{"id":969,"date":"1999-02-01T01:48:24","date_gmt":"1999-02-01T00:48:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/deutsch\/?p=969"},"modified":"2018-03-31T01:49:53","modified_gmt":"2018-03-30T23:49:53","slug":"im-reich-der-entheogenen-kakteen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gaiamedia.org\/deutsch\/1999\/02\/01\/im-reich-der-entheogenen-kakteen\/","title":{"rendered":"Im Reich der entheogenen Kakteen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Markus Berger<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 gibt es manches zu entdecken. Vieles blieb bislang im Verborgenen, weniges an Wissen zu den psychoaktiven Kakteengew\u00e4chsen wurde wirklich eruiert. So sind beispielsweise viele der geistbewegenden Inhaltsstoffe der meisten Kakteen nicht identifiziert. Ausser den relativ bekannten Peyote (Lophophora williamsii) und San Pedro (Trichocereus pachanoi), und allenfalls Donana (Coryphantha macromeris) sind der gr\u00f6sste Teil der psychotropen Kakteen-Arten dem psychonautischen Volk unbekannt. Dabei gibt es so viele! Es existieren mindestens 70 Gattungen (die zwar oft nicht eindeutig voneinander abgrenzbar, trotzdem von der Wissenschaft unterteilt sind), welche psychotogene Verbindungen beherbergen. Manchmal hochaktive halluzinogene Phenethylamine, wie Meskalin, manchmal aber auch z.B. Koffein (!).<br \/>\nDie entheogenen Kakteen haben, abgesehen von den oben genannten, keine Popularit\u00e4t ausserhalb der rituellen Anwendung indianischer St\u00e4mme erlangt.<\/p>\n<p>\u00abDass Peyotl ritualisiert angewendet wird, ist ganz wichtig. Jene, die es anwenden, sind durch einen Ritus betreut und gesch\u00fctzt, und darum gibt es auch keinen Missbrauch. Wir haben in unserer Gesellschaft keine solchen kulturellen Riten mehr, deshalb sind wir auch viel gef\u00e4hrdeter.\u00bb (VANNINI et VENTURINI 1999: 16)<\/p>\n<p>Allein dreizehn verschiedene Gattungen enthalten Arten, in denen das 2-Phenethylamin Meskalin nachgewiesen wurde:<\/p>\n<p>1. Gymnocalycium spp.<br \/>\n2. Islaya spp.<br \/>\n3. Lophophora spp.<br \/>\n4. Myrtillocactus spp.<br \/>\n5. Opuntia spp.<br \/>\n6. Pelecyphora spp.<br \/>\n7. Pereskia spp.<br \/>\n8. Pereskiopsis spp.<br \/>\n9. Polaskia spp.<br \/>\n10. Pterocereus spp.<br \/>\n11. Stenocereus spp.<br \/>\n12. Stetsonia spp.<br \/>\n13. Trichocereus spp.<\/p>\n<p>Allerdings wurden, und hier beginnt die Schwierigkeit f\u00fcr den Forschenden, einige dieser Gattungen inzwischen nomenklatorisch aufgel\u00f6st und anderen beigeordnet. So gibt es die Gattung Islaya heute nicht mehr, die Arten wurden mittlerweile den Eriosyce spp. zugeteilt. Pterocereus geh\u00f6rt heute zu Pachycereus (auch eine Art, die psychoaktive Inhaltsstoffe aufweist), Trichocereus zu Echinopsis spp.<br \/>\nGl\u00fccklicherweise muss uns die wissenschaftliche Benennung als Anwender nicht sonderlich interessieren. Die meistenArten werden sowieso noch unter ihrem alten Namen verkauft, so wie z.B. auch die Engelstrompete (Brugmansia spp.) bis heute als Datura (also Stechapfel) im Gartenfachhandel angeboten wird. Doch dies nur zur Erl\u00e4uterung, ohne zu weit von den Kakteen abschweifen zu wollen \u2026<br \/>\nIm aktuellen Katalog der deutschen Kaktus-Fachg\u00e4rtnerei HAAGE (Erfurt) bekommt man Trichocereus pachanoi sogar mit Angabe des Trivialnamens \u2018San Pedro\u2019 (Lophophora williamsii \u00fcbrigens auch als \u2018Peyotl\u2019), die Anschaffung gew\u00fcnschter Exemplare ist also nach wie vor kein Problem.<br \/>\nEin echtes Problem allerdings, stellt der Konsum mancher psychotroper Kakteenpflanzen unter nicht-rituellen, uneingeweihten Bedingungen dar. Einige Kakteen, z.B. Ariocarpus, enthalten chemische Zusammensetzungen, die bei unsachgem\u00e4sser Einnahme zu grossen Schwierigkeiten f\u00fchren k\u00f6nnen. Ein Huichol-Schamane beschreibt die Gefahr der Tsuwiri (\u2018gef\u00e4hrlicher Peyote\u2019) genannten Kakteen-Gattung auf geistiger Ebene, also nicht medizinisch-chemisch, sondern rein verstandesgem\u00e4ss:<br \/>\n\u00abWenn man davon isst, wird man verr\u00fcckt; man st\u00fcrzt in die Schluchten, man sieht Skorpione, Schlangen, gef\u00e4hrliche Tiere, man ist unf\u00e4hig zu gehen, man f\u00e4llt, man st\u00fcrzt sich oft zu Tode, indem man von den Felsen f\u00e4llt.\u00bb (R\u00c4TSCH 1998: 68)<\/p>\n<p>Da, wie oben erw\u00e4hnt, die wenigsten entheogenen Kakteen ausreichend erforscht sind, ergeben sich f\u00fcr die Praxis weitere Risikoquellen:<\/p>\n<p>1. Unerfahrene experimentierfreudige Psychonauten (oder auch dumme Kiddies) verwechseln vermeintliche Kakteen mit Arten der sukkulenten Gattung Euphorbia. Euphorbien sind die giftigen Wolfsmilchgew\u00e4chse, deren Milchsaft bei Ber\u00fchrung im Extremfall das Augenlicht kosten kann, und treten in den unterschiedlichsten Formen und Gestalten auf. Verwechslungen sind z.B. leicht zwischen Euphorbia und Astrophytum (Bischofsm\u00fctze) oder auch Trichocereus m\u00f6glich. Obwohl die Gattung Euphorbia nicht zu den Cactaceae (Kakteengew\u00e4chsen) geh\u00f6rt, tragen manche Arten Dornen, die denen vieler Kaktuspflanzen sehr \u00e4hnlich sind. \u00dcbrigens existieren auch psychoaktive Euphorbien, deren wissenschaftliche Analyse und Erforschung allerdings noch weniger weit vorangeschritten ist, als dies schon bei den Kakteen der Fall ist.<\/p>\n<p>2. Meskalin- oder andere Phenethylamin-Kakteen werden \u00fcberdosiert. Im Falle einer Overdose, die beim Meskalin ab einer Menge von 100 Milligramm pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht erwartet werden darf, k\u00f6nnen schwere Lebersch\u00e4den, schlimmstenfalls sogar der Tod durch Ateml\u00e4hmung die Folge sein.<\/p>\n<p>3. Wie bei allen psychedelischen Substanzen kann eine latent vorhandene Psychose aktiviert werden. Das beste Mittel, um einen Meskalin- (und auch Psilocybin- oder LSD-) Trip abzubrechen, ist das Benzodiazepin Diazepam (z.B. Valium\u00ae). Eine Dosis von 10 bis 30 Milligramm hebt die psychedelischen Wirkungen in der Regel rasch auf. Diazepam (und auch seine verwandten Benzodiazepin-Derivate) ist allerdings verschreibungspflichtig und nicht ohne Rezept erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p>Nun soll es aber nicht den Anschein erwecken, der Gebrauch entheogener Kakteen sei ausschliesslich gef\u00e4hrlich. Auf Risiken muss aber unbedingt immer eingegangen werden. Denn nur die Unwissenheit ist eine wirkliche Gefahr.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><br \/>\nBerger, Markus, Die Gattung Ariocarpus, Entheogene Bl\u00e4tter 6\/2002, Berlin<br \/>\nBerger, Markus, Psychoaktive Kakteen \u2013 Mehr \u00fcber 293 Kakteen-Arten aus 72 Gattungen, L\u00f6hrbach 2003<br \/>\nR\u00e4tsch, Christian, Enzyklop\u00e4die der psychoaktiven Pflanzen, Aarau 1998<br \/>\nVannini, Claudio; Venturini, Maurizio, Halluzinogene \u2013 Entwicklung der Forschung, 1938 bis in die Gegenwart Schwerpunkt Schweiz, Herausgegeben von Christian R\u00e4tsch, Berlin 1999<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Markus Berger \u2026 gibt es manches zu entdecken. Vieles blieb bislang im Verborgenen, weniges an Wissen zu den psychoaktiven Kakteengew\u00e4chsen wurde wirklich eruiert. So sind beispielsweise viele der geistbewegenden Inhaltsstoffe der meisten Kakteen nicht identifiziert. 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