goodnews juli 2926 – editorial

Endzeit

Als ich in die Schweiz zog, stand die Welt kurz vor dem Untergang.

Im Sommer 1960 begaben sich Anhänger einer messianischen Figur, die sich Frère-et-Man nannte, auf Pilgerschaft zum Mont Blanc, der als weltweit einziger Ort verschont bleiben würde. Wie Sie wissen, ist daraus nichts geworden. Auch von all den nachfolgenden Ereignissen, die uns endlich von uns selbst befreien sollten, ist kaum etwas übrig geblieben. Das bedeutet, dass mehr als acht Milliarden von uns das Ende der Welt bisher überlebt haben.

Geniessen wir also lieber unsere Zeit im Hier und Jetzt, solange es geht. Verantwortungsbewusst, natürlich. Nostradamus glaubte, dass für uns 1969 alles vorbei sein würde. Wir mögen ihm ein gewisses Mass an Ungenauigkeit verzeihen, schliesslich stammen seine Prophezeiungen aus längst vergangenen Zeiten. Es war nicht der Halleysche Komet, und selbst das Ende des Maya-Kalenders hat uns nicht getilgt – abgesehen davon, dass sich die Zeiten seit der Jahrtausendwende stark verändert haben. Die Zeit verändert uns, ob wir wollen oder nicht, und schleudert uns durch den Weltraum auf unsere persönliche Endzeit zu.

Ich bleibe weiterhin zuversichtlich, dass wir auch die aktuellen Krisen überstehen werden. Dass wir gestärkt aus ihnen hervorgehen und auf eine grünere und friedlichere Zukunft zusteuern.

Und warum auch nicht? Wer soll uns schon aufhalten, wenn nicht wir selbst?

Heisse Sommergrüsse,
Susanne Seiler

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