{"id":956,"date":"2005-01-31T01:36:50","date_gmt":"2005-01-31T00:36:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/deutsch\/?p=956"},"modified":"2018-03-31T01:37:28","modified_gmt":"2018-03-30T23:37:28","slug":"auf-der-suche-nach-dem-sinn-des-lebens-unterwegs-in-hoehere-wirklichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/2005\/01\/31\/auf-der-suche-nach-dem-sinn-des-lebens-unterwegs-in-hoehere-wirklichkeiten\/","title":{"rendered":"Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens: unterwegs in h\u00f6here Wirklichkeiten"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">Mystische Erfahrungen im Alltag \u2013\u00a0vom\u00a0LSD zur holotropen Atmung<br \/>\n<strong>von Reinhard Eichelbeck<br \/>\n<\/strong><br \/>\nUm phantastische Visionen zu erleben, in andere Wirklichkeiten zu schauen und einen tieferen Sinn ihrer Existenz zu erfahren, haben die Menschen sich schon seit Jahrtausenden verschiedener psychoaktiver Drogen bedient \u2013 die wohl potenteste darunter: das LSD. Als Wunderdroge wurde es in den 60er Jahren verherrlicht, in den 70ern dann verteufelt und verboten. Heute wird es nach langj\u00e4hrigem Dornr\u00f6schenschlaf von der Psychologie wiederentdeckt \u2013 w\u00e4hrend sein Entdecker Albert Hofmann gerade seinen hundertsten Geburtstag feiern durfte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Basler Psi-Tage im November 2005 hatte ich die Gelegenheit, einen liebensw\u00fcrdigen alten Herrn kennen zu lernen, \u00fcber 99 Jahre alt, geistig ganz auf der H\u00f6he, und so freundlich und bescheiden, dass man nicht ohne weiteres vermuten w\u00fcrde, dass es sich hier um einen weltber\u00fchmten Wissenschaftler handelt. Es war Dr. Albert Hofmann, ein Schweizer Chemiker, der vor mehr als 60 Jahre die st\u00e4rkste psychoaktive Substanz entwickelt hat, die wir kennen \u2013 das LSD. Im Januar 2006 wurde er hundert Jahre alt, und man feierte seinen Geburtstag mit einer grossen Veranstaltung in Basel, zu der zahlreiche K\u00fcnstler und Wissenschaftler aus aller Welt angereist waren.<br \/>\nAlbert Hofmann ist in Baden aufgewachsen, einem kleinen Ort in der N\u00e4he von Z\u00fcrich, und er hat als Kind viel Zeit in der freien Natur verbracht. Bei einem Waldspaziergang hatte er eines Tages eines jener kosmischen \u00abEinheitserlebnisse\u00bb, die seit Jahrtausenden schon von den Mystikern aller Kulturen immer wieder beschrieben wurden.<br \/>\n\u00abAuf einmal erschien mir alles in einem wunderbaren, neuen Licht\u00bb, erz\u00e4hlte er in einem Interview. \u00abEs ist so schwierig dies in Worte zu fassen. Alles erschien mir wunderbar. Es war ein Erkennen und das Gef\u00fchl bisher blind gewesen zu sein. Dieses Einssein war ein ungeheures Erlebnis, das ich nicht einmal zu erz\u00e4hlen wagte. Ich bewahrte es aber als grossen Schatz in mir. Es gab mir das Gef\u00fchl, dass ich die Wahrheit gesehen habe und die Sicherheit, dass eine wunderbare, ungeheuer tiefe Wirklichkeit hinter dem Alltagserleben existiert. Es ist ein Einssein, ein kosmisches Gef\u00fchl. Das hat mein Leben gepr\u00e4gt. Normalerweise ahnen wir h\u00f6chstens, dass unsere Welt kein Zufallsprodukt sein kann und dass eine geistige Kraft dahinter stehenmuss.\u00bb<br \/>\nUm diese geistige Kraft und die Art und Weise, wie sie unsere Welt gestaltet, besser zu verstehen, beschloss Hofmann, Chemiker zu werden. Er studierte an der ETH Z\u00fcrich, promovierte mit Auszeichnung und ging 1929 als Forschungschemiker zum Schweizer Pharmakonzern Sandoz nach Basel. Bis 1971 war er dort mit der Untersuchung von Heilpflanzen und Pilzen besch\u00e4ftigt und bem\u00fcht, ihre medizinisch wirksamen Bestandteile zu entdecken und zu isolieren. Dass Albert Hofmann dabei das LSD entdeckte, k\u00f6nnte man als einen seltsamen Zufall ansehen \u2013 er selbst allerdings meinte: \u00abIch habe das LSD nicht entdeckt \u2013 das LSD ist zu mir gekommen. Das LSD hat sich gemeldet vorher bei mir, es ist zu mir gekommen, es hat gesagt: vergiss mich nicht, ich bin da.\u00bb<br \/>\nAm Nachmittag des 16. April 1943 arbeitete Dr. Hofmann wie gewohnt in seinem Labor, als er pl\u00f6tzlich \u00abvon einer merkw\u00fcrdigen Unruhe, verbunden mit einem leichten Schwindelgef\u00fchl\u00bb befallen wurde. Er brach seine Arbeit ab und fuhr zur\u00fcck in seine Wohnung.<br \/>\n\u00abZu Hause\u00bb, so schrieb er in einem sp\u00e4teren Bericht, \u00ablegte ich mich nieder und versank in einen nicht unangenehmen rauschartigen Zustand, der sich durch eine \u00e4usserst angeregte Phantasie kennzeichnete. Im D\u00e4mmerzustand bei geschlossenen Augen \u2013 das Tageslicht empfand ich als unangenehm grell \u2013 drangen ohne Unterbruch phantastische Bilder von ausserordentlicher Plastizit\u00e4t und mit intensivem, kaleidoskopartigen Farbenspiel auf mich ein. Nach etwa zwei Stunden verfl\u00fcchtigte sich dieser Zustand.\u00bb<br \/>\nHofmann \u00fcberlegte, was diesen seltsamen Zustand hervorgerufen haben k\u00f6nnte. Er hatte an diesem Nachmittag mit Lysergs\u00e4uredi\u00e4thylamid gearbeitet, einer Substanz, die er f\u00fcnf Jahre zuvor entwickelt hatte. Sein besonderes Interesse galt damals dem Mutterkorn, einem auf Getreide\u00e4hren, insbesondere auf Roggen schmarotzenden Schlauchpilz, der schon seit Jahrhunderten bei der Geburtshilfe eingesetzt wurde, weil er eine wehenf\u00f6rdende und blutstillende Wirkung hatte. 1938 war es ihm gelungen, den Hauptwirkstoff des Mutterkorn, die Lysergs\u00e4ure, zu isolieren und er verband sie dann mit verschiedenen Stoffen, unter anderem mit Di\u00e4thylamin. Er hoffte, dadurch ein Medikament mit kreislaufanregender Wirkung zu bekommen. Als das Lysergs\u00e4uredi\u00e4thylamid \u2013 abgek\u00fcrzt LSD \u2013 dann im Tierversuch getestet wurde, zeigte sich allerdings keine nennenswerte Reaktion, und die scheinbar wirkungslose Substanz verschwand in der Schublade, beziehungsweise im Laborschrank.<br \/>\nF\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter holte Hofmann sie dann, einer \u00abmerkw\u00fcrdigen Ahnung\u00bb folgend, wieder hervor, um weiter damit zu experimentieren. Und weil er an jenem 16. April nur mit dem Lysergs\u00e4uredi\u00e4thylamid gearbeitet hatte, kam er zu der Schlussfolgerung, dass hierin die Ursache f\u00fcr seine seltsamen Gef\u00fchle und Visionen zu finden sei. Um sicher zu gehen entschloss er sich zu eine Selbstversuch, und schluckte drei Tage sp\u00e4ter 0,25 Milligramm \u2013 eine winzige Menge \u2013 aber, wie sp\u00e4tere Erfahrungen zeigten, bereits das zehnfache einer wirksamen Dosis. Und damit begab sich Albert Hofmann, ohne es zu wissen, auf den ersten LSD-Trip der Weltgeschichte. Eine gute halbe Stunde sp\u00e4ter sp\u00fcrte er wieder \u00ableichtes Schwindelgef\u00fchl, Unruhe, Gedanken nur schwer zu konzentrieren, Sehst\u00f6rungen, Lachreiz\u00bb, und er beschloss, nach Hause zu fahren. Da er mit dem Fahrrad gekommen war, bat er vorsichtshalber seine Laborantin, ihn zu begleiten.<br \/>\n\u00abSchon auf dem Heimweg per Rad zeigte sich, dass alle Symptome st\u00e4rker waren, als das erste Mal\u00bb, schrieb Hofmann sp\u00e4ter. \u00abIch hatte bereits gr\u00f6sste M\u00fche, klar zu sprechen und mein Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie ein Bild in einem verkr\u00fcmmten Spiegel. Auch hatte ich das Gef\u00fchl, nicht vom Fleck zu kommen, w\u00e4hrend mir nachher meine Laborantin sagte, dass wir ein scharfes Tempo gefahren seien.\u00bb<br \/>\nZu Hause angekommen verschlechterte sich Hofmanns Zustand zusehends. \u00abAlles im Raum drehte sich, die vertrauten Gegenst\u00e4nde und M\u00f6belst\u00fccke nahmen groteske, meist bedrohliche Formen an. Sie waren in dauernder Bewegung, wie von innerer Unruhe erf\u00fcllt \u2026 Schlimmer als die Verwandlungen der Aussenwelt ins Groteske waren die Ver\u00e4nderungen, die ich in mir selbst, an meinem innersten Wesen, versp\u00fcrte. Alle Anstrengungen meines Willens, den Zerfall der \u00e4usseren Welt und die Aufl\u00f6sung meines Ichs aufzuhalten, schienen vergeblich. Ein D\u00e4mon war in mich eingedrungen und hatte von meinem K\u00f6rper, von meinen Sinnen und meiner Seele Besitz ergriffen. Eine furchtbare Angst, wahnsinnig geworden zu sein, packte mich. Ich war in eine andere Welt geraten, in andere R\u00e4ume, in eine andere Zeit \u2026\u00bb<br \/>\nHofmann rief seinen Hausarzt zur Hilfe, der aber keine besonderen Symptome feststellen konnte, abgesehen von stark erweiterten Pupillen und einem etwas schwachen Puls. Die Diagnose beruhigte Hofmann und sein Zustand besserte sich langsam.<br \/>\n\u00abDer Schrecken wich allm\u00e4hlich und machte einem Gef\u00fchl des Gl\u00fccks und der Dankbarkeit Platz, je mehr normales F\u00fchlen und Denken zur\u00fcckkehrte und die Gewissheit wuchs, dass ich der Gefahr des Wahnsinns endg\u00fcltig entronnen war. Jetzt begann ich allm\u00e4hlich das unerh\u00f6rte Farben- und Formenspiel zu geniessen, das hinter meinen geschlossenen Augen andauerte. Kaleidoskopartig sich ver\u00e4ndernd drangen bunte, phantastische Bilder auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich \u00f6ffnend und schliessend, in Farbfont\u00e4nen zerspr\u00fchend, sich neu ordnend und kreuzend, in st\u00e4ndigem Fluss. Besonders merkw\u00fcrdig war, wie alle akustischen Wahrnehmungen, etwa das Ger\u00e4usch einer T\u00fcrklinke oder eines vorbeifahrenden Autos, sich in optische Empfindungen verwandelten. Jeder Laut erzeugt in Form und Farbe entsprechendes, lebendig wechselndes Bild \u2026\u00bb<br \/>\nErsch\u00f6pft schlief Hofmann schliesslich ein und erwachte, zu seinem eigenen Erstaunen, am n\u00e4chsten Morgen erfrischt und mit klarem Kopf, wenn auch k\u00f6rperlich noch etwas m\u00fcde. Er konnte sich an alle Einzelheiten seines \u00abTrips\u00bb erinnern und f\u00fchlte sich wohl, von irgendwelchen Nachwirkungen, einem Kater oder \u00e4hnlichem versp\u00fcrte er nichts.<br \/>\n\u00abEin Gef\u00fchl von Wohlbehagen und neuem Leben durchstr\u00f6mte mich. Als ich sp\u00e4ter in den Garten hinaustrat, in dem nach einem Fr\u00fchlingsregen nun die Sonne schien, glitzerte und gl\u00e4nzte alles in einem frischen Licht. Die Welt war wie neu erschaffen. Alle meine Sinne schwangen in einem Zustand h\u00f6chster Empfindlichkeit, der noch den ganzen Tag anhielt.\u00bb<br \/>\nAlbert Hofmann hat auch sp\u00e4ter noch einige Male LSD genommen, unter anderem zusammen mit dem Schriftsteller Ernst J\u00fcnger, mit dem er viele Jahre befreundet war. \u00abDie Drogen sind Schl\u00fcssel\u00bb, kommentierte J\u00fcnger seine LSD-Erfahrung. \u00abSie werden freilich nicht mehr erschliessen, als unser Inneres verbirgt. Doch f\u00fchren sie vielleicht in Tiefen, die sonst verriegelt sind.\u00bb<br \/>\nIndem er, vor mehr als 60 Jahren, Lysergs\u00e4ure und Di\u00e4thylamin miteinander verband, hatte Albert Hofmann, ohne es zu wissen und zu wollen, eine der potentesten psychoaktiven Substanzen geschaffen, die wir heute kennen. Und die Folgen waren so weitreichend, dass man sie mit der Erfindung der Antibabypille verglichen, oder die Droge gar als \u00abdas spirituelle \u00c4quivalent der Wasserstoffbombe\u00bb bezeichnet hat. In den ersten Jahren war die Entwicklung allerdings wenig spektakul\u00e4r. Fast zwei Jahrzehnte lang war LSD eine ausschliesslich in der Fachwelt bekannte Substanz.<br \/>\nPsychiater und Psychologen fanden, dass die von Hofmann beschriebenen Symptome grossen \u00c4hnlichkeit mit bekannten Geistesst\u00f6rungen hatten, insbesondere mit der Schizophrenie, und sie ergriffen die M\u00f6glichkeit, mit Hilfe von LSD \u00abexperimentelle Psychosen\u00bb zu erzeugen, um dadurch die abnormen Entgleisungen des menschlichen Geistes besser zu verstehen. Der G\u00f6ttinger Psychiater und Neurologe Hanscarl Leuner beobachtete im Verlauf von f\u00fcnf Jahren \u00fcber tausend Einzelsitzungen, in denen er Versuchspersonen LSD verabreichte, und stellte eine Liste charakteristischer Wirkungen auf. Unter anderem: motorische St\u00f6rungen, wie unsichere Gehweise oder Sprachschwierigkeiten; eine Ver\u00e4nderung der optischen Wahrnehmung bis hin zu Halluzinationen; Ver\u00e4nderungen der K\u00f6rperempfindung, wie Vergr\u00f6sserung oder Verkleinerung der Gliedmassen, gelegentlich auch das Gef\u00fchl, sich ausserhalb des K\u00f6rpers zu befinden; Ver\u00e4nderung des Zeit- und Raumerlebens; Verst\u00e4rkung erotischer und sexueller Empfindungen; und teilweise auch kosmisch-mystische Einheits- oder Erleuchtungsempfindungen. Leuner betrachtete all diese Ph\u00e4nomene etwas eingeengt unter dem psychopathologischen Gesichtspunkt \u2013 er sprach beispielsweise von \u00abLSD-Psychose\u00bb \u2013 aber er erkannte auch, dass alles, was dabei erlebt wurde, \u00abunmittelbaren Bezug zur Pers\u00f6nlichkeit des Berauschten hat und grosse psychotherapeutische Wirkung zeigt.\u00bb<br \/>\n1949 brachte Sandoz das LSD auf den Markt \u2013 in Form kleiner blauer Pillen und unter dem Namen \u00abDelysid\u00bb. Im Beipackzettel wurde darauf hingewiesen, dass es n\u00fctzlich sei \u00abzur seelischen Auflockerung bei analytischer Psychotherapie, insbesondere bei Angst- und Zwangsneurosen\u00bb, sowie f\u00fcr \u00abexperimentelle Untersuchungen \u00fcber das Wesen der Psychosen: Delysid vermittelt dem Arzt im Selbstversuch einen Einblick in die Ideenwelt der Geisteskranken und erm\u00f6glicht durch kurze Modellpsychosen bei normalen Versuchspersonen das Studium pathogenetischer Probleme \u2026\u00bb<br \/>\nOhne dass die \u00d6ffentlichkeit das gross zur Kenntnis nahm, gingen in den 50er Jahren zahlreiche Psychiater und ihre Patienten auf den LSD-Trip. Einer, der davon profitierte, war der Filmschauspieler Cary Grant, der 1959 in einem Interview mit dem amerikanischen Magazin Look bekannte, dass er im Rahmen einer Psychotherapie LSD genommen habe und dadurch zu einem neuen, psychisch gefestigten Menschen geworden sei. Er bezeichnete die LSD-Erfahrung als eine der wichtigsten seines ganzen Lebens, und empfahl allen Politikern, es ebenfalls zu nehmen.<br \/>\nIn den 50er Jahren wurden noch weitere \u00abpsychedelische\u00bb (das heisst: \u00abseelen\u00f6ffnende\u00bb) Drogen entdeckt, oder besser gesagt: wiederentdeckt. Denn diese Substanzen waren zum Teil schon seit Jahrtausenden in Gebrauch. 1953 nahm der englische Schriftsteller Aldous Huxley eine Prise Meskalin, das aus dem mexikanischen Peyotekaktus gewonnen wird, und ganz \u00e4hnliche Wirkungen erzeugt, wie LSD, obwohl es eine andere chemische Struktur hat. Die alten Azteken benutzen es schon vor \u00fcber tausend Jahren, um Kontakt zu ihren \u00abG\u00f6ttern\u00bb aufzunehmen. In seinem Essay \u00abDie Pforten der Wahrnehmung\u00bb beschreibt Huxley eindrucksvoll, wie er unter dem Einfluss der Droge seine Umwelt v\u00f6llig neu entdeckte, und einfache Gegenst\u00e4nde eine geradezu g\u00f6ttliche Qualit\u00e4t bekamen. Die Falten seiner Hose und ein Blumenstrauss wurden f\u00fcr ihn zu einer \u00abApokalypse von Blumen oder Flanell\u00bb und ein Liegestuhl erschien ihm wie das \u00abJ\u00fcngste Gericht\u00bb. Seine Meskalinerfahrung brachte ihn zu der Auffassung, dass unser Gehirn eine Art \u00abReduktionsventil\u00bb ist, das von der unglaublichen Vielfalt kosmischer Erscheinungen, die uns umgeben, nur einen winzigen Bruchteil in unser Bewusstsein gelangen l\u00e4sst. Durch die psychedelischen Drogen, aber auch durch Fasten, Reizentzug oder bestimmte Atem\u00fcbungen, wird die einschr\u00e4nkende Ventilwirkung unseres Gehirns aufgehoben oder zumindest verringert, sodass wir dann die Wirklichkeit so sehen k\u00f6nnen, wie sie wirklich ist. Und er fand, wie zehn Jahre sp\u00e4ter nahezu eine ganze Generation, dass diese Sicht der Dinge unsere Lebensauffassung erheblich ver\u00e4ndert: \u00abWenn wir uns als die alleinigen Erben des Weltalls f\u00fchlen, wenn das Meer in unseren Adern fliesst und die Sterne unsere Schmuckst\u00fccke sind, wenn alle Dinge als unendlich und heilig wahrgenommen werden, welchen Beweggrund k\u00f6nnen wir da zu Begehrlichkeit oder Selbst\u00fcberhebung haben, zu einem Streben nach Macht oder der Sucht nach noch \u00f6deren Formen des Vergn\u00fcgens?\u00bb<br \/>\nEs zeigte sich in diesen Jahren, dass die Erfahrungen verschiedener Menschen mit den psychedelischen Substanzen ganz verschiedenen waren, entsprechend ihrer individuellen Einstellung. W\u00e4hrend Aldous Huxley dem Meskalin ein mystisches Einheitserlebnis verdankte, empfand sein franz\u00f6sischer Kollege Henri Michaux nach Einnahme derselben Droge haupts\u00e4chlich Verwirrung, Leere, Verlorenheit und \u00abkl\u00e4gliche Wunder\u00bb. Ein Professor f\u00fcr asiatische Philosophie und Religion in Oxford, der Huxleys Ansichten ablehnte, lachte auf seinem Meskalin-Trip fast dauernd und hatte keinerlei mystische Erfahrungen. F\u00fcr ihn waren \u00aballe Dinge eins in dem Sinne, dass im H\u00f6hepunkt meines manischen Zustandes alle gleich komisch waren: die Eigenschaft der Komik und Ungereimtheit hatte alle anderen verschlungen.\u00bb Es best\u00e4tigte sich hier wieder einmal, was der Philosoph Paul Feyerabend so formulierte: \u00abEs kommt ganz darauf an, wer das Universum hinterfragt. Fragt ein Materialist, antworten Atome und Quarks. Fragt ein Metaphysiker, antworten ihm die G\u00f6tter.\u00bb<br \/>\n1955 nahm der B\u00f6rsenmakler und Hobbyethnologe Gordon Wasson in Mexiko an einer Zeremonie mit der Schamanin Maria Sabina teil, bei der \u00abheilige Pilze\u00bb verzehrt wurden, die ebenfalls eine psychedelische und dem LSD \u00e4hnliche Wirkung hatten. Dieser Pilzkult, der in den Jahrhunderten nach der spanischen Eroberung im Untergrund lebte, ist vermutlich mehr als 3000 Jahre alt. Die Pilze wurden \u00abTeonanacatl\u00bb genannt \u2013 \u00abg\u00f6ttliches Fleisch\u00bb und in Ritualen verwendet, die dem christlichen Abendmahl gleichen. Diese Pilze geh\u00f6ren zur Gattung Psilocybe, die mindesten 150 Arten umfasst und in der ganzen Welt vorkommt, unter anderem auch in Deutschland. Wasson schickte die Pilze nach Basel, und Albert Hofmann isolierte aus ihnen die wirksamen Substanzen Psilocybin und Psilocin, deren Wirkung dem LSD entspricht, allerdings von k\u00fcrzerer Dauer ist. Als LSD 1966 verboten wurde, brachte Sandoz Psilocybin unter dem Namen \u00abIndocybin\u00bb auf den Markt, und es wurde einige Zeit in der Psychotherapie als LSD-Ersatz eingesetzt, dann aber ebenfalls verboten und vom Markt genommen.<br \/>\nDie 60er Jahre waren die Zeit, in der LSD, ausgehend von den USA, seine gr\u00f6sste Popularit\u00e4t erlangte und Millionen junger Menschen zu aussergew\u00f6hnlichen Erfahrungen und zu einer Weltsicht verhalf, die sich von der ihrer Eltern ganz erheblich unterschied. Der Frust \u00fcber den platten Materialismus ihrer V\u00e4ter, der Drang zu Abenteuern ausserhalb der langweilig-b\u00fcrgerlichen Normalit\u00e4t, die Suche nach einem tieferen Sinn des Lebens als Geld verdienen, Haus bauen und Familie gr\u00fcnden, hatte die Jugend schon Ende der 50er Jahre in Unruhe versetzt. Sie betrachteten die amerikanische Gesellschaft als einen \u00abAmeisenhaufen mit Klimaanlage\u00bb und begannen, alternative Gesellschaftsformen zu erproben, deren Grundlage \u00abLove and Peace\u00bb sein sollte, anstatt Besitzdenken und Konkurrenzkampf. Es entstand das, was man sp\u00e4ter die Hippie-Bewegung nannte. \u00abBewusstseinserweiterung\u00bb war das Schlagwort, und LSD erschien als das ideale Mittel, sie zu erreichen, denn im Gegensatz zu den klassischen Meditationsmethoden wirkte es sofort und ohne lange Vorbereitung: instant ecstasy.<br \/>\nProphet und M\u00e4rtyrer dieser Bewegung wurde Timothy Leary, Professor f\u00fcr klinische Psychologie an der Harvard-Universit\u00e4t. Seine Experimente mit LSD und anderen psychedelischen Drogen vermittelten ihm tief religi\u00f6se Erfahrungen und eine neue Sicht der Dinge, die er mit seinen Studenten teilen wollte. Als sich aus den Testserien regelrechte LSD-Parties entwickelten, wurde Leary von der Universit\u00e4t entlassen. Zusammen mit Gleichgesinnten gr\u00fcndete er die \u00abInternationale Vereinigung f\u00fcr Innere Freiheit\u00bb, und propagierte LSD als \u00abdas Yoga des Westens\u00bb. Sein Slogan \u00abturn on, tune in, drop out\u00bb (\u00abschalt dich an, stimm dich ein, steig aus\u00bb), wurde so etwas wie ein Glaubensbekenntnis der Hippie-Bewegung.<br \/>\nAngef\u00fchrt von den K\u00fcnstlern, Malern und Musikern vor allem, gingen immer mehr Menschen auf die Reise nach Innen, und LSD wurde ihr bevorzugtes Transportmittel. Auch die Beatles nahmen es, \u00e4nderten ihren Stil, ihre Einstellung und ihre Haartracht und setzten dem LSD mit \u00abLucy in the Sky with Diamonds\u00bb ein musikalisches Denkmal. Paul McCartney sagte in einem Interview: \u00abGott ist in allem. Gott ist in dem Raum zwischen uns. Gott ist in dem Tisch vor dir. Gott ist alles und \u00fcberall und jedermann. Rein zuf\u00e4llig ist mir all das durch LSD klar geworden, aber es h\u00e4tte auch durch etwas anderes geschehen k\u00f6nnen. Es ist wirklich nicht wichtig, wie ich darauf gekommen bin \u2013 das Endresultat ist alles, was z\u00e4hlt.\u00bb<br \/>\nDas christliche Establishment war entsetzt \u00fcber solche \u00abunchristlichen\u00bb \u00c4usserungen, die konservativen Politiker waren beunruhigt, weil neben der erstarkenden B\u00fcrgerrechtsbewegung und den Protesten gegen den Vietnamkrieg nun Leute wie Leary den \u00abamerican way of life\u00bb insgesamt radikal in Frage stellten. Leary hatte sogar eine neue \u00abUnabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung\u00bb verfasst, in der es heisst: \u00abWir, gottliebende, friedliebende, lebensliebende, spassliebende M\u00e4nner und Frauen, die wir den obersten Richter des Universums als Zeugen f\u00fcr die Redlichkeit unserer Absichten anrufen, geben daher bekannt und erkl\u00e4ren im Namen und kraft aller f\u00fchlenden Wesen, die sich sanft auf diesem Planeten entwickeln wollen, dass wir frei und unabh\u00e4ngig sind, und dass wir losgesprochen sind von jeder Untertanentreue gegen\u00fcber der Regierung der Vereinigten Staaten und allen Regierungen, die von M\u00e4nnern in den Wechseljahren beherrscht werden \u2026\u00bb<br \/>\nWeil man die wahre Ursache all dieser gesellschaftlichen G\u00e4hrungsprozesse nicht sehen wollte, suchte man nach einem S\u00fcndenbock, und da bot sich das LSD an. F\u00fcr die konservativen Psychiater war es ohnehin nur ein Mittel zur Erzeugung \u00abexperimenteller Psychosen\u00bb gewesen, und es fanden sich gen\u00fcgend promovierte Gegner der Droge, die gerne best\u00e4tigten, das sie aus \u00abwissenschaftlicher\u00bb Sicht h\u00f6chst gef\u00e4hrlich sei und verboten werden m\u00fcsse. 1966 wurde LSD als \u00abSchedule 1\u00bb-Droge mit h\u00f6chstem Missbrauchspotential eingestuft, und Besitz und Anwendung unter Strafe gestellt \u2013 Minimum: zehn Jahre Gef\u00e4ngnis. Obwohl \u00fcber zwanzigj\u00e4hrige Erfahrungen gezeigt hatten, dass LSD \u2013 im Gegensatz zu den \u00abharmlosen und gesellschaftlich akzeptierten Drogen Alkohol und Nikotin\u00bb \u2013 weder s\u00fcchtig macht, noch k\u00f6rperliche Sch\u00e4den verursacht, setzte es auch die UNO wenig sp\u00e4ter auf die Liste der \u00abbesonders gef\u00e4hrlichen Drogen\u00bb \u2013 was theoretisch einem weltweiten Totalverbot von LSD f\u00fcr Therapie, Wissenschaft und Privatkonsum gleichkam.<br \/>\nIn der Praxis allerdings gab es Ausnahmen. Der Psychiater Stanislav Grof beispielsweise leitete noch bis in die 1970er Jahre hinein ein Forschungsprojekt am Spring Grove State Hospital in Maryland, bei dem Krebskranke im Endstadium einer LSD-Therapie unterzogen wurden. Grof, der etwa 4000 Therapiesitzungen mit LSD durchgef\u00fchrt hat, berichtet in seinem Buch \u00abDie Begegnung mit dem Tod\u00bb von verschiedenen Grunderfahrungen, die seine Patienten im Verlauf dieser Sitzungen gemacht haben. Neben dem schon erw\u00e4hnten optisch \u00e4sthetischen Aspekt, den sie gelegentlich als \u00abOrgien des Schauens\u00bb oder \u00abNetzhaut-Zirkus\u00bb bezeichneten, erlebten die Patienten sehr plastische Erinnerungen aus ihrem gegenw\u00e4rtigen Leben. Zum Teil als komplette \u00abLebensr\u00fcckschau\u00bb, wie sie auch aus den sogenannten \u00abNahtoderfahrungen\u00bb bekannt ist, bis hin zu Ereignissen w\u00e4hrend der Geburt oder im Mutterleib, oder sogar Szenen, die sie als Erinnerung an fr\u00fchere Inkarnationen interpretierten. Dar\u00fcber hinaus tauchten auch Bilder von Naturkatastrophen auf, von apokalyptischen Kriegsszenen, mit Folterung, Verst\u00fcmmelung oder Vergewaltigung. Qualvolle Szenen, wo sie zerst\u00fcckelt oder von Ungeheuern verschlungen wurden, Szenen, wie sie in den Schreckensvisionen der Renaissancemaler Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel zu finden sind, kulminierten in einem Todeserlebnis der Patienten, dem dann ein Gef\u00fchl der Befreiung und L\u00e4uterung folgte, oft begleitet von einem warmen, liebevollen Licht, gelegentlich als Vereinigung mit Gott empfunden, und dem Bewusstsein der eigenen Unsterblichkeit. Sie gingen sozusagen \u00abdurch die H\u00f6lle in den Himmel\u00bb.<br \/>\nWenn man Grofs Berichte liest, wird verst\u00e4ndlich, warum etliche, die unvorbereitet, am falschen Ort und ohne kundige Begleitung LSD \u00abeingeworfen\u00bb haben, derart alptraumhafte \u00abbad trips\u00bb erlebten, dass sie psychisch gest\u00f6rt aus dieser Erfahrung hervorgingen. Nicht umsonst betonte Albert Hofmann: \u00abEs ist gef\u00e4hrlich, einfach LSD zu nehmen und zu denken, man werde dann weise. Man ger\u00e4t in eine andere Wirklichkeit, und dies kann sehr erschreckend sein. Deswegen ist die meditative Vorbereitung, die Wahl der richtigen Umgebung und der Begleitpersonen so wichtig, damit dieses andere Erleben integriert werden kann und man nicht erschrickt.\u00bb<br \/>\nStanislav Grof bezeichnete LSD als eine Art \u00abMikroskop oder Teleskop der Psychiatrie\u00bb, und ebenso, wie diese Instrumente den Gegenstand, den sie zeigen, nicht erzeugen, sondern nur sichtbar machen, so erzeugt auch das LSD die psychedelischen Erfahrungen nicht, sondern zieht nur den Vorhang beiseite, der das im eigenen Inneren Vorhandene verbirgt. Man begegnet immer nur sich selbst, wie in einem Spiegel. Aber es ist ein magischer Spiegel, der nicht nur das Sichtbare und Bekannte zeigt, sondern auch das Unsichtbare und Unbekannte: vergessene, verdr\u00e4ngte, verleugnete Aspekte der eigenen Pers\u00f6nlichkeit \u2013 eingebunden in die karmischen Erbteile unserer eigenen kosmischen Vergangenheit, und der aller anderen Lebewesen.<br \/>\nF\u00fcr die Krebskranken, die am Spring-Grove-Projekt teilnahmen, war die LSD-Therapie ausgesprochen hilfreich. Sie konnten sich nicht nur mit ihrer Krankheit abfinden, sondern verloren auch die Angst vor dem Tod, der ihnen ja unmittelbar und unvermeidlich bevorstand. Das Erlebnis von Tod und Wiedergeburt in den LSD-Sitzungen vermittelte ihnen die \u00dcberzeugung, dass ihre Seele unsterblich ist und die zu erwartende Zerst\u00f6rung des K\u00f6rpers \u00fcberleben wird. Trotz des Erfolges wurde das Projekt aber Mitte der 1970er Jahre eingestellt und das LSD endg\u00fcltig aus der Psychotherapie verbannt.<br \/>\nHeute allerdings scheint sich eine \u00c4nderung abzuzeichnen. Eine ganze Reihe von Wissenschaftlern in den USA und in Europa haben Sondergenehmigungen beantragt, um wieder mit LSD arbeiten zu k\u00f6nnen \u2013 und sie auch bekommen. Professor Franz Vollenweider von der Universit\u00e4t Z\u00fcrich untersucht zum Beispiel die Wirkung von LSD auf das Gehirn mit Hilfe der Computertomographie. Und das amerikanische Wissenschaftsmagazin New Scientist schrieb k\u00fcrzlich: \u00abPsychedelic research is back\u00bb \u2013 die Psychedelika-Forschung kommt wieder in Gang.<br \/>\nDass LSD solange ausgegrenzt war, hatte allerdings auch seine guten Seiten. Denn dadurch war man gezwungen, Auswege und Alternativen zu finden. Albert Hofmann und zahlreiche LSD-Therapeuten wie Stanislav Grof und Hanscarl Leuner, ja sogar der LSD-Apostel Timothy Leary, haben immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die kosmisch-mystischen Erfahrungen, die von den psychedelischen Drogen angeregt werden, auch auf andere Weise erreichen lassen \u2013 allerdings mit etwas mehr Aufwand. Zum Beispiel durch ekstatisches Tanzen, asketischen Schlafentzug, Fasten, Reizentzug oder Reiz\u00fcberflutung, konzentrative Meditation, Selbsthypnose oder bestimmte Atemtechniken.<br \/>\nLeuner entwickelte beispielsweise das \u00abkatathyme Bilderleben\u00bb, wo in einer tiefen Entspannung mit Hilfe der eigenen Vorstellungskraft innere Bilder wachgerufen werden, und Grof ersetzte das LSD durch eine besondere Atemtechnik, die er \u00abholotropes Atmen\u00bb nannte. Hierbei werden die auf einer Liege ausgestreckten Klienten dazu angehalten, immer schneller und tiefer zu atmen (\u00abHyperventilation\u00bb). Sie kommen dadurch in einen ver\u00e4nderten Bewusstseinszustand, in dem sie \u00fcber dabei auftauchende Gef\u00fchle und Empfindungen zu inneren Bildern und Erlebnissen gef\u00fchrt werden, die vielleicht weniger intensiv, aber inhaltlich den LSD-Erfahrungen sehr \u00e4hnlich sind. Auch hier finden Kindheitserinnerungen statt, Geburtserlebnisse, Szenen aus fr\u00fcheren Inkarnationen, Todes- und Wiedergeburtsvisionen oder mystische Einheitserlebnisse.<br \/>\nDer genaue Mechanismus ihrer Wirkung ist zwar noch nicht v\u00f6llig aufgekl\u00e4rt, aber man geht heute davon aus, dass die psychedelischen Substanzen in unseren Gehirnstoffwechsel eingreifen und die Konzentration bestimmter Botenstoffe ver\u00e4ndern. LSD hemmt offenbar den Einfluss von Serotonin (wirkt ausgleichend und beruhigend) und verst\u00e4rkt massiv die Konzentration von Noradrenalin (macht wach und aktiviert), und Dopamin (stimuliert Phantasie und Kreativit\u00e4t) im Blut. Auch ohne \u00e4ussere Hilfe k\u00f6nnen wir lernen, diese \u00abk\u00f6rpereigenen Drogen\u00bb selbst zu beeinflussen und die entsprechenden Wirkungen zu erzielen \u2013 durch Meditation, Selbsthypnose oder entsprechende Atemtechnik. Und wenn wir mit offenen Augen, offenem Herzen und kindlichem Gem\u00fct durch die Natur gehen, wird uns die mystische Erfahrung unter Umst\u00e4nden einfach als Geschenk zuteil.<br \/>\nSo wie Albert Hofmann beispielsweise, der, wie eingangs geschildert, das kosmisch-mystische Einheitsgef\u00fchl, das er unter LSD erlebte, bereits als Kind w\u00e4hrend eines Waldspaziergangs erfahren hatte, wodurch ihm klar wurde, \u00abdass unsere Welt kein Zufallsprodukt sein kann und dass eine geistige Kraft dahinterstehen muss.\u00bb<br \/>\nZu dieser Erkenntnis, die auch Paul McCartney meinte, als er sagte: \u00abGott ist alles und \u00fcberall und jedermann\u00bb, f\u00fchren uns aber nicht nur Erleuchtungserlebnisse oder LSD, sondern auch einfache logische \u00dcberlegungen.<br \/>\nWir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass im Kosmos \u2013 worauf schon der Name hinweist \u2013 Ordnung herrscht. Die Atome sind geordnete Gebilde, und auch ihre Beziehung zueinander, wie sie sich im periodischen System der Elemente zeigt, unterliegt einer klar erkennbaren Ordnung. Auch das Sonnensystem ist ein geordnetes Gebilde, in dem die Planeten sich gesetzm\u00e4ssig und berechenbar bewegen, den mathematischen Prinzipien folgend, die von Newton, Kepler und anderen entdeckt wurden.<br \/>\nWenn irgendwo Ordnung herrscht \u2013 das sagt uns sowohl die Logik, wie auch die Erfahrung \u2013 dann gibt es dahinter ein ordnendes Prinzip, das sie erzeugt hat. Das ordnende Prinzip muss aber selbst geordnet sein, denn sonst k\u00f6nnte es keine Ordnung schaffen, und erfordert so selbst wieder ein h\u00f6heres ordnendes Prinzip, dem es seine Ordnung verdankt. Dieses verlangt wieder ein h\u00f6heres ordnendes Prinzip, und dieses auch wieder ein weiteres, und immer so weiter, bis man schliesslich an ein h\u00f6chstes ordnendes Prinzip kommt, das nicht mehr geordnet zu werden braucht, weil es pure Ordnung ist. Als h\u00f6chstes ordnendes Prinzip muss es unendlich sein, denn wenn es nicht unendlich w\u00e4re, w\u00e4re es auch nicht das h\u00f6chste Prinzip, weil dann ja etwas anderes, noch h\u00f6heres nach ihm kommen m\u00fcsste. Wenn es unendlich ist, ist es auch unbegrenzt und hat weder Anfang und Ende \u2013 denn das sind Grenzen: es muss also ewig sein. Es muss auch allgegenw\u00e4rtig sein, denn wenn es irgendwo nicht w\u00e4re, w\u00e4re es nicht mehr unendlich. Wenn es aber ein unendliches, ewiges, allgegenw\u00e4rtiges Prinzip gibt, das aus purer Ordnung besteht, dann heisst das: alles ist geordnet. Es gibt keine Unordnung, kein Chaos im Kosmos, nur Ordnung.<br \/>\nDieses h\u00f6chste Ordnungsprinzip ist identisch mit dem, was wir als h\u00f6chstes Wesen oder Gott bezeichnen. Und das wiederum bedeutet: alles, was auch immer irgendwie irgendwo existiert, ist in Gott, alles ist aus Gott, alles ist g\u00f6ttlich und ein geordneter Teil der g\u00f6ttlichen Ordnung. Elementarteilchen und Atome, Bakterien, Pflanzen Tiere und Menschen, Planeten, Sonnen und Galaxien und vieles andere mehr, was sich jenseits der Materie tummelt.<br \/>\nJeder Mensch, egal ob gross oder klein, dick oder d\u00fcnn, klug oder dumm, sch\u00f6n oder h\u00e4sslich, reich oder arm \u2013 ist ein Aspekt des G\u00f6ttlichen, das sich in diesem Menschen in dieser ganz besonderen Art und Weise zum Ausdruck bringt. Und weil jede Erscheinungsform des Lebens g\u00f6ttlich ist, hat sie das g\u00f6ttliche Recht, so zu sein, wie sie ist, und sich in ihrer ganz eigenen Eigenart zu entfalten. Und darin liegt, meiner Meinung nach, der prim\u00e4re Sinn unseres Lebens. Der Dichter Oscar Wilde schrieb: \u00abZiel unseres Lebens ist Selbstentwicklung. Das eigene Wesen v\u00f6llig zur Entfaltung zu bringen, das ist unsere Bestimmung.\u00bb<br \/>\nJeder Mensch ist in Ordnung so wie er ist und hat ein Recht auf Selbstentfaltung in seinem individuellen Sein. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Individuum, das f\u00fcr sich allein besteht, wie eine Insel im Ozean. Aber wie alle Inseln unter Wasser durch den Meeresboden miteinander verbunden sind, so sind auch alle Menschen unterschwellig miteinander verbunden und Teil eines gr\u00f6sseren Ganzen, in dem jeder seinen Sinn und seine Aufgabe hat. Und nicht nur wir Menschen sind auf diese Weise miteinander verbunden, sondern alle Lebewesen, alles was irgendwo, irgendwie existiert. Und deshalb haben wir nicht nur die Verantwortung f\u00fcr uns selbst, sondern auch f\u00fcr das Ganze \u2013 in dem Masse, wie es durch unser individuelles Wesen bestimmt ist.<br \/>\nWerde was du bist, entfalte, was in dir angelegt ist, wachse, bl\u00fche und verwirkliche dich, deiner Art gem\u00e4ss, so gut du kannst \u2013 das ist das erste und wichtigste Ziel. Danach aber kommt das zweite, das ebenso wichtig ist: spiele deine Rolle im Rahmen des Ganzen, von dem du ein Teil bist, erf\u00fclle deine Aufgabe, leiste deinen Beitrag zu jenem gewaltigen Werk, das wir Evolution nennen oder Sch\u00f6pfung, oder einfach Leben auf der Erde. Denn unser Planet in seiner heutigen Form ist ein Produkt der Lebewesen \u2013 das Ergebnis ihrer Milliarden Jahre langen Arbeit. Aber die Evolution ist noch keineswegs zu Ende, und wir wirken daran mit. Und um hier unsere Aufgabe zu erf\u00fcllen, brauchen wir keine wie auch immer gearteten Drogen uns von aussen zuzuf\u00fchren \u2013 dazu brauchen wir nur uns selbst und das, was von Natur aus in uns steckt. Alles was lebt \u2013 Menschen, Tiere, Pflanzen \u2013 ist miteinander verbunden. Deshalb haben wir nicht nur die Verantwortung f\u00fcr uns selbst, sondern auch f\u00fcr das Ganze, von dem wir ein Teil sind, und das ein Teil von uns ist.<\/p>\n<p><strong>Buchempfehlungen<\/strong><br \/>\nAlbert Hofmann, LSD \u2013 mein Sorgenkind<br \/>\nUlli Olvedi, LSD-Report<br \/>\nStanislav Grof, Geburt, Tod und Transzendenz<br \/>\nStanislav Grof \/ Joan Halifax, Die Begegnung mit dem Tod<br \/>\nTimothy Leary, Politik der Ekstase<br \/>\nBroeckers \/ Liggenstorfer, Albert Hofmann und die Entdeckung des LSD<br \/>\nJosef Zehentbauer, K\u00f6rpereigene Drogen<\/p>\n<p>Reinhard Eichelbeck, geboren am 4 M\u00e4rz 1945, lebt heute als freier Journalist, Schriftsteller und Photograph in der N\u00e4he von M\u00fcnchen.<br \/>\nNach dem Studium der Psychologie, Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft ist er seit 1968 haupts\u00e4chlich als Autor und Regisseur f\u00fcr H\u00f6rfunk und Fernsehen t\u00e4tig. Dabei hat er eine Reihe von H\u00f6rspielen ver\u00f6ffentlicht, und mehr als hundert Fernsehfilme realisiert.<br \/>\nVon 1976 bis 1985 war er festangestellter Fernsehredakteur im Familienprogramm des NDR, wo er zuerst verschiedene Kinder- und Jugendprogramme betreute, sp\u00e4ter dann Dokumentarfilme und Dokumentarserien, darunter \u00abDie Erde, der Himmel und die Dinge dazwischen\u00bb (\u00fcber Psi-Ph\u00e4nomene). 1985 wechselte er in die Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft des ZDF, wo er bis 1987 f\u00fcr die Sendereihe \u00abEinblick\u00bb verantwortlich war.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.reinhard-eichelbeck.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.reinhard-eichelbeck.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mystische Erfahrungen im Alltag \u2013\u00a0vom\u00a0LSD zur holotropen Atmung von Reinhard Eichelbeck Um phantastische Visionen zu erleben, in andere Wirklichkeiten zu schauen und einen tieferen Sinn ihrer Existenz zu erfahren, haben die Menschen sich schon seit Jahrtausenden verschiedener psychoaktiver Drogen bedient \u2013 die wohl potenteste darunter: das LSD. 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