{"id":965,"date":"2003-01-31T01:44:26","date_gmt":"2003-01-31T00:44:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/deutsch\/?p=965"},"modified":"2018-03-31T01:45:43","modified_gmt":"2018-03-30T23:45:43","slug":"der-geist-von-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/2003\/01\/31\/der-geist-von-basel\/","title":{"rendered":"Der Geist von Basel"},"content":{"rendered":"<div class=\"layout-wrapper\">\n<div class=\"content-layout\">\n<div class=\"content-layout-row\">\n<div class=\"layout-cell content\">\n<div id=\"post-3289\" class=\"box post post-3289 post type-post status-publish format-standard hentry category-medien-artikel category-medien\">\n<div class=\"box-body post-body\">\n<div class=\"post-inner article\">\n<div class=\"postcontent\">\n<p><strong>Von Wolf-Dieter Storl<\/strong><\/p>\n<p>Basel erinnert an die heilige Stadt Varanasi, wo die G\u00f6ttin Ganga in der Gestalt des Flusses Ganges, einen Bogen nach Norden macht. Vielleicht ist es wirklich kein Zufall, dass es in Basel war, wo im Zeitalter zunehmender Natur- und Lebensfeindlichkeit, ein Pilz dem Forscher und Naturliebhaber Albert Hofmann ein Mysterium offenbarte: N\u00e4mlich, dass das Universum lebendig, beseelt, heilig, g\u00f6ttlich und voller Wunder ist \u2013 Wunder, die die Grenzen von Raum, Zeit und das \u00e4ngstliche, sich an den allt\u00e4glichen Verstand klammernde Ego sprengen. Basel ist ein Ort der Theophanie, ein Mysterienort, ein Ort der Kraft.<br \/>\nAllein schon die dreifach gegliederte Landschaft, in der die Stadt eingebettet ist, l\u00e4sst das erahnen: Wie ein Yin\/Yang Mandala erhebt sich im S\u00fcden das helle Kalksteingebirge des Jura, und im Norden und Nordwesten die aus Urstein bestehenden H\u00f6hen der Vogesen und des d\u00fcsteren, kalten Schwarzwaldes. Der Rhein, von Osten her westw\u00e4rts str\u00f6mend, wendet sich, die drei Bergregionen von einander trennend, bei Basel nach Norden. Und genau an dieser Biegung, am Rheinknie, trifft der Fluss auf die Burgundische Pforte \u2013 einer geologischen Senke, die den Oberrheingraben mit dem Rhonegraben verbindet und der Stadt und dem angrenzenden Rheintal mit ihren lauen mediterranen Winden ein besonders mildes Klima beschert.<br \/>\nSchon immer galt bei den indoeurop\u00e4ischen V\u00f6lkerschaften \u2013 den vedischen Indern, den Iranern, Slawen, Hellenen, Latinern, Kelten und anderen \u2013 eine derart auffallende Dreigliederung der Landschaft als Zeichen des Numinosen. Das G\u00f6ttliche offenbart sich immer in dreifacher Gestalt. So zum Beispiel in Prayag (Allahabad, Indien), wo die drei heiligen, weiblich beseelten Fl\u00fcsse, der Ganges, die Yamuna und die unsichtbare, \u00e4therische Saraswati, zusammenfliessen. F\u00fcr die Kelten, und wahrscheinlich auch f\u00fcr die vorkeltischen Kulturen, stellte das Gebiet des heutigen Basel ein vergleichbares Allheiligtum dar. Auch hier wurde die Grosse G\u00f6ttin in Flussgestalt verehrt. Als schillernde Riesenschlange, als weisser Wasserdrache, schl\u00e4ngelt sie ihren Weg von Osten, dem Geburtsort der Sonne und des Lebens, her und wendet sich nach Norden, um in den kalten borealen Regionen zu verschwinden. In ihrer jugendlichen Reinheit und Frische ist sie die Weisse G\u00f6ttin des Morgens, des Fr\u00fchlings, des Neubeginns. Die \u00abin Strahlenglanz Geh\u00fcllte\u00bb (kelt. Brigit) verwandelt sich, am Rheinknie, in der Mitte der Welt, in die Rote G\u00f6ttin des Hochsommers, der vollen Lebensbl\u00fcte und der Fruchtbarkeit, um anschliessend als Schwarze G\u00f6ttin des Todes, des Vergehens und Welkens, im n\u00f6rdlichen Nebel zu entschwinden. In dieser Dreiheit stellte die G\u00f6ttin die dynamische Einheit des Lebens dar. In ihr sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Wandel des Mondes zwischen Neumond und Vollmond, der Wandel der Jahreszeiten und alle Lebensstadien enthalten.<br \/>\nDas Rheinknie, insbesondere der M\u00fcnsterh\u00fcgel, der w\u00e4hrend der Bronzezeit ein heiliger Buchenhain war, symbolisierte die Mitte zwischen dem Werden und Vergehen, zwischen der Weissen und der Schwarzen G\u00f6ttin. Hier an diesem Weltmittelpunkt offenbarte sich die Rote G\u00f6ttin, die Kornmutter, deren heilige Pflanze die Kornrade war. Und da das Wasser die Ahnenseelen anschwemmt, badeten hier die Frauen im Fluss um fruchtbar zu werden. (Derungs 2004:86)<\/p>\n<p>Zu dem Sakralkomplex, dessen Nabel der M\u00fcnsterh\u00fcgelfelsen ist, geh\u00f6ren auch drei Berge, die sogenannten Belchen: der Belchen im Schwarzwald (1414 Meter), der Els\u00e4sser Belchen (1247 Meter), den die Franzosen den Ballon d\u2019Alsace nennen, und der Belchen im Schweizer Jura (1123 Meter). Diese bilden ein pythagor\u00e4isches Dreieck mit Basel in der Mitte. Sie sind allesamt nach dem keltischen Sonnengott Belenos benannt. Der Name des Gottes ergibt sich aus dem altindogermanischen Stammwort *bhel und bedeutet \u00abweiss\u00bb, \u00abgl\u00e4nzend\u00bb, etwa wie die Sonne im Lenz, aber auch \u00abwissend\u00bb, etwa wie es die Weisshaarigen sind. *Bhel bedeutet auch \u00abaufschwellen\u00bb, \u00abaufblasen\u00bb, \u00abaufbl\u00fchen\u00bb, \u00abprall sein\u00bb, \u00abmit magischer Macht gef\u00fcllt\u00bb. Dieser Wurzel verdanken wir Worte wie Ball, Ballon, Bolle, Balg; auch Phallos (griechisch = das pralle m\u00e4nnliche Glied) und Bulle, der Stier als archetypischer Begatter und Befruchter der Herde. Der Stier ist das Reittier der grossen zeugenden und \u00fcberzeugenden G\u00f6tter, wie etwa Zeus, Dionysos, Shiva und anderer Himmel-, Sturm- und Sonneng\u00f6tter. Ein weisser Stier versinnbildlicht in indoeurop\u00e4ischen Mythologien das m\u00e4nnliche Prinzip in der Natur, die solare zeugende Kraft. (Storl 2004:23)<br \/>\nIn dem Belchensystem erkennen wir das zur Erd- und Wasserdracheng\u00f6ttin geh\u00f6rende m\u00e4nnliche Prinzip. Belenos besch\u00fctzt den Schoss der G\u00f6ttin und befruchtet ihn. Im Mai (das keltische Fest Beltaine), wenn der phallische Maibaum aufgestellt wird, ist heilige Hochzeit des G\u00f6tterpaares. Denn nun dringt der Sonnenstrahlenphallus tief in die dunklen, k\u00fchlen, empf\u00e4nglichen Wasserfluten. Mit dem ordnenden kosmischen Licht (*bhel) durchdringt er das amorphe, energiegeladene Chaos des Drachenwesens. Die, in dem weissen Licht enthaltenen Bildekr\u00e4fte formen und strukturieren die Natur und verleihen den aufspriessenden Pflanzen ihre wundersch\u00f6nen, harmonisch-geometrischen Gestalten. Die Imagination der segensbringenden Vereinigung des g\u00f6ttlichen Lichtspeers mit dem Wasser der Erd-Wasser-Schlangeng\u00f6ttin lebte in der mittelalterlich christlichen Gralslegende weiter. Im diesem Sinn steht Basel, die \u00abk\u00f6nigliche Stadt\u00bb, im Zentrum des Gralsmysteriums.<br \/>\nBelenos ist identisch mit Apollo (A-Bel). Auch dieser hyperbor\u00e4ische Gott der Antike h\u00fctet mit seinem Lichtspeer die Quellheiligt\u00fcmer \u2013 die Yoni oder Sch\u00f6sse der Erdg\u00f6ttin \u2013 in denen sich das Leben erneuert und aus denen heilendes Wasser \u2013 insbesondere Augenheilwasser \u2013 gesch\u00f6pft wurde. Die Griechen kannten ihn als Schutzherr der ber\u00fchmten Orakelst\u00e4dte zu Delphi, wo der Drache Python das Traumorakel der Gaia bewachte. Dass das Baselbiet eines der alten Heiligt\u00fcmer der Grossen G\u00f6ttin und ihres Sonnengatten ist, anerkannten auch die R\u00f6mer, die in Kaiseraugst (10 km stromaufw\u00e4rts) einen Tempelkomplex zu Ehren Apollos und der G\u00f6ttin Diana (der Dea Ana, der Urg\u00f6ttin) errichteten.<br \/>\nDie drei Belchen bilden, zusammen mit anderen Berggipfeln, wie dem Petit und dem Grand Ballon im Elsass, den Hochblauen in Baden und dem Jura Blauen, ein archaisches astronomisches Kalendersystem. Vom westlichen Els\u00e4sser Belchen aus, lassen sich nicht nur die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen feststellen, sondern alle acht Stationen des megalithisch-keltischen Jahreskreises (\u00abImbolc\u00bb, \u00abBeltaine\u00bb, \u00abLugnasad\u00bb, \u00abSamain\u00bb), sowie n\u00f6rdliche und s\u00fcdliche Mondwenden. Von hier aus gesehen, geht die Sonne am 21. M\u00e4rz und am 23. September direkt \u00fcber dem Schwarzwald-Belchen auf. (Derungs 2004:94)<\/p>\n<p>F\u00fcr die Alemannen, die ab 450 n.u.Z., nach dem Zusammenbruches des r\u00f6mischen Reiches, das Gebiet um Basel besiedeln, blieben die Belchen sowie die Stadt \u2013 deren Name Basilea urkundlich 374 n.u.Z. erw\u00e4hnt wurde \u2013 von besonderer Bedeutung. Die dreifache Diana erschien nun als Ostera (die Weisse Jungfrau), Freya oder Frikka, und, in ihrer Gestalt als die alte Schicksalsfrau, als Hel oder Holle. F\u00fcr die Alemannen wurde in der \u00abNacht der M\u00fctter\u00bb \u2013 wenn die Wintersonnenwendsonne, vom Els\u00e4sser Belchen aus gesehen, direkt \u00fcber der Schweizer Belchenflue aufgeht, \u2013 das Sonnenkind wiedergeboren.<br \/>\nAuch nach der christlichen Missionierung der Alemannen blieb die Bedeutung der Stadt erhalten. Das zeigt sich allein schon darin, dass Basel im Jahr 740 n.u.Z. zur Bischofsstadt erkoren wurde. 1019 n.u.Z. liess der heilig gesprochene Kaiser Heinrich II das M\u00fcnster erbauen. Bis zu einem gewissen Grad bleibt auch hier der astrologisch-kalendrische Bezug erhalten: Am Tag der Sommersonnenwende f\u00e4llt ein Sonnenstrahl in die Krypta. Auch die alten Kultst\u00e4tten rund um Basel, etwa die drei Frauenh\u00fcgel, werden in das neue sakrale Weltbild einbezogen. Sie geh\u00f6ren nun nicht mehr der dreifaltigen G\u00f6ttin oder den drei Bethen, sondern den drei heiligen Jungfrauen, der Margaretha, der Chrischona und der Odilia. In den Schlangenfrauen, weissen Frauen, Hexen, den drei Schwestern und drei Schicksalsfrauen der Sagen, M\u00e4rchen und Legenden, die im Baselbiet, im Elsass und in S\u00fcdbaden erz\u00e4hlt werden, lebt die G\u00f6ttin unerkannt weiter.<br \/>\nAuch der Drachenaspekt lebt in diesen Erz\u00e4hlungen weiter \u2013 etwa im Jura, wo der Drache Vouivre haust oder in Allschwil, wo ein Drache eine Quelle bewacht, oder bei Mariastein, wo einst ein Lindwurm im Drachenloch hauste. Da die Christen jedoch ein eher gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zu den Drachenenergien der Mutter Erde haben, ist es nicht verwunderlich, dass auch bald der heilige Ritter Georg auf dem Plan erscheint und den Drachen aus Basel vertreibt. Der Kampf des eisengeharnischten Ritters gegen das Ungeheuer ist noch heute an der vorderen Aussenwand des Basler M\u00fcnsters nachgebildet. Die Gottheiten und der spiritus loci lassen sich also nicht so leicht verdr\u00e4ngen, immer wieder tauchen sie in verwandelter Gestalt erneut auf \u2013 etwa in der eines Basilisken. Eine Sage erz\u00e4hlt, dass die nach dem Ungarnsturm wiedergekehrten ehemaligen Bewohner beim Wiederaufbau der Stadt auf einen Basilisken stiessen, als sie den Gerberbrunnen ausbauten. Nach diesem Wesen soll die Stadt benannt worden sein.<br \/>\nUnter einem Basilisk (gr. \u00abK\u00f6nig\u00bb) versteht man eine gefl\u00fcgelte Schlange, mit Kopf und Beinen eines Hahns. Nach Plinius d. \u00c4. (Naturalis Historia) hat er Giftz\u00e4hne; sein stinkender, giftiger Atem l\u00e4sst das Gras verd\u00f6rren und kann Pest und Seuche ausl\u00f6sen; sein scharf stechender Blick soll versteinern k\u00f6nnen. Er haust in Brunnensch\u00e4chten oder tiefen Kellern, wo er oft verborgene Sch\u00e4tze h\u00fctet. Wie die ihm verwandte Hydra, kann er nur vernichtet werden, wenn er sich selber im Spiegel sieht. Ein Basilisk entsteht, wenn ein alter, meist schwarzer Hahn ein dotterloses Ei in den Mist legt, dass dann von einer Echse, Kr\u00f6te oder Schlange ausgebr\u00fctet wird. Der Basilisk galt als K\u00f6nig der Schlangen: \u00abRex est serpentum basilicus, sicut diabolus rex est daemoniorum\u00bb schreibt Kirchenvater Augustinus im Sermo II, Opp. IV. (Biedermann 1998:83)<br \/>\nIm Jahr 1440 wird der Basilisk zum Schildhalter des Wappens der Stadt Basel; er wird sozusagen als Torw\u00e4chter und H\u00fcter der Schwelle des Ortes anerkannt. Die Basler Chronik berichtet von einem Gerichtsprozess im Jahre 1474. Angeklagt wurde ein elfj\u00e4hriger Hahn, der, wider die Natur, am Donnerstag vor Laurentii (10. August), ein Ei gelegt habe. Man bef\u00fcrchtete ein Basilisk k\u00f6nnte aus dem Ei schl\u00fcpfen. Der Hahn wurde rechtsm\u00e4ssig abgeurteilt und \u00f6ffentlich enthauptet; das Ei wurde verbrannt.<br \/>\nBasel ist die Stadt der Alchemisten und Freidenker. Erasmus von Rotterdam lebte hier, auch Paracelsus der, als frischgebackener Professor f\u00fcr Medizin, die Schriften der alten galenischen Autorit\u00e4ten im \u00f6ffentlichen Johannisfeuer verbrannte, um neuen astrologisch-alchemistischen Ideen Platz zu verschaffen. Er wurde \u2013 \u00e4hnlich wie Timothy Leary viele Jahre sp\u00e4ter in Harvard \u2013 daf\u00fcr mit Schimpf und Schand verjagt. In den Bildern der Alchemisten symbolisiert der Basilisk den Mercurius. \u00abDiese feurige Wandelsubstanz der Sch\u00f6pfung verspritzt das schreckliche Gift st\u00e4ndig neuer Entfaltungsideen, das selbst st\u00e4rkstes Beharrungsverm\u00f6gen zersetzt. Es bedarf schon eines besonders scharfen Blickes, um in der Welt des steten Wandels zwischen \u00e4usserer Erscheinung und dem, wie sie wirklich ist, klar zu unterscheiden.\u00bb (Zerling\/Bauer 2003:42)<br \/>\nDer Basilisk als Schlangenk\u00f6nig l\u00e4sst auch eine weitere Deutung zu: Es ist wahrscheinlich das alte Reptilienhirn (Hirnstamm und Zwischenhirn), das pal\u00e4ozoologische Erbe in uns, auf die die verschiedenen Sagen und Mythen von gekr\u00f6nten Schlangen \u2013 Haselwurm, Kundalini-Schlange, Shivas Kobras, usw. \u2013 hinweisen. Das Reptilienhirn hat mit Urinstinkten und Reflexen zu tun. Es ist in tiefster Resonanz mit der Umwelt. Wer die Kundalini-Schlange in sich beherrscht, erh\u00e4lt Siddhi-Kr\u00e4fte (Hellsichtigkeit, Levitation, In-andere-K\u00f6rper-Hineingehen und andere magische F\u00e4higkeiten, von denen \u00fcbrigens auch erfahrene Psychonauten sprechen). Wer das Fleisch vom weissen Haselwurm isst, der soll die Sprache der Tiere verstehen, Heilpflanzen erkennen und weissagen k\u00f6nnen. Paracelsus, so die Sage, habe von dieser weissen Schlange gegessen. (Storl 2000:202)<br \/>\nAus den Sudelk\u00fcchen der Basler Alchemisten entstand im Laufe der Zeit eine m\u00e4chtige chemische Industrie \u2013 Ciba-Geigy, Hoffmann-La Roche, Sandoz. Auch hier der giftige Drachenatem. Es war im Labor von Sandoz, wo Meister Alberich mit scharfem Blick und wachem Geist auf die \u00abS\u00e4ure\u00bb stiess, die manch alte verkrustete, versteinerte, mentale Trugbilder und dysfunktionelle kulturelle Konstruktionen aufzul\u00f6sen vermag. Auch hier \u2013 das gel\u00e4uterte \u2013 Drachengift, das die Seele reinigen kann, damit Belenos, mit seinen kosmischen Bildekr\u00e4ften unser Wesen neu und im Einklang mit unserem wahren Selbst gestalten kann.<br \/>\nVerwandt mit dem Basilisk ist auch der\/die Sphinx, ein Mischwesen urspr\u00fcnglich dargestellt mit dem Kopf eines Menschen, dem Leib eines Stiers, den Tatzen eines L\u00f6wen und Fl\u00fcgeln eines Adlers. Es ist ein W\u00e4chter an der Grenze zwischen Leben (Nil-Oase) und Tod (W\u00fcste). Aber der \u00e4gyptische Sphinx ist mehr als das: Der Sphinx von Gizeh verk\u00f6rpert das grosse kosmische Rad, dessen vier Kardinalpunkte im alten \u00c4gypten die Sternzeichen L\u00f6we, Stier, Skorpion (Adler) und Wassermann waren. Die thebische Sphinx war hingegen weiblich und vom Unterweltshund Orthus mit der eigenen Mutter, der Schlangeng\u00f6ttin Echidna, gezeugt worden. \u00dcberall, wo solche Mischwesen auftreten, wie Sphingen, Basiliken oder Drachenschlangen, befinden wir uns an der Pforte eines Mysteriums, oder wie die Kelten es sagten in der \u00abZwischenwelt\u00bb, halb in dieser, halb in jener Welt. Basel ist ein solcher Ort des \u00dcbergangs. Also wird es wohl kein Zufall gewesen sein, dass, nachdem Alberich das alchemistische Geheimnis des Mutterkorns und anderer Pflanzen- und Pilzwesen entziffert hatte, der\/die Sphinx in der Stadt erschien. Sphinx hiess die bahnbrechende Zeitschrift, die ebenfalls \u00abdas schreckliche Gift st\u00e4ndig neuer Entfaltungsideen verspritzte\u00bb und die Botschaft des Haselwurms vermittelte.<br \/>\nDie Landschaft rund um Basel ist voller magischer Geheimnisse: die Ermitage in Arlesheim, Dornach, wo der Okkultist Rudolf Steiner sein Zentrum aufbaute, die Grotte Mariastein, in der tamilische Fl\u00fcchtlinge Mutter Kali anbeten, Pratteln, mit seinem ber\u00fchmten Hexentanzplatz, Rheinfelden und Schw\u00f6rstadt, wo jungsteinzeitliche Gr\u00e4ber gefunden wurden, der Isensteiner Klotz rheinabw\u00e4rts und viele andere, auf die ich im Rahmen dieses kurzen Exkurses nicht weiter eingehen kann.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><br \/>\nBiedermann, Hans. Lexikon der magischen K\u00fcnste, Wiesbaden 1998<br \/>\nDerungs, Kurt. Geheimnisvolles Basel, Grenchen 2004<br \/>\nProbst, Ernst. Deutschland in der Bronzezeit, M\u00fcnchen 1999<br \/>\nStorl, Wolf-Dieter. G\u00f6tterpflanze Bilsenkraut, Solothurn 2004<br \/>\nders. Pflanzen der Kelten, Aarau 2000<br \/>\nZerling, Clemens und Wolfgang Bauer. Lexikon der Tiersymbolik, M\u00fcnchen 2003<\/p>\n<p>Wolf-Dieter Storl, geb. 1942, ist Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Der ehemalige Fulbright Scholar (Universit\u00e4t Bern) lehrte als Dozent an der Kent State University (Ohio), am Institute for International Studies (Wien), am Rogue College (Oregon), am Seminaire pour la Formation de Socio-Therapeutes (Genf), als Gastdozent an der Universit\u00e4t Bern, als Visiting Scholar an der Benares Hindu University, als Lehrbeauftragter am Sheridan College (Wyoming). Verschiedene Studienreisen und ethnographische und ethnobotanische Feldforschungen \u2013 in einer traditionellen Spiritistensiedlung in Ohio, bei alteingesessenen Bauern im Emmental, bei Medizinm\u00e4nnern der Northern Cheyenne, bei Shiva Sadhus in Indien und Nepal \u2013 finden ihren Niederschlag in seinen Artikeln und B\u00fcchern. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem Ein\u00f6dhof im Allg\u00e4u, wo er g\u00e4rtnert und den empirischen wie auch mythologischen Geheimnissen der Heilkr\u00e4uter und Wildpflanzen nachgeht.<\/p>\n<p>Zu seinen wichtigsten Publikationen z\u00e4hlen: Der Kosmos im Garten, Aarau 2001; Pflanzendevas, Aarau 2001; Shiva: der wilde, g\u00fctige Gott, Burgrain 2002 (engl.: Shiva, the Wild, Benevolent God, Rochester, Vermont, 2004); Ich bin ein Teil des Waldes, Stuttgart 2003; Bom Shiva, Solothurn 2003; Pflanzen der Kelten, Aarau 2003; Heilkr\u00e4uter und Zauberpflanzen zwischen Haust\u00fcr und Gartentor, Aarau 2004; Von Heilkr\u00e4utern und Pflanzengottheiten, Bielefeld 2004; Naturrituale, Baden 2004; Hexenmedizin \u2013 Die Wiederentdeckung einer verbotenen Heilkunst \u2013 Schamanische Traditionen in Europa, mit Claudia M\u00fcller-Ebeling, Christian R\u00e4tsch, Aarau 2005, (engl.: Witchcraft Medicine. Rochester, Vermont, 2003); G\u00f6tterpflanze Bilsenkraut, Solothurn 2005; Der B\u00e4r: Krafttier der Schamanen und Heiler, Baden 2005 Mit Pflanzen verbunden, Stuttgart 2005.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolf-Dieter Storl Basel erinnert an die heilige Stadt Varanasi, wo die G\u00f6ttin Ganga in der Gestalt des Flusses Ganges, einen Bogen nach Norden macht. 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