{"id":963,"date":"2004-01-31T01:42:43","date_gmt":"2004-01-31T00:42:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/deutsch\/?p=963"},"modified":"2018-03-31T01:56:46","modified_gmt":"2018-03-30T23:56:46","slug":"schweizer-halluzinogene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/2004\/01\/31\/schweizer-halluzinogene\/","title":{"rendered":"Schweizer Halluzinogene"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Nicolas Langlitz<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; Wer hat\u2019s erfunden?<br \/>\n\u2013 Die Schweizer!<br \/>\n\u2013 Wer genau?<br \/>\n\u2013 \u2026<br \/>\n<em> Schweizer Kr\u00e4uterzucker-Werbespot<\/em><\/p>\n<p align=\"justify\">Noch bevor alle Elektroden zur Ableitung meiner Hirnstr\u00f6me angebracht sind, sackt mein Kreislauf weg und ich st\u00fcrze einen tief schwarzen Tunnel hinunter ins Leere. An den W\u00e4nden des Tunnels sehe ich einzelne farbige Flecken und Strukturen. Ich f\u00fchle Entsetzen und vollkommene Ohnmacht.<br \/>\nSo begann meine Feldforschung beim Stamm der Schweizer Halluzinogenforscher. Im Sommer 2005 nahm ich an einem Psilocybin-Experiment der neurowissenschaftlichen Arbeitsgruppe Neuropsychopharmacology and Brain Imaging an der Psychiatrischen Universit\u00e4tsklinik Z\u00fcrich (Burgh\u00f6lzli) teil. Diese von dem Mediziner Franz Vollenweider gegr\u00fcndete Arbeitsgruppe besch\u00e4ftigt sich seit etwa f\u00fcnfzehn Jahren mit der neuropsychopharmakologischen Erforschung der Halluzinogene. Der dort t\u00e4tige amerikanische Forscher Rael Cahn und sein Schweizer Kollege Michael Kometer hatten mich eingeladen, an ihrer Vergleichsstudie zu den durch Psilocybin und Meditation verursachten Hirnstromver\u00e4nderungen teilzunehmen. Bei ihren Untersuchungen geht es um die elektroenzephalographische Darstellung jener neurophysiologischen Prozesse, die dem subjektiven Erleben im Psilocybinrausch zugrunde liegen. Cahn und Kometer interessieren sich insbesondere f\u00fcr Zust\u00e4nde von Selbstentgrenzung, wie sie auch aus den Beschreibungen mystischer Erfahrungen bekannt sind.<br \/>\nJene erschreckende Episode zu Anfang des Experiments dauerte nur wenige Augenblicke. Die h\u00e4ufig mit Einsetzen der Psilocybinwirkung auftretenden vegetativen Symptome besserten sich bereits nach einem Glas Wasser und die Messung begann, sobald die \u00fcbrigen EEG-Elektroden an meinem Kopf befestigt waren. W\u00e4hrend der Trip in den n\u00e4chsten Stunden seinen Lauf nimmt, sitze ich in einem hohen Ledersessel in einer verdunkelten und schallisolierten Kammer, welche die Experimentatoren durch eine Glasscheibe zu meiner Rechten einsehen k\u00f6nnen. Bei geschlossenen Augen tun sich hohe mit bewegten geometrischen Mustern ausgekleidete H\u00f6hlen vor mir auf. Eigenartige Ger\u00e4usche \u2013 in Schwingung geratenem Wellblech und von weit her kommenden Funkspr\u00fcchen \u00e4hnlich \u2013 schwirren durch den Raum. Was ich wahrnehme, erscheint mir fremdartig \u2013 eher outer space als mein eigenes Innenleben. Bei besonderen Vorkommnissen bin ich gehalten, eine Taste auf dem vor mir stehenden Computer zu dr\u00fccken und das Erlebte \u00fcber die Sprechanlage zu Protokoll zu geben. Sp\u00e4ter w\u00fcrden Cahn und Kometer versuchen, in ihren Aufzeichnungen meiner Hirnstr\u00f6me die Korrelate zu diesen Berichten zu finden. In einem zweiten Teil des Experiments ist eine ganze Batterie neuropsychologischer Tests am Computer zu absolvieren. Auf diese Weise werden substanzinduzierte Ver\u00e4nderungen in der Aufmerksamkeit, im Arbeitsged\u00e4chtnis und in den Wahrnehmungsfunktionen untersucht. In schneller Folge blitzen Bilder auf dem Bildschirm auf, worauf ich mit dem Dr\u00fccken verschiedener Tasten reagieren soll. Es f\u00e4llt mir schwer bei der Sache zu bleiben, ich mache Fehler, f\u00fchle mich \u00fcberfordert. Zudem werde ich immer wieder \u00fcber den Lautsprecher ermahnt, weniger zu blinzeln und die sich in der einen oder anderen Gesichtspartie aufbauende Muskelspannung zu reduzieren, weil beides die EEG-Messung st\u00f6rt. Mystische Erfahrungen mache ich keine. Als ich nach \u00fcberstandenem Experiment im B\u00fcrotrakt mit dem Pharmakologen Felix Hasler ins Gespr\u00e4ch komme, \u00e4ussere ich die Hoffnung, an diesem ersten von insgesamt drei Versuchstagen bereits die Hochdosis erhalten zu haben. Schlimmer kann es doch eigentlich nicht kommen, meine ich, woraufhin Hasler ausruft: \u00abDa w\u00e4re ich mir nicht so sicher! Wir knausern nicht mit der Dosierung. Du bist hier in der Schweiz! Wir haben die Halluzinogene praktisch erfunden!\u00bb Diesen Schweizer Halluzinogenforscher-Machismo aus dem Munde eines Liechtensteiners m\u00f6chte ich zum Anlass nehmen, der Frage nachzugehen: Wie schweizerisch ist die Schweizer Halluzinogenforschung?<\/p>\n<p><strong>Im Epizentrum der globalen Halluzinogenforschung<\/strong><br \/>\nDie Schweiz fungiert gegenw\u00e4rtig als globales Zentrum der humanexperimentellen Halluzinogenforschung. Seit den neunziger Jahren hat sich dort die Arbeit mit diesen Substanzen vor allem in zwei Bereichen abgespielt: Die Schweizer \u00c4rztegesellschaft f\u00fcr Psycholytische Therapie (S\u00c4PT) nutzte zwischen 1988 und 1993 eine dann ausgelaufene Ausnahmebewilligung zur psychotherapeutischen Verwendung verschiedener Halluzinogene. Etwa zur selben Zeit begann Vollenweider damit, sein Labor am Burgh\u00f6lzli aufzubauen. Ich interessiere mich f\u00fcr diese Forschungslandschaft als Wissenschaftsanthropologe. Die Teilnahme an dem Versuch von Cahn und Kometer hatte mir Gelegenheit gegeben, Vollenweiders Arbeitsgruppe kennen zu lernen und von ihren Mitgliedern als vertrauensw\u00fcrdiger Gespr\u00e4chspartner anerkannt zu werden. Seit kurzem praktiziere ich dort, was der Doyen der amerikanischen Kulturanthropologie Clifford Geertz einmal als deep hanging out bezeichnet hat. Ich beobachte die Wissenschaftler bei ihrer t\u00e4glichen Arbeit. Die Entscheidung, Vollenweiders Labor zum Schwerpunkt meiner Feldforschung zu machen, fiel leicht, insofern es vor allem dessen Verdienst ist, dass die Schweiz heute eine herausragende Rolle in der Halluzinogenforschung spielt.<br \/>\nDie etwa zehnk\u00f6pfige, sich \u00fcberwiegend aus M\u00e4nnern zusammensetzende Z\u00fcrcher Arbeitsgruppe verfolgt ausser dem Projekt von Cahn und Kometer gegenw\u00e4rtig noch eine ganze Reihe anderer Projekte mit recht unterschiedlichen Fragestellungen. Um nur einige zu nennen: Der Arzt David Andel verwendet Ketamin zur Modellierung bestimmter Aspekte der Schizophrenie. Er sucht dabei nach Hinweisen darauf, welche Rolle der auf serotonergen Neuronen sitzende 5-HT2A-Rezeptor beim Entstehen der f\u00fcr die Schizophrenie typischen Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen spielt und wie diese durch antipsychotische Medikamente behoben werden k\u00f6nnen. Felix Hasler und der Pharmakopsychologe Boris Quednow stehen im Begriff eine nuklearmedizinische Studie zu beginnen, bei welcher die Dynamik des 5-HT2A-Rezeptors nach dessen Stimulation durch Psilocybin untersucht wird. Hintergrund der Erforschung dieses Mechanismus ist dessen m\u00f6gliche Relevanz f\u00fcr die psychopharmakologische Behandlung von Zwangsst\u00f6rungen mit Psilocybin und \u00e4hnlich wirkenden Stoffen. Ein drittes, sich gegenw\u00e4rtig noch in Planung befindliches Projekt von Erich Studerus soll unter anderem den Einfluss von Psilocybin auf die zur L\u00f6sung von Problemen erforderliche Kreativit\u00e4t pr\u00fcfen1. Was bei dieser Auflistung von Forschungsprojekten auff\u00e4llt, ist das breite Spektrum von Fragestellungen und Hintergrundannahmen bez\u00fcglich der Wirkungen der Halluzinogene. Einmal dient das Psilocybin zur k\u00fcnstlichen Erzeugung schizophrenie\u00e4hnlicher neurokognitiver Defizite in gesunden Versuchspersonen, ein andermal schaut man, ob es bei der Suche nach Probleml\u00f6sungen erfindungsreicher macht. W\u00e4hrend einige Studien auf der in den zwanziger Jahren eingef\u00fchrten Verwendung des Halluzinogenrausches als Modell f\u00fcr Psychosen basieren2, wird das Psilocybin in einer anderen Untersuchung als potentielles Heilmittel gepr\u00fcft (und zwar nicht wie in der psycholytischen Therapie als psychotherapeutisches Hilfsmittel sondern als Pharmakotherapeutikum). Oder es wird in der Hoffnung verabreicht, auf diese Weise etwas \u00fcber die Hirnphysiologie mystischer Erfahrungen zu lernen. Es gibt viel zu sagen \u00fcber die scheinbaren logischen Widerspr\u00fcche zwischen diesen verschiedenen Blickwinkeln und Ans\u00e4tzen. Ebensoviel liesse sich \u00fcber die ihnen gemeinsam zugrunde liegenden Annahmen schreiben. Hier m\u00f6chte ich mich aber mit der Feststellung begn\u00fcgen, dass in keiner anderen \u00fcber Halluzinogene arbeitenden Forschungsgruppe so unterschiedliche Perspektiven zusammenfinden und sich in Form experimenteller Arbeiten materialisieren.<br \/>\nVielfalt provoziert auch Spannungen. Diese lassen sich beinahe t\u00e4glich in Form von freundschaftlichen Sticheleien und ernsthaften, wenn auch h\u00e4ufig mit ironischen Untert\u00f6nen gef\u00fchrten Diskussionen beobachten. Was sich oftmals an unterschiedlichen Bewertungen von Drogenwirkungen manifestiert, sind weltanschauliche Konflikte, die nicht alleine die Halluzinogenforscher entzweien. Da stossen Biologismus (\u00abH\u00f6rt doch auf! Wir sind nichts als sinnentleerte Bioautomaten!\u00bb), Psychoanalyse und Spiritualit\u00e4t oder naturwissenschaftlich-orientierte Schulmedizin und der Glaube an alternative Heilmethoden aufeinander. Diese Diskussionen werden auffallend egalit\u00e4r gef\u00fchrt. Wo es um Werte geht, scheinen die Meinungen von Doktoranden, Forschungsassistenten und Laborleiter gleich viel zu gelten.<br \/>\nIn der in den letzten Jahren im deutschsprachigen Feuilleton gef\u00fchrten Debatte \u00fcber die Neurowissenschaften wurde den Hirnforschern immer wieder von philosophischer Seite vorgeworfen, sie vertr\u00e4ten einen kruden Naturalismus, der den Menschen auf seine Hirnchemie reduziere3. Der britische Soziologe Nikolas Rose hat die im Laufe des 20. Jahrhunderts stattfindende Verinnerlichung eines solchen neurowissenschaftlich gepr\u00e4gten Menschenbildes beschrieben und das aus diesem Prozess hervorgehende Selbstverst\u00e4ndnis mit dem Begriff der neurochemical selves bezeichnet4. Man d\u00fcrfte demzufolge erwarten, dem Prototyp solcher neurochemical selves unter den Forschern in einem neuropsychopharmakologischen Labor zu begegnen. Die Wirklichkeit ist jedoch komplexer \u2013 zumindest im Falle von Vollenweiders Arbeitsgruppe. Franz Vollenweider selbst hat eine orthodoxe freudianische Lehranalyse absolviert und ist der Psychoanalyse nach wie vor zugetan. Auch unter den Doktoranden und Postdocs verbindet sich das neurowissenschaftlich gepr\u00e4gte Selbstbild (das in zahlreichen Wendungen zum Ausdruck kommt: von der Charakterisierung eines Musikst\u00fccks als \u00abserotonerg\u00bb bis zu der Bemerkung, einem Kollegen mit schlecht ausgebildetem Orientierungssinn \u00abhat\u2019s wohl den Hippocampus durchgebraten\u00bb) auf unterschiedliche Weisen mit ganz anderen Perspektiven: von der Psychoanalyse \u00fcber transpersonale Psychologie und Schamanismus bis hin zum Buddhismus. Dabei werden diese patchwork-Identit\u00e4ten, anders als mancher Philosoph meinen k\u00f6nnte, durchaus nicht als widerspruchsvoll erlebt.<br \/>\nWiderspr\u00fcche und Frustrationen entstehen aber sehr wohl in der Auseinandersetzung mit den Anforderungen wissenschaftlicher Forschung. Moderne Wissenschaft ist vor allem durch methodisches Vorgehen gekennzeichnet. Die Methode impliziert ein gegen\u00fcber \u00e4lteren Wahrheitspraktiken neuartiges Verh\u00e4ltnis zwischen Subjekt und Wahrheit. Um an die Wahrheit zu gelangen, bedarf es nicht l\u00e4nger einer ethischen Arbeit am Selbst. Auch dient die Forschung nicht l\u00e4nger der Erkenntnis des einzelnen Forschenden. W\u00e4hrend der antike Philosoph nach der Wahrheit gefragt hat, weil sie direkte Konsequenzen f\u00fcr seine Lebensf\u00fchrung zu haben schien, so sind die in einem Experiment gewonnenen Erkenntnisse f\u00fcr einen Forscher heute selten von Belang f\u00fcr dessen ausserberufliche Existenz. Normalerweise bieten sie nicht einmal umfassende Antworten auf die weiter gefassten Fragen, welche seine Disziplin zu l\u00f6sen versucht. Das Erkenntnissubjekt ist ein \u00fcberindividuelles geworden. Erst wenn man die zahllosen Puzzleteile, welche eine Vielzahl von Forschern \u00fcber Generationen hinweg produziert hat, zusammendenkt, beginnt sich eine bedeutsame Antwort abzuzeichnen. Dem einzelnen Wissenschaftler bleibt diese Befriedigung meistens versagt. 5<br \/>\nNun scheinen die Halluzinogene \u2013 h\u00e4ufiger als andere Psychopharmaka \u2013 Wissenschaftler anzuziehen, die von bestimmten pers\u00f6nlichen als hochgradig bedeutungsvoll erlebten Erfahrungen mit ver\u00e4nderten Wachbewusstseinszust\u00e4nden motiviert sind. Sie gehen in die Psychopharmakologie in der Hoffnung, mit deren Methoden dahinter zu kommen, was es mit diesen Erfahrungen auf sich hat. So sagt Cahn: \u00abIch bin vor allem (nach Z\u00fcrich) gekommen, weil ich mich \u00fcber alles daf\u00fcr interessiert habe, die Werkzeuge der Wissenschaft zu nutzen, um zu sehen, was im Gehirn passiert, wenn jemand das deutliche Gef\u00fchl hat, mit allem eins zu sein. Diese Erfahrung, die ich in meinem eigenen Leben gemacht habe und die als Katalysator daf\u00fcr gedient hat, diese Forschungsrichtung einzuschlagen, war f\u00fcr mich so beeindruckend und real, dass es mir wichtig erschien, sie nicht nur als rein innerliche Erfahrung in Betracht zu ziehen, sondern als Widerspiegelung von etwas Realem, von etwas, das unsere kollektive Realit\u00e4t betrifft.\u00bb F\u00fcr den ein oder anderen mag es sich bei der psychopharmakologischen Forschung auch um eine Kompromissbildung handeln, denn nur in diesem Feld ist der Umgang mit Halluzinogenen nicht nur legal, sondern zudem eine bezahlte und anerkannte berufliche Besch\u00e4ftigung. Aber der Alltag der Halluzinogenforschung besteht nicht darin, \u00fcber die Erforschung ver\u00e4nderter Wachbewusstseinszust\u00e4nde das R\u00e4tsel des menschlichen Bewusstseins zu l\u00f6sen. Stattdessen sind Antr\u00e4ge an Ethikkommissionen zu schreiben und immer wieder nachzubessern, ein ums andere Mal dieselben Messungen im Labor durchzuf\u00fchren und die so produzierten Daten hinterher im B\u00fcro mittels statistischer Methoden auszuwerten. Kommen dabei schliesslich publizierbare Ergebnisse heraus, so stellen diese doch meistens nichts weiter als einen Baustein unter vielen dar, aus denen sich m\u00f6glicherweise irgendwann einmal eine komplexere Theorie entwickeln lassen wird. Die urspr\u00fcnglich motivierenden Sinnerfahrungen und die daraus erwachsenen Fragen bleiben im Wissenschaftsalltag auf der Strecke. Wie der Soziologe Max Weber bereits in einem 1917 gehaltenen Vortrag bemerkte: \u00abWer \u2013 ausser einigen grossen Kindern, wie sie sich gerade in den Naturwissenschaften finden \u2013 glaubt heute noch, dass Erkenntnisse der Astronomie oder der Biologie oder der Physik oder Chemie uns etwas \u00fcber den Sinn der Welt, ja auch nur etwas dar\u00fcber lehren k\u00f6nnten\u00bb?6 Umso h\u00f6her die Erwartungen, mit denen sie das Feld der Neuropsychopharmakologie betreten haben, umso schmerzlicher ist oft das Erwachsenwerden jener \u00abgrossen Kinder\u00bb, denen man \u2013 und das gar nicht selten \u2013 auch in der Halluzinogenforschung begegnet.<br \/>\nWas Vollenweiders Arbeitsgruppe am Burgh\u00f6lzli angeht, so ist bemerkenswert, das viele der dort t\u00e4tigen Wissenschaftler durchaus \u00aberwachsen\u00bb geworden sind, ohne aber \u2013 um im Bild zu bleiben \u2013 die Tr\u00e4ume ihrer \u00abKindheit\u00bb ganz aufgegeben zu haben. Die Fluchtlinien sind dabei ganz unterschiedliche. Hasler verschafft sich die Befriedigung, welche das Verstehen gr\u00f6sserer Zusammenh\u00e4nge bietet, indem er sich auch als Wissenschaftsjournalist bet\u00e4tigt und an einem Multimedia-Projekt arbeitet. Dieses hat verschiedene Umgangsweisen mit ver\u00e4nderten Wachbewusstseinszust\u00e4nden zum Thema, wobei es auf publikumswirksame Vermittlung durch Zusammenschau statt auf wissenschaftliche Analyse abzielt. Cahn meditiert und pflegt so neben seiner wissenschaftlichen Untersuchung von altered states auch einen praktischen Umgang mit diesen. Damit nimmt er ein auf aktiver Arbeit an sich basierendes Selbstverh\u00e4ltnis ein, das dem der Methode beinahe kontr\u00e4r entgegensteht. Studerus hat sich privat mit ver\u00e4nderten Bewusstseinszust\u00e4nden auseinandergesetzt, indem er luzides Tr\u00e4umen erlernt und an schamanistischen Ritualen in S\u00fcdamerika teilgenommen hat, w\u00e4hrend sich sein Arbeitskollege Marco Benz mit der Intention als Kunstfotograf bet\u00e4tigt, dass seine Bilder \u00abzu erweiterten Bewusstseinszust\u00e4nden beitragen, die \u00fcber den Informationsgehalt der Fotografie hinausgehen.\u00bb7 Franz Vollenweider selbst besch\u00e4ftigt sich intensiv mit Bewusstseinsphilosophie und kommt immer wieder auf die Frage zur\u00fcck, wie sich ein so schwierig zu erfassendes Ph\u00e4nomen wie das Bewusstsein mit den Instrumenten der Neurowissenschaften erforschen und wie sich philosophische Reflexionen experimentell operationalisieren lassen. Allerdings st\u00f6sst er dabei immer wieder auf an die Grenzen des experimentell gegenw\u00e4rtig Machbaren: \u00abEs gibt von der Biologie her verschiedene Ans\u00e4tze zur Erforschung des Bewusstseins, die auf dessen Manipulation basieren. Aber das ist sehr schwierig. Es ist einfach, Biophysik zu machen; es ist einfach Neuropharmakologie zu machen. Aber das Bewusstsein einzubinden, das ist schwierig. Aber es ist das, was ich eigentlich sehr gerne machen w\u00fcrde. Deshalb denken wir dar\u00fcber nach, wie wir es besser tun k\u00f6nnten. (\u2026) Unsere Idee war: K\u00f6nnen wir dar\u00fcber etwas mit Hilfe der Halluzinogene lernen?\u00bb Man sieht: Auch wenn sich in der Z\u00fcrcher Arbeitsgruppe niemand mehr der Illusion hingibt, dass die Ergebnisse seiner experimentellen Arbeit massgebliche Konsequenzen f\u00fcr das eigene Dasein haben k\u00f6nnten, werden Wissenschaft und Lebensf\u00fchrung am Burgh\u00f6lzli heute doch nicht so streng voneinander getrennt, wie Weber es seinen deutschen Zuh\u00f6rern 1917 nahe legte.<br \/>\nDieser produktive Umgang mit der von vielen Wissenschaftlern geteilten Unzufriedenheit gegen\u00fcber der wissenschaftlichen Praxis wird nicht zuletzt dadurch erm\u00f6glicht, dass Franz Vollenweider seinen Mitarbeitern den n\u00f6tigen Spielraum l\u00e4sst. Denn auch Vollenweider weiss, dass es noch ein Leben nach der Arbeit gibt. Beides ist in der hochgradig kompetitiven Welt neurowissenschaftlicher Labors nicht ganz selbstverst\u00e4ndlich. Ein St\u00fcck weit mag dies der Schweizer Mentalit\u00e4t geschuldet sein. Doch auch diese wird erst durch strukturelle Bedingungen erm\u00f6glicht. Dass Vollenweiders Labor seine herausragende Stellung in einem harten internationalen Konkurrenzkampf ohne den vielerorts \u00fcblichen Druck auf die Mitarbeiter zu behaupten vermag, liegt nicht zuletzt daran, dass es mit seiner Lokalisation in der Schweiz einen erheblichen Standortvorteil innerhalb der Halluzinogenforschung geniesst.<\/p>\n<p><strong>Der Geist von Basel zwischen Schamanismus und Chemie<\/strong><br \/>\nWie kommt es aber, dass die Schweiz der Halluzinogenforschung so g\u00fcnstige Bedingungen bietet?<br \/>\nBegonnen hat die Erforschung halluzinogener Substanzen unter den Eidgenossen erst mit Albert Hofmanns Entdeckung der psychoaktiven Effekte des Lysergs\u00e4uredi\u00e4thylamids (LSD) im Jahre 1943, d.h. zu einer Zeit, als in den USA und Deutschland schon seit einem halben Jahrhundert Untersuchungen zu Meskalin und anderen Halluzinogenen durchgef\u00fchrt wurden. Nach 1943 setzte in der Schweiz jedoch schon bald eine intensive Forschungst\u00e4tigkeit ein. Die erste breit angelegte klinische Studie zu den physischen und psychischen Effekten des LSD f\u00fchrte Werner Stoll, ein Sohn von Hofmanns Chef, im Jahr 1947 f\u00fcr die Basler Firma Sandoz durch. Es folgte eine Vielzahl weiterer Untersuchungen. 1958 \u2013 lange bevor in derartigen Zusammenh\u00e4ngen von \u00abBiopiraterie\u00bb die Rede sein sollte \u2013 isolierte Hofmann den Wirkstoff Psilocybin aus den in Mexiko im Rahmen von religi\u00f6sen Zeremonien und magischen Heilpraktiken eingenommenen \u00abZauberpilzen\u00bb Psilocybe mexicana. 1960 folgte die Isolierung von Lysergs\u00e4ureamid und Lysergs\u00e4urehydroxy\u00e4thylamid, der Wirkstoffe der ebenfalls in Mexiko verwendeten Ololiuqui-Samen.8 1960 gelang den Schweizern Eugster und M\u00fcller die Isolierung des f\u00fcr die halluzinogene Wirkung des Fliegenpilzes verantwortlichen Muscimol, womit unter anderem am Burgh\u00f6lzli unter der Leitung von Jules Angst experimentiert wurde.9 Die wissenschaftliche Erforschung der Halluzinogene hatte w\u00e4hrend der f\u00fcnfziger Jahre auch in zahlreichen anderen L\u00e4ndern Konjunktur. In der Schweiz etablierte sich vor allem ein an Grundlagenforschung orientierter Forschungsapparat rund um die Schweizer Produkte LSD, Psilocybin und Muscimol (LSD und Psilocybin wurden von Sandoz hergestellt und interessierten Forscher zur Verf\u00fcgung gestellt).<br \/>\nAllgemeine Versch\u00e4rfungen der Arzneimittelregulierungen infolge des Thalidomid-Skandals im Jahre 1961, eine Reihe von Zwischenf\u00e4llen im Zusammenhang mit Halluzinogenen im Besonderen, deren Skandalisierung durch die Medien und die Assoziation dieser Substanzklasse mit der neu entstandenen counterculture, welche \u00fcberkommene Normen und Lebensweisen in Frage stellte, f\u00fchrten dazu, dass der Gebrauch von Halluzinogenen zunehmend unter Druck geriet. Die Politisierung der Forschung wurde von Drogenenthusiasten und -gegnern gleichermassen vorangetrieben \u2013 die einen erhofften sich den pharmakologisch herbeigef\u00fchrten Weltfrieden, die anderen bef\u00fcrchteten den Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung. Ab Mitte der sechziger Jahre kam es zu einer zunehmenden Versch\u00e4rfung der staatlichen Kontrollen und 1971 schliesslich zu einer von den USA forcierten und durch die UNO international geregelten Illegalisierung der Halluzinogene.10<br \/>\nDieser Vereinbarung schloss sich auch die Schweiz an, obwohl sie den Vereinten Nationen erst dreissig Jahre sp\u00e4ter beitreten sollte. Allerdings unterhielt die Schweiz von Anfang an ein gespanntes Verh\u00e4ltnis zu der vor allem von den USA vorangetriebenen Internationalisierung der Drogenpolitik \u2013 was angesichts der Geschichte der Schweizer Aussenpolitik nicht weiter verwundern d\u00fcrfte. Schon die Ratifizierung der internationalen Den Haager Opium-Konvention von 1912 liess sich erst 1925 unter starkem Druck von Seiten des V\u00f6lkerbunds und der USA und nach internationalen Boykottdrohungen gegen den massiven Widerstand der Schweizer pharmazeutischen Industrie durchsetzen11. Bez\u00fcglich der 1961 verabschiedeten Single Convention on Narcotic Drugs, welche die bis heute juristisch massgebliche Diskussionsgrundlage der internationalen Drogenpolitik darstellt, bemerkt der Schweizer Historiker Jakob Tanner: \u00abGenerell kann man sagen, dass die Definitionsmacht der USA, was eine Droge ist und was nicht, sehr entscheidend ist. Gerade die Single Convention von 1961, die fast alle vorhergehenden Vereinbarungen ersetzt oder aufhebt, tr\u00e4gt eine ganz bestimmte Handschrift. Ich denke, dass die Schweiz selber nicht auf die Idee gekommen w\u00e4re die Opiate zu verbieten. Wahrscheinlich h\u00e4tte man das auch weiterhin im Bereich von Arzneimittelverordnungen geregelt, wie man das ja auch vor dem Bet\u00e4ubungsmittelgesetz schon gemacht hat.\u00bb12 Es scheint als habe die Schweiz ihre Neutralit\u00e4t auch gegen\u00fcber der internationalen Drogenpolitik und des von den USA proklamierten War on Drugs bewahren wollen. So gew\u00e4hrte das Land Timothy Leary 1971 politisches Asyl, als dieser von US-Pr\u00e4sident Richard Nixon aufgrund seiner charismatischen Propagierung des Halluzinogenkonsums zum \u00abgef\u00e4hrlichsten Mann Amerikas\u00bb erkl\u00e4rt und in den USA wegen Drogendelikten verfolgt wurde.13<br \/>\nDie Illegalisierung der Halluzinogene ging jedoch in der Schweiz wie anderswo mit einer deutlichen Erschwerung der Forschung einher.14 In den meisten L\u00e4ndern hat dies um 1970 herum zu einem massiven Einbruch der Halluzinogenforschung gef\u00fchrt (wof\u00fcr es \u2013 zumindest im Falle der Modellpsychose-Forschung \u2013 allerdings nicht nur politische, sondern auch wissenschaftliche Gr\u00fcnde gab). In der Schweiz ist die Forschungsaktivit\u00e4t auf diesem Gebiet allerdings weniger drastisch zur\u00fcckgegangen als in anderen Staaten. Ein halbes Dutzend Forscher f\u00fchrte die Halluzinogenforschung dort auch nach dieser Z\u00e4sur fort \u2013 unter anderem am Burgh\u00f6lzli (z.B. Jules Angst und Adolf Dittrich).15<br \/>\nAls Franz Vollenweider um 1990 herum damit begann, dort sein Labor aufzubauen, um die Halluzinogenforschung mit den Mitteln der kognitiven Neurowissenschaften weiterzuf\u00fchren, gab es keine ernsthaften Widerst\u00e4nde \u2013 weder von Seiten der Klinik, in der dieser Forschungszweig bereits auf eine ansehnliche Tradition zur\u00fcckblicken konnte, noch durch das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG).16 Paul Jakob Dietschy, der Beamte, der Vollenweider bis vor kurzem die Zulassungen erteilt hat, hat im Interview dargelegt, dass das BAG Antr\u00e4ge zur \u00abbeschr\u00e4nkten medizinischen Anwendung\u00bb von Halluzinogenen normalerweise bewillige, insofern \u00abder wissenschaftliche Approach gew\u00e4hrleistet ist und wenn neue Resultate oder noch nicht abgekl\u00e4rte Fragen zu beantworten sind\u00bb. Nur in vereinzelten F\u00e4llen sei die Bewilligung verweigert worden.17 Dietschys \u00c4usserungen lassen beinahe einen gewissen Nationalstolz auf die Schweizer Drogenforschung durchscheinen: \u00abBei der internationalen Forschergemeinschaft stossen unsere Versuche mit Heroin oder mit Halluzinogenen auf hohes Interesse ((Paul Jakob Dietschy , Bundesamt f\u00fcr Gesundheit)). Fr\u00fcher waren die Amerikaner hier f\u00fchrend. Ihre Regierung hat dann aber aus politischen \u00dcberlegungen solche Forschungen nicht mehr zugelassen. (Diese Haltung beginnt sich inzwischen wieder etwas zu \u00e4ndern.) Die Schweiz ist deshalb eines der wenigen L\u00e4nder, in denen solche Versuche \u00fcberhaupt m\u00f6glich sind. Was die politische Ebene betrifft, stossen unsere Versuche (auf internationaler Ebene) auf grosse Skepsis, die man zwar nicht \u00f6ffentlich, aber uns gegen\u00fcber in Diskussionen immer wieder formuliert. (\u2026) Im \u00fcbrigen lassen die internationalen Abkommen den Vertragsstaaten (aber) grosse Freir\u00e4ume, was das Verhalten im eigenen Land angeht, solange nicht die Interessen anderer L\u00e4nder direkt betroffen sind. Diesen \u2039Freiraum\u203a gilt es auch f\u00fcr die Schweiz zu nutzen.\u00bb18 Auch der Delegierte f\u00fcr Drogenfragen des Justizdepartements des Kantons Basel-Stadt Thomas Kessler will den Standortvorteil, den die Schweiz der Drogenforschung bietet, verteidigen: \u00abMan muss wahnsinnig aufpassen, dass man die grossen M\u00f6glichkeiten, die in dieser Forschung liegen, nicht mit einem drogenpolitischen Hammerschlag zerschl\u00e4gt. (\u2026) Die Schweiz als Denk- und Forschungsplatz muss darauf achten, dass die Forschungsexperimente nicht in den M\u00fchlen einer plumpen und undifferenzierten Drogenpolitik verschwinden.\u00bb19 Die Schweizer Halluzinogenforschung wird also \u2013 was zumindest aus amerikanischer Perspektive \u00fcberraschen d\u00fcrfte \u2013 von Seiten der Regulierungsbeh\u00f6rden nicht nur toleriert, sondern unterst\u00fctzt. Der Vorteil, der dadurch f\u00fcr diese auch gegen\u00fcber den europ\u00e4ischen Nachbarn entsteht, k\u00f6nnte in den kommenden Jahren noch weiter ausgebaut werden, da die gegenw\u00e4rtig stattfindende Europ\u00e4isierung der Arzneimittelregulierung innerhalb der Europ\u00e4ischen Union m\u00f6glicherweise auch eine weitere Einschr\u00e4nkung der Forschung mit Halluzinogenen in EU-Staaten nach sich ziehen wird.20<br \/>\nDass Forscher und Firmen heute transnational agieren und in einer globalisierten Welt ihren Vorteil in von Ort zu Ort unterschiedlichen gesetzlichen Bedingungen suchen, ist in den letzten Jahren viel diskutiert worden. Das Abwandern von Stammzellforschern in Staaten mit liberaleren Stammzellregelungen und die Verlagerung von beinahe 40% aller von der pharmazeutischen Industrie durchgef\u00fchrten klinischen Studien in L\u00e4nder wie Russland und Indien, die g\u00fcnstigere Konditionen als Europa und die USA bieten, wurde in den Medien immer wieder thematisiert. Eine ganz \u00e4hnliche Entwicklung ist auch in der Halluzinogenforschung zu verzeichnen. Die g\u00fcnstige regulatorische Situation in der Schweiz hat dazu gef\u00fchrt, dass Forschungen und Ressourcen dorthin verlagert werden. So fliesst ein erheblicher Anteil der Gelder des amerikanischen Heffter Research Institute in die Schweiz. Diese Institution wurde 1993 eigens zur F\u00f6rderung der Halluzinogenforschung gegr\u00fcndet und bezieht ihre Finanzmittel von privaten Sponsoren. Diese Mittel werden an durch externe Gutachter evaluierte Antragsteller verteilt. Die von Vollenweider geleitete Z\u00fcrcher Zweigstelle verwendet die von ihr auf diesem Wege eingeworbenen F\u00f6rdergelder zur Finanzierung der Forschungsprojekte von Vollenweiders Arbeitsgruppe.<br \/>\nIn begrenztem Masse gibt es auch einen transnationalen Fluss von menschlichen Ressourcen. Rael Cahn macht beispielsweise einen Ph.D. an der University of California, San Diego, bei dem Pharmakologen Mark Geyer, der die Wirkungen von Halluzinogenen an Tieren erforscht. Da der von Cahn angestrebte Vergleich zwischen Psilocybinwirkung und Meditation sich aber nicht anhand von Tiermodellen anstellen l\u00e4sst und die Bewilligung humanexperimenteller Studien mit Halluzinogenen in den USA ein langwieriges Unterfangen mit ungewissem Ausgang darstellt, ist Cahn zur Durchf\u00fchrung seiner Untersuchungen an Vollenweiders Labor in die Schweiz gewechselt.21<br \/>\nDie Ironie an dem Verh\u00e4ltnis zwischen Amerika und der Schweizer Halluzinogenforschung besteht darin, dass die USA einerseits als jene Macht gesehen werden, die \u2013 zumeist \u00fcber internationale Organisationen \u2013 versucht, die Schweiz in Richtung einer repressiveren Drogenpolitik zu dr\u00e4ngen und die \u00abbeschr\u00e4nkte medizinische Anwendung\u00bb der Halluzinogene in Forschung und Therapie restriktiver zu handhaben.22 Dabei wird die Haltung der Amerikaner als irrational wahrgenommen. So erkl\u00e4rte der ehemalige Forschungsdirektor des Burgh\u00f6lzli Jules Angst: \u00abIn den USA sind die Experimente, die Herr Vollenweider macht, nicht denkbar. Die ethischen Kommissionen akzeptieren das nicht und das ist sehr stark durch Politik beeinflusst. Es ist nicht rational begr\u00fcndet, dass es so gef\u00e4hrlich sein soll. Es beruht auf Gef\u00fchlsmomenten, die irrational gegen die Forschung auf diesem Bereich sind.\u00bb23 Andererseits sind es Amerikaner, die einen Gutteil der Z\u00fcrcher Forschung finanziell erst erm\u00f6glichen. So spielen die USA mehr als jedes andere Land und trotz (oder paradoxerweise gerade wegen) des Schweizer Isolationismus eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung der M\u00f6glichkeitsbedingungen und Begrenzungen der Schweizer Halluzinogenforschung.<br \/>\nOb diese Situation aber so bleibt, ist abzuwarten. Die Bedingungen in den USA haben sich in den letzten Jahren ein St\u00fcck weit zugunsten der Halluzinogenforschung entwickelt, sodass dort neben zahlreichen tierexperimentellen Projekten \u2013 wenn auch in kleinem Rahmen \u2013 auch wieder humanexperimentelle Studien mit Psilocybin und anderen Halluzinogenen zugelassen worden sind. Inzwischen sind sogar Humanversuche mit LSD in Planung \u2013 die ersten seit den siebziger Jahren.<\/p>\n<p><strong>Bewusstseinsver\u00e4ndernde Forschung f\u00fcr die Zukunft<\/strong><br \/>\nEs ist \u00fcblich, die moderne Wissenschaft als universalistisch und apolitisch darzustellen. Demzufolge sollten die oben beschriebenen wissenschaftssoziologischen Rahmenbedingungen die Inhalte der eigentlichen Forschung nicht tangieren. Mit dem Erstarken der biologischen Psychiatrie in den letzten drei Jahrzehnten hat auch die Psychiatrie (als das ansonsten den Humanwissenschaften am n\u00e4chsten stehende Fach der Medizin) vermehrt Anschluss an die in den Naturwissenschaften g\u00fcltigen Standards gesucht und versucht, sich aus ihrer kulturellen Verhaftung zu l\u00f6sen. Die Etablierung von Franz Vollenweiders Arbeitsgruppe Neuropsychopharmacology and Brain Imaging am traditionell eher psychodynamisch orientierten Burgh\u00f6lzli kann als ein f\u00fcr diese Entwicklung repr\u00e4sentativer Schritt verstanden werden. Mit der biologischen Psychiatrie hat sich auch der Gegenstand der Psychiatrie gewandelt: Ansatzpunkt therapeutischer Interventionen und Objekt wissenschaftlicher Forschung ist nicht l\u00e4nger der menschliche Geist, sondern das Gehirn. Dieses wird mit verschiedenen bildgebenden Verfahren sowie quantifizierbaren neuropsychologischen Tests untersucht. Die Konzentration auf basale der Informationsverarbeitung zugrunde liegende neurobiologische Prozesse, die der Mensch mit anderen S\u00e4ugetieren gemein hat, erlaubt es, psychiatrische Forschung auch an Tiermodellen zu treiben. Daraus resultiert ein neues Menschenbild. Der l\u2019homme neuronal (Jean-Pierre Changeux) erscheint durch und durch als Tier \u2013 selbst auf der Ebene des Denkens.<br \/>\nIn den letzten Jahren ist es jedoch zumindest in bestimmten Teilbereichen der Neurowissenschaften, unter anderem in der Bewusstseinsforschung, zu einer Erneuerung des Interesses an Subjektivit\u00e4t gekommen.24 Man ist bem\u00fcht, mit Hilfe bildgebender Verfahren wie der Positronenemissionstomographie (PET) und der funktionalen Magnetresonanztomographie (fMRT) die \u00abneuronalen Korrelate\u00bb subjektiv erfahrener Zust\u00e4nde objektiv darzustellen.25 Derartige Untersuchungen lassen sich nur am Menschen durchf\u00fchren, insofern (andere) Tiere nicht in der Lage sind, \u00fcber ihr Erleben differenziert Auskunft zu erteilen. W\u00e4hrend heute tierexperimentelle Forschung auch mit Halluzinogenen weder in Europa noch in den USA ein Politikum darstellt (abgesehen von der Kritik der Tiersch\u00fctzer nat\u00fcrlich26), sind die Bedingungen f\u00fcr Humanversuche, wie ich oben dargelegt habe, schwieriger. Indem Vollenweider die g\u00fcnstige politisch-administrative Situation in seiner Heimat nutzt, kann er sich humanexperimenteller Ans\u00e4tze aus der neurobiologischen Bewusstseinsforschung bedienen, um halluzinogeninduzierte altered states of consciousness zu untersuchen (als Beispiel hierf\u00fcr kann die eingangs beschriebene Psilocybin-Studie von Cahn dienen).27 Damit verbindet er die in der biologischen Psychiatrie inzwischen etablierten Methoden der Hirnforschung mit den am subjektiven Erleben orientierten Perspektiven der Psychoanalyse und der ph\u00e4nomenologischen Psychiatrie. Mit dem Aufbau seines eigenen Labors hat Vollenweider diesen Ansatz erfolgreich institutionalisieren k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Auseinandersetzung mit durch Drogengebrauch herbeigef\u00fchrten ver\u00e4nderten Wachbewusstseinszust\u00e4nden ist eines der menschheitsgeschichtlich \u00e4ltesten Themen, das Kulturanthropologen und \u2013historiker bei den verschiedensten V\u00f6lkern beschrieben haben. Aus dieser Perspektive liesse sich der Gebrauch von Halluzinogenen im Labor zwecks Erforschung der neurobiologischen Korrelate solcher Erfahrungen als spezifisch moderne Form des Umgangs mit solchen Bewusstseinszust\u00e4nden und den diese ausl\u00f6senden Substanzen verstehen. Zur Beschreibung und Quantifizierung der Erlebnisse der Studienteilnehmer bedient sich Vollenweider zweier standardisierter Frageb\u00f6gen, die ebenfalls am Burgh\u00f6lzli entwickelt wurden: das Ich-Psychopathologie-Inventar von Christian Scharfetter und die Selbstbeurteilungsskala APZ (\u00abAussergew\u00f6hnliche Psychische Zust\u00e4nde\u00bb) von Adolf Dittrich. Mit beiden lassen sich Ver\u00e4nderungen des Ich-Erlebens, etwa die angstvolle Ich-Aufl\u00f6sung auf Horror Trips oder die positiv gef\u00e4rbte mystische Selbstentgrenzung, erfassen und mit regional ver\u00e4nderten Hirnaktivit\u00e4tsmustern in Verbindung bringen.28 Dabei geht Vollenweider davon aus, dass sowohl die radiologisch erfassten Hirnzust\u00e4nde als auch die mit Hilfe der rating scales quantifizierten Erfahrungen kultur\u00fcbergreifende Gegebenheiten sind.29 Die verwendeten Methoden lassen sich auf den Z\u00fcrcher Medizinstudenten ebenso anwenden wie auf einen Schamanen aus der sibirischen Tundra.<br \/>\nDass \u00fcber den Wert der von Vollenweider benutzten Messinstrumente innerhalb seiner scientific community debattiert wird, ist wissenschaftlicher Alltag und an sich nicht weiter bemerkenswert. Interessant ist jedoch, dass die Infragestellung seiner universalistisch formulierten Geltungsanspr\u00fcche in Form von Kulturunterschieden wahrgenommen wird. So erz\u00e4hlt Vollenweider, wie seine amerikanische Kollegin Carol Tamminga auf einem Schizophrenie-Kongress in Santa Fe auf seinen Gebrauch der Ich-Psychopathologie nach Scharfetter und Dittrich mit Unverst\u00e4ndnis reagiert habe. Er f\u00fchrt dieses Missverst\u00e4ndnis darauf zur\u00fcck, dass amerikanische Psychiater in ihrer Ausbildung kaum europ\u00e4ische Psychiatrie mit ihren psychoanalytischen und ph\u00e4nomenologischen Konzeptionen kennen lernen und zu sehr auf die Klassifikationen des von der American Psychiatric Association herausgegebenen Diagnosehandbuchs DSM-IV fixiert sind. Vollenweider grenzt sich aber nicht nur gegen das psychiatrische Establishment in den USA ab sondern auch gegen die esoterischen Tendenzen, die er in der amerikanischen Psychedelica-Szene ausmacht. Er schimpft auf jene Amerikaner, bei denen sich alles um salvation (Erl\u00f6sung) drehe und die den Boden der Empirie l\u00e4ngst verlassen haben und ihr Heil im \u00dcbersinnlichen suchen, zu dem die Halluzinogene ihnen Zugang verschaffen sollen. Wie schon im Falle des War on Drugs erscheinen die Amerikaner \u2013 diesmal allerdings in Gestalt der Drogenenthusiasten statt der Drogengegner \u2013 auch hier als irrational. Damit wird gleichzeitig \u2013 im Umkehrschluss \u2013 die eigene, d.h. schweizerische Haltung gegen\u00fcber Drogen mit dem Vern\u00fcnftigen assoziiert.<br \/>\nDie amerikanische Wissenschaftsanthropologin Sharon Traweek hat anhand zweier Fallstudien zu einem amerikanischen und einem japanischen Hochenergiephysiklabor zu zeigen versucht, dass die dort t\u00e4tigen Wissenschaftler bem\u00fcht sind, die kulturelle Bedingtheit ihrer Arbeit auszublenden.30 Einer solchen culture of no culture begegnet man in Vollenweiders Labor nicht. Es werden durchaus kulturelle Unterschiede zwischen den verschiedenen Positionen im wissenschaftlichen Diskurs wahrgenommen.31 Bei genauerem Nachfragen, worin diese Unterschiede bestehen, erh\u00e4lt man aber zunehmend differenziertere Antworten, welche die anf\u00e4nglich behaupteten plakativen Gegens\u00e4tze immer weiter unterminieren. Zuerst heisst es \u00abdie Amerikaner\u00bb, dann wird zwischen verschiedenen Gruppen unterschieden und schliesslich bleiben nur individuelle Standpunkte (die m\u00f6glicherweise auch noch von Ambivalenzen gepr\u00e4gt sind). Dem so genannten \u00abKultur\u00bb-anthropologen geht es nicht besser, wenn er sich bem\u00fcht, kulturelle Unterschiede auf den Punkt zu bringen. Der Kulturbegriff ist sicherlich keine ad\u00e4quate analytische Kategorie zum Zweck sozialwissenschaftlicher Untersuchungen. Was die Frage nach dem Schweizerischen an der Schweizer Halluzinogenforschung betrifft, habe ich mich deshalb auf die Ebene von \u00abBeobachtungen zweiter Ordnung\u00bb (Niklas Luhmann) zur\u00fcckgezogen. Statt den besonderen Status der Schweizer Halluzinogenforschung mit der schweizerischen \u00abDrogenkultur\u00bb zu erkl\u00e4ren, habe ich mich darauf beschr\u00e4nkt, die in terms von Kultur artikulierten Selbst- und Fremdwahrnehmungen von Schweizer Halluzinogenforschern und mit deren Forschung befassten Regierungsbeamten zu thematisieren.32 Deren Selbstverst\u00e4ndnis tr\u00e4gt sicherlich nicht unwesentlich zu den Entscheidungen der beteiligten Akteure bei. Aus der Summe dieser Entscheidungen ist letztlich das regulatorische Rahmenwerk hervorgegangen, welches die Schweiz zum gegenw\u00e4rtigen Zentrum humanexperimenteller Halluzinogenforschung macht.<\/p>\n<p><strong>Die Schweiz \u2013 eine Insel der Seligen?<\/strong><br \/>\nUm die eingangs begonnene Geschichte \u00fcber den Versuch von Cahn und Kometer noch zu Ende zu erz\u00e4hlen: Am letzten der drei Versuchstage bekomme ich eine niedrigere Dosis Psilocybin verabreicht. Die Erfahrung ist deutlich angenehmer. W\u00e4hrend der Introspektionsphase zu Beginn des Versuchs kommt eine Vielzahl sehr pers\u00f6nlicher Inhalte auf. Es geht um mein Leben, um Menschen, die ich liebe, schliesslich auch darum, was ich hier eigentlich tue \u2013 in einem EEG-Labor in der Schweiz? Aus den lebhaften Bildern, die all diese Gedanken begleiten, kristallisiert sich eine eigenartige Vision heraus: Eine Frau sonnt sich neben ihrem Schild an einem Bergsee. Mir kommt der Gedanke: Das ist die Schweiz. Da liegt sie wie eine Insel der Seligen mitten in Europa. Halluzinationen eines deutschen Anthropologen.<\/p>\n<p>Nicolas Langlitz studierte Medizin und Philosophie in Berlin und Paris. Er hat als Medizinhistoriker \u00fcber den franz\u00f6sischen Psychoanalytiker Jacques Lacan und dessen Praxis der variablen Sitzungsdauer promoviert (Die Zeit der Psychoanalyse. Lacan und das Problem der Sitzungsdauer, Frankfurt am Main 2005). Zur Zeit forscht er im Rahmen des Ph.D.-Programms\u00a0\u00a0Medical Anthropology der Universityof California, Berkeley, \u00fcber die zeitgen\u00f6ssische Halluzinogenforschung. Er ist zudem als associated researcher am Laboratory for the Anthropology of the Contemporary (www.anthropos-lab.net) t\u00e4tig.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><br \/>\n1) Diese Auflistung der aktuell laufenden Projekte von Vollenweiders Arbeitsgruppe ist weder vollst\u00e4ndig noch sind die Projekte in ihrer Vielschichtigkeit angemessen dargestellt. Tats\u00e4chlich ist das Spektrum bearbeiteter Fragestellungen noch breiter. So arbeiten Quednow und Hasler zum Beispiel zus\u00e4tzlich an einer Studie zur Neurotoxizit\u00e4t von Ecstasy. Philipp Csomor untersucht einen grundlegenden Mechanismus neuronaler Informationsverarbeitung (die so genannte prepulse inhibition) bei Gesunden und Schizophrenen. Ren\u00e9e Stadler studiert den Effekt des Neuroleptikums Haldol auf diesen Mechanismus. Dominique Holstein erfasst neuropsychologische und neurophysiologische Parameter bei Patienten mit posttraumatischer Belastungsst\u00f6rung, w\u00e4hrend Michael Villiger eine Testbatterie entwirft, die sich sowohl auf depressive Patienten als auch auf ein Tiermodell f\u00fcr Depression anwenden l\u00e4sst. Der Physiker und Psychotherapeut Gary Schmid arbeitet an einer neuen Auswertungsmethode von PET-Daten.<br \/>\n2) Kurt Beringer, Der Meskalinrausch. Seine Geschichte und Erscheinungsweise, Berlin 1927. Ein Vorl\u00e4ufer zu Beringers Konzeption des \u00abk\u00fcnstlichen Psychosemodells\u00bb findet sich bei Jacques-Joseph Moreau de Tours, Du haschisch et d\u2019ali\u00e9nation mentale: \u00e9tudes psychologiques Paris 1845. Zur Geschichte der Modellpsychosen vgl. auch die Kapitel 10 und 11 in Claudio Vannini und Maurizio Venturini, Halluzinogene. Entwicklung der Forschung, 1938 bis in die Gegenwart. Schwerpunkt Schweiz, Berlin 1999.<br \/>\n3) Vgl. beispielsweise J\u00fcrgen Habermas, Zwischen Naturalismus und Religion. Philosophische Aufs\u00e4tze, Frankfurt a. M. 2005.<br \/>\n4) Nikolas Rose, \u201cNeurochemical Selves\u201d, in: Society 41, Nr. 1, 2003, S. 46-59.<br \/>\n5) Hans Blumenberg, Die Legitimit\u00e4t der Neuzeit, Frankfurt a. M. 1988. Michel Foucault, Hermeneutik des Subjekts: Vorlesung am College de France (1981\/82), Frankfurt a.M. 2004. Max Weber, \u00abWissenschaft als Beruf\u00bb, in: Geistige Arbeit als Beruf. Vier Vortr\u00e4ge vor dem Freistudentischen Bund, M\u00fcnchen 1919, S. 3-37.<br \/>\n6) Weber, \u00bbWissenschaft als Beruf\u00ab, S. 539.<br \/>\n7) Unter Portfolio, Statement of Intent, bei http:\/\/www.mindscapes.ch\/start.html (\u00dcbersetzung \u2013 NL).<br \/>\n8.) Albert Hofmann, LSD \u2013 mein Sorgenkind: Die Entdeckung einer \u00abWunderdroge\u00bb, M\u00fcnchen 1993.<br \/>\n9) Vannini und Venturini, Halluzinogene, S. 41.<br \/>\n10) United Nations, Convention on Psychotropic Substances, 1971.<br \/>\n11) Vannini und Venturini, Halluzinogene, S. 264 f.<br \/>\n12) In: Ebd., S. 266. In den Sechzigern hatte sich auch die Haltung der Wirtschaft gegen\u00fcber den zwanziger Jahren ver\u00e4ndert. Hatte die Basler Chemieindustrie am Anfang des Jahrhunderts noch<br \/>\n13) Pier H\u00e4nni, \u00abTimothy Leary\u2019s Trip durch die Schweiz\u00bb, in: Die berauschte Schweiz, hg. v. Roger Liggenstorfer, Christian R\u00e4tsch und Agnes Tschudin, Solothurn 1998, S. 215-222.<br \/>\n14) Vannini und Venturini, Halluzinogene, S. 285-305.<br \/>\n15) Ebd., S. 259-261.<br \/>\n16) Es ist allerdings anzumerken, dass auch die Gruppe um Leo Hermle, Manfred Spitzer und Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, die bereits 1988 in Freiburg damit begonnen hatte, die Halluzinogenforschung in Deutschland wiederzubeleben, keine Steine in den Weg gelegt bekam. Und das, obwohl es an der Freiburger Universit\u00e4tsklinik keine vergleichbare Tradition der Halluzinogenforschung gab. Gouzoulis-Mayfrank (pers\u00f6nliche Mitteilung).<br \/>\n17) Vannini und Venturini, Halluzinogene, S. 287.<br \/>\n18) Ebd., S. 269.<br \/>\n19) Ebd., S. 274.<br \/>\n20) So Gouzoulis-Mayfrank (pers\u00f6nliche Mitteilung). Dabei ist anzumerken, dass es sich hierbei nicht um Ma\u00dfnahmen handelt, die sich gegen die Halluzinogene im Besonderen richten. Viele dieser Substanzklasse zugeh\u00f6rige Pharmaka sind jedoch nicht ausreichend untersucht, um die von der European Agency for the Evaluation of Medicinal Products (EMEA) aufgestellten und nun in nationale Regelungen \u00fcbersetzten Kriterien der Arzneimittelsicherheit zu erf\u00fcllen.<br \/>\n21) Zuvor hatte bereits die Australierin Olivia Carter von der University of Queensland, St. Lucia (heute an der Universit\u00e4t Harvard t\u00e4tig), ihre Forschungen mit Psilocybin bei Vollenweiders Arbeitsgruppe in der Schweiz durchgef\u00fchrt. Hinzu kommen eine Reihe deutscher Doktoranden und Postdocs.<br \/>\n22) Vannini und Venturini, Halluzinogene, S. 269.<br \/>\n23) Ebd., S. 259.<br \/>\n24) Die Sichtbarmachung und wissenschaftliche Vermessung \u00abpsychischen Lebens\u00bb l\u00e4sst sich aber zumindest bis zum Aufkommen der Experimentalpsychologie in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zur\u00fcckverfolgen. Mit der Entwicklung des EEGs im Deutschland der 1920er Jahre hat man begonnen, die Hirnaktivit\u00e4t in Form von elektrischen Str\u00f6men zu erfassen und mit ihren (vermeintlichen) subjektiven Pendants in Verbindung zu setzen. Vgl. Cornelius Borck, Hirnstr\u00f6me. Eine Kulturgeschichte der Elektroenzephalographie, G\u00f6ttingen 2005.<br \/>\n25) Eine wissenschaftsanthropologische Auseinandersetzung mit dieser Thematik findet sich bei Joseph Dumit, Picturing Personhood: Brain Scans and Biomedical Identity, Princeton 2004.<br \/>\n26) Vgl. Mark Geyer, \u201cWhy Study Hallucinogenic Drugs in Animals?\u201d, in: The Heffter Review of Psychedelic Research 1, 1998, S. 33-38.<br \/>\n27)Vergleichbare Forschungen finden beispielsweise auch in den USA und in Deutschland statt (etwa in Gouzoulis-Mayfranks Arbeitsgruppe \u00abExperimentelle Psychiatrie\u00bb an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln oder an der Medizinischen Hochschule Hannover, wo Torsten Passie gegenw\u00e4rtig eine Psilocybin-Studie durchf\u00fchrt). Aus verschiedenen Gr\u00fcnden (Zulassungsverfahren in den USA, Probandenrekrutierung in Deutschland) sind die Bedingungen in diesen L\u00e4ndern jedoch weniger g\u00fcnstig als in der Schweiz.<br \/>\n28) Franz Vollenweider, \u00abBeziehungen zwischen Hirnaktivit\u00e4tsmustern (PET) und Dimensionen ver\u00e4nderter Bewu\u00dftseinszust\u00e4nde\u00bb, in: Welten des Bewusstseins. Multidisziplin\u00e4re Entw\u00fcrfe, Bd. 7, hg. v. Rolf Verres, Hanscarl Leuner und Adolf Dittrich, Berlin 1998, S. 111-126.<br \/>\n29) Ebd., \u201cRecent Advances and Concepts in the Search for Biological Correlates of Hallucinogen-induced Altered States of Consciousness\u201d in: The Heffter Review of Psychedelic Research 1, 1998, S. 21-32, S. 22. Vollenweider bezieht sich dabei auf Adolf Dittrich, S. von Arx und S. Staub, \u00bbInternational study on altered states of consciousness (ISASC). Summary of the results\u00ab, in: German Journal of Psychology 9, 1985, S. 319-339.<br \/>\n30) Sharon Traweek, Beamtimes and Lifetimes. The World of High Energy Physicists, Cambridge (Mass.) 1988.<br \/>\n31) Zu einem durch kulturanthropologische Kategorien bestimmten Selbstverst\u00e4ndnis von Wissenschaftlern vgl. Stefan Helmreich, \u00bbAfter Culture: Reflections on the Apparition of Anthropology in Artifical Life, a Science of Simulation\u00ab, in: Cultural Anthropology 16, Nr. 4, 2001, S. 612-627.<br \/>\n32) Eine abstraktere, aber ganz \u00e4hnlich verfahrende Beobachtung der Beobachtungen, die wir mit Hilfe des Kulturbegriffs machen, findet sich bei Niklas Luhmann, \u201cKultur als historischer Begriff\u00bb, in: Gesellschaftsstruktur und Semantik, Frankfurt a. M. 1999, S. 31-54. Dirk Baecker, Wozu Kultur?, Berlin 2000.<\/p>\n<p>Aus: Sonderausgabe Gaia Media News<br \/>\n<strong>\u00abLSD \u2013 Sorgenkind und Wunderdroge\u00bb<\/strong><br \/>\nZum gleichnamigen Symposium<br \/>\naus Anlass des 100. Geburtstags von Albert Hofmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Nicolas Langlitz &#8211; Wer hat\u2019s erfunden? \u2013 Die Schweizer! \u2013 Wer genau? \u2013 \u2026 Schweizer Kr\u00e4uterzucker-Werbespot Noch bevor alle Elektroden zur Ableitung meiner Hirnstr\u00f6me angebracht sind, sackt mein Kreislauf weg und ich st\u00fcrze einen tief schwarzen Tunnel hinunter ins Leere. An den W\u00e4nden des Tunnels sehe ich einzelne farbige Flecken und Strukturen. 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