Jahre dauerte. Mein Analytiker war Dr. Theodor Dosu\u017ekov, Nestor der tschechischen Psychoananalyse und Pr\u00e4sident der Tschechoslowakischen Psychoanalytischen Gesellschaft. Zur Zeit meiner Analyse war Dr. Dosu\u017ekov in seinen sp\u00e4ten Sechzigern und es war unter seinen Analysanden bekannt \u2013 alles junge Psychiater \u2013 dass er gelegentlich w\u00e4hrend der analytischen Stunden einnickte. Dr. Dosu\u017ekov\u2019s Angewohnheit war eine beliebte Zielscheibe f\u00fcr die Witze seiner Sch\u00fcler.<br \/>Neben den individuellen psychoanalytischen Sitzungen leitete Dr. Dosu\u017ekov auch Seminare, in denen seine Sch\u00fcler verschiedene B\u00fccher und Fachartikel pr\u00e4sentierten, Fallberichte diskutierten, und wo man auch Fragen \u00fcber die Theorie und Praxis der Psychoanalyse stellen konnte. In einem dieser Seminare stellte ein Teilnehmer eine \u00abrein theoretische\u00bb Frage: \u00abWas passiert, wenn w\u00e4hrend der Analyse der Psychoanalytiker einschl\u00e4ft? Wenn der Klient weiterhin frei assoziiert, wird die Therapie fortgef\u00fchrt? Wird der psychotherapeutische Prozess unterbrochen? Sollte der Klient f\u00fcr diese Zeit r\u00fcckverg\u00fctet werden, da Geld ein so wichtiges Instrument in der Freudschen Analyse ist?\u00bb<br \/>Dr. Dosu\u017ekov konnte nicht leugnen, dass eine solche Situation in psychoanalytischen Sitzungen auftreten k\u00f6nnte. Er war sich bewusst, dass die Analysanden seine Schw\u00e4che kannten, und er musste sich einer Antwort stellen. \u00abJa, das kann passieren\u00bb, sagte er. \u00abManchmal ist man m\u00fcde und schl\u00e4frig \u2013 man hat in der vorigen Nacht nicht gut schlafen, man erholt sich von einer Grippe, oder ist k\u00f6rperlich ersch\u00f6pft. Aber wenn man viele Jahre Psychoanalyse praktiziert hat, entwickelt man eine Art \u00abSechster Sinn\u00bb. Man schl\u00e4ft nur ein, wenn das, wor\u00fcber der Analysand spricht, irrelevant ist. Wenn er etwas wirklich Wichtiges sagt, dann wacht man auf und ist v\u00f6llig da!\u00bb<br \/>Dr. Dosu\u017ekov war ein grosser Bewunderer von Ivan Petrovich Pawlow, dem russischen Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Physiologie, der sein Wissen \u00fcber das Gehirn aus seinen Experimenten mit Hunden abgeleitet hat. Pawlow schrieb viel \u00fcber die Hemmung der Grosshirnrinde, die w\u00e4hrend des Schlafs oder unter Hypnose auftritt. Er wies darauf hin, dass es gelegentlich in der gehemmten Grosshirnrinde einen \u00abwachenden Ort\u00bb gibt. Sein Lieblingsbeispiel war die Mutter, die trotz lauter Ger\u00e4usche schlafen kann, aber sofort aufwacht, wenn ihr Kind weint. \u00abEs ist genauso wie im Fall der Mutter, \u00fcber die Pawlow sprach\u00bb, erkl\u00e4rte Dr. Dosu\u017ekov. \u00abMit gen\u00fcgender Erfahrung werden Sie in der Lage sein, den Kontakt mit Ihren Klienten zu behalten, auch wenn Sie einschlafen\u00bb.<br \/>Aber Dr. Dosu\u017ekovs Erkl\u00e4rung hatte eine offensichtliche Schw\u00e4che. Was der Therapeut in der Schilderung des Klienten als relevant betrachtet h\u00e4ngt von seiner Ausbildung und pers\u00f6nlichen Vorlieben ab. Ein Adlerscher, Rankscher oder Jungscher Therapeut w\u00fcrden zu unterschiedlichen Zeiten der Sitzung einschlafen oder aufwachen \u2013 jeweils in dem Moment wenn die Schilderung, entsprechend ihrer Ausbildung \u00abrelevant\u00bb ist.<br \/>Angesichts der grossen konzeptuellen Unterschiede zwischen den Schulen der Tiefenpsychologie stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, welche das richtige Verst\u00e4ndnis der menschlichen Psyche bei Gesundheit und Krankheit bietet. Wenn es wahr ist, dass korrekte und rechtzeitige Interpretationen ein wesentlicher Faktor in der Psychotherapie sind, w\u00fcrde man erwarten, grosse Unterschiede im therapeutischen Erfolg verschiedener Schulen zu finden. Ihre therapeutischen Ergebnisse k\u00f6nnte man auf einer Gaussschen Kurve abbilden. Die Therapieschule mit dem pr\u00e4zisesten Verst\u00e4ndnis der Psyche und den passendsten Interpretationen w\u00fcrde am besten abschneiden, w\u00e4hrend diejenigen, deren konzeptioneller Rahmen weniger zutreffend ist, an den unteren Enden der Kurve verteilt w\u00e4ren.<br \/>Meines Wissens gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die eine deutliche \u00dcberlegenheit bestimmter Schulen der Psychotherapie gegen\u00fcber anderen aufweisen, was Therapieerfolge anbelangt (Frank und Frank 1991). Die Unterschiede sind eher innerhalb der Schulen und nicht zwischen den Schulen zu finden. In jeder Schule gibt es bessere und schlechtere Therapeuten. Und sehr wahrscheinlich haben die Ergebnisse nur wenig mit den Methoden zu tun, die die Therapeuten anwenden \u2013 wie zum Beispiel die Richtigkeit und ein gutes Timing der Interpretationen, die korrekte Analyse der \u00dcbertragung, taktisches Einsetzen von Stille, und sonstigen spezifischen Massnahmen. Eine erfolgreiche Therapie scheint von Faktoren abzuh\u00e4ngen, die nichts mit intellektueller Brillanz zu tun haben und in der wissenschaftlichen Sprache schwer zu beschreiben sind \u2013 n\u00e4mlich die \u00abQualit\u00e4t der menschlichen Begegnung\u00bb zwischen Therapeut und Klient, das Gef\u00fchl des Klienten, von einer anderen Person bedingungslos akzeptiert zu werden, h\u00e4ufig zum ersten Mal im Leben, oder die Kraft der Hoffnung und Erwartung, die der Klient w\u00e4hrend des therapeutischen Prozesses f\u00fchlt.<br \/>In ihren bemerkenswerten umfangreichen B\u00fcchern diskutierten Jerome Frank, Julia Frank, und Renato Alarcon Versuche, die Auswirkungen von Psychotherapie zu messen und verschiedene Schulen und mit ihnen verwandte Theorien miteinander zu vergleichen (Frank und Frank 1993, Alarcon und Frank 2011). Sie zeigten deutlich die schwierigen methodologischen Probleme auf, die diese Bem\u00fchungen begleiten. Meta-Analysen haben gewisse Hinweise erbracht, dass Psychotherapie positive Wirkungen haben kann, konnten aber keine signifikanten Unterschiede entdecken zwischen den Therapieerfolgen konkurrierender Psychotherapieschulen oder zwischen denen erfahrener Therapeuten und Anf\u00e4ngern.<br \/>In ihrer Zusammenfassung der Referate einer Konferenz zur Psychotherapieforschung boten Rubinstein und Parloff folgende scherzhafte Charakterisierung des Status auf dem Gebiet der Psychotherapie: \u00abPsychotherapie ist eine undefinierte Technik, angewandt auf unbestimmte Probleme, mit unvorhersehbaren Ergebnissen. F\u00fcr diese Technik empfehlen wir eine rigorose Ausbildung.\u00bb (Rubinstein und Parloff 1959).<br \/>Der Mangel an \u00dcbereinstimmung von Theorie und Praxis in der Psychotherapie ist unbefriedigend. Unter diesen Umst\u00e4nden kann ein Klient mit einer emotionalen oder psychosomatischen St\u00f6rung mit dem Werfen einer M\u00fcnze eine Psychotherapieschule ausw\u00e4hlen. Mit jeder Schule erfolgt eine unterschiedliche Erkl\u00e4rung seines Problems und eine andere Technik wird angewandt, um es zu \u00fcberwinden. Auch wenn ein angehender Therapeut eine bestimmte Schule f\u00fcr seine Ausbildung w\u00e4hlt, sagt seine Wahl mehr \u00fcber die Pers\u00f6nlichkeit des Bewerbers aus als \u00fcber den Wert der Schule.<br \/>Das Problem vieler psychotherapeutischer Schulen ist, dass sie korrekt die Dynamik auf einer bestimmten Ebene der Psyche beschreiben, ihnen aber das Verst\u00e4ndnis der Ph\u00e4nomene aus anderen Ebenen des Unbewussten fehlt. Sie versuchen dann diese Erscheinungen in ihrem eigenen begrenzten konzeptionellen Rahmen zu interpretieren. Zum Beispiel war Freuds Psychoanalyse wie schon erw\u00e4hnt auf die postnatale Biografie und das individuelle Unbewusste begrenzt. Freud war sich der enormen Bedeutung des Geburtstraumas nicht bewusst, mit Ausnahme einer kurzen Periode, als er dachte, die Geburtsangst k\u00f6nnte ein Prototyp f\u00fcr alle zuk\u00fcnftigen \u00c4ngste sein (Freud 1959). Er konnte auch die Existenz des kollektiven Unbewussten nicht akzeptieren und versuchte, archetypische\/mythologische und parapsychologische Ph\u00e4nomene im Rahmen seines engen biologischen und biografischen Modells zu interpretieren. Otto Rank, der die psychologische Bedeutung des Geburtstraumas entdeckt und erforscht hat, interpretierte mythologische, spirituelle, und religi\u00f6se Motive als Derivate der perinatalen Dynamik. C. G. Jung, der den enormen Bereich des historischen und archetypischen kollektiven Unbewussten entdeckte und erforschte, war nicht imstande, die psychologische Bedeutung des Geburtstraumas zu sehen. In einem Interview mit Dr. Richard I. Evans hat er Otto Ranks Theorie verh\u00f6hnt: \u00abOh, die Geburt ist nicht ein Trauma, es ist ein Fakt, jedermann ist geboren\u00bb. (Jung 1957a)<br \/>Ein wirksames und n\u00fctzliches psychotherapeutisches System muss alle Ebenen der Psyche anerkennen und akzeptieren. Welche Inhalte in der Sitzung erforscht und verarbeitet werden, wird durch die Dynamik des Unbewussten des Klienten und seines eigenen psychologischen Prozesses bestimmt. Der Therapeut muss \u00fcber einen gen\u00fcgend breiten konzeptuellen Rahmen verf\u00fcgen, um seine Klienten auf allen Ebenen ihrer unbewussten Psyche begleiten zu k\u00f6nnen \u2013 biografisch, perinatal und\/oder transpersonal \u2013 und ihre entsprechenden Erfahrungen unterst\u00fctzen (Vaughan 1993).<br \/>Therapien, die das heilende Potenzial holotroper Bewusstseinszust\u00e4nde nutzen, k\u00f6nnen uns helfen, die Probleme zu vermeiden, die die verbalen Techniken der Psychotherapie plagt: zu bestimmen, was in der Schilderung eines Klienten relevant ist, und die richtige Interpretation zu w\u00e4hlen. Die Alternative, die uns die \u00abholotrope Strategie\u00bb bietet, best\u00e4tigt C. G. Jungs Auffassung des therapeutischen Prozesses. Jung zufolge ist es nicht m\u00f6glich, eine wirksame psychotherapeutische Technik bloss aufgrund des intellektuellen Verst\u00e4ndnisses der Psyche zu entwickeln. In sp\u00e4teren Jahren seiner professionellen Karriere, nachdem er das Ph\u00e4nomen der Synchronizit\u00e4t entdeckt hatte, erkannte Jung, dass die Psyche nicht ein Produkt des Gehirns und nicht im Sch\u00e4del \u00abenthalten\u00bb ist. Er begann, die Psyche als das sch\u00f6pferische Prinzip des Kosmos zu sehen, als\u00a0<em>Anima mundi<\/em>, die Intelligenz, die die gesamte Existenz durchdringt. Die individuelle Psyche jeder Person ist integraler Bestandteil dieser unergr\u00fcndlichen kosmischen Matrix. Die Grenzen zwischen der Anima mundi und der individuellen Psyche sind nicht absolut; sie sind durchl\u00e4ssig und sie k\u00f6nnen in holotropen Zust\u00e4nden transzendiert werden. Der Intellekt ist eine partielle Funktion der Psyche, der uns helfen kann, uns in allt\u00e4glichen Situationen zu orientieren, aber an und f\u00fcr sich ist der Intellekt nicht imstande, die tiefsten Mysterien der Existenz zu ergr\u00fcnden und die Psyche zu verstehen und zu manipulieren.<br \/>Victor Hugo sagt es wundersch\u00f6n in\u00a0<em>Les Mis\u00e9rables<\/em>: \u00abEs gibt ein Schauspiel, das grossartiger ist als das Meer, das ist der Himmel; es gibt ein Schauspiel, das gr\u00f6sser ist als der Himmel, das ist das Innere der Seele\u00bb. Jung erkannte, dass die Psyche ein tiefgr\u00fcndiges Geheimnis ist und n\u00e4herte sich ihr mit grossem Respekt. Er betrachtete sie als unendlich kreativ und wusste, dass es nicht m\u00f6glich ist, sie durch eine Reihe von Formeln zu beschreiben, die dann verwendet werden k\u00f6nnten, um die psychologischen Prozesse von Klienten zu korrigieren. Er schlug eine alternative Strategie der Therapie vor, eine, die sich von den Ans\u00e4tzen, die auf intellektuellen Konstruktionen und \u00e4usseren Interventionen beruhen, deutlich unterscheidet.<br \/>Was ein Psychotherapeut Jung zufolge tun kann, ist eine unterst\u00fctzende Umgebung zu schaffen, in der eine psychospirituelle Transformation stattfinden kann. Diese kann mit dem hermetischen Gef\u00e4ss verglichen werden, in dem alchemistische Prozesse stattfinden. Der n\u00e4chste Schritt ist, eine Methode anzubieten, die den Austausch zwischen dem bewussten Ich und einem h\u00f6heren Aspekt des Klienten vermittelt, den Jung das Selbst nannte. Jungs wichtigste Technik f\u00fcr diesen Zweck war die \u00abaktive Imagination\u00bb \u2013 die Fortsetzung eines Traums auf der Couch des Analytikers und die Analyse dessen Inhalts\u00a0<em>in statu nascendi<\/em>\u00a0(von Franz 1997). Dies unterschied sich deutlich von Freuds Methode der Traumdeutung, die mit Erinnerungen an Tr\u00e4ume arbeitete, die manchmal Monate oder sogar Jahre alt waren.<br \/>In Jungs eigenen Worten ist \u00abAktive Imagination ein Prozess des bewussten Dialogs mit unserem Unbewussten zur Erzeugung der Inhalte des Unbewussten, die unmittelbar unter der Schwelle des Bewusstseins liegen. Wenn diese intensiviert werden, werden sie h\u00f6chstwahrscheinlich spontan im Bewusstsein auftauchen\u00bb (Jung 1981). Bei dieser Art von Arbeit ist Heilung nicht das Ergebnis der genialen Einsichten und Interpretationen des Therapeuten; der therapeutische Prozess wird innerhalb der Psyche des Klienten durchgef\u00fchrt. Die Kommunikation zwischen dem Ich und dem Selbst entsteht in erster Linie durch eine symbolische Sprache. In Jungs Verst\u00e4ndnis ist das Selbst der zentrale Archetyp des kollektiven Unbewussten und seine Funktion ist es, das Individuum in die Richtung von Ordnung, Organisation und Ganzheit zu f\u00fchren. Jung bezeichnete diese Bewegung zur h\u00f6chsten Einheit als \u00abIndividuationsprozess\u00bb.\u00a0<br \/>Die Anwendung holotroper Zust\u00e4nden f\u00fcr Therapie und Selbsterfahrung best\u00e4tigt im wesentlichen Jungs Sichtweise und benutzt eine \u00e4hnliche Strategie. Facilitatoren schaffen eine sch\u00fctzende und unterst\u00fctzende Umgebung und helfen den Teilnehmern, den holotropen Zustand zu initiieren. Sobald das geschieht, wird der Heilungsprozess durch die eigene innere Heilungsintelligenz des Klienten begleitet. Die Aufgabe der Facilitatoren ist es, zu unterst\u00fctzen, was passiert. Dieser Vorgang aktiviert automatisch unbewusstes Material mit starker emotionaler Ladung, das nahe genug an der Bewusstseinsschwelle liegt, um f\u00fcr eine Verarbeitung am Tag der Sitzung zug\u00e4nglich zu sein.<br \/>In holotropen Zust\u00e4nden manifestieren die Psyche und der K\u00f6rper ihre F\u00e4higkeit, als ein integrales Selbstorganisations- und Selbstheilungssystem zu funktionieren. Therapeuten und Facilitatoren werden dadurch der hoffnungslosen Aufgabe enthoben, bestimmen zu m\u00fcssen, was im Prozess des Klienten emotionell \u00abrelevant\u00bb und was von peripherer Bedeutung ist. Sie unterst\u00fctzen, was von Augenblick zu Augenblick spontan auftaucht, im Vertrauen darauf, dass der innere Prozess des Klienten von einer Intelligenz geleitet wird, die das intellektuelle Verst\u00e4ndnis \u00fcbersteigt. Die Klienten und Teilnehmer an Workshops und Trainingsmodulen benutzen oft Begriffe wie COEX-Systeme, BPMs, Archetypen und so weiter, aber diese Termini spiegeln ihre direkte Erfahrung mit dem wider, was im Prozess spontan auftritt, und sind nicht Resultate irgendwelcher Interpretationen.<\/p>\n<p><strong>6. Die Rolle der Spiritualit\u00e4t in unserem Leben<\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>Die f\u00fchrende Philosophie westlicher Wissenschaft war der monistische Materialismus. Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen haben die Geschichte des Universums als eine Geschichte der Entwicklung von Materie beschrieben und seit Galileo wurde nur als real akzeptiert, was gemessen und gewogen werden kann. Leben, Bewusstsein und Intelligenz werden dann als mehr oder weniger zuf\u00e4llige Nebenprodukte materieller Prozesse angesehen. Physiker, Biologen und Chemiker anerkennen die Existenz von Dimensionen der Wirklichkeit, die f\u00fcr unsere Sinne nicht zug\u00e4nglich sind, aber eben nur jene, die physikalischer Natur sind und mit Hilfe von Apparaten wie Mikroskopen, Teleskopen und speziellen Aufnahmeger\u00e4ten oder Laborexperimenten aufgezeigt und erforscht werden k\u00f6nnen.<br \/>Diese Art von Universum hat keinen Platz f\u00fcr jede Art von Spiritualit\u00e4t. Die Existenz Gottes, das Konzept unsichtbarer Dimensionen der Wirklichkeit, von immateriellen Wesen bewohnt, die M\u00f6glichkeit des \u00dcberlebens des Bewusstseins nach dem Tod und das Konzept der Reinkarnation und des Karmas werden in die Welt von M\u00e4rchen oder psychotischer Ph\u00e4nomene verbannt. Vom Standpunkt heutiger Psychiatrie aus bedeutet diese Ph\u00e4nomene ernst zu nehmen Ignoranz und Unkenntnis in Bezug auf Entdeckungen der materialistischen Wissenschaft, Aberglaube, und primitives magisches Denken. Wenn intelligente Menschen an einen Gott oder eine G\u00f6ttin glauben, heisst das, dass sie sich nicht von den infantilen Bildern ihrer Eltern als allm\u00e4chtige Wesen befreit haben und projizieren diese Vorstellungen ins Jenseits. Und direkte Erfahrungen mit spirituellen Wirklichkeiten, inklusive Begegnungen mit mythologischen Wesen und Besuchen in archetypischen Bereichen, gelten als Manifestationen schwerer psychischen Erkrankungen \u2013 Psychosen.<br \/>Die Erforschung holotroper Zust\u00e4nde hat neues Licht auf die Problematik von Spiritualit\u00e4t und Religion geworfen. Der Schl\u00fcssel zu diesem neuen Verst\u00e4ndnis ist die Entdeckung, dass es in diesen perinatalen und transpersonalen Erfahrungen m\u00f6glich ist, eine breites Spektrum von Ph\u00e4nomenen zu erleben, die sehr \u00e4hnlich derjenigen sind, die die grossen Religionen der Welt inspiriert hatten \u2013 Visionen von Gott und verschiedener g\u00f6ttlicher und d\u00e4monischer Wesen, Begegnungen mit k\u00f6rperlosen Wesenheiten, Episoden psychospirituellen Todes und der Wiedergeburt, Besuche des Himmels, der H\u00f6lle, des Paradieses und des Fegefeuers, Erinnerungen an fr\u00fchere Inkarnationen und vieles anderes mehr. Die moderne Bewusstseinsforschung hat ohne jeden Zweifel gezeigt, dass diese Erfahrungen nicht Produkte menschlicher Phantasie oder eines pathologischen Gehirnprozesses sind, wie sie die heutige Psychiatrie interpretiert. Es handelt sich vielmehr um Inhalte aus dem kollektiven Unbewussten und damit um authentische und wesentliche Bestandteile der menschlichen Psyche. Obwohl diese mythologischen Elemente in einem Prozess erlebnisorientierter Selbsterforschung und Selbstwahrnehmung intrapsychisch zug\u00e4nglich sind, k\u00f6nnen sie auch ontologisch real sein, objektive Existenz besitzen. Um authentische transpersonale Erfahrungen von imagin\u00e4ren Erscheinungen der individuellen menschlichen Phantasie oder Psychopathologie zu unterscheiden, bezeichnen die Jungianer diesen Bereich als \u00abimaginal\u00bb.<br \/>Der franz\u00f6sische Gelehrte, Philosoph und Mystiker Henri Corbin, der als erster den Begriff\u00a0<em>mundus imaginalis<\/em>verwendet hat, verdankt die Inspiration dieses Konzepts dem Studium der islamischen mystischen Literatur (Corbin 2000). Islamische Theosophen nennen die imaginale Welt \u2013 wo alles, was in der materiellen Welt existiert, seine Analogie hat \u2013,\u00a0<em>alam al-mithal<\/em>\u00a0oder \u00abder achte Himmelsstrich\u00bb, um sie von den \u00absieben Himmelsstrichen\u00bb oder Regionen der traditionellen islamischen Geographie zu unterscheiden. Die imaginale Welt besitzt r\u00e4umliche und zeitliche Dimensionen, Formen und Farben, aber diese sind f\u00fcr unsere Sinne nicht wahrnehmbar wie materielle Objekte. Doch dieser Bereich ist in jeder Hinsicht genauso ontologisch v\u00f6llig real wie die materielle Welt, die wir durch unsere Sinnesorgane wahrnehmen, und er kann durch konsensuelle \u00dcberpr\u00fcfung von anderen Menschen verifiziert werden. Die ontologische Realit\u00e4t transpersonaler Erfahrungen und Ereignisse wird auch von Theorien unterst\u00fctzt, die ihren partizipativen Charakter erkennen und betonen (Ferrer 2002, Tarnas 1993 und 2006).<br \/>In Anbetracht dieser Beobachtungen erscheinen die erbitterten K\u00e4mpfe zwischen Religion und Wissenschaft im Laufe der letzten drei Jahrhunderte l\u00e4cherlich und v\u00f6llig unn\u00f6tig. Echte Wissenschaft und authentische Religion konkurrieren nicht um dasselbe Gebiet; sie repr\u00e4sentieren zwei verschiedene Ans\u00e4tze, die komplement\u00e4r, nicht kompetitiv sind. Die Wissenschaft studiert Ph\u00e4nomene in der materiellen Welt, im Bereich des Messbaren und W\u00e4gbaren, w\u00e4hrend echte Spiritualit\u00e4t und wahre Religion ihre Inspiration aus erfahrungsbezogener Erkenntnis der imaginalen Welt ziehen, wie sie sich in holotropen Bewusstseinszust\u00e4nden manifestieren.<br \/>Der Konflikt, der zwischen Religion und Wissenschaft zu existieren scheint, spiegelt ein grundlegendes Missverst\u00e4ndnis beider Disziplinen wieder. Wie Ken Wilber darauf hingewiesen hat, kann es keinen Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion geben, solange beide richtig verstanden und praktiziert werden. Wenn ein Konflikt aufzutauchen scheint, handelt es sich wahrscheinlich um \u00abPseudowissenschaft\u00bb und \u00abPseudoreligion\u00bb (Wilber 1982). Die scheinbare Unvereinbarkeit r\u00fchrt daher, dass jede Seite die Position der anderen ernsthaft missversteht und sehr wahrscheinlich auch eine fragw\u00fcrdige Version der eigenen Disziplin vertritt.<br \/>Wirklich relevante und g\u00fcltige Urteile \u00fcber spirituelle Probleme kann nur das Studium holotroper Zust\u00e4nde liefern, weil sein fundiertes Verst\u00e4ndnis von Spiritualit\u00e4t, Religion und Mystizismus eine gr\u00fcndliche Kenntnis der imaginalen Welt erfordert. Aldous Huxley hat in seinem bahnbrechenden Buch\u00a0<em>Himmel und H\u00f6lle<\/em>\u00a0vorgeschlagen, dass Himmel und H\u00f6lle intrapsychische Realit\u00e4ten sind, die man auf eine sehr \u00fcberzeugende Weise w\u00e4hrend aussergew\u00f6hnlicher Bewusstseinszust\u00e4nden erfahren kann, die durch psychedelische Substanzen wie LSD und Meskalin oder verschiedenen wirkungsvollen nicht-pharmakologischen Techniken hervorgerufen werden k\u00f6nnen (Huxley 1959). Der scheinbare Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion stammt von dem jahrhundertealten Irrglauben, dass sich die Bereiche des Jenseits im physischen Universum bef\u00e4nden \u2013 der Himmel im unendlichen kosmischen Raum, das Paradies irgendwo in einem versteckten Bereich auf der Oberfl\u00e4che unseres Planeten und die H\u00f6lle im Inneren der Erde.<br \/>Astronomen haben \u00e4usserst exakte Messger\u00e4te wie das Hubble Weltraumteleskop entwickelt. Sie haben sorgf\u00e4ltig das gesamte Himmelsgew\u00f6lbe erforscht und kartiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen, die nat\u00fcrlich nicht Gott, Heilige und harfenspielende Engel entdeckt haben, dienten als Nachweis, dass solche spirituelle Realit\u00e4ten nicht existieren. Bei der akribischen Katalogisierung und Kartierung der Oberfl\u00e4che unseres Planeten haben Forscher und Geographen viele aussergew\u00f6hnlich sch\u00f6ne Landschaften gefunden, aber keine von ihnen entsprach den Beschreibungen der Paradiese in den spirituellen Schriften der verschiedenen Religionen. Geologen haben herausgefunden, dass unser Planet aus Schichten von festem und geschmolzenen Nickel und Eisen besteht und dass die Temperatur des Erdkerns die der Oberfl\u00e4che der Sonne \u00fcbersteigt \u2013 wohl kaum ein sehr glaubw\u00fcrdiger Ort f\u00fcr die H\u00f6hlen Satans.<br \/>Inzwischen haben moderne Studien holotroper Zust\u00e4nde \u00fcberzeugende Beweise f\u00fcr Huxleys Einsichten erbracht. Sie haben gezeigt, dass Himmel, Paradies und H\u00f6lle ontologisch real sind und deutliche und wichtige Erfahrungen aus dem kollektiven Unbewussten darstellen, die alle Menschen unter bestimmten Umst\u00e4nden erleben k\u00f6nnen. Himmlische, paradiesische und h\u00f6llische Visionen sind Teil des Erlebnisspektrums bei psychedelischen inneren Reisen, Nahtod-Erfahrungen, mystischen Zust\u00e4nden sowie bei schamanischen Initiationen und anderen Arten von \u00abspirituellen Krisen\u00bb. Patienten berichten ihren Psychiatern oft \u00fcber Erfahrungen von Gott, Himmel, H\u00f6lle, archetypischen g\u00f6ttlichen und d\u00e4monischen Wesen und \u00fcber psychospirituelle Tod- und Wiedergeburtserlebnisse. Aufgrund ihres unangemessenen oberfl\u00e4chlichen Modells der Psyche betrachten materialistisch orientierte Psychiater diese Erfahrungen als Manifestationen schwerer psychischer Erkrankungen. Sie erkennen nicht, dass Matrizen f\u00fcr diese Erfahrungen in den Untiefen der kollektiven unbewussten Psyche existieren.<br \/>Ein erstaunlicher Aspekt transpersonaler Erfahrungen w\u00e4hrend unterschiedlicher Arten holotroper Zust\u00e4nde ist, dass ihre Inhalte aus den Mythologien aller Kulturen der Welt stammen k\u00f6nnen, einschliesslich solcher, \u00fcber die die betreffende Person keine intellektuelle Kenntnis hat. C. G. Jung hat diese aussergew\u00f6hnliche Tatsache entdeckt, als er die mythologischen Motive untersuchte, die in den Tr\u00e4umen und psychotischen Erfahrungen seiner Patienten auftraten. Aufgrund seiner Beobachtungen ist er zum Schluss gekommen, dass die menschliche Psyche nicht nur das Freudsche individuelle Unbewusste umfasst, sondern auch ein kollektives Unbewusstes, das das gesamte kulturelle Erbe der Menschheit beinhaltet (Jung 1956, 1959). Umfassende Kenntnis vergleichender Mythologie ist also mehr als eine Sache pers\u00f6nlichen Interesses oder akademischer Bildung. Sie dient als wichtiger und n\u00fctzlicher Leitfaden jener Personen, die sich in erfahrungsorientierter Psychotherapie und Selbsterforschung engagieren, und sie stellt ein unverzichtbares Instrument f\u00fcr diejenigen dar, die sie auf ihren Reisen unterst\u00fctzen und begleiten (Grof 2006).<br \/>Die Erfahrungen, die ihren Ursprung in tieferen Ebenen der Psyche haben \u2013 in den perinatalen oder transpersonalen Bereichen des Unbewussten \u2013 haben eine gewisse Eigenschaft, die Jung als \u00abNuminosit\u00e4t\u00bb bezeichnet. Das Wort \u00abnuminos\u00bb, das Jung von Rudolf Otto entlehnte, ist relativ neu und neutral und um damit Begriffe wie zum Beispiel religi\u00f6s, mystisch, spirituell, geistlich, magisch oder heilig vorzuziehen, die oft in problematischen Zusammenh\u00e4ngen und mit verschiedenen Bedeutungen benutzt werden und leicht irref\u00fchrend sind. Der Begriff Numinosit\u00e4t, angewendet auf transpersonale Erfahrungen, bezieht sich auf direkte Wahrnehmung ihrer aussergew\u00f6hnlichen Eigenschaft, die Otto mit den Bezeichnungen wie\u00a0<em>mysterium tremendum et fascinans<\/em>und das \u00abganz Andere\u00bb beschrieben hat. Das ist eine Eigenschaft, die man im allt\u00e4glichen Bewussseinszustand in der Regel nicht erfahren kann. Die Numinosit\u00e4t, die mit transpersonalen Erfahrungen verbunden ist, vermittelt ein sehr \u00fcberzeugendes Gef\u00fchl, dass diese einer h\u00f6heren Ordnung der Wirklichkeit angeh\u00f6ren, einem Bereich, der heilig und der materiellen Wirklichkeit \u00fcbergeordnet ist.<br \/>In Anbetracht der ontologischen Realit\u00e4t der imaginalen Welt, ist Spiritualit\u00e4t eine sehr wichtige und nat\u00fcrliche Dimension der menschlichen Psyche und des Kosmos, und die spirituelle Suche stellt ein legitimes menschliches Streben dar. Ich m\u00f6chte betonen, dass ich damit echte, auf pers\u00f6nlichen Erfahrungen basierte Spiritualit\u00e4t meine und keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr Ideologien und Dogmen institutionalisierter Religionen bieten m\u00f6chte. Um Missverst\u00e4ndnissen und Verwirrungen auszuweichen, die viele \u00e4hnliche Diskussionen in der Vergangenheit gepr\u00e4gt haben, m\u00fcssen wir eine klare Unterscheidung treffen zwischen Spiritualit\u00e4t und Religion.<br \/>Spiritualit\u00e4t umfasst eine besondere Art von Beziehung zwischen Individuum und Kosmos und ist im Wesentlichen eine pers\u00f6nliche Angelegenheit. Im Vergleich dazu ist die institutionalisierte Religion eine Gruppenaktivit\u00e4t, die an einem bestimmten Ort, in einem Tempel oder einer Kirche stattfindet und auch eine hierarchische Organisation von Personen miteinbezieht, die in der Regel keine pers\u00f6nlichen Erfahrungen der spirituellen Wirklichkeiten erlebt haben. Sobald eine Religion organisiert ist, verliert sie oft die urspr\u00fcngliche Verbindung mit ihrer geistigen Quelle und wird zu einer s\u00e4kularen Institution, die die spirituellen Bed\u00fcrfnisse ihrer Mitglieder ausnutzt, ohne sie zu befriedigen.<br \/>Institutionalisierte Religionen neigen dazu, hierarchische Systeme zu schaffen, die sich auf Macht, Kontrolle, Politik, Geld, Besitz und andere weltliche Anliegen fokussieren. Unter diesen Umst\u00e4nden neigt die religi\u00f6se Hierarchie dazu unmittelbare mystische Erfahrungen ihrer Anh\u00e4nger abzulehnen, da diese ihre Unabh\u00e4ngigkeit f\u00f6rdert und sie weniger stark kontrolliert werden k\u00f6nnen. Echtes spirituelles Leben spielt sich dann meist nur in den mystischen Gruppen, monastischen Orden und ekstatischen Sekten dieser Religionen ab. Personen, die Erfahrungen des immanenten oder transzendenten G\u00f6ttlichen erlebt haben, zeigen eine gewisse Offenheit gegen\u00fcber der Spiritualit\u00e4t, die man in den mystischen Untergruppen grosser Religionen der Welt oder in ihren M\u00f6nchsorden pflegt, nicht aber gegen\u00fcber den idiosynkratischen Dogmen ihrer offiziellen Lehren. Tiefe mystische Erfahrungen lassen oft vielmehr die Grenzen zwischen den Religionen verschwinden und offenbaren tiefe Verbindungen zwischen ihnen, w\u00e4hrend der Dogmatismus der organisierten Religionen dazu neigt, Unterschiede zwischen ihren Theologien zu betonen und damit Widerstreit und Feindseligkeit zu erzeugen.<br \/>Es besteht kein Zweifel, dass die Dogmen institutionalisierter Religionen, wenn sie w\u00f6rtlich interpretiert werden, in einem grundlegenden Konflikt mit der Wissenschaft stehen, da diese Wissenschaft das mechanistisch-materialistische Modell verwendet oder in einem neuen Paradigma verankert ist. Das Bild \u00e4ndert sich aber erheblich beim authentischen Mystizismus, der auf pers\u00f6nlichen spirituellen Erfahrungen basiert. Die grossen mystischen Traditionen haben im Laufe vieler Jahrhunderte umfangreiches Wissen \u00fcber das Bewusstsein, die Psyche und die spirituellen Bereiche zusammengetragen. Dieses Vorgehen \u00e4hnelt dem kritischen Ansatz, den Wissenschaftler beim Aneignen von Kenntnissen \u00fcber die materielle Welt folgen. Dazu geh\u00f6ren Methoden zum Hervorrufen transpersonaler Erfahrungen, systematisches Sammlung von Daten, und intersubjektive \u00dcberpr\u00fcfung.<br \/>Wie jeder andere Aspekt der Wirklichkeit, k\u00f6nnen auch spirituelle Erfahrungen sorgf\u00e4ltiger wissenschaftlicher Forschung unterzogen werden. Nur eine objektive und rigorose Untersuchung der transpersonalen Ph\u00e4nomene und der Herausforderungen, die sie f\u00fcr ein materialistisches Verst\u00e4ndnis der Welt darstellen, kann die kritische Frage nach deren ontologischem Status beantworten: K\u00f6nnen mystische Erfahrungen tiefe Wahrheiten \u00fcber wichtige grundlegende Aspekte des Daseins offenbaren \u2013 oder sind sie Produkte von Aberglauben, magischem Denken, von Phantasie oder Geisteskrankheit, wie sie die westliche materialistische Wissenschaft sieht?<br \/>Die moderne Psychiatrie unterscheidet nicht zwischen mystischen Erfahrungen und psychotischen Sch\u00fcben und sieht beide Ph\u00e4nomene als Manifestationen psychischer Krankheiten an \u2013 als Psychosen. In ihrer Ablehnung der Religion macht sie auch keinen Unterschied zwischen primitivem Volksglauben und den fundamentalistischen w\u00f6rtlichen Auslegungen religi\u00f6ser Schriften auf der einen und den anspruchsvollen mystischen Traditionen oder den grossen \u00f6stlichen spirituellen Philosophien auf der anderen Seite. Es scheint nicht von Belang, dass diese uralten Traditionen auf Jahrhunderten systematischer introspektiver Erforschung der Psyche basieren. Die moderne Bewusstseinsforschung hat \u00fcberzeugende Beweise f\u00fcr die objektive Existenz verborgener Dimensionen des Daseins erbracht und damit die metaphysischen Grundannahmen der mystischen Weltsicht, der \u00f6stlichen spirituellen Philosophien und sogar bestimmter \u00dcberzeugungen alter Stammeskulturen verifiziert.<\/p>\n<p><strong>7. Die Bedeutung der archetypischen Astrologie f\u00fcr die Psychologie<\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>Die gr\u00f6sste \u00dcberraschung, die ich w\u00e4hrend meiner mehr als f\u00fcnfzig Jahre Bewusstseinsforschung erlebt habe, war die Entdeckung des aussergew\u00f6hnlichen voraussagenden Potenzials der archetypischen Astrologie. Wegen meiner umfangreichen wissenschaftlichen Ausbildung war ich zun\u00e4chst sehr skeptisch gegen\u00fcber der Astrologie. Die Vorstellung, dass die Planeten und Fixsterne etwas mit Bewusstseinszust\u00e4nden zu tun haben k\u00f6nnten, geschweige denn mit den Ereignissen in der Welt, schien zu absurd und bizarr, um ernst genommen zu werden. Es dauerte Jahre und ben\u00f6tigte Tausende von \u00fcberzeugenden Beobachtungen, bevor ich imstande war, dies zu akzeptieren. Die Verschiebung meines Weltbilds erforderte nichts weniger als eine radikale Korrektur meiner metaphysischen Grundannahmen \u00fcber die Beschaffenheit der Wirklichkeit, die ich durch mein Universit\u00e4tsstudium erworben hatte. Angesichts der Kontroverse, die mit diesem Thema verbunden ist, w\u00fcrde ich Astrologie hier nicht erw\u00e4hnen, h\u00e4tte nicht Richard Tarnas drei bemerkenswerte B\u00fccher \u00fcber seine akribische bahnbrechende Forschung ver\u00f6ffentlicht:\u00a0<em>Passion of the Western Mind<\/em>,\u00a0<em>Prometheus the Awakener<\/em>, und\u00a0<em>Cosmos and Psyche\u00a0<\/em>(Tarnas 1993, 1995 und 2006).<br \/>In den letzten dreissig Jahren haben Rick und ich gemeinsam astrologische Verkn\u00fcpfungen holotroper Zust\u00e4nde untersucht. Meine Hauptaufgabe war es, interessante klinische Beobachtungen aus psychedelischen Sitzungen, Erfahrungen der Teilnehmer in unseren Workshops und Trainings mit holotropem Atmen, mystischen Zust\u00e4nden, \u00abspirituellen Krisen\u00bb und psychotischen Zusammenbr\u00fcchen zu sammeln. Ricks Hauptaugenmerk war auf die astrologischen Aspekte der holotropen Zust\u00e4nde gerichtet. Diese Zusammenarbeit hat \u00fcberzeugende Beweise erbracht f\u00fcr systematische Korrelationen zwischen der Art, dem Zeitpunkt und dem Inhalt holotroper Zust\u00e4nde und den planetaren Transiten der beteiligten Personen erbracht.<br \/>Das erste Anzeichen, dass eine aussergew\u00f6hnliche Verbindungen zwischen Astrologie und meiner Forschung holotroper Zust\u00e4nde existieren k\u00f6nnte, war die Erkenntnis, dass meine Beschreibung der Ph\u00e4nomenologie der vier basalen perinatalen Matrizen (BPM) \u2013 mit den Stufen der biologischen Geburt assoziierten erlebnisorientierten Mustern \u2013 erstaunliche \u00c4hnlichkeit mit vier wichtigen Archetypen zeigten, die Astrologen mit den vier \u00e4usseren Planeten des Sonnensystems verbinden: BPM mit Neptun, BPM II mit Saturn, BPM III mit Pluto, und BPM IV mit Uranus. Ich muss betonen, dass meine Beschreibung der Ph\u00e4nomenologie der BPM ausschliesslich aufgrund klinischer Beobachtungen formuliert wurde, viele Jahre bevor ich irgendetwas \u00fcber Astrologie wusste.<br \/>Noch erstaunlicher war die Entdeckung, dass in holotropen Zust\u00e4nden die erlebnism\u00e4ssige Konfrontation mit diesen Matrizen immer dann auftritt, wenn die betreffenden Personen wichtige Transite der entsprechenden Planeten aufweisen. Im Laufe der Jahre konnten wir diese Tatsache durch Tausende spezifischer Beobachtungen best\u00e4tigen und viele weitere astrologische Korrelationen f\u00fcr andere Formen holotroper Zust\u00e4nde entdecken. Aufgrund dieser \u00fcberraschend pr\u00e4zisen Korrelationen, hat sich Astrologie \u2013 vor allem die Transit-Astrologie \u2013 als ein wertvolles Instrument f\u00fcr die Bewusstseinsforschung erwiesen.<br \/>Dies ist ein grosses und \u00e4usserst wichtiges Thema, dem ich im Rahmen dieses Artikels nicht gerecht werden kann. Interessierte Leser k\u00f6nnen weitere Informationen in meinen zwei Artikeln \u00fcber holotrope Zust\u00e4nde und archetypische Astrologie finden (Grof 2009 und Grof 2013). Eine angemessene Er\u00f6rterung dieser bemerkenswerten Ergebnisse erfordert eine separate, von einem professionellen Astrologen verfasste Abhandlung. Aber ich habe in den letzten dreissig Jahren genug Beweise gesammelt, um hier einige Worte \u00fcber mein gegenw\u00e4rtiges Verst\u00e4ndnis der Beziehung zwischen dem Zeitpunkt und Inhalt der spontanen oder induzierten holotropen Zust\u00e4nde und der Transit-Astrologie zu sagen.<br \/>Wir haben wiederholt gesehen, dass das Bewusstsein von Menschen w\u00e4hrend holotroper Bewusstseinszust\u00e4nde, unter den Einfluss der archetypischen Felder transierender Planeten geraten, die zu diesem Zeitpunkt wichtige angul\u00e4re Positionen mit den Planeten ihres Geburtshoroskops bilden (Konjunktion, Sextil, Quadrat, Trigonum, oder Opposition). Dies aktiviert selektiv das COEX-System mit den entsprechenden archetypischen Qualit\u00e4ten. Dieser COEX regelt die inneren Erfahrungen sowie die Wahrnehmung der \u00e4usseren Umgebung. Das auftauchende unbewusste Material besteht aus biografischen, perinatalen, und transpersonalen Elementen, und die Interaktion dieser archetypischen Energien ist oft sehr kreativ, humorvoll und spielerisch. Die Tiefe und Intensit\u00e4t dieser Vorg\u00e4nge h\u00e4ngen von der Intensit\u00e4t der archetypischen Energien und der Anzahl vorheriger Erfahrungen mit holotropen Zust\u00e4nden ab. Obwohl ich mir bewusst bin, dass diese kurze Schilderung unserer astrologischen Beobachtungen Lesern ohne astrologische Kenntnisse wenig sagen wird, hoffe ich, dass sie erfahrene Astrologen inspirieren wird, sie ihrerseits zu erforschen um sie zu best\u00e4tigen oder zu widerlegen.<br \/>Zurzeit erleben wir eine aussergew\u00f6hnliche Renaissance der psychedelischen Forschung, nachdem mehrere ber\u00fchmte amerikanische Universit\u00e4ten (Harvard, UCLA, Johns Hopkins, SUNY u.a.) entsprechende Studien durchf\u00fchren. Workshops, die holotropes Atmen anbieten, finden in vielen L\u00e4ndern der Welt statt und spontane Erlebnisse holotroper Zust\u00e4nde ereignen sich zuhauf. Lesende, die die Schlussfolgerungen dieses Artikels pr\u00fcfen oder widerlegen wollen, steht also gen\u00fcgend Forschungsmaterial zur Verf\u00fcgung.<br \/>Nach meiner Auffassung ist die archetypische Astrologie der lang gesuchte Rosettastein der Bewusstseinsforschung. Sie bietet einen Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis von Form, Zeit und Inhalt spontaner und induzierter holotroper Zust\u00e4nde in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es ist wichtig zu betonen, dass astrologische Prophezeiungen, obwohl sie aussergew\u00f6hnlich pr\u00e4zis sind, archetypisch voraussagend und nicht konkret voraussagend sind. Gem\u00e4ss den Forschungen von Richard Tarnas ist eine der auffallendsten Eigenschaften der Archetypen ihre komplexe Vieldeutigkeit. Jeder Archetyp und jede archetypische Kombination besitzen ein reiches Spektrum an Bedeutungen, und bleiben gleichzeitig ihrer eigenen spezifischen Natur treu. Obwohl zum Beispiel Saturn und Neptun eine grosse Auswahl an Bedeutungen haben, w\u00fcrde ein erfahrener Astrologe keine dieser Bedeutungen jeweils untereinander verwechseln.<br \/>Die in diesem Artikel beschriebene Revision der Psychologie basiert auf mehr als f\u00fcnfzig Jahren Bewusstseinsforschung. Sie bringt theoretische Klarheit in die Welt der Tiefenpsychologie und hilft, die unterschiedlichen Positionen konkurrierender Schulen miteinander in Einklang zu bringen. Sie bietet ausserdem einen radikal anderen Ansatz im Hinblick auf die verwirrende Vielzahl psychotherapeutischer Techniken \u2013 die Selbstheilung und die selbstorganisierende Intelligenz der Psyche der Klienten. Wenn der Paradigmenwechsel in der westlichen Wissenschaft erfolgreich abgeschlossen sein wird, k\u00f6nnte die verantwortungsvolle Arbeit mit holotropen Zust\u00e4nden mit Hilfe der archetypischen Astrologie eine der vielversprechendsten Entwicklungen in der Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie sein.<\/p>\n<p><strong>Bibliografie<\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>Addison, A. 2009. Jung, Vitalism and \u2018the Psychoid\u2019: A Historical Reconstruction. Journal of Analytical Psychology 1:12-42.<br \/>Alarc\u00f3n, R. D. and Frank, J. B. (Eds). 2011. The Psychotherapy of Hope. 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