{"id":950,"date":"2013-12-05T01:32:59","date_gmt":"2013-12-05T00:32:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/deutsch\/?p=950"},"modified":"2018-03-31T01:33:47","modified_gmt":"2018-03-30T23:33:47","slug":"triff-das-leben-wo-es-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/2013\/12\/05\/triff-das-leben-wo-es-ist\/","title":{"rendered":"Triff das Leben, wo es ist"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Lioba Schneemann<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDas Leben findet im Jetzt statt. Wir handeln und denken weder im Gestern noch im Morgen. Darum der Rat: Sei da, wo du eh schon bist. Wer dies t\u00e4glich \u00fcbt, wird dauerhaft gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Der Mensch will gl\u00fccklich sein. Das ist das h\u00f6chste Ziel eines jeden, egal ob reich oder arm, schwarz oder weiss, klein oder gross<i>.<\/i>\u00a0Die Gl\u00fccksformel, die uns spirituelle Lehrer seit Jahrtausenden raten, t\u00f6nt banal: Lebe im Jetzt. Denn das ist die Grundlage allen Gl\u00fccks. Dann gewinnst du die totale Freiheit.<br \/>\n\u00abWir m\u00fcssen lernen dort zu sein, wo das Leben stattfindet. Und das ist genau hier. Das \u00abJetzt\u00bb ist der einzige Moment, den wir haben. Er ist so fl\u00fcchtig und doch so kostbar. Deshalb sollten wir ihm unsere volle Aufmerksamkeit schenken\u00bb, betont Fred von Allmen, buddhistischer Meditationslehrer und Buchautor.<br \/>\nDas Dasein bestehe aus einzelnen Momenten, einem Bruchteil von Zeit. \u00abEs ist eine sehr feine Linie, zwischen der Vergangenheit, die restlos verschwunden ist und einer Zukunft, die noch nicht begonnen hat.\u00bb Diese Linie sei so fein, dass wir sie kaum wahrnehmen. Die Frage sei nur: K\u00f6nnen wir uns dieser Tatsache \u00f6ffnen?<\/p>\n<p><b>Die Zukunft gibt es nicht<br \/>\n<\/b><br \/>\nIm Moment leben, achtsam sein, ist ein alte Weisheit. Nun wird, gl\u00fccklicherweise, dieses Wissen wieder neu \u00abentdeckt\u00bb. So schrieb schon der Mystiker Meister Eckhart: Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegen\u00fcbersteht, das notwendigste Werk ist stets die Liebe.<br \/>\nDer Weg zum Lebensgl\u00fcck t\u00f6nt so simpel, dass man es kaum glauben mag. Wie schwer es jedoch f\u00e4llt, im gegenw\u00e4rtigen Moment zu verweilen \u2013 ohne zu urteilen, ohne sich in Gedanken oder einer T\u00e4tigkeit zu verlieren und ohne sich abzulenken \u2013 kann jeder sofort ausprobieren.<br \/>\nSetzen Sie sich auf einen Stuhl und schliessen Sie die Augen. Achten Sie f\u00fcr einige Minuten nur auf ihren Atem. Sp\u00fcren Sie, wie er kommt und geht, ein kalter Luftzug in der Kehle, das Auf und Ab der Bauchdecke. Lassen Sie aufkommende Gedanken, Bilder, Empfindungen kommen und gehen, lassen Sie sie wie Wolken am Himmel vorbeiziehen.<br \/>\nHand auf\u2019s Herz \u2013 wie lange schaffen Sie das, ohne wieder einem neuen Gedanken nachzuh\u00e4ngen? Eine Sekunde, eine Minute?<br \/>\nDie Arbeit mit dem Atem wird in vielen traditioneller Meditationstechniken ge\u00fcbt. Man schult damit seine Konzentration und die Sammlung des Geistes. Einzig der Atem dient als Anker zum Zur\u00fcckkommen ins Jetzt.<br \/>\nWarum f\u00e4llt das nur so schwer? Unser Geist schl\u00e4gt seine Kapriolen, genannt \u00abDenken\u00bb. Es geht zu wie in einem Affengehege, laut und gesch\u00e4ftig. Fortlaufend will sich der Geist Erinnern, Planen, W\u00fcnschen, Bewerten. Dies verursacht jedoch unser ganzes Leiden.<br \/>\nEckhart Tolle, bekannter Fachmann des \u00abJetzt\u00bb, r\u00e4t uns darum, der Vergangenheit und Zukunft nur kurze Besuche abzustatten, nur soweit, wie es die praktischen Dinge des Lebens erfordern. Das dauernde Erschaffen der Zeit sei menschlicher Wahnsinn. Man k\u00f6nne nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben, denn sie existiere gar nicht: Nichts ist je in der Vergangenheit geschehen \u2013 es geschah im Jetzt. Nichts wird je in der Zukunft geschehen, es wird im Jetzt geschehen.<br \/>\nKlar formuliert Tolle diese Tatsachen: \u00abWas du mit Vergangenheit bezeichnest, ist eine in deinem Verstand aufbewahrte Erinnerung an das fr\u00fchere Jetzt. Die Zukunft ist eine Projektion des Verstandes.\u00bb<\/p>\n<p><b>Denken \u2013 eine Illusion<br \/>\n<\/b><br \/>\nDenken ist nicht schlecht. Kein spiritueller Lehrer r\u00e4t dazu, den Versuch zu unternehmen, es abzustellen. Unser Gedankenstrom reisst uns jedoch mehr mit, als wir es wahrhaben wollen. Und wir glauben irrwitzigerweise, wir h\u00e4tten unser Denken unter Kontrolle. \u00abDie Gedanken denken uns\u00bb, stellt vielmehr Eckhart Tolle fest.<br \/>\nDass wir in der Lage sind, etwas zu tun, dabei an etwas ganz anderes zu denken, ist zwar ein grosser Vorteil. Dadurch sind wir sehr effizient. Wir k\u00f6nnen Szenarien entwickeln, Gefahren erkennen, in Varianten denken, uns um etwas sorgen und gezielt planen. \u00abWeil wir st\u00e4ndig mit Denken besch\u00e4ftigt sind, laufen wir aber Gefahr, nicht mehr wahrzunehmen, was gerade geschieht\u00bb, erkl\u00e4rt Stephan Ebner, MBSR-Lehrer in Basel.<br \/>\n\u00abUnd dass wir drei Dinge gleichzeitig machen k\u00f6nnen, wird zunehmend zum Fluch\u00bb.<br \/>\nDie Ereignisse erleben wir also nicht so wie sie sind, sondern werden gefiltert. Gedanken verbinden sich mit Erinnerungen, wir<i>\u00a0<\/i>bewerten und vergleichen. Unsere vorgefertigten Meinungen werden einfach reproduziert. Oder wir projizieren etwas in andere Menschen hinein, das wir zu sehen glauben.<br \/>\nUnsere Energie verpufft im Planen unserer Zukunft oder im Ausmalen, was w\u00e4re, wenn dies oder jenes eintreffen wird. Diese innere Gesch\u00e4ftigkeit artet rasch in Stress und Unruhe aus.<br \/>\nDie Momente des Lebens \u2013 das Leben \u2013 bekommen wir gar nicht mehr richtig mit. So kommt es vor, dass wir bei einem Sonnenuntergang sitzen, aber nach kurzer Zeit des Staunens schon wieder vergleichen, ob der vom letzten Jahr nicht doch sch\u00f6ner war. Und als Tourist befinden wir uns vor lauter \u00abKnipsen\u00bb der Sehensw\u00fcrdigkeit gar nicht richtig am Ort des Geschehens.<br \/>\nWas wir tun k\u00f6nnen, ist, sich von den Gedanken zu distanzieren. Das gelingt, indem wir eine gewisse Beobachterrolle einnehmen, uns innerlich distanzieren. Immer wieder versuchen, im Geiste einen Schritt zur\u00fcckgehen und sich selbst, seine Gedanken, Gef\u00fchle und Empfindungen einfach nur anzuschauen, ohne ihnen Energie zu geben.<br \/>\n<b><br \/>\nDen Anf\u00e4ngergeist schulen<br \/>\n<\/b><br \/>\nDen einzelnen Moment achtsam und ohne zu urteilen wahrnehmen, f\u00fchrt dazu, dass man sich mehr mit sich selber befasst. Man lernt, sich zu sp\u00fcren, wahrzunehmen, was innerlich vor sich geht. Man kann herausfinden, warum man auf etwas in einer bestimmten Art und Weise reagiert und was einen wirklich antreibt. Das hat weitreichende positive Konsequenzen im Umgang mit anderen und mit sich selbst. Nur wer sich kennt, kann seine Grenzen einsch\u00e4tzen, \u00fcberfordert sich nicht und kann auf seine Bed\u00fcrfnisse R\u00fccksicht nehmen, \u00abbrennt nicht aus\u00bb.<br \/>\nIm Alltag sind wir uns unserer Reaktionen oft nur wenig bewusst. Wie w\u00fcrden wir aber reagieren, wenn wir f\u00fchlten, dass hinter unserem N\u00f6rgeln die F\u00fcrsorge um den Sohn steckt und kein diffuser \u00c4rger? Wie s\u00e4he die Diskussion beim Zubett-Gehen zwischen Mutter und Tochter aus, w\u00fcrden beide sich ihrer wahren Beweggr\u00fcnde bewusst sein?<br \/>\nEin achtsamerer Umgang bewahrt uns davor, immer wieder in die gleichen Muster zu verfallen. Das meinen spirituelle Lehrer, wenn sie von Freiheit sprechen. Stephan Ebner: \u00abWenn ich achtsam bin, kann ich in schwierigen Situationen freier w\u00e4hlen, wie ich mich verhalten kann. Ich bin nicht mehr in Gedankenschlaufen oder automatischem Reagieren gefangen. Ich kann mich innerlich in positiver Weise ausrichten.\u00bb<\/p>\n<p><b>Jede Sekunde \u00fcben<br \/>\n<\/b><br \/>\nDer Prozess des inneren Wachstums verlangt viel Engagement f\u00fcr sich selbst. Fred von Allmen betont: \u00abEinfach nur im \u00abJetzt\u00bb sein, reicht nicht. Vielmehr muss man lernen und begreifen, wie sein Geist funktioniert, und wie er das eigene Leiden verursacht. Erst dann \u00e4ndert sich wirklich etwas.\u00bb Die Achtsamkeit, so sagte einst Buddha, ist nur soweit gut, wie sie der Erkenntnis dient. Das Ein\u00fcben von Achtsamkeit verlangt stetes Bem\u00fchen, Willen und Disziplin im Alltag. Manchmal sei es aber auch nur eine Frage des Sich-Erinnerns.<br \/>\nAchtsam-Sein \u00fcbt man am einfachsten, indem man beobachtet, in welchen Situationen man unachtsam ist. Und, indem man es vermeidet. Wir sind unachtsam, wenn wir mehrere Dinge gleichzeitig tun oder automatisch, wenn wir vergleichen und bewerten. Wir sind unachtsam, wenn wir Gr\u00fcbeln oder beim Tun bereits gedanklich am Ziel sind.<br \/>\n\u00abDen Anf\u00e4ngergeist schulen\u00bb, r\u00e4t Stephan Ebner. \u00abWenn ich esse, etwas erlebe, als w\u00e4re es das erste Mal, werde ich mit der Zeit gen\u00fcgsamer.\u00bb Einfache Dinge erlebt man zunehmend als erf\u00fcllende Erlebnisse. Die Erwartung auf etwas Neues h\u00e4lt uns wach. Wachsam sind wir auch dann, wenn wir einen \u00abgesunden Respekt vor Unsicherheit\u00bb haben. Viele gehen daf\u00fcr an ihre Grenzen, erklimmen die Eiger-Nordwand oder springen in die Tiefe. Unn\u00f6tig f\u00fcr das Leben im Jetzt. Denn das l\u00e4sst sich jede Sekunde \u00fcben. Jetzt.<\/p>\n<p>\u00a9 2013 Lioba Schneemann \u2013 Dieser Artikel ist zuerst im\u00a0<i>Zeitpunkt 128<\/i>erschienen, Abdruck mit freundlicher Genehmigung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Lioba Schneemann Das Leben findet im Jetzt statt. Wir handeln und denken weder im Gestern noch im Morgen. 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