Neofeudalismus
Rund um den amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli kommentierten die Medien wochenlang das Dürftige, was durchsickerte über die Hochzeit des Jahres, Jahrzehnts oder Jahrhunderts – Pop-Königin Taylor Swift heiratete Footballstar Travis Kelcey.
T & T, so das neue Markenzeichen, spendeten gemeinsam 26 Millionen Dollar an eine Reihe wohltätiger Institution, was die beiden – in weniger geballten Mengen – sowieso schon regelmässig tun. Sympathisch? Es sind ein Prozent ihres gemeinsamen Vermögens. Biblisch gesehen, und die beide sind laut eigenem Bekunden Christen, hätte es das Zehnfache sein müssen, erst recht zumal dieses Vermögen exponentiell wächst.
Ich glaube nicht, dass Taylor Swift und ihr Mann es nötig haben, ihre Hochzeitsfotos zu vermarkten. Warum sollten sie auch? Aber einen neofeudalen Eindruck macht das Ganze schon: tausend grosse und kleinere Persönlichkeiten in einer der berühmtesten Arenen der Welt, Paul McCartney und Stevie Nicks sowie eine Reihe jüngerer Stars auf der Bühne, ein Wald an Bäumen und Büschen zwecks Redimensionierung von New Yorks abgeriegeltem Madison Square Gardens – im Herzen der Stadt und doch abgeschirmt vor der Aussenwelt. Taylor hat keinen auf Jeff Bezos gemacht. Man munkelt, sie hätte ihrem Hater im Weissen Haus bewusst die Show gestohlen. Seine Parade zum 4. Juli war ein Klacks gegen die Berichterstattung über ihre Vermählung. Vielen New Yorkern dürfte das Spektakel durch eine Fülle von Aufträgen überdies ein hübsches Sümmchen Geld eingebracht haben.
Als Gegenspieler haben wir Elon Musk: eine auf seinem Gebiet ebenfalls talentierte, aber zwiespältige Figur im Vergleich zu den beiden Lichtgestalten Taylor & Travis. Elon Musk möchte seine Satelliten so vernetzen, dass sie von Sonnenenergie genährt werden können. Es ist Nicola Teslas alte Idee von Sonnensegeln im All in neuer Form. Er brauche diese Energie, um auf Mars eine Kolonie gründen zu können. Neofeudalismus, der uns weiterbringt und uns gleichzeitig kontrolliert und beherrscht?
Links haben wir Taylor und Travis als Fackelträger für ein gesundes Verantwortungsbewusstsein gegenüber Gesellschaft und Natur, rechts Elon Musk, den das Schicksal des kleinen Mannes und der Erde nicht gross zu kümmern scheint. Was ist mit dem Mann nur los? Woher kommen diese Ressentiments oder diese Gleichgültigkeit, was hat er gegen uns, dem Volk? Dass es uns gibt? Dass seine Art Umgang mit Ketamin zu Allmachtsfantasien führt, wissen wir. Man nennt es auch Grössenwahnsinn
Mir sind die beiden Frischvermählten jedenfalls sympathischer, auch wenn ihre Kritiker sagen, sie hätten aus egoistischen Gründen geklotzt, um sich nach zwei Jahren wieder scheiden zu lassen. Auf dieser Basis kann natürlich niemand glücklich werden. Wenn man einen Grad an Erfolg erreicht wie T & T, gibt es viele Menschen, denen man sich verpflichtet fühlt. Das haben sie und ihr Mann mit ihrer Feier ausgewiesen. Das Wesentliche hatten sie da längs hinter sich. Wir wünschen viel Glück!
Brennend heisse Grüsse,
Susanne
P.S. Beim nächsten Psychedelic Salon am 17. September ist eine Legende zu Gast: Dr. Luis Eduardo Luna! Nicht verpassen!
P.S.S. WIDE OPEN BOOKS – die gaiamedia-Sammlung bleibt im August geschlossen, ausser nach Vereinbarung @ Villa Mare, Neumünsterallee 21, 8008 Zürich. Neue Öffnungszeiten und weitere Veranstaltungen folgen.
